Am Montag, dem 16. März 2026, fand im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestages ein Parlamentarischer Abend zum Ramadan mit Iftar statt. Ausgerichtet wurde er von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen – treibende Kraft war deren religionspolitische Sprecherin Lamya Kaddor MdB, die den Abend initiierte und die politische Einführung übernahm. Nach ihren Angaben war es das erste Mal, dass die Bundestagsfraktion ein Fastenbrechen im Hohen Haus veranstaltete und ein »kleines Stück Parlamentsgeschichte« schrieb.
Die Begrüßung der rund 150 Gäste übernahm die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann. Es folgten Keynotes von Prof. Dr. Bekim Agai und Prof. Dr. Meltem Kulaçatan, ein Poetry Slam sowie ein musikalisches Programm. Kaddor zog ein positives Fazit: Der Abend sende das Signal, »Muslimisches Leben gehört selbstverständlich zu unserem Land«.
Ein anderes Signal sendet das Bildmaterial der Veranstaltung, das Kaddor auf Social Media postete: Auf einem Foto aus Kaddors Beitrag beten in der ersten Reihe Männer, dahinter in der zweiten Reihe verschleierte Frauen. Der Arbeitskreis Politischer Islam fragte dazu auf X:
»Welche Vorstellungen von Gleichberechtigung und religiöser Praxis werden hier im Bundestag sichtbar gemacht?«
- Erste Reihe Männer.
— AK Polis | Arbeitskreis Politischer Islam (@AK_Polis) March 18, 2026
- Getrennt dahinter verschleierte Frauen.
Dieses Bild stammt aus einem Beitrag von @LamyaKaddor (@GrueneBundestag) vom 17. März 2026 zum Fastenbrechen im Bundestag.
Welche Vorstellungen von Gleichberechtigung und religiöser Praxis werden hier im Bundestag… pic.twitter.com/jEPzxNBKaJ
Die Veranstaltung stieß auf deutliche Kritik. Neben dem grundsätzlichen Einwand, dass staatliche Institutionen zu religiös-weltanschaulicher Neutralität verpflichtet sind, meldete sich unter anderem die Frauenrechtlerin und Moscheegründerin Seyran Ateş zu Wort: »Die Grünen werben um Wählerstimmen«, so Ateş auf WELT TV. Die Fraktion bilde mit einem solchen Abend nicht einmal jenen »Kopftuch-Islam« ab, den sie sonst unterstütze. Offen bleibe, warum ausgerechnet die religionspolitische Sprecherin einer Partei, die Feminismus und Gleichberechtigung zu ihren Kernanliegen zählt, im Parlament ein religiöses Format vorantreibt, dessen sichtbare Praxis Geschlechtertrennung einschließt und wessen Verständnis von »muslimischem Leben« eigentlich repräsentiert werde.