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Nach dem Anschlag auf den Ber­li­ner CSD: Bun­des­ka­bi­nett beschließt 10-Punk­te-Plan gegen isla­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus

Innenminister Alexander Dobrindt und Justizministerin Stefanie Hubig legen zehn Maßnahmen vor: ein schärferes Terrorismusstrafrecht, intensivere Gefährderüberwachung, neue Instrumente gegen Terrorfinanzierung und einen Ausbau der Prävention. Der Plan im Wortlaut.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig bei der Pressekonferenz zum 10-Punkte-Plan gegen islamistischen Terrorismus«. (16. September 2026. Foto: BMI / Henning Schacht)

Inhaltsverzeichnis

Die Bun­des­re­gie­rung hat am 16. Sep­tem­ber 2026 einen Maß­nah­men­plan zum bes­se­ren Schutz vor isla­mis­ti­schem Ter­ro­ris­mus beschlos­sen. Der Plan reagiert auf den isla­mis­ti­schen Ter­ror­an­schlag auf den Chris­to­pher Street Day in Ber­lin am 25. Juli 2026. Vor­ge­legt wur­de er gemein­sam vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern und vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz.

Im Straf­recht sieht der Plan eine Erwei­te­rung des § 86 StGB auf aus­län­di­sche Ter­ror­grup­pen ohne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur in Deutsch­land vor, etwa den Isla­mi­schen Staat. Beson­ders gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zun­gen, ins­be­son­de­re mit Mes­sern, sol­len künf­tig als Ver­bre­chen mit einer Min­dest­frei­heits­stra­fe von einem Jahr ein­ge­stuft wer­den. Ein neu­er Straf­tat­be­stand soll das Sam­meln von Spen­den für ter­ro­ris­ti­sche Zwe­cke bereits erfas­sen, bevor Kon­tak­te zu ter­ro­ris­ti­schen Grup­pen bestehen. Im Jugend­straf­recht müs­sen Gerich­te die Anwen­dung auf Her­an­wach­sen­de künf­tig aus­drück­lich im Urteil begrün­den. Hin­zu kom­men ein ver­bes­ser­ter Infor­ma­ti­ons­fluss zwi­schen Sicher­heits­be­hör­den und Jus­tiz, eine inten­si­ve­re Nut­zung von elek­tro­ni­scher Fuß­fes­sel und Prä­ven­tiv­ge­wahr­sam, eine Offen­le­gungs­pflicht für aus­län­di­sche Zuwen­dun­gen an Aus­län­der­ver­ei­ne ab 10.000 Euro sowie ein Aus­bau von Prä­ven­ti­on und Dera­di­ka­li­sie­rung.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt:

»Der isla­mis­ti­sche Anschlag im Umfeld des CSD in Ber­lin hat Fol­gen:
Die Gefähr­der­über­wa­chung wird ver­stärkt, die Bewe­gungs­frei­heit ein­ge­schränkt, Mes­ser­at­ta­cken här­ter bestraft, die Finan­zie­rung der isla­mis­ti­schen Sze­ne ange­grif­fen. Mit umfas­sen­den Maß­nah­men des Ver­eins­rechts, mit erwei­ter­ten Befug­nis­sen der Ermitt­lungs­be­hör­den und kon­se­quen­te­rer Nut­zung der Fuß­fes­sel, här­ten wir unse­ren demo­kra­ti­schen Rechts­staat. Isla­mis­mus – und alle ande­ren For­men des Extre­mis­mus – wer­den kon­se­quent mit den Mit­teln des Rechts­staats bekämpft.«

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Dr. Ste­fa­nie Hubig:

