Ver­net­zung zwi­schen pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Extre­mis­ten, Links­extre­mis­ten und Isla­mis­ten: neu­er BfV-Sach­stand

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat am 12. Mai 2026 einen Sachstand über die verschiedenen extremistischen Spektren im Kontext der »Palästina-Solidarität« veröffentlicht. Israelhass und Antisemitismus fungieren laut BfV als »Brückennarrativ« zwischen islamistischen, linksextremistischen und weiteren extremistischen Akteuren.

Der BfV-Sach­stand beschreibt die pro­pa­läs­ti­nen­si­sche Sze­ne in Deutsch­land als mobi­li­sie­rungs­fä­hig – auch jen­seits fes­ter Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren. Sicht­bar wer­de die­ses Poten­zi­al regel­mä­ßig bei wie­der­keh­ren­den Pro­test­an­läs­sen wie dem »al-Quds-Tag«, dem »Nak­ba-Tag« oder dem »Tag der paläs­ti­nen­si­schen Gefan­ge­nen«, aber auch bei spon­ta­nen Reak­tio­nen auf aktu­el­le Ent­wick­lun­gen im Nahen Osten. Als beson­de­rer Pro­test­schwer­punkt erscheint Ber­lin. Dort ver­dich­ten sich nach dem 7. Okto­ber 2023 pro­pa­läs­ti­nen­si­sche Mobi­li­sie­rung, anti­se­mi­ti­sche Agi­ta­ti­on und extre­mis­ti­sche Ver­net­zung.

Der Ver­fas­sungs­schutz beschreibt zudem aus­führ­lich die Sym­bo­lik, Nar­ra­ti­ve und Radi­ka­li­sie­rungs­dy­na­mi­ken der Sze­ne. Genannt wer­den unter ande­rem das »HAMAS-Drei­eck«, die Figur »Hand­ala«, die Was­ser­me­lo­nen-Sym­bo­lik sowie Paro­len wie »From the river to the sea«, »Yal­la Yal­la Inti­fa­da« oder »Baby-Mör­der Isra­el«. Die­se Aus­drucks­for­men kön­nen laut BfV anti­se­mi­ti­sche, isra­el­feind­li­che oder gewalt­le­gi­ti­mie­ren­de Bot­schaf­ten trans­por­tie­ren und die­nen inner­halb der Pro­test­sze­ne als iden­ti­täts­stif­ten­de und mobi­li­sie­ren­de Ele­men­te.

Dabei beschränkt sich die Sze­ne nicht auf bestehen­de Orga­ni­sa­tio­nen. Viel­mehr tre­ten extre­mis­ti­sche Akteu­re in agi­len Kon­stel­la­tio­nen als Anmel­der, Orga­ni­sa­to­ren, Red­ner oder prä­gen­de Teil­neh­mer auf Ver­an­stal­tun­gen auf. Beson­ders in Ber­lin habe sich ein har­ter Kern her­aus­ge­bil­det, der Pro­tes­te emo­tio­na­li­siert und gezielt zuguns­ten extre­mis­ti­scher Bestre­bun­gen eska­lie­ren las­sen wol­le. Die­ser Kon­text bil­det den Hin­ter­grund für den fol­gen­den Aus­zug zur Ver­net­zung zwi­schen pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Extre­mis­ten, Links­extre­mis­ten und Isla­mis­ten:

Ver­net­zung zwi­schen pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Extre­mis­ten, Links­extre­mis­ten und Isla­mis­ten

»Die Feind­schaft gegen­über Isra­el und ein teil­wei­se offen gezeig­ter Anti­se­mi­tis­mus, ver­eint die ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen, Bewe­gun­gen und Netz­wer­ke des pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Extre­mis­mus. Isra­el­hass und Anti­se­mi­tis­mus die­nen als Brü­cken­n­ar­ra­tiv zwi­schen den ver­schie­de­nen extre­mis­ti­schen Spek­tren, Ideo­lo­gien und Grup­pie­run­gen. Dies gilt für isla­mis­ti­sche Paläs­ti­nen­ser­or­ga­ni­sa­tio­nen, deut­sche sowie tür­ki­sche Links­extre­mis­ten, aber auch für tür­ki­sche Rechts­extre­mis­ten.

