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»Demo­kra­tie-unter­wan­dern­der Isla­mis­mus«: Ein­ord­nung eines neu­en Begriffs aus dem Bran­den­bur­ger Ver­fas­sungs­schutz

Der Verfassungsschutzbericht 2025 des Landes Brandenburg, vorgelegt im Juni 2026, führt mit dem »demokratie-unterwandernden Islamismus« eine Bezeichnung ein, die in dieser Kombination neu ist. Die Behörde beschreibt damit die Methode der Unterwanderung und benennt die ihr zugeordneten Strukturen. Dieser Artikel dokumentiert die zentrale Passage im Wortlaut und ordnet sie begriffsgeschichtlich sowie sicherheitspolitisch ein.

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Der Wort­laut

»Akteu­re des demo­kra­tie-unter­wan­dern­den Isla­mis­mus han­deln sub­til und inner­halb der bestehen­den Rechts­ord­nung. Sie nut­zen die Frei­hei­ten einer libe­ra­len Demo­kra­tie (Versammlungs‑, Religions‑, Ver­ei­ni­gungs­frei­heit), um ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le zu ver­fol­gen. Sie ver­mei­den offe­ne Kri­tik am Sys­tem, um Aus­gren­zung zu ent­ge­hen, und set­zen demo­kra­ti­sche Frei­hei­ten stra­te­gisch ein. Das Ziel ist die schritt­wei­se Eta­blie­rung einer demo­kra­tie­feind­li­chen Gesell­schafts­ord­nung, die auf der Scha­ria basiert, wobei die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung Deutsch­lands abge­lehnt und lang­fris­tig über­wun­den wer­den soll. Die wah­ren, oft extre­mis­ti­schen Zie­le blei­ben ver­bor­gen, weil man nach außen hin mode­rat wirkt und Dia­log­be­reit­schaft vor­gibt. Nach innen jedoch dul­den und befür­wor­ten deren Akteu­re teil­wei­se Gewalt gegen ›Ungläu­bi­ge‹, ›Abtrün­ni­ge‹ (Mus­li­me, die als nicht recht­gläu­big genug ange­se­hen wer­den) und Reprä­sen­tan­ten west­li­cher Staa­ten oder loka­ler ›feind­li­cher‹ Regime.

Die ›Unter­wan­de­rung‹ fin­det auf ver­schie­de­nen Ebe­nen statt:

– Zivil­ge­sell­schaft­li­che Arbeit: Auf­bau von Ver­ei­nen, eige­nen Moschee­ge­mein­den, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, Nach­hil­fe­an­ge­bo­ten und kari­ta­ti­ven Orga­ni­sa­tio­nen. Die­se die­nen als Anlauf­stel­len, um neue Anhän­ger zu gewin­nen und das eige­ne Netz­werk zu stär­ken.

– Mis­sio­nie­rung (Dawa): Geziel­te Ver­brei­tung der isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gie, oft unter dem Deck­man­tel der rei­nen Reli­gi­ons­aus­übung oder der sozia­len und kari­ta­ti­ven Hil­fe.

– Poli­ti­scher Ein­fluss: Ver­such, über Lob­by­ar­beit, die Ein­fluss­nah­me auf poli­ti­sche Par­tei­en oder die Beset­zung rele­van­ter Posi­tio­nen in gesell­schaft­li­chen Gre­mi­en (z. B. Inte­gra­ti­ons­rä­te, Eltern­ver­tre­tun­gen) poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen im Sin­ne der eige­nen Ideo­lo­gie zu beein­flus­sen.

– Dis­kurs­ver­schie­bung: Akti­ves Ein­brin­gen isla­mis­ti­scher Posi­tio­nen in öffent­li­che Debat­ten (z. B. über Femi­nis­mus, Sexu­al­erzie­hung, Reli­gi­ons­frei­heit, angeb­lich reli­giö­se Pra­xis für Kin­der), um gesell­schaft­li­che Nor­men und Wer­te schritt­wei­se zu ver­schie­ben.

Der demo­kra­tie-unter­wan­dern­de Isla­mis­mus umfasst trotz ideo­lo­gisch unter­schied­li­cher Aus­rich­tun­gen den poli­ti­schen Sala­fis­mus sowie die Struk­tu­ren ›Hizb ut-Tah­r­ir‹ (HuT), ›Mus­lim­bru­der­schaft‹ (MB)/›Hamas‹ und die Isla­mi­sche Gemein­schaft ›Mil­lî Görüş‹ (IGMG). Gelingt eine Unter­wan­de­rung, wird Gewalt zum kal­ku­lier­ten Werk­zeug, um die poli­ti­sche Agen­da radi­kal zu for­cie­ren.«

  • Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Lan­des Bran­den­burg 2025 (Pres­se­fas­sung), Juni 2026, S. 154 f.