»Der Anschlag auf den Ber­li­ner CSD hat erneut gezeigt: Isla­mis­ti­scher Ter­ro­ris­mus ist eine sehr erns­te Gefahr für unser Zusam­men­le­ben. Wir wer­den unse­ren Rechts­staat im Kampf gegen Extre­mis­ten und Ter­ro­ris­ten stär­ken. Dabei set­zen wir auf prä­zi­se Maß­nah­men – für effek­ti­ve Straf­ver­fol­gung und bes­se­re Prä­ven­ti­on. Wir wer­den das Ter­ro­ris­mus­straf­recht nach­schär­fen – damit die Ver­brei­tung von IS-Pro­pa­gan­da und das Spen­den­sam­meln für Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen wie die Hamas kon­se­quent ver­folgt wer­den kön­nen. Außer­dem wer­den wir gesetz­li­che Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen Sicher­heits­be­hör­den und Straf­jus­tiz bes­ser funk­tio­niert. Und wir wer­den das Jugend­straf­recht anpas­sen: Hier geht es ins­be­son­de­re um mehr Spe­zia­li­sie­rung im Umgang mit jugend­li­chen Gefähr­dern. Ich bin über­zeugt: Mit den 10 Maß­nah­men machen wir Deutsch­land siche­rer – ohne Abstri­che bei Rechts­staat­lich­keit, Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und heu­te schon bewähr­ten Instru­men­ten des Jugend­straf­rechts.«

Es folgt der 10-Punk­te-Plan im Wort­laut:

Sicher­heit stär­ken, Frei­heit bewah­ren, Radi­ka­li­sie­rung ver­hin­dern: 10-Punk­te-Plan für einen bes­se­ren Schutz vor isla­mis­ti­schem Ter­ro­ris­mus

Die letz­ten Wochen haben gezeigt: Unser Land befin­det sich im Faden­kreuz von Ter­ro­ris­ten und Extre­mis­ten. Sie for­dern das Sicher­heits­ver­spre­chen unse­res Staa­tes her­aus, sie bekämp­fen die Viel­falt, die unse­re Gesell­schaft aus­zeich­net, und sie leh­nen das frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Wer­te­fun­da­ment unse­res Lan­des ab. Das hat nicht zuletzt der isla­mis­ti­sche Ter­ror­an­schlag auf den Ber­li­ner CSD am 25. Juli 2026 offen­bart.

Dar­auf geben wir eine kla­re Ant­wort: Wir ver­tei­di­gen unse­re libe­ra­le und tole­ran­te Gesell­schaft und schüt­zen unse­re Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Wir stär­ken die inne­re Sicher­heit und ver­bes­sern den Schutz vor Ter­ro­ris­mus und Extre­mis­mus.

Dafür die­nen die fol­gen­den Maß­nah­men. Wir wer­den ter­ro­ris­ti­sche Taten kon­se­quen­ter bestra­fen, isla­mis­ti­sche Gefähr­der wirk­sa­mer über­wa­chen, Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung bekämp­fen und Radi­ka­li­sie­rung effek­ti­ver ver­hin­dern. Wir set­zen der Gewalt von Ter­ro­ris­ten die Kon­se­quenz unse­res Rechts­staats ent­ge­gen. 

Ter­ror­straf­ta­ten wirk­sa­mer ver­fol­gen und ahn­den.

1. Erwei­te­rung des Straf­tat­be­stands des Ver­brei­tens von Pro­pa­gan­da­mit­teln ver­fas­sungs­wid­ri­ger und ter­ro­ris­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen

Pro­pa­gan­da­mit­tel für ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen zu ver­brei­ten ist bereits heu­te von
§ 86 StGB erfasst, wenn die betref­fen­de Ver­ei­ni­gung auf der in § 86 Absatz 2 StGB bezeich­ne­ten Lis­te der EU auf­ge­führt ist. Bei ande­ren aus­län­di­schen Ter­ror­grup­pen ohne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur in Deutsch­land, wie etwa dem Isla­mi­schen Staat, gegen die ein ver­wal­tungs­recht­lich unan­fecht­ba­res Betä­ti­gungs­ver­bot besteht, grei­fen bis­lang nur die weni­ger stren­gen Rege­lun­gen des Ver­eins­ge­set­zes. Wir wer­den den Straf­tat­be­stand des
§ 86 StGB des­halb auf die­se Kon­stel­la­tio­nen erstre­cken.

