BMI rich­tet »Bera­ter­kreis Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung« als stän­di­ges Gre­mi­um ein

Das Bundesinnenministerium (BMI) hat am 21. November 2025 einen weiteren Baustein der Strategie zur Bekämpfung des Islamismus in Deutschland vorgestellt: ein breit aufgestellter Beraterkreis soll den im Koalitionsvertrag vereinbarten Bund-Länder-Aktionsplan erarbeiten und den legalistischen Islamismus sowie den ideologischen Nährboden islamistischer Radikalisierung stärker in den Blick nehmen.
Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär bei dem Bundesminister des Innern (BMI), am 9. Juli 2025 im Gespräch in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee (Bild: AK Polis)

Der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär Chris­toph de Vries erklär­te, die bis­he­ri­ge Task Force Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on wer­de inhalt­lich wei­ter­ent­wi­ckelt und per­so­nell neu auf­ge­stellt. Das neue Gre­mi­um trägt den Namen »Bera­ter­kreis Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung« und sol­le ein deut­lich brei­te­res The­men­spek­trum abde­cken als sei­ne Vor­gän­ge­rin.

Zen­tra­le Auf­ga­be des Krei­ses sei die Erar­bei­tung eines Bund-Län­der-Akti­ons­plans Isla­mis­mus­be­kämp­fung, wie es der Koali­ti­ons­ver­trag vor­sieht. De Vries beton­te, der Isla­mis­mus stel­le eine Bedro­hung für die frei­heit­li­che Demo­kra­tie und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt dar und wir­ke als Trei­ber für Des­in­te­gra­ti­on. Dies zeig­ten nicht nur die zahl­rei­chen voll­ende­ten und ver­ei­tel­ten isla­mis­ti­schen Ter­ror­an­schlä­ge des letz­ten Jah­res, son­dern auch die zuneh­men­de Radi­ka­li­sie­rung im digi­ta­len Raum, die Ver­brei­tung isla­mis­ti­scher Nar­ra­ti­ve sowie isla­mis­ti­sche Ein­flüs­se an Schu­len und Hoch­schu­len – etwa in Form von reli­giö­sem Mob­bing, strik­ter Geschlech­ter­tren­nung und Kali­fats­de­mos mit tau­sen­den Teil­neh­mern.

Der Staats­se­kre­tär erklär­te, man müs­se den Blick künf­tig stär­ker auf den ideo­lo­gi­schen Nähr­bo­den des Isla­mis­mus rich­ten. Neben repres­si­ven Maß­nah­men wie Ver­eins­ver­bo­ten brau­che es einen ganz­heit­li­chen poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ansatz, der bis­lang feh­le. Ziel sei es, gesell­schaft­lich-prä­ven­ti­ve Stra­te­gien unter Ein­be­zie­hung wis­sen­schaft­li­cher, prak­ti­scher und sicher­heits­be­hörd­li­cher Exper­ti­se zu ent­wi­ckeln und isla­mis­ti­sche Struk­tu­ren, Akti­vi­tä­ten und Ein­flüs­se sys­te­ma­tisch dar­zu­stel­len.

De Vries dank­te den bis­he­ri­gen Mit­glie­dern der Task Force für ihre Arbeit und gab zugleich die neue Beset­zung des Bera­ter­krei­ses bekannt. Der Bera­ter­kreis besteht aus den fol­gen­den 15 Per­so­nen:

Bereich Wis­sen­schaft und For­schung

  • Prof. Dr. Chris­ti­ne Schirr­ma­cher, Uni­ver­si­tät Bonn und Leu­ven
  • Prof. Dr. Mouha­nad Khor­chi­de, Uni­ver­si­tät Müns­ter
  • Prof. Dr. Ruud Koop­mans, Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin
  • Prof. Dr. Kyrill-Alex­an­der Schwarz, Uni­ver­si­tät Würz­burg

Bereich Pra­xis, Prä­ven­ti­on, Dera­di­ka­li­sie­rung und Inte­gra­ti­on

  • Güner Bal­ci, Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te des Bezirks Neu­kölln
  • Gül­den Hen­ne­mann, Jus­tiz Bay­ern
  • Ahmad Man­sour, Psy­cho­lo­ge, Geschäfts­füh­rer der Man­sour-Initia­ti­ve für Demo­kra­tie­för­de­rung und Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on (MIND)
  • Ali Ertan Toprak, Bun­des­vor­sit­zen­der der Kur­di­schen Gemein­schaft Deutsch­land e.V.
  • Dr. Hans-Jakob Schind­ler, Coun­ter Extre­mism Pro­ject (CEP Ger­ma­ny), ehe­ma­li­ger Koor­di­na­tor des VN-ISIL-/Al-Qai­da-Moni­to­ring Teams
  • Rebec­ca Schö­nen­bach, unab­hän­gi­ge Bera­te­rin im Bereich Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung und Extre­mis­mus­fi­nan­zie­rung