Begriff­li­che und sicher­heits­po­li­ti­sche Ein­ord­nung

Die Begriffs­bil­dung ist neu, knüpft inhalt­lich jedoch an einen eta­blier­ten Befund an. »Demo­kra­tie-unter­wan­dern­der Isla­mis­mus« bezeich­net den­sel­ben Phä­no­men­be­reich, den die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den des Bun­des und der Län­der seit Jah­ren als »lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus« beob­ach­ten: jenes Spek­trum, das sei­ne Zie­le nicht mit Gewalt, son­dern mit lega­len Mit­teln ver­folgt – über Ver­eins­ar­beit, Lob­by­is­mus und den Gang durch die Insti­tu­tio­nen. Der Befund ist damit fach­lich abge­si­chert. Die zugrun­de lie­gen­de Stra­te­gie der schritt­wei­sen Unter­wan­de­rung ist Gegen­stand aktu­el­ler wis­sen­schaft­li­cher Ana­ly­sen und gesell­schafts­po­li­ti­scher Debat­ten, etwa über Sascha Ada­meks »Unter­wan­de­rung – Der Poli­ti­sche Islam wei­ter auf dem Vor­marsch« (2026).

Der kom­mu­ni­ka­ti­ve Mehr­wert der neu­en Bezeich­nung liegt in ihrer Ver­ständ­lich­keit. Der eta­blier­te Fach­ter­mi­nus »lega­lis­ti­scher Isla­mis­mus« ist prä­zi­se, erschließt sich einer brei­ten Öffent­lich­keit aber kaum: Er benennt das Mit­tel (die Lega­li­tät), nicht jedoch Ziel und Wir­kung. Die bran­den­bur­gi­sche For­mu­lie­rung benennt bei­des – Metho­de und Ziel­rich­tung. Mit dem Begriff der »Unter­wan­de­rung« greift sie zugleich auf eine in der deut­schen Sicher­heits­ar­beit lan­ge ein­ge­führ­te Kate­go­rie zurück und gewinnt dadurch ana­ly­ti­sche Anschluss­fä­hig­keit.

Die­ser Rück­griff hat Tra­di­ti­on. Bereits im Kal­ten Krieg bezeich­ne­te »Unter­wan­de­rung« ein Kern­an­lie­gen der wehr­haf­ten Demo­kra­tie: die Abwehr von Kräf­ten, die – damals im Auf­trag der Sowjet­uni­on und über kom­mu­nis­ti­sche Tarn- und Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen – Par­tei­en, Ver­bän­de und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen nicht offen angrif­fen, son­dern schritt­wei­se und ver­deckt zu durch­drin­gen such­ten. Struk­tu­rell beschreibt der Bericht heu­te das­sel­be Mus­ter: lega­les, ver­schlei­er­tes Vor­ge­hen, den Auf­bau von Vor­feld­struk­tu­ren und die all­mäh­li­che Durch­drin­gung von Insti­tu­tio­nen. Mit der Anknüp­fung an die­ses eta­blier­te Kon­zept der Gefah­ren­ab­wehr ver­or­tet sich der Begriff in einer rechts­staat­lich ein­ge­heg­ten Tra­di­ti­on – Beob­ach­tung und Ver­eins­ver­bot sind an kla­re gesetz­li­che Schwel­len gebun­den – und zielt erkenn­bar auf den Schutz von Insti­tu­tio­nen, nicht auf einen pau­scha­len Ver­dacht gegen Gläu­bi­ge.

Empi­ri­sche Tie­fe erhält die­ser Befund durch die jüngs­te wis­sen­schaft­li­che Auf­ar­bei­tung. Die bei Nomos erschie­ne­ne Mono­gra­fie von Hei­ko Hei­nisch, Nina Scholz und Gus­tav E. Gus­ten­au ana­ly­siert das Vor­ge­hen der Mus­lim­bru­der­schaft mit dem sicher­heits­po­li­ti­schen Modell des »hybri­den Kon­flikts«. Ein hybri­der Akteur, so der Grund­ge­dan­ke, sucht nicht die offe­ne Ent­schei­dung, son­dern die schritt­wei­se Desta­bi­li­sie­rung: die Ero­si­on gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts und die Dele­gi­ti­mie­rung staat­li­cher Insti­tu­tio­nen – bewusst unter­halb der Schwel­le eines erklär­ten Kon­flikts. Lega­le und ille­ga­le, offe­ne und ver­deck­te Mit­tel wer­den dabei über meh­re­re Wir­kungs­be­rei­che hin­weg kom­bi­niert: Gesell­schaft, Bil­dung, Recht, Medi­en und Poli­tik.

In die­sem Modell ist die Unter­wan­de­rung kein Rand­phä­no­men, son­dern eine der bei­den stra­te­gi­schen Grund­op­tio­nen. Die Autoren ver­or­ten das Han­deln der Bewe­gung auf einer »Stra­te­gie­land­kar­te«, deren eine Ach­se sub­ver­si­ves von offen kon­fron­ta­ti­vem Vor­ge­hen trennt und die eine Abfol­ge von Pha­sen abbil­det – von einer ers­ten Ansied­lung über die geziel­te Ein­fluss­nah­me bis hin zur offe­nen Macht­ent­fal­tung. Damit beschreibt die For­schung mit ande­ren Wor­ten genau das, was der Bran­den­bur­ger Bericht meint, wenn er von einer Unter­wan­de­rung »auf ver­schie­de­nen Ebe­nen« spricht. Bemer­kens­wert ist die Blick­rich­tung: Ana­ly­siert wird nicht die staat­li­che Abwehr, son­dern die Stra­te­gie des Akteurs selbst – gewis­ser­ma­ßen das offen­si­ve Gegen­stück zu jener wehr­haft-demo­kra­ti­schen Schutz­lo­gik, an die Bran­den­burgs Begriff anknüpft.

