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EZW zur Akzep­tanz­kam­pa­gne »Ich bin Mus­lim / Ich bin Mus­li­min«

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) greift in einer ausführlichen Analyse die Akzeptanzkampagne »Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin« auf, mit der Musliminnen und Muslime im Verbund mit dem Arbeitskreis Politischer Islam (AK Polis) den in Berlin eingeführten »Tag gegen Islamfeindlichkeit« kritisch begleiten.

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Die Evan­ge­li­sche Zen­tral­stel­le für Welt­an­schau­ungs­fra­gen (EZW) hat unter dem Titel »Kampf gegen Islam­feind­lich­keit. Zum Für und Wider eines neu­en Gedenk­tags« einen Arti­kel ver­öf­fent­licht, der die Ein­füh­rung des »Tags gegen Islam­feind­lich­keit« am 15. März in Ber­lin ein­ge­hend ana­ly­siert. Ver­fasst von dem EZW-Refe­ren­ten Rüdi­ger Braun, ord­net der Bei­trag die poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und begriff­li­chen Dimen­sio­nen des neu­en Gedenk­tags ein.

Akzep­tanz­kam­pa­gne »Ich bin Mus­lim / Ich bin Mus­li­min«

Aus­führ­lich geht der EZW-Arti­kel auf die Akzep­tanz­kam­pa­gne »Ich bin Mus­lim / Ich bin Mus­li­min« ein, die vom Mer­nis­si-de-Gou­ges Bil­dungs- und Sozi­al­werk, der Ibn Rushd-Goe­the Moschee und dem Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (AK Polis) anläss­lich des neu­en Ber­li­ner Gedenk­tags gestar­tet wur­de. Die EZW gibt die Argu­men­te der Kam­pa­gne aus­führ­lich wie­der und macht sie damit einem brei­te­ren kirch­lich und poli­tisch inter­es­sier­tem Publi­kum zugäng­lich:

»Libe­ra­le Mus­li­me eben­so wie Kon­fes­si­ons­lo­se monie­ren eine mit dem Begriff der ›Islam­feind­lich­keit‹ ver­bun­de­ne Homo­ge­ni­sie­rung der Viel­falt mus­li­mi­scher Glau­bens- und Lebens­for­men: Der Begriff sug­ge­riert eine homo­ge­ne Iden­ti­tät von Mus­li­men, aus der ins­be­son­de­re tra­di­tio­nell-kon­ser­va­ti­ve Kräf­te einen Ver­tre­tungs­an­spruch zum Schutz des Islam vor Kri­tik ablei­ten und damit zugleich eine zen­tra­le Errun­gen­schaft der Auf­klä­rung, die Tren­nung von Per­son und Posi­ti­on, in Fra­ge stel­len kön­nen. Der grund­ge­setz­lich ver­bürg­te Schutz des ein­zel­nen Gläu­bi­gen vor Dis­kri­mi­nie­rung wür­de damit auf den Schutz einer Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung vor Dif­fa­mie­rung und Ver­un­glimp­fung aus­ge­dehnt und damit der Hand­lungs­spiel­raum in Sicherheits‑, Men­schen­rechts- und Inte­gra­ti­ons­fra­gen ent­schei­dend ein­ge­engt.«

