»Ers­te Rei­he Män­ner, dahin­ter ver­schlei­er­te Frau­en« – Lamya Kad­dor prägt ers­tes Ift­ar der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on

Am 16. März 2026 fand im Deutschen Bundestag erstmals ein Parlamentarischer Abend zum Ramadan mit Fastenbrechen statt. Vorangetrieben wurde die Premiere von Lamya Kaddor, der religionspolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Ein von ihr gepostetes Foto der Veranstaltung wirft Fragen auf: Männer in der ersten Reihe, dahinter – getrennt – verschleierte Frauen. Frauenrechtlerinnen wie Seyran Ateş sprechen von Wahlkampf in Richtung »Kopftuch-Islam« und vermissen die religiös-weltanschauliche Neutralität des Parlaments.
In der ersten Reihe Männer, getrennt dahinter in der zweiten Reihe verschleierte Frauen: Parlamentarischer Abend mit der religionspolitischen Sprecherin Lamya Kaddor der Grünen-Bundestagsfraktion am 16. März 2026 zum Ramadan im Bundestag. (Foto: Stefan Kaminski / Bündnis 90/Die Grünen)

Am Mon­tag, dem 16. März 2026, fand im Marie-Eli­sa­beth-Lüders-Haus des Deut­schen Bun­des­ta­ges ein Par­la­men­ta­ri­scher Abend zum Rama­dan mit Ift­ar statt. Aus­ge­rich­tet wur­de er von der Bun­des­tags­frak­ti­on von Bünd­nis 90/Die Grü­nen – trei­ben­de Kraft war deren reli­gi­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin Lamya Kad­dor MdB, die den Abend initi­ier­te und die poli­ti­sche Ein­füh­rung über­nahm. Nach ihren Anga­ben war es das ers­te Mal, dass die Bun­des­tags­frak­ti­on ein Fas­ten­bre­chen im Hohen Haus ver­an­stal­te­te und ein »klei­nes Stück Par­la­ments­ge­schich­te« schrieb.

Die Begrü­ßung der rund 150 Gäs­te über­nahm die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Brit­ta Haßel­mann. Es folg­ten Key­notes von Prof. Dr. Bekim Agai und Prof. Dr. Mel­tem Kula­ça­tan, ein Poet­ry Slam sowie ein musi­ka­li­sches Pro­gramm. Kad­dor zog ein posi­ti­ves Fazit: Der Abend sen­de das Signal, »Mus­li­mi­sches Leben gehört selbst­ver­ständ­lich zu unse­rem Land«.

Ein ande­res Signal sen­det das Bild­ma­te­ri­al der Ver­an­stal­tung, das Kad­dor auf Social Media pos­te­te: Auf einem Foto aus Kad­dors Bei­trag beten in der ers­ten Rei­he Män­ner, dahin­ter in der zwei­ten Rei­he ver­schlei­er­te Frau­en. Der Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam frag­te dazu auf X:

»Wel­che Vor­stel­lun­gen von Gleich­be­rech­ti­gung und reli­giö­ser Pra­xis wer­den hier im Bun­des­tag sicht­bar gemacht?«

Die Ver­an­stal­tung stieß auf deut­li­che Kri­tik. Neben dem grund­sätz­li­chen Ein­wand, dass staat­li­che Insti­tu­tio­nen zu reli­gi­ös-welt­an­schau­li­cher Neu­tra­li­tät ver­pflich­tet sind, mel­de­te sich unter ande­rem die Frau­en­recht­le­rin und Moschee­grün­de­rin Sey­ran Ateş zu Wort: »Die Grü­nen wer­ben um Wäh­ler­stim­men«, so Ateş auf WELT TV. Die Frak­ti­on bil­de mit einem sol­chen Abend nicht ein­mal jenen »Kopf­tuch-Islam« ab, den sie sonst unter­stüt­ze. Offen blei­be, war­um aus­ge­rech­net die reli­gi­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin einer Par­tei, die Femi­nis­mus und Gleich­be­rech­ti­gung zu ihren Kern­an­lie­gen zählt, im Par­la­ment ein reli­giö­ses For­mat vor­an­treibt, des­sen sicht­ba­re Pra­xis Geschlech­ter­tren­nung ein­schließt und wes­sen Ver­ständ­nis von »mus­li­mi­schem Leben« eigent­lich reprä­sen­tiert wer­de.