Ana­ly­tisch trag­fä­hig ist auch die Dif­fe­ren­zie­rung des Berichts. Er unter­schei­det zwi­schen dem demo­kra­tie-unter­wan­dern­den und dem gewalt­ori­en­tier­ten Isla­mis­mus, hält jedoch fest, dass die Gren­ze durch­läs­sig bleibt: Nach innen wer­de Gewalt teils gedul­det und befür­wor­tet, und sie wer­de, sobald eine Unter­wan­de­rung gelin­ge, »zum kal­ku­lier­ten Werk­zeug«. Damit wird eine rea­le Ambi­va­lenz beschrie­ben, was gewis­ser­ma­ßen ein Kor­rek­tiv gegen die Annah­me ist, lega­lis­ti­sches Vor­ge­hen sei gleich­be­deu­tend mit dau­er­haf­tem Gewalt­ver­zicht.

So fügt sich die bran­den­bur­gi­sche Begriffs­bil­dung in eine bun­des­wei­te Ent­wick­lung ein: Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um kün­dig­te im Novem­ber 2025 an, künf­tig auch den »lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus« stär­ker bekämp­fen zu wol­len. Die Bezeich­nung über­setzt die­ses sicher­heits­po­li­ti­sche Anlie­gen in eine brei­ter anschluss­fä­hi­ge Spra­che und über­führt einen fach­ter­mi­no­lo­gi­schen Befund in die öffent­li­che Debat­te.

Die bran­den­bur­gi­sche Lage­dar­stel­lung im Ein­zel­nen

Der Ver­fas­sungs­schutz Bran­den­burg unter­schei­det inner­halb des Isla­mis­mus zwei For­men, abge­grenzt nach Metho­dik und Gewalt­be­reit­schaft: den demo­kra­tie-unter­wan­dern­den und den gewalt­ori­en­tier­ten Isla­mis­mus (Dschi­ha­dis­mus). Dem demo­kra­tie-unter­wan­dern­den Spek­trum rech­net die Behör­de den poli­ti­schen Sala­fis­mus, die »Hizb ut-Tah­r­ir« (HuT), »Mus­lim­bru­der­schaft« (MB)/»Hamas« sowie die »Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­lî Görüş« (IGMG) zu.

Die Zah­len für Bran­den­burg

Das gesam­te isla­mis­ti­sche Per­so­nen­po­ten­zi­al im Land ist 2025 auf 260 Per­so­nen gestie­gen. Eige­ne Struk­tur­ka­pi­tel wid­met der Bericht aller­dings nur dem Sala­fis­mus, der »Isla­mis­ti­schen Nord­kau­ka­si­schen Sze­ne« (INS), der Muslimbruderschaft/Hamas sowie der »Tab­lighi Jama’at« – HuT und IGMG erschei­nen in der bran­den­bur­gi­schen Lage­dar­stel­lung ledig­lich in der Defi­ni­ti­on, nicht als eigen­stän­dig dar­ge­stell­te Beob­ach­tungs­ob­jek­te.

Isla­mis­ti­sches Per­so­nen­po­ten­zi­al in Bran­den­burg2022202320242025
gesamt210220225260
demo­kra­tie-unter­wan­dern­des Spek­trum50505060
gewalt­ori­en­tier­tes Spek­trum160170175200
davon Ange­hö­ri­ge der INS808085110

Das demo­kra­tie-unter­wan­dern­de Spek­trum (2025: 60 Per­so­nen) meint laut Bericht im Wesent­li­chen Anhän­ger der Mus­lim­bru­der­schaft. Das sala­fis­ti­sche Per­so­nen­po­ten­zi­al bezif­fert die Behör­de für 2025 auf 200 Per­so­nen (2024: 175); etwa jede fünf­te zuge­rech­ne­te Per­son ist weib­lich. Dem Spek­trum »MB«/»Hamas« wer­den in Bran­den­burg 35 Per­so­nen zuge­ord­net.

Sala­fis­mus

Gefes­tig­te grö­ße­re sala­fis­ti­sche Struk­tu­ren sind in Bran­den­burg nach Behör­den­an­ga­ben nicht bekannt; die Sze­ne besteht über­wie­gend aus Ein­zel­per­so­nen ohne loka­le Struk­tu­rie­rung und ori­en­tiert sich stark an der Sze­ne in Ber­lin, deren Gebets­räu­me sie nutzt. Der Bericht unter­schei­det den poli­ti­schen vom jiha­dis­ti­schen Sala­fis­mus, betont aber flie­ßen­de Über­gän­ge und stuft bereits den poli­ti­schen Sala­fis­mus als ver­fas­sungs­feind­lich und als Nähr­bo­den des jiha­dis­ti­schen Islam­ver­ständ­nis­ses ein. Als bun­des­weit bekann­te sala­fis­ti­sche Mul­ti­pli­ka­to­ren nennt der Bericht Pierre Vogel, Hassan Dab­bagh, Ibra­him El-Azz­azi und den Ber­li­ner Pre­di­ger Abul Baraa (bür­ger­lich Ahmad Armih). In Bran­den­burg gerie­ten zuletzt meh­re­re Jugend­li­che in den Fokus der Straf­er­mitt­lungs­be­hör­den, weil sie sich an Pla­nun­gen im Sin­ne des »IS« betei­ligt haben sol­len.