Unter »dem Mot­to ›Isla­mi­sche Viel­falt leben – Frei­heit schüt­zen‹ ›Miss­ver­ständ­nis­se über Ursa­chen, Erschei­nungs­for­men und Wir­kun­gen von Islam­feind­lich­keit und Mus­li­men­feind­lich­keit‹ (möch­te sie) auf­klä­ren und zugleich auf ›Hege­mo­nie­kon­zep­te der ‚Islam­feind­lich­keit‘ und ‚Isla­mo­pho­bie‘ sowie über den Isla­mis­mus als wich­tigs­te Ursa­che der Mus­li­men­feind­lich­keit‹ auf­merk­sam machen […]. Die Kam­pa­gne sucht zugleich ›ein Zei­chen für Selbst­be­stim­mung und inner­is­la­mi­schen Plu­ra­lis­mus‹ zu set­zen, indem sie eine bis­lang gesamt­ge­sell­schaft­lich eher aus­ge­blen­de­te ›Aus­prä­gung grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit‹ in den Blick rückt: Von ›Islam­feind­lich­keit‹ bzw. einer ›inner­is­la­mi­schen Mus­li­men­feind­lich­keit‹, so for­mu­liert die Ber­li­ner Men­schen­rechts­an­wäl­tin und Moschee­grün­de­rin Sey­ran Ateş, sind auch all jene betrof­fen, die als ›libe­ra­le, säku­la­re und eman­zi­pier­te Mus­li­min­nen und Mus­li­me […] unter isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gien und Akteu­ren lei­den‹. Das Enga­ge­ment für Mus­li­me als Opfer von Dis­kri­mi­nie­rung dür­fe die Aggres­si­on und Feind­lich­keit mus­li­mi­scher Grup­pie­run­gen gegen ande­re Men­schen, ›gegen Anders­den­ken­de, Anders­glau­ben­de, Anders­lie­ben­de als auch […] gegen unse­re Gesamt­ge­sell­schaft‹ nicht aus dem Blick gera­ten las­sen. Mar­tin Hikel (SPD), Bezirks­bür­ger­meis­ter von Ber­lin-Neu­kölln, denkt dabei ins­be­son­de­re an die 40.000 Jüdin­nen und Juden in der Stadt, gegen die im Jahr 2024 über 2.500 anti­se­mi­ti­sche Über­grif­fe gezählt wur­den und rückt damit die von CLAIM erho­be­nen Zah­len anti­mus­li­mi­scher Über­grif­fe (644 bei einer mus­li­mi­schen Bevöl­ke­rungs­zahl von rund 400.000) in der Rela­ti­on noch­mals in ein ande­res Licht.«

Sey­ran Ateş: »inner­is­la­mi­sche Mus­li­men­feind­lich­keit«

Beson­de­re Beach­tung schenkt die EZW der Posi­ti­on der Ber­li­ner Men­schen­recht­le­rin und Moschee­grün­de­rin Sey­ran Ateş. Die­se macht auf eine »bis­lang gesamt­ge­sell­schaft­lich eher aus­ge­blen­de­te Aus­prä­gung grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit« auf­merk­sam: die »inner­is­la­mi­sche Mus­li­men­feind­lich­keit«. Von Islam­feind­lich­keit, so Ateş, sei­en auch all jene betrof­fen, die als »libe­ra­le, säku­la­re und eman­zi­pier­te Mus­li­min­nen und Mus­li­me […] unter isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gien und Akteu­ren lei­den«.

Das Enga­ge­ment für Mus­li­me als Opfer von Dis­kri­mi­nie­rung dür­fe die Aggres­si­on und Feind­lich­keit mus­li­mi­scher Grup­pie­run­gen gegen ande­re Men­schen, »gegen Anders­den­ken­de, Anders­glau­ben­de, Anders­lie­ben­de als auch […] gegen unse­re Gesamt­ge­sell­schaft« nicht aus dem Blick gera­ten las­sen. Die­se For­de­rung rich­tet sich gegen einen Dis­kurs, der Mus­li­me pau­schal als Opfer kon­stru­iert und dabei die Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung der mus­li­mi­schen Gemein­schaf­ten über­geht.

Begriff­li­che Ent­gren­zung: Von Islam­kri­tik über »Isla­mo­pho­bie« zu »anti­mus­li­mi­schem Ras­sis­mus«

Auf­schluss­reich ist die Aus­ein­an­der­set­zung der EZW mit der begriff­li­chen Dimen­si­on. Braun zeigt, wie die Begrif­fe »Isla­mo­pho­bie«, »Islam­feind­lich­keit« und »anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus« in der Ten­denz die Unter­schei­dung zwi­schen legi­ti­mer Reli­gi­ons­kri­tik und tat­säch­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung ein­eb­nen. Die UN-Reso­lu­ti­on von 2022 gegen Islam­feind­lich­keit sei maß­geb­lich von der Orga­ni­sa­ti­on für Isla­mi­sche Zusam­men­ar­beit (OIC) beför­dert wor­den, die seit den 1990er Jah­ren bestrebt ist, den Schutz vor Belei­di­gung des Islam auch inter­na­tio­nal durch­zu­set­zen.