Säku­la­re pro­pa­läs­ti­nen­si­sche Extre­mis­ten üben dabei eine Schar­nier­funk­ti­on zu den ein­zel­nen extre­mis­ti­schen Spek­tren aus. Sie schaf­fen ideo­lo­gi­sche Anknüp­fungs­punk­te zwi­schen isla­mis­ti­schen und links­extre­mis­ti­schen Nar­ra­ti­ven und bil­den neue Netz­wer­ke. Dabei nut­zen sie die huma­ni­tär pre­kä­re Situa­ti­on im Gaza­strei­fen und im West­jor­dan­land aus, um pro­pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­test­ver­an­stal­tun­gen für diver­se poli­ti­sche Strö­mun­gen, aber auch für die Zivil­ge­sell­schaft anschluss­fä­hig zu machen. Das Bild der ein­sei­tig durch Isra­el unter­drück­ten paläs­ti­nen­si­schen Inter­es­sen dient dabei eben­falls als Brü­cken­n­ar­ra­tiv und trägt zur Mobi­li­sie­rung und Emo­tio­na­li­sie­rung bei.

Zuletzt hat sich die Zusam­men­ar­beit mit deut­schen Links­extre­mis­ten immer wei­ter inten­si­viert, auch durch gemein­sam orga­ni­sier­te Demons­tra­tio­nen und Ver­an­stal­tun­gen. Die enge Zusam­men­ar­beit hat dazu geführt, dass sich ins­be­son­de­re über die sozia­len Medi­en ein gemein­sa­mer Reso­nanz­raum für isra­el­feind­li­che Pro­pa­gan­da und Agi­ta­ti­on gebil­det hat. Auch tür­ki­sche Links­extre­mis­ten – ins­be­son­de­re ›Young Strugg­le‹ (YS), die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der tür­ki­schen links­extre­mis­ti­schen ›Mar­xis­ti­schen Leni­nis­ti­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei‹ (MLKP) – betei­li­gen sich an pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Pro­tes­ten. Hier lässt sich eine zuneh­men­de Radi­ka­li­sie­rung bei Anhän­gern der Grup­pe fest­stel­len.

Die Zusam­men­ar­beit der ver­schie­de­nen extre­mis­ti­schen Spek­tren im Kon­text der ›Paläs­ti­na-Soli­da­ri­tät‹ nach dem 7. Okto­ber 2023 hat sich ins­ge­samt inten­si­viert, ver­ste­tigt und deut­lich ver­fes­tigt. Unter ande­rem hat­ten sich Links­extre­mis­ten schon vor dem Ter­ror­an­griff der HAMAS auf Isra­el an schwer­punkt­mä­ßig in Ber­lin durch­ge­führ­ten pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Demons­tra­tio­nen betei­ligt. So nah­men sie regel­mä­ßig an den Demons­tra­tio­nen zum ›Nakba‹-Tag und – zuletzt im Jahr 2025 – an der Demons­tra­ti­on zum (zwei­ten) Jah­res­tag des Ter­ror­an­griffs teil. Umge­kehrt nah­men in den letz­ten Jah­ren auch Akteu­re aus dem pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Spek­trum an dem Demons­tra­ti­ons­ge­sche­hen zum ›Revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai‹ in Ber­lin mit einem ›Paläs­ti­na-Block‹ teil.

Bereits vor dem 7. Okto­ber 2023 waren – wenn auch in nicht so aus­ge­präg­ter Form – Ver­net­zungs­be­stre­bun­gen zwi­schen den genann­ten extre­mis­ti­schen Strö­mun­gen fest­zu­stel­len. Das gemein­sa­me Feind­bild Isra­el lässt alte Ver­bin­dun­gen zu Tage tre­ten und bringt neue her­vor. Vor allem für dog­ma­ti­sche Links­extre­mis­ten stellt die Paläs­ti­na­so­li­da­ri­tät ein zen­tra­les und ver­bin­den­des Betä­ti­gungs­feld dar. Dar­über hin­aus konn­ten eini­ge Grup­pie­run­gen wie zum Bei­spiel YS eine brei­te­re Anhän­ger­schaft und Ver­net­zungs­struk­tu­ren auf­bau­en.«

  • Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV): »Säku­la­rer pro­pa­läs­ti­nen­si­scher Extre­mis­mus«, Online-Dos­sier, ver­öf­fent­licht am 12. Mai 2026, LINK (archi­viert)