Online-Radi­ka­li­sie­rung: die »Tik­To­ki­sie­rung«

Aus­führ­lich behan­delt der Bericht ein Phä­no­men, das quer zur orga­ni­sier­ten Unter­wan­de­rung liegt: die unor­ga­ni­sier­te, rasche Selbstra­di­ka­li­sie­rung über sozia­le Medi­en. Sozia­le Netz­wer­ke und Mes­sen­ger­diens­te – nament­lich Tik­Tok, Insta­gram, Tele­gram und Snap­chat – beschreibt die Behör­de als zen­tra­len Kanal sala­fis­ti­scher Pro­pa­gan­da und Rekru­tie­rung, der vor allem Kin­der und Jugend­li­che erreicht; nied­rig­schwel­lig und kaum kon­trol­lier­bar wer­de dabei die Gren­ze von rein reli­giö­sen zu extre­mis­ti­schen Inhal­ten über­schrit­ten. Eine wach­sen­de Rol­le spie­len extre­mis­ti­sche »Influen­cer«, dar­un­ter eine deut­sche Kon­ver­ti­tin aus Nord­rhein-West­fa­len mit mehr als 200.000 Fol­lo­wern auf Insta­gram und Tik­Tok, der auch Per­so­nen aus Bran­den­burg fol­gen.

Für die­se Ent­wick­lung ver­wen­det der Ver­fas­sungs­schutz den Ter­mi­nus: die »Tik­To­ki­sie­rung«. Gemeint ist die Radi­ka­li­sie­rung zuneh­mend jün­ge­rer, ideo­lo­gisch oft nicht gefes­tig­ter und gewalt­a­ffi­ner Per­so­nen – zumeist jun­ger Män­ner –, die sich weit­ge­hend unbe­merkt von Fami­li­en, Schu­len und Sicher­heits­be­hör­den im digi­ta­len Raum voll­zieht. 2025 hät­ten Ermitt­lungs­ver­fah­ren und Ver­ur­tei­lun­gen in Bran­den­burg die­se seit Jah­ren pro­gnos­ti­zier­te Ent­wick­lung abge­bil­det. Anders als die zivil­ge­sell­schaft­lich agie­ren­de Unter­wan­de­rung ord­net der Bericht die­ses Phä­no­men dem gewalt­ori­en­tier­ten Spek­trum (Salafismus/Jihadismus) zu; als beson­ders gefähr­det gel­ten sozi­al iso­lier­te Ein­zel­ak­teu­re, etwa am Rand der Isla­mis­ti­schen Nord­kau­ka­si­schen Sze­ne. Als Gegen­maß­nah­men benennt der Bericht die Stär­kung der Medi­en­kom­pe­tenz, Alters­be­schrän­kun­gen, die Regu­lie­rung der Platt­for­men und erwei­ter­te Online-Befug­nis­se der Sicher­heits­be­hör­de.

Die Mus­lim­bru­der­schaft als Schwer­punkt des Berichts­vor­spanns

Im all­ge­mei­nen Teil wid­met der Bericht den Mus­lim­brü­dern einen eige­nen Schwer­punkt (»Mus­lim­brü­der und ihr demo­kra­tie-unter­wan­dern­des Vor­ge­hen«). Dar­in stützt sich die Behör­de wesent­lich auf die Stu­die »Kali­fat nach Plan« (Tübin­gen 2025) von Flo­rence Ber­geaud-Black­ler (Direk­to­rin des Cent­re Euro­pé­en de Recher­che et d’In­for­ma­ti­on sur le Fré­ris­me, CERIF) und ver­weist auf ideo­lo­gi­sche Vor­den­ker wie Yus­uf al-Qara­da­wi und Tariq Rama­dan.

Die im Bericht skiz­zier­te Metho­de ist in der For­schung im Detail beschrie­ben. Zur kon­spi­ra­ti­ven Anwer­bung und Indok­tri­na­ti­on von Mus­lim­brü­dern in Euro­pa ver­weist der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt auf »Kali­fat nach Plan«. Auch zur Erklä­rung der schritt­wei­sen Insti­tu­tio­na­li­sie­rung der Bewe­gung in Euro­pa und ihrer Koope­ra­ti­on mit Orga­ni­sa­tio­nen aus Zivil­ge­sell­schaft, Wis­sen­schaft und Poli­tik wird mehr­fach auf Ber­geaud-Black­ler rekur­riert. Eine sys­te­ma­ti­sche Auf­lis­tung der dem MB-Netz­werk zuge­ord­ne­ten deut­schen und euro­päi­schen Orga­ni­sa­tio­nen fin­det sich neben dem Bran­den­bur­ger Bericht auch im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Lan­des Baden-Würt­tem­berg.