2. Hoch­stu­fung beson­ders gefähr­li­cher, ins­be­son­de­re mit Mes­sern began­ge­ner Kör­per­ver­let­zun­gen zu Ver­bre­chen

Immer wie­der ver­wen­den isla­mis­ti­sche Gefähr­der bei ihren Taten Waf­fen oder ande­re gefähr­li­che Werk­zeu­ge wie Mes­ser. Dies wird künf­tig här­ter bestraft, wenn sie das Opfer durch eine gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung in die Gefahr des Todes oder einer schwe­ren Gesund­heits­schä­di­gung brin­gen, was ins­be­son­de­re bei der Ver­wen­dung gefähr­li­cher Werk­zeu­ge wie bei­spiels­wei­se Mes­sern der Fall sein kann. Mit einer Min­dest­frei­heits­stra­fe von einem Jahr wer­den sol­che Taten künf­tig als Ver­bre­chen ein­ge­stuft.

3. Not­wen­di­ge Anpas­sun­gen des Jugend­ge­richts­ge­set­zes zügig ange­hen

Her­an­wach­sen­de Straf­tä­ter müs­sen alters- und rei­fe­an­ge­mes­sen bestraft wer­den. Es ist Auf­ga­be der Jus­tiz, in jedem Ein­zel­fall sorg­fäl­tig zu ent­schei­den, ob bei einem her­an­wach­sen­den Ange­klag­ten Erwach­se­nen- oder Jugend­straf­recht anzu­wen­den ist. Mit sei­nem brei­ten Instru­men­ta­ri­um hat sich das Jugend­straf­recht in der Pra­xis grund­sätz­lich bewährt – zugleich erken­nen wir punk­tu­ell gesetz­ge­be­ri­schen Hand­lungs­be­darf und wer­den daher fol­gen­de Anpas­sun­gen des Jugend­ge­richts­ge­set­zes zügig ange­hen:

  • Wir wer­den die Vor­aus­set­zun­gen der „Vor­be­wäh­rung“ nach­schär­fen und hier­zu das Sicher­heits­in­ter­es­se der All­ge­mein­heit aus­drück­lich im Gesetz ver­an­kern. Eine nach­träg­li­che Ent­schei­dung über die Aus­set­zung der Jugend­stra­fe zur Bewäh­rung darf nur dann vor­be­hal­ten wer­den, wenn das Sicher­heits­in­ter­es­se der All­ge­mein­heit dem nicht ent­ge­gen­steht.
  • Zudem wer­den wir aus­drück­lich regeln, dass künf­tig bei Anwen­dung des Jugend­straf­rechts auf Her­an­wach­sen­de die dafür bestim­men­den Umstän­de aus­drück­lich im Urteil durch das Gericht dar­zu­le­gen und zu begrün­den sind.
  • Wir wer­den die jugend­ge­richt­li­chen Hand­lungs­mög­lich­kei­ten vor Rechts­kraft eines Urteils erwei­tern. Vor­läu­fi­ge Anord­nun­gen über die Erzie­hung, wie bei­spiels­wei­se die Unter­brin­gung in einem Heim der Jugend­hil­fe oder die Teil­nah­me an einem De-Radi­ka­li­sie­rungs­kurs, kön­nen bis­lang nur bei Jugend­li­chen getrof­fen wer­den. Bei Her­an­wach­sen­den besteht die­se Mög­lich­keit nicht. Die­se Lücke wol­len wir schlie­ßen, sodass die Gerich­te bei einem ent­spre­chen­den Bedarf auch bei Her­an­wach­sen­den noch vor Rechts­kraft eines Urteils not­wen­di­ge vor­läu­fi­ge Maß­nah­men ergrei­fen kön­nen.
  • Schließ­lich wer­den wir staats­schutz­recht­li­che Kom­pe­tenz bei spe­zia­li­sier­ten Jugend­schöf­fen­ge­rich­ten bün­deln, indem wir die für die Lan­des­re­gie­run­gen bestehen­de Mög­lich­keit zur Ein­rich­tung eines gemein­sa­men Jugend­schöf­fen­ge­richts erwei­tern: Zukünf­tig soll es den Lan­des­re­gie­run­gen mög­lich sein, ein spe­zia­li­sier­tes Jugend­schöf­fen­ge­richt für den gesam­ten Ober­lan­des­ge­richts­be­zirk ein­zu­rich­ten, das für alle Staats­schutz­sa­chen gegen Jugend­li­che und Her­an­wach­sen­de zustän­dig ist. Zugleich spe­zia­li­sie­ren wir auch die Jugend­kam­mern – in der Beru­fungs­in­stanz und erst­in­stanz­lich. Indem wir die Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über das Rechts­mit­tel der Beru­fung gegen Urtei­le in Staats­schutz­sa­chen bei einer Jugend­kam­mer des OLG-Bezirks kon­zen­trie­ren, stär­ken wir dort die staats­schutz­recht­li­che Kom­pe­tenz. Die­se spe­zia­li­sier­te Jugend­kam­mer soll auch in ers­ter Instanz zustän­dig sein, wenn eine höhe­re Stra­fe als fünf Jah­re Jugend­stra­fe zu erwar­ten ist.

