DPI-Bericht zum isla­mis­ti­schen Popu­lis­mus

Die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) untersucht in einem Bericht von Lucian Reinfandt, inwiefern sich der Begriff des Populismus analytisch auf den »Politischen Islam« anwenden lässt. Dabei geht es weniger um gewaltförmigen Extremismus als um jene Formen politisch-religiöser Mobilisierung, die demokratische Prozesse unter Druck setzen. Die Stärke des Populismusbegriffs liegt darin, Erscheinungen zu benennen, die für sich genommen noch nicht extremistisch sind und dennoch das Funktionieren offener Gesellschaften beeinträchtigen können – damit wird er zu einem wichtigen demokratietheoretischen Frühindikator.

Inner­is­la­mi­sche Viel­falt wird abge­lehnt

Der DPI-Bericht vom 26. Febru­ar 2026 ver­deut­licht, dass eine strikt poli­ti­sche Aus­le­gung der Reli­gi­on inner­is­la­mi­sche Viel­falt sys­te­ma­tisch zurück­weist. Indi­vi­du­el­le Reli­gi­ons­aus­übung oder säku­la­re Lebens­ent­wür­fe wer­den als Abwei­chung von einer ver­meint­lich authen­ti­schen »isla­mi­schen Ord­nung« dar­ge­stellt. Auf die­se Wei­se ent­steht sozia­ler Druck inner­halb mus­li­mi­scher Gemein­schaf­ten, wäh­rend zugleich eine »isla­mi­sche Renais­sance« pro­pa­giert wird, die sich gegen plu­ra­lis­ti­sche Gesell­schafts­mo­del­le rich­tet.

Kom­ple­xe gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen wer­den dabei ver­ein­facht und öffent­li­che Debat­ten mora­lisch zuge­spitzt. Tat­säch­li­che Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen wer­den selek­tiv auf­ge­grif­fen und ver­zerrt wie­der­ge­ge­ben, um sie für eine idea­li­sier­te Dar­stel­lung der eige­nen Welt­an­schau­ung zu instru­men­ta­li­sie­ren. Isla­mis­ti­sche Akteu­re knüp­fen so an rea­le Miss­stän­de und bestehen­de Stim­mungs­la­gen an, um Unter­stüt­zung zu mobi­li­sie­ren und gesell­schaft­li­che Pola­ri­sie­rung zu ver­stär­ken.

Ein zen­tra­les Nar­ra­tiv besteht laut DPI in der Gegen­über­stel­lung eines als »deka­dent« dis­kre­di­tier­ten Wes­tens und einer mora­lisch über­le­ge­nen »isla­mi­schen Ord­nung«. Staat­li­che Insti­tu­tio­nen, Medi­en und poli­ti­sche »Eli­ten« wer­den als struk­tu­rell feind­se­lig gegen­über Mus­li­min­nen und Mus­li­men dar­ge­stellt. Der libe­ral-demo­kra­ti­sche Rechts­staat und der Säku­la­ris­mus wer­den mit sub­ti­len Mit­teln dele­gi­ti­miert und als »ver­west­licht« oder »isla­mo­phob« ver­un­glimpft.

Zugleich ver­weist der Bericht auf sym­bo­li­sche Prak­ti­ken – etwa Klei­dung, Ritua­le oder Ver­hal­tens­re­geln –, die als sicht­ba­re Mar­ker einer exklu­siv defi­nier­ten »mus­li­mi­schen Iden­ti­tät« ein­ge­setzt wer­den. Ziel sei es, Deu­tungs­ho­heit über die­se Iden­ti­tät zu erlan­gen und Kri­tik an der eige­nen poli­ti­schen Ideo­lo­gie als Angriff auf Reli­gi­on ins­ge­samt zurück­zu­wei­sen.

Der DPI-Bericht ver­steht isla­mis­ti­schen Popu­lis­mus als Instru­ment gesell­schaft­li­cher Beein­flus­sung, das bestehen­de Span­nun­gen auf­greift und ver­tieft, ohne not­wen­di­ger­wei­se gewalt­för­mig auf­zu­tre­ten. Gera­de des­halb kön­ne der Popu­lis­mus­be­griff hel­fen, früh­zei­tig jene Dyna­mi­ken zu erken­nen, bei denen poli­ti­sches Enga­ge­ment in offe­nen Gesell­schaf­ten in eine Agen­da gegen die offe­ne Gesell­schaft umzu­schla­gen droht.


Der Bericht ist beim Öster­rei­chi­schen Fonds zur Doku­men­ta­ti­on von reli­gi­ös moti­vier­tem poli­ti­schen Extre­mis­mus (Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam) als PDF ver­füg­bar: hier