Der Bericht illus­triert die­se Stra­te­gie am Ver­ein »Forum of Euro­pean Mus­lim Youth and Stu­dent Orga­ni­sa­ti­ons« (FEMYSO). Das Bedürf­nis nach »einem Ansprech­part­ner für alle« nut­zen die Mus­lim­brü­der aus. Sie iden­ti­fi­zie­ren rele­van­te poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Debat­ten und Ent­wick­lun­gen und sind in der Lage, schnell neue Ver­ei­ne, Orga­ni­sa­tio­nen oder Gre­mi­en zu grün­den oder bestehen­de zu beset­zen, die als kon­kre­te Ansprech­part­ner oder Sprach­rohr die­nen sol­len (vgl. Ber­geaud-Black­ler, »Kali­fat nach Plan«, Tübin­gen 2025, S. 142 f.). FEMYSO wur­de in Brüs­sel von Mus­lim­brü­dern gegrün­det und wird von ihnen geführt. Der Ver­ein wirkt auf euro­päi­scher Ebe­ne und ver­deut­licht die Ver­qui­ckung zen­tra­ler Per­so­nen mit reli­giö­sen Ver­ei­nen, Lob­by­ver­bän­den, poli­ti­schen Gre­mi­en und Par­tei­en. In unmit­tel­ba­rer Nähe zu den Ein­rich­tun­gen der Euro­päi­schen Uni­on soll er die Arbeit von Jugend- und Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen in Euro­pa koor­di­nie­ren und Ent­wick­lung sowie Ver­net­zung künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen von Mus­lim­brü­dern för­dern. Gleich­zei­tig wirkt FEMYSO auf die Gre­mi­en der Euro­päi­schen Uni­on ein und kann von deren erheb­li­chen Sub­ven­tio­nen pro­fi­tie­ren. Der Ver­ein umfasst meh­re­re Dut­zend euro­päi­sche Mit­glieds­ver­bän­de, die das poli­ti­sche Enga­ge­ment jun­ger mus­li­mi­scher Men­schen in Euro­pa stär­ken wol­len – aller­dings unter den Prä­mis­sen der Ideo­lo­gie der Mus­lim­brü­der. In die­sem Kon­text ist auch die Betä­ti­gung von FEMYSO in gesell­schaft­li­chen Kam­pa­gnen zu sehen. Ziel ist, eine »euro­pä­isch-mus­li­mi­sche Iden­ti­tät« zu ent­wi­ckeln, was gleich­zei­tig als Kampf gegen »Isla­mo­pho­bie« begrif­fen wird. Auch hier refe­ren­ziert der Bericht Ber­geaud-Black­ler, die in »Kali­fat nach Plan« (S. 146–155) beschreibt, »wie offi­zi­el­le Ein­rich­tun­gen der EU dies als Enga­ge­ment für pro-demo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en fehl­in­ter­pre­tie­ren.«

Die wis­sen­schaft­li­che Basis: Flo­rence Ber­geaud-Black­ler und wei­te­re Stu­di­en

Bemer­kens­wert ist die Quel­len­ba­sis des Mus­lim­bru­der­schaft-Schwer­punkts. Der Bericht stützt sei­ne Dar­stel­lung auf wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur, ins­be­son­de­re auf die Stu­die »Kali­fat nach Plan«, deren The­sen er affir­ma­tiv über­nimmt (»wie es Ber­geaud-Black­ler zutref­fend beschreibt«). Von Ber­geaud-Black­ler stam­men im Wesent­li­chen fol­gen­de Befun­de:

  • die Ein­bet­tungs­me­tho­de, wonach die euro­päi­schen Mus­lim­brü­der sich tugend­haft gäben, gegen Dis­kri­mi­nie­rung kämpf­ten und in die »Lücken« von Wohl­fahrt, Par­tei­en und Wirt­schaft schlüpf­ten (S. 70);
  • die Spie­ge­lung der euro­päi­schen Struk­tu­ren in Deutsch­land mit den Tätig­keits­fel­dern Dia­log, Bil­dung, »Stel­lung der Frau« und »Kampf gegen Isla­mo­pho­bie« (S. 107 ff., 136 ff.);
  • die nach Her­kunft dif­fe­ren­zier­te Anwer­bung und Indok­tri­na­ti­on bis hin zur Rekru­tie­rung gewalt­be­rei­ter »Muja­hi­din-Brü­der« (S. 59–72, 332 ff.);
  • die Aus­rich­tung der MB-Bil­dungs­in­sti­tu­te (IESH/EIHW) als Kader­schmie­den (S. 140 f.);
  • die »Ansprechpartner-für-alle«-Strategie samt dem Brüs­se­ler FEMYSO (S. 142 f.);
  • die Fehl­deu­tung die­ses Enga­ge­ments durch staat­li­che Stel­len als pro-demo­kra­tisch (S. 146–155);
  • die Ein­span­nung von Par­tei­en, Zivil­ge­sell­schaft und Wis­sen­schaft als »Ver­bün­de­te der Mus­lim­brü­der« (S. 273 ff.);
  • sowie die mess­ba­ren gesell­schaft­li­chen Wir­kun­gen isla­mis­ti­scher Agi­ta­ti­on (S. 190 ff., 202 ff., 344–347).