4. Stär­ke­re Berück­sich­ti­gung von Sicher­heits­in­ter­es­sen bei Bewäh­rungs­ent­schei­dun­gen

Künf­tig muss das Gericht bei einer Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung ab einer Frei­heits­stra­fe von min­des­tens sechs Mona­ten aus­drück­lich auch das Sicher­heits­in­ter­es­se der All­ge­mein­heit berück­sich­ti­gen, nicht nur die Ver­tei­di­gung der Rechts­ord­nung. Denn wir sind einig: jede Bewäh­rungs­ent­schei­dung muss die Sicher­heits­in­ter­es­sen der Bevöl­ke­rung mit­den­ken – nicht nur, aber ins­be­son­de­re dann, wenn Staats­schutz­de­lik­te im Raum ste­hen.

5. Gewähr­leis­tung des Infor­ma­ti­ons­flus­ses zwi­schen Sicher­heits- und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den, Gerich­ten und Jus­tiz­voll­zugs­an­stal­ten

Wir sor­gen dafür, dass die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den bei ter­ro­ris­ti­schen und extre­mis­ti­schen Straf­ta­ten gefah­ren­ab­wehr­recht­li­che Erkennt­nis­se her­an­zie­hen und erhal­ten und den Jus­tiz­be­hör­den in Straf­ver­fah­ren damit alle rele­van­ten Infor­ma­tio­nen auch zu den Gefähr­dungs­ein­schät­zun­gen der Sicher­heits­be­hör­den zur Ver­fü­gung ste­hen und von die­sen berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Wir sor­gen dafür, dass Voll­zugs­an­stal­ten von Unter­su­chungs­haft dem Gericht und der Staats­an­walt­schaft auch Erkennt­nis­se über erkenn­ba­re Radi­ka­li­sie­rungs­ten­den­zen des Beschul­dig­ten in der Haft mit­tei­len müs­sen. Damit wird gewähr­leis­tet, dass dem Gericht die­se Infor­ma­tio­nen im Fal­le einer Ent­schei­dung über eine Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung vor­lie­gen.

Gefähr­der bes­ser über­wa­chen.

6. Befug­nis zur Siche­rung von Ver­kehrs­da­ten auch für die Län­der­po­li­zei­en

Ange­sichts der Bedeu­tung von Ver­kehrs­da­ten für die früh­zei­ti­ge Ermitt­lung und Auf­klä­rung von Gefähr­dun­gen, für das Auf­de­cken von Zusam­men­hän­gen und die Ein­lei­tung not­wen­di­ger Maß­nah­men sol­len auch die Län­der befugt wer­den, im Ein­zel­fall rele­van­te Ver­kehrs­da­ten sichern zu las­sen, um deren Ver­lust zu ver­hin­dern und eine spä­te­re Erhe­bung zu ermög­li­chen.

7. Ein­heit­li­che Stan­dards für die elek­tro­ni­sche Fuß­fes­sel und Prä­ven­tiv­ge­wahr­sam im Bund und in den Län­dern

Wir hal­ten ins­be­son­de­re die prä­ven­tiv-poli­zei­li­che Anord­nung der elek­tro­ni­schen Fuß­fes­sel und von Prä­ven­tiv­ge­wahr­sam für wich­ti­ge Instru­men­te, um Gefähr­der zu beob­ach­ten und Ter­ror­an­schlä­ge abzu­wen­den.

