Selbst­auf­lö­sung der CLA­IM-Alli­anz

Die CLAIM-Allianz hat sich zum 19. November 2025 selbst aufgelöst. Dies geht aus einer Mitteilung auf der Website der Organisation hervor. Parallel dazu kündigte die Trägerorganisation an, ihre operative Arbeit fortzuführen und auszubauen. Die Auflösung betrifft damit die bisherige Allianzstruktur; die CLAIM gGmbH besteht weiterhin.

Der Selbst­auf­lö­sung gin­gen über Jah­re hin­weg unab­hän­gi­ge Recher­chen von Cars­ten Frerk, Sig­rid Herr­mann und wei­te­ren, media­le Bericht­erstat­tung sowie par­la­men­ta­ri­sche Nach­fra­gen vor­aus. Hin­wei­se auf per­so­nel­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Über­schnei­dun­gen ein­zel­ner CLA­IM-Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen mit Akteu­ren aus dem Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft wur­den wie­der­holt the­ma­ti­siert, ohne dass es zu einer trans­pa­ren­ten öffent­li­chen Klä­rung kam. Zivil­ge­sell­schaft­li­che Akteu­re for­der­ten eine kri­ti­sche­re Prü­fung staat­lich geför­der­ter Koope­ra­ti­ons­for­ma­te, ins­be­son­de­re dort, wo es um Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ar­beit geht. Par­al­lel dazu wuchs der Druck aus Poli­tik und Minis­te­ri­en.

Im Jahr 2025 ver­stärk­te sich der öffent­li­che und behörd­li­che Druck deut­lich. Im Juli 2025 wur­de bekannt, dass die Ber­li­ner SPD-Abge­ord­ne­ten Mar­tin Matz und Alex­an­der Frei­er-Win­t­er­werb eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge an den Senat in Ber­lin zu mög­li­chen Kon­tak­ten von CLA­IM-Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen zu isla­mis­ti­schen Netz­wer­ken gerich­tet hat­ten. Die Ant­wort der Lan­des­ver­wal­tung ver­wies auf den geheim­hal­tungs­be­dürf­ti­gen Cha­rak­ter der Erkennt­nis­se des Ber­li­ner Ver­fas­sungs­schut­zes.

Maß­geb­li­che Wir­kung hat­te die Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung vom 30. Okto­ber 2025 (BT-Druck­sa­che 21/2482). Dar­in heißt es, zu CLAIM-»Mitgliedsorganisationen« lägen beim Ver­fas­sungs­schutz »ver­ein­zelt Erkennt­nis­se unter­schied­li­cher Inten­si­tät, Wer­tig­keit und Aktua­li­tät« vor; eine Wei­ter­för­de­rung wer­de über­prüft.

Die CLA­IM-Struk­tu­ren wur­den über Jah­re hin­weg mit erheb­li­chen öffent­li­chen Mit­teln geför­dert. Die Finan­zie­rung erfolg­te u. a. im Rah­men des Bun­des­pro­gramms »Demo­kra­tie leben!« des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend. Nach öffent­lich zugäng­li­chen Anga­ben belie­fen sich die Zuwen­dun­gen aus Bun­des- und Lan­des­mit­teln auf meh­re­re hun­dert­tau­send Euro pro Jahr; hin­zu kamen pro­jekt­be­zo­ge­ne För­de­run­gen wei­te­rer Behör­den. Das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um zahl­te 2023 rund 600.000 Euro, wei­te­re Behör­den steu­er­ten zusam­men rund 500.000 Euro bei. Für das Jahr 2024 stellt die Ber­li­ner Sozi­al­ver­wal­tung unter Sena­to­rin Can­sel Kizil­te­pe (SPD) 166.108 Euro bereit. Zwi­schen 2020 und 2023 arbei­te­te die CLA­IM-Alli­anz mit der Ber­li­ner Innen­ver­wal­tung zusam­men. Die­se Koope­ra­ti­on wur­de spä­ter been­det; eine öffent­li­che Begrün­dung ist nicht bekannt.

Inter­na­tio­na­ler Kon­text: Kurs­wech­sel in den USA

In die Pha­se der ver­schärf­ten Prü­fung fiel zudem ein inter­na­tio­na­ler Kurs­wech­sel – zuerst in Texas und sodann auf Bun­des­ebe­ne der USA. Im Novem­ber lei­te­te US-Prä­si­dent Donald Trump per Exe­cu­ti­ve Order ein Ver­fah­ren zur Ein­stu­fung von Tei­len der Mus­lim­bru­der­schaft als aus­län­di­sche Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein. Die­ser lan­ge erwar­te­te Schritt erhöht auch in Euro­pa den poli­ti­schen Druck, staat­lich geför­der­te Koope­ra­ti­ons­for­ma­te auf mög­li­che MB-Bezü­ge zu über­prü­fen.

Bemer­kens­wert ist die­ser Kurs­wech­sel auch des­halb, weil in der Ent­ste­hungs­pha­se der CLA­IM-Alli­anz noch eine För­de­rung von Ver­net­zungs­ak­ti­vi­tä­ten durch das US-Außen­mi­nis­te­ri­um mit dor­ti­gen Akteu­ren aus dem Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft erfolg­te, nach Anga­ben des FBI.

Laut der öffent­li­chen Mit­tei­lung auf der CLA­IM-Web­site dient die Selbst­auf­lö­sung der Alli­anz dem Schutz der CLAIM gGmbH. Zugleich wird ange­kün­digt, den »engen Aus­tausch mit den betrof­fe­nen Com­mu­ni­ties« fort­zu­füh­ren und eine com­mu­ni­ty-basier­te Arbeits­wei­se bei­zu­be­hal­ten. Die Selbst­auf­lö­sung mar­kiert damit das Ende einer Orga­ni­sa­ti­ons­form, nicht jedoch das Ende der CLA­IM-Struk­tu­ren ins­ge­samt.

Vor die­sem Hin­ter­grund blei­ben für die wei­te­re Bewer­tung ins­be­son­de­re drei Fra­gen rele­vant:

  • In wel­cher Form und mit wel­chen Part­nern setzt die CLAIM gGmbH ihre Arbeit künf­tig fort?
  • Sind Orga­ni­sa­tio­nen aus dem Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft wei­ter­hin ein­ge­bun­den?
  • Erfül­len Struk­tur, Pra­xis und Part­ner­wahl die Vor­aus­set­zun­gen für Gemein­nüt­zig­keit und staat­li­che För­der­fä­hig­keit?

»Erkennt­nis­se und blin­de Fle­cken zur CLA­IM-Alli­anz« | Vor­trag von Cars­ten Frerk im Wil­ly-Brandt-Haus am 12. Sep­tem­ber 2025