Flan­kie­rend zieht der Bericht wei­te­re ein­schlä­gi­ge Stu­di­en her­an: Loren­zo Vidi­no (»The New Mus­lim Brot­her­hood in the West«, 2010) für die Struk­tu­ren und Netz­wer­ke der Bewe­gung im Wes­ten; Rita Breu­er (»Die Mus­lim­bru­der­schaft in Deutsch­land«, 2019) für die deut­schen Struk­tu­ren der Bewe­gung; Gui­do Stein­berg (»Die Mus­lim­bru­der­schaft und die Hamas«, 2023) für das Ver­hält­nis von Mus­lim­bru­der­schaft und Hamas; Joas Wage­ma­kers (»The Mus­lim Brot­her­hood«, 2022) für die ideo­lo­gie­ge­schicht­li­che Ein­ord­nung; Kha­lil al-Ana­ni (»Insi­de the Mus­lim Brot­her­hood«, 2016) für die Sozia­li­sa­ti­on und Anwer­bung im ägyp­ti­schen Ursprungs­kon­text; und Gud­run Krä­mer (»Dra­wing Boun­da­ries. Yūsuf al-Qaraḍā­wī on Apo­sta­sy«, 2006) für die Leh­ren des ein­fluss­rei­chen Vor­den­kers Yus­uf al-Qara­da­wi, ins­be­son­de­re zur Behand­lung von »Abtrün­ni­gen«.

Eine sys­te­ma­ti­sche Auf­lis­tung der dem MB-Netz­werk zuge­ord­ne­ten deut­schen und euro­päi­schen Orga­ni­sa­tio­nen fin­det sich neben dem Bran­den­bur­ger Bericht auch im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Lan­des Baden-Würt­tem­berg.

Der Bericht illus­triert die MB-Stra­te­gie am Ver­ein »Forum of Euro­pean Mus­lim Youth and Stu­dent Orga­ni­sa­ti­ons« (FEMYSO). Das Bedürf­nis nach »einem Ansprech­part­ner für alle« nut­zen die Mus­lim­brü­der aus. Sie iden­ti­fi­zie­ren rele­van­te poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Debat­ten und Ent­wick­lun­gen und sind in der Lage, schnell neue Ver­ei­ne, Orga­ni­sa­tio­nen oder Gre­mi­en zu grün­den oder bestehen­de zu beset­zen, die als kon­kre­te Ansprech­part­ner oder Sprach­rohr die­nen sol­len (vgl. Ber­geaud-Black­ler, »Kali­fat nach Plan«, Tübin­gen 2025, S. 142 f.). FEMYSO wur­de in Brüs­sel von Mus­lim­brü­dern gegrün­det und wird von ihnen geführt. Der Ver­ein wirkt auf euro­päi­scher Ebe­ne und ver­deut­licht die Ver­qui­ckung zen­tra­ler Per­so­nen mit reli­giö­sen Ver­ei­nen, Lob­by­ver­bän­den, poli­ti­schen Gre­mi­en und Par­tei­en. In unmit­tel­ba­rer Nähe zu den Ein­rich­tun­gen der Euro­päi­schen Uni­on soll er die Arbeit von Jugend- und Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen in Euro­pa koor­di­nie­ren und Ent­wick­lung sowie Ver­net­zung künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen von Mus­lim­brü­dern för­dern. Gleich­zei­tig wirkt FEMYSO auf die Gre­mi­en der Euro­päi­schen Uni­on ein und kann von deren erheb­li­chen Sub­ven­tio­nen pro­fi­tie­ren. Der Ver­ein umfasst meh­re­re Dut­zend euro­päi­sche Mit­glieds­ver­bän­de, die das poli­ti­sche Enga­ge­ment jun­ger mus­li­mi­scher Men­schen in Euro­pa stär­ken wol­len – aller­dings unter den Prä­mis­sen der Ideo­lo­gie der Mus­lim­brü­der. In die­sem Kon­text ist auch die Betä­ti­gung von FEMYSO in gesell­schaft­li­chen Kam­pa­gnen zu sehen. Ziel ist, eine »euro­pä­isch-mus­li­mi­sche Iden­ti­tät« zu ent­wi­ckeln, was gleich­zei­tig als Kampf gegen »Isla­mo­pho­bie« begrif­fen wird. Auch hier refe­ren­ziert der Bericht Ber­geaud-Black­ler, die in »Kali­fat nach Plan« (S. 146–155) beschreibt, »wie offi­zi­el­le Ein­rich­tun­gen der EU dies als Enga­ge­ment für pro-demo­kra­ti­sche Prin­zi­pi­en fehl­in­ter­pre­tie­ren.«

Im Kapi­tel »Miss­brauch von Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen« heißt es:

Als »Grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit« (GMF) wer­den abwer­ten­de und aus­gren­zen­de Ein­stel­lun­gen gegen­über Men­schen auf­grund ihrer zuge­wie­se­nen Zuge­hö­rig­keit zu einer sozia­len Grup­pe ver­stan­den. Es ist unbe­nom­men, dass Mus­li­me – wie Ange­hö­ri­ge ande­rer Grup­pen auch – sowohl sub­jek­tiv als auch objek­tiv Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen machen. Frei­heit­li­che Gesell­schaf­ten set­zen sich damit aus­ein­an­der und suchen nach Wegen, gegen GMF vor­zu­ge­hen.