Wir erwar­ten, dass im Gefähr­der­be­reich von den bestehen­den Mög­lich­kei­ten zur Anord­nung der Fuß­fes­sel deut­lich inten­si­ver Gebrauch gemacht wird. Die Fuß­fes­sel soll bei Gefähr­dern regel­mä­ßig zur Anwen­dung kom­men, es sei denn, dass im Ein­zel­fall allein ver­deck­te Über­wa­chungs­maß­nah­men vor­zugs­wür­dig sind.

Im Bereich des Prä­ven­tiv­ge­wahr­sams set­zen wir uns für ein­heit­li­che, effek­ti­ve Stan­dards in Bund und Län­dern ein. Die recht­li­chen Grund­la­gen müs­sen dabei hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen und der Dau­er einen wirk­sa­men Schutz der Bevöl­ke­rung vor Gefähr­dern ermög­li­chen. Wir erwar­ten, dass Prä­ven­tiv­ge­wahr­sam gera­de bei Gefähr­dern stär­ker zur Gefah­ren­ab­wehr her­an­ge­zo­gen wird.

Geziel­ter gegen die Finan­zie­rung der isla­mis­ti­schen Sze­ne vor­ge­hen.

8. Ver­stärk­te Straf­ver­fol­gung von Unter­stüt­zern und Finan­zie­rern von Ter­ror­grup­pen sowie Offen­le­gungs­pflicht finan­zi­el­ler Zuwen­dun­gen aus dem Aus­land

Wir wer­den einen neu­en Straf­tat­be­stand für Spen­den­samm­ler schaf­fen und die Abschöp­fung von Spen­den­gel­dern für ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen erleich­tern. Die Unter­stüt­zung von ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen ist bereits heu­te mit Frei­heits­stra­fe bis zu zehn Jah­ren bedroht. Straf­bar sind ins­be­son­de­re das Sam­meln und Wei­ter­lei­ten von Spen­den für ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gun­gen. Dabei muss der Täter aber schon Kon­tak­te zu einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung haben. Wer Spen­den für ter­ro­ris­ti­sche Zwe­cke sam­melt, soll sich zukünf­tig schon straf­bar machen, bevor Kon­tak­te zu ter­ro­ris­ti­schen Grup­pen auf-genom­men oder Gel­der wei­ter­ge­lei­tet wer­den.

Bei aus­lands­be­zo­ge­nem Extre­mis­mus und Spio­na­ge spielt die aus­län­di­sche Finan­zie­rung eine zen­tra­le Rol­le. Des­halb haben wir einen Gesetz­ent­wurf zur Reform des Ver­eins­ge­set­zes vor­ge­legt, der Aus­län­der­ver­ei­ne künf­tig ver­pflich­tet, aus­län­di­sche finan­zi­el­le Zuwen­dun­gen über 10.000 Euro offen­zu­le­gen. Der Gesetz­ent­wurf muss jetzt rasch im Bun­des­tag bera­ten und ver­ab­schie­det wer­den, damit ver­deck­te Finan­zie­rungs­me­tho­den wie das soge­nann­te „Hawala”-Banking oder nicht regis­trier­te Bar­spen­den geziel­ter bekämpft wer­den kön­nen.

Prä­ven­ti­on stär­ken und Dera­di­ka­li­sie­rung effek­ti­ver gestal­ten.

9. Stär­kung der Prä­ven­ti­on

Radi­ka­li­sie­rung fin­det immer häu­fi­ger im digi­ta­len Raum statt. Des­halb wol­len wir uns für eine stär­ke­re Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me der Platt­for­men für extre­mis­ti­sche Inhal­te und ins­be­son­de­re für die Rechts­durch­set­zung gegen­über Anbie­tern mit Sitz im Aus­land ein­set­zen.

Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on umfasst unter ande­rem Bil­dungs­ar­beit, sozia­le Prä­ven­ti­on in mus­li­mi­schen Com­mu­ni­ties und die För­de­rung eines demo­kra­ti­schen Wer­te­ver­ständ­nis­ses. Wir wer­den die bestehen­den Prä­ven­ti­ons­pro­gram­me im Bereich Bil­dung und Digi­ta­les um wei­te­re Maß­nah­men ergän­zen. Dabei brau­chen wir gera­de auch mus­li­mi­sche Akteu­re als Part­ner der Prä­ven­ti­ons­ar­beit. Es ist uns wich­tig, digi­ta­le Gegen- und Alter­na­tiv­an­ge­bo­te zu eta­blie­ren, die gera­de jun­ge Men­schen als demo­kra­ti­sche Akteu­re mit dem Bedürf­nis nach Ori­en­tie­rung und Zuge­hö­rig­keit anspre­chen. Hier­zu wer­den wir über die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung auf eige­ne digi­ta­le Ange­bo­te set­zen und dar­über hin­aus z.B. das Digi­tal Street­work in der Inte­gra­ti­ons­ar­beit stär­ken. Im Bun­des­pro­gramm „Demo­kra­tie leben!“ wer­den wir im The­men­feld Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on phä­no­men­über­grei­fend die Pro­gramm­ebe­ne Digi­ta­ler Raum sowie die Kom­mu­na­len Part­ner­schaf­ten für Demo­kra­tie stär­ken.

Wir wer­den einen gemein­sa­men Bund-Län­der-Akti­ons­plan Isla­mis­mus­be­kämp­fung erar­bei­ten, um die Isla­mis­mus­be­kämp­fung von Bund und Län­dern wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und an die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen anzu­pas­sen.

10. Effek­ti­ve­re Dera­di­ka­li­sie­rung

Wir­kungs­vol­le Bemü­hun­gen um Dera­di­ka­li­sie­run­gen sind ein zen­tra­ler Bau­stein bei der Prä­ven­ti­on extre­mis­ti­scher Gewalt. Um die Qua­li­tät und damit die Wirk­sam­keit die­ser Maß­nah­men im Rah­men einer Qua­li­täts­si­che­rung wei­ter zu ver­bes­sern, wer­den wir die in die­sem Bereich bestehen­den Pro­gram­me im Zusam­men­wir­ken mit den Län­dern eva­lu­ie­ren.

Wir stär­ken den Wis­sens­trans­fer zwi­schen Bund, Län­dern, Kom­mu­nen und Prä­ven­ti­ons­pra­xis. Wir befür­wor­ten ins­be­son­de­re die Ein­rich­tung von Fach- und Koor­di­nie­rungs­stel­len als Kon­takt­punk­te für alle betei­lig­ten Akteu­re (Sicher­heits­be­hör­den, Jugend­äm­ter, Bewäh­rungs­hil­fe, Trä­ger der Dera­di­ka­li­sie­rungs- und Aus­stiegs­ar­beit, Psy­cho­lo­gi­sches Fach­per­so­nal, Lan­des-Demo­kra­tie­zen­tren etc.) auf Län­der­ebe­ne, so dass Maß­nah­men ganz­heit­li­cher, effi­zi­en­ter und effek­ti­ver koor­di­niert und durch­ge­führt wer­den. Wir bau­en bestehen­de Schu­lungs­an­ge­bo­te für Aus­stiegs­be­ra­ter und Sicher­heits­be­hör­den zum The­ma „Rechts­si­che­rer Infor­ma­ti­ons­aus­tausch“ aus und stär­ken dabei die Rol­le des Kom­pe­tenz­zen­trums des Bun­des für Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Dera­di­ka­li­sie­rung (KID) des BAMF als bun­des­wei­te Fach- und Unter­stüt­zungs­struk­tur.


Quel­le: Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (16. Sep­tem­ber 2026): Sicher­heit stär­ken, Frei­heit bewah­ren, Radi­ka­li­sie­rung ver­hin­dern. Bun­des­ka­bi­nett beschließt Maß­nah­men­plan zu einem bes­se­ren Schutz vor isla­mis­ti­schem Ter­ro­ris­mus. Online ver­füg­bar unter: LINK