Bereich Sicher­heits­be­hör­den (Bund und Län­der)

  • Flo­ri­an End­res, Lei­ter des Kom­pe­tenz­zen­trums Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Dera­di­ka­li­sie­rung im BAMF
  • Alad­din Sar­han, Lan­des­kri­mi­nal­amt Rhein­land-Pfalz
  • Fal­ko Liecke, Staats­se­kre­tär für Jugend und Fami­lie in Ber­lin
  • Dr. Nina Dier­kes, Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz
  • Lars Rück­heim, Bun­des­kri­mi­nal­amt

Dem Gre­mi­um wird ein Len­kungs­kreis aus dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um vor­ste­hen, wel­cher von Staats­se­kre­tär Chris­toph de Vries gelei­tet wird. Er sagt:

»Die Reli­gi­ons­frei­heit wie auch die Frei­heit zur Reli­gi­ons­kri­tik sind hohe Güter, die es zu bewah­ren gilt. Dazu gehört auch, sie vor jenen zu schüt­zen, die sie für poli­ti­sche Zwe­cke und Ideo­lo­gien miss­brau­chen, indem sie sich gegen ande­re Reli­gio­nen und unse­re frei­heit­li­che Gesell­schafts­ord­nung rich­ten.

Ter­ror­an­schlä­ge, Online-Radi­ka­li­sie­rung, reli­giö­ses Mob­bing an Schu­len, strik­te Geschlech­ter­tren­nung an Hoch­schu­len und Kali­fats­de­mons­tra­tio­nen auf unse­ren Stra­ßen sind unüber­seh­ba­re Zei­chen einer isla­mis­ti­schen Pola­ri­sie­rung und Radi­ka­li­sie­rung in Deutsch­land. Der Isla­mis­mus ist eine gro­ße Gefahr für unse­re frei­heit­li­che Demo­kra­tie und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt in unse­rem Land. Die größ­te Gefahr ist nicht die Gewalt allein, son­dern das schlei­chen­de Gift der Ideo­lo­gie. Isla­mis­ten – gleich­wohl ob sie gewalt­be­reit sind, oder kei­ne Gewalt aus­üben – muss mit glei­cher Ableh­nung begeg­net wer­den, wie den poli­ti­schen Extre­mis­ten von links und rechts. Unse­re Bot­schaft ist klar: Wir tre­ten allen ver­fas­sungs­feind­li­chen Bestre­bun­gen mit der­sel­ben Ent­schlos­sen­heit und Kon­se­quenz ent­ge­gen.

Ins­be­son­de­re der nicht gewalt­sam agie­ren­de Isla­mis­mus wur­de lan­ge Zeit unter­schätzt – nicht zuletzt durch das geschick­te Agie­ren sei­ner Ver­tre­ter.  Die Neu­be­set­zung und Neu­aus­rich­tung des Gre­mi­ums ist der ers­te wich­ti­ge Schritt, dies nun zu ändern.

Ich bin dank­bar, dass sich 15 Exper­ten aus Wis­sen­schaft, Pra­xis und Behör­den von Bund und Län­dern bereit erklärt haben, im Bera­ter­kreis Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung mit­zu­wir­ken und einen Bund-Län­der-Akti­ons­plan zu erar­bei­ten. Die­ser soll einen ganz­heit­lich stra­te­gi­schen Ansatz ver­fol­gen und kon­kre­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen in The­men­fel­dern wie Prä­ven­ti­on und Repres­si­on im digi­ta­len Raum, Auf­klä­rung und Sen­si­bi­li­sie­rung ins­be­son­de­re öffent­li­cher Stel­len, Isla­mis­mus­fi­nan­zie­rung und aus­län­di­sche Ein­fluss­nah­me, wis­sen­schaft­li­che Grund­la­gen­for­schung zum The­ma Isla­mis­mus, För­de­rung der Errich­tung von Lehr­stüh­len, Radi­ka­li­sie­rung und reli­giö­ses Mob­bing an Schu­len und isla­mis­ti­scher Anti­se­mi­tis­mus, evi­denz­ba­sier­te Erfolgs- und Wirk­sam­keits­kon­trol­le von geför­der­ten Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men sowie Errich­tung einer Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam beinhal­ten.«