Mus­lim­brü­der und ande­re Isla­mis­ten begrei­fen GMF jedoch als stra­te­gi­sches Betä­ti­gungs­feld und wei­sen ihr eine zen­tra­le Bedeu­tung für ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on zu. Sie kon­stru­ie­ren aus allen Mus­li­men eine gene­rell dau­er­dis­kri­mi­nier­te Grup­pe und wol­len sie ent­spre­chend ver­ein­nah­men, um sich dann als deren Opfer­an­walt bei Poli­tik und Zivil­ge­sell­schaft zu posi­tio­nie­ren. Von die­ser Schlüs­sel­stel­lung aus ver­su­chen »MB«-Akteure schließ­lich die öffent­li­che Wahr­neh­mung ihrer isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gie zu steu­ern. Sie dis­kre­di­tie­ren die not­wen­di­ge und gerecht­fer­tig­te Kri­tik am Isla­mis­mus, an der »MB«, ihren Ver­tre­tern, Struk­tu­ren und Hand­lun­gen als islam­feind­lich oder ver­meint­li­chen anti-mus­li­mi­schen Ras­sis­mus. Gleich­zei­tig ver­su­chen sie den fal­schen Ein­druck zu erwe­cken, alle Mus­li­me gehö­ren zu einer homo­ge­nen Grup­pe und die Betä­ti­gung der »MB«-Akteure sei eine demo­kra­ti­sche Struk­tur zur Inte­gra­ti­on »der« Mus­li­me. Ent­ge­gen ihrer Äuße­run­gen sind ihre Zie­le demo­kra­tie­feind­lich und räu­men nur ihren eige­nen ideo­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Stand­punk­ten eine Legi­ti­mi­tät ein. Ihre Ver­su­che, Maß­nah­men der wehr­haf­ten Demo­kra­tie oder einer enga­gier­ten, demo­kra­ti­schen Zivil­ge­sell­schaft als Bedro­hung der »reli­giö­sen Ein­heit« zu dele­gi­ti­mie­ren, zie­len schluss­end­lich dar­auf ab, die Koexis­tenz reli­giö­ser Diver­si­tät zu ver­hin­dern. Damit schrän­ken sie zunächst ande­re Mus­li­me in ihrer Reli­gi­ons­frei­heit ein. In einem wei­te­ren Schritt ver­su­chen Akteu­re der »MB« mit die­ser Metho­de auch die Rech­te von Nicht-Mus­li­men ein­zu­schrän­ken oder ganz aus­zu­set­zen. So fin­den sich etwa Ver­su­che, bestimm­te The­men zu tabui­sie­ren (Mei­nungs­frei­heit) oder die Aus­le­bung der eige­nen Ideo­lo­gie aggres­siv und zu Las­ten Drit­ter ein­zu­for­dern (nega­ti­ve Reli­gi­ons­frei­heit, Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en, Recht auf sozia­le Teil­ha­be, etc.).

Dafür stel­len sich Akteu­re, die im Sin­ne der »MB« agie­ren, zusätz­lich auf den Fel­dern Bil­dung, Kin­der­be­treu­ung, Inte­gra­ti­ons- oder sozia­le Arbeit orga­ni­sa­to­risch auf. Sie ver­fol­gen so exakt das Gegen­teil des­sen, was sie erklä­ren: Ihr Ziel ist viel­mehr demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren zu unter­wan­dern, die Men­schen zu des­in­te­grie­ren und in par­al­lel­ge­sell­schaft­li­che isla­mis­ti­sche Struk­tu­ren zu über­füh­ren.

Gesell­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen: der MOTRA-Moni­tor

Den Abschluss bil­det eine Bilanz der gesell­schaft­li­chen Fol­gen. Der Bericht ver­steht das ver­fas­sungs­feind­li­che und teils gewalt­ori­en­tier­te Wir­ken der Mus­lim­brü­der – exem­pla­risch das ver­bo­te­ne »Isla­mi­sche Zen­trum Fürs­ten­wal­de« – als einen isla­mis­ti­schen Akteur unter meh­re­ren, des­sen Aus­wir­kun­gen mess­bar und beun­ru­hi­gend sei­en: eine abneh­men­de Akzep­tanz frei­heit­li­cher Wer­te, eine stei­gen­de Anschluss­fä­hig­keit isla­mis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Erzäh­lun­gen sowie eine wach­sen­de Gewalt­be­reit­schaft in Tei­len der mus­li­mi­schen Bevöl­ke­rung.

