Innerislamische Vielfalt wird abgelehnt
Der DPI-Bericht vom 26. Februar 2026 verdeutlicht, dass eine strikt politische Auslegung der Religion innerislamische Vielfalt systematisch zurückweist. Individuelle Religionsausübung oder säkulare Lebensentwürfe werden als Abweichung von einer vermeintlich authentischen »islamischen Ordnung« dargestellt. Auf diese Weise entsteht sozialer Druck innerhalb muslimischer Gemeinschaften, während zugleich eine »islamische Renaissance« propagiert wird, die sich gegen pluralistische Gesellschaftsmodelle richtet.
Komplexe gesellschaftliche Herausforderungen werden dabei vereinfacht und öffentliche Debatten moralisch zugespitzt. Tatsächliche Diskriminierungserfahrungen werden selektiv aufgegriffen und verzerrt wiedergegeben, um sie für eine idealisierte Darstellung der eigenen Weltanschauung zu instrumentalisieren. Islamistische Akteure knüpfen so an reale Missstände und bestehende Stimmungslagen an, um Unterstützung zu mobilisieren und gesellschaftliche Polarisierung zu verstärken.
Ein zentrales Narrativ besteht laut DPI in der Gegenüberstellung eines als »dekadent« diskreditierten Westens und einer moralisch überlegenen »islamischen Ordnung«. Staatliche Institutionen, Medien und politische »Eliten« werden als strukturell feindselig gegenüber Musliminnen und Muslimen dargestellt. Der liberal-demokratische Rechtsstaat und der Säkularismus werden mit subtilen Mitteln delegitimiert und als »verwestlicht« oder »islamophob« verunglimpft.
Zugleich verweist der Bericht auf symbolische Praktiken – etwa Kleidung, Rituale oder Verhaltensregeln –, die als sichtbare Marker einer exklusiv definierten »muslimischen Identität« eingesetzt werden. Ziel sei es, Deutungshoheit über diese Identität zu erlangen und Kritik an der eigenen politischen Ideologie als Angriff auf Religion insgesamt zurückzuweisen.
Der DPI-Bericht versteht islamistischen Populismus als Instrument gesellschaftlicher Beeinflussung, das bestehende Spannungen aufgreift und vertieft, ohne notwendigerweise gewaltförmig aufzutreten. Gerade deshalb könne der Populismusbegriff helfen, frühzeitig jene Dynamiken zu erkennen, bei denen politisches Engagement in offenen Gesellschaften in eine Agenda gegen die offene Gesellschaft umzuschlagen droht.
Der Bericht ist beim Österreichischen Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischen Extremismus (Dokumentationsstelle Politischer Islam) als PDF verfügbar: hier