Als empi­ri­sche Grund­la­ge zitiert der Bericht das am Bun­des­kri­mi­nal­amt ange­sie­del­te For­schungs­pro­jekt MOTRA (Moni­to­ring­sys­tem und Trans­fer­platt­form Radi­ka­li­sie­rung). Des­sen Befra­gungs­da­ten wei­sen für die Jah­re 2021 bis 2025 deut­li­che Ver­schie­bun­gen aus: Der Anteil der Mus­li­min­nen und Mus­li­me, die offen für isla­mis­ti­sches Gedan­ken­gut sind, stieg von 20 auf 30 Pro­zent – ohne dass die­se Grup­pe damit selbst als isla­mis­tisch aus­ge­rich­tet gel­ten müs­se. Der Aus­sa­ge »Nur der Islam ist in der Lage, die Pro­ble­me unse­rer Zeit zu lösen« – einem zen­tra­len Slo­gan isla­mis­ti­scher Akteu­re – stimm­ten 2021 noch 32 Pro­zent zu, 2025 bereits 44 Pro­zent. Die anti­se­mi­ti­sche Aus­sa­ge »Juden kann man nicht trau­en« bejah­ten 2021 rund 13 Pro­zent, 2025 jedoch 29 Pro­zent. Die Grup­pe, die isla­mis­tisch ori­en­tier­te Ein­stel­lun­gen klar zurück­weist, stellt zwar wei­ter­hin die Mehr­heit, ging aber von 71 (2021) auf 60 Pro­zent (2025) zurück. Die­se Wer­te sei­en, so MOTRA, über­pro­por­tio­nal stark bei Jugend­li­chen aus­ge­prägt.

Der Bericht wer­tet die­se Ent­wick­lung als kon­kre­ten Effekt isla­mis­ti­scher Agi­ta­ti­on: eine zuneh­men­de Anschluss­fä­hig­keit isla­mis­ti­scher Erzäh­lun­gen, die Ver­brei­tung grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit, eine erhöh­te Akzep­tanz reli­gi­ös und poli­tisch begrün­de­ter Gewalt sowie eine wach­sen­de Ableh­nung der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung – mit spür­ba­ren Fol­gen für das Sicher­heits- und Sozi­al­ge­fü­ge.

Abschlie­ßend grenzt der Bericht das eige­ne Vor­ge­hen nor­ma­tiv ab. Die demo­kra­tie- und men­schen­feind­li­chen Zie­le von Isla­mis­ten, die sich als legi­ti­me Ansprech­part­ner dar­stell­ten, sei­en nicht immer sofort zu durch­schau­en – auch weil sie ver­trau­te, posi­tiv besetz­te Begrif­fe nutz­ten, die­se aber ideo­lo­gisch umdeu­te­ten und ihres ursprüng­li­chen Wert­ge­halts ent­kern­ten. Isla­mis­ti­sche Akteu­re und Nar­ra­ti­ve zu ent­lar­ven und zu sank­tio­nie­ren sei Auf­ga­be der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den und weder ras­sis­tisch noch isla­mo­phob, son­dern ein not­wen­di­ger Pro­zess der wehr­haf­ten Demo­kra­tie. Das Vor­ge­hen gegen Extre­mis­mus ver­sto­ße nicht gegen die grund­ge­setz­lich garan­tier­te Reli­gi­ons­frei­heit; Ziel sei viel­mehr, dass alle Men­schen in Deutsch­land ihre reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen, ihre Mei­nung und ihre Iden­ti­tät frei leben könn­ten, ohne ande­re in den­sel­ben Rech­ten ein­zu­schrän­ken. Dies gel­te gera­de mit Blick auf Jugend­li­che, denen kei­ne auf Ungleich­heit, Aus­gren­zung und Hass gegrün­de­te Ideo­lo­gie auf­ge­zwun­gen wer­den dür­fe.


Quel­le

Minis­te­ri­um des Innern und für Kom­mu­na­les des Lan­des Bran­den­burg: Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Lan­des Bran­den­burg 2025 (Pres­se­fas­sung), Juni 2026, S. 36 ff. und S. 154 ff. Online ver­füg­bar unter: LINK

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen

Sascha Ada­mek: »Unter­wan­de­rung – Der Poli­ti­sche Islam wei­ter auf dem Vor­marsch«. Mün­chen (Lan­gen Mül­ler), 2026. Bespre­chung auf ak-polis.de

Flo­rence Ber­geaud-Black­ler: »Kali­fat nach Plan. Fré­ris­mus und sei­ne Netz­wer­ke in Euro­pa« (= INÂRAH Mono­gra­fien: Schrif­ten zur Islam­ge­schich­te und zum Koran, Band 4), Schi­ler & Mücke, Tübin­gen 2025. Bespre­chung auf ak-polis.de

Hei­ko Hei­nisch / Nina Scholz / Gus­tav E. Gus­ten­au: »Poli­ti­scher Islam – eine hybri­de Bedro­hung Euro­pas. Der ›Civi­liza­ti­on Jihad‹ der Mus­lim­bru­der­schaft«. Baden-Baden (Nomos), 2026. Bespre­chung auf ak-polis.de