Obwohl recht­lich unver­bind­lich, erzeu­ge die Reso­lu­ti­on einen nor­ma­ti­ven Rah­men, der ten­den­zi­ell zu einer »schritt­wei­sen Dif­fu­si­on und Ent­gren­zung inter­pre­ta­ti­ons­be­dürf­ti­ger Begrif­fe« füh­ren kön­ne. Die­se Begrif­fe wür­den von Akteu­ren aus dem reli­gi­ös-kon­ser­va­ti­ven oder isla­mis­ti­schen Milieu auch dazu genutzt, »eine jede grund­le­gen­de Kri­tik an Ideo­lo­gien, Geschlecht­er­ord­nun­gen und frei­heits­be­schrän­ken­den reli­giö­sen Prak­ti­ken im isla­mi­schen Kon­text als dis­kri­mi­nie­rend, islam­feind­lich oder gar ras­sis­tisch zu dis­kre­di­tie­ren«. Die Über­deh­nung des Ras­sis­mus­be­griffs füh­re zu des­sen Bana­li­sie­rung und lau­fe auf einen Kol­lek­ti­vis­mus hin­aus, »der die (für Mus­li­me ein­ge­for­der­ten) per­sön­li­chen Indi­vi­du­al­rech­te kul­tu­rel­len Grup­pen­iden­ti­tä­ten opfert«.

Der 22. August als Alter­na­ti­ve: Ateş’ Vor­schlag für einen inklu­si­ve­ren Gedenk­tag

Einen kon­struk­ti­ven Aus­weg skiz­ziert die EZW am Ende des Arti­kels unter Rück­griff auf einen Vor­schlag von Sey­ran Ateş. Die­se hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass mit dem 22. August ein »Inter­na­tio­na­ler Tag zum Geden­ken an die Opfer von Gewalt­ta­ten auf Grund von Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung« auf UN-Ebe­ne längst besteht. Die­ser Tag böte Raum, auch die gegen alle Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen gerich­te­te Dis­kri­mi­nie­rung in den Blick zu neh­men und deut­lich zu machen, dass sich »Dis­kri­mi­nie­run­gen eben­so wie Radi­ka­li­sie­run­gen und extre­mis­ti­sche For­men von Reli­gi­on nur gemein­sam und von innen, das heißt aus der Zivil­ge­sell­schaft her­aus (und nicht von oben her­ab poli­tisch dekre­tiert) über­win­den« las­sen.

Ein sol­cher all­ge­mei­ner Akti­ons­tag könn­te, so die EZW, »eine Platt­form dafür schaf­fen, in einer pola­ri­sier­ten, durch Co-Radi­ka­li­sie­run­gen rechts­extre­mer und isla­mis­ti­scher Akteu­re her­aus­ge­for­der­ten Stadt­ge­sell­schaft die Hand­lungs- und Spiel­räu­me für eine nüch­ter­ne und nach­hal­ti­ge Men­schen­rechts- und Reli­gi­ons­po­li­tik neu aus­zu­mes­sen«. Auf mus­li­mi­scher Sei­te kön­ne zudem eine stär­ke­re The­ma­ti­sie­rung von Radi­ka­li­sie­run­gen in den eige­nen Rei­hen dazu bei­tra­gen, anti­mus­li­mi­schen Res­sen­ti­ments und rechts­po­pu­lis­ti­schen Nar­ra­ti­ven ent­ge­gen­zu­tre­ten.

Flas­spöh­ler: Geg­ner­schaft statt Feind­schaft

Das Plä­doy­er für eine streit­ba­re Debat­te unter­mau­ert die EZW mit einem Ver­weis auf die Phi­lo­so­phin Sven­ja Flas­spöh­ler, die in ihrem Buch »Strei­ten« (Han­ser, 2024) for­mu­liert: »Nur wenn wir Kanä­le öff­nen, in denen Grup­pen, deren Ansich­ten sich eben gera­de nicht in einem Kon­sens tref­fen, als Geg­ner strei­ten kön­nen, sind wir in der Lage, Feind­schaft zu ver­hin­dern.«

Es wäre, so das Fazit der EZW, »viel gewon­nen, wenn es gelän­ge, in der Debat­te rund um Mus­li­men­feind­lich­keit von der Advo­ca­cy für die unter Dis­kri­mi­nie­rung lei­den­den Mus­li­me zu einer nüch­ter­ne­ren, von pater­na­lis­ti­scher Soli­da­ri­tät befrei­ten Aus­ein­an­der­set­zung um dif­fe­ren­te Erfah­run­gen, Wahr­neh­mun­gen und Ein­ord­nun­gen des Phä­no­mens Dis­kri­mi­nie­rung zu kom­men«. Damit for­mu­liert die kirch­li­che Fach­stel­le eine kla­re Posi­ti­on: Wer Dis­kri­mi­nie­rung wirk­sam bekämp­fen will, muss den offe­nen Streit über ihre Ursa­chen, For­men und Gren­zen zulas­sen – und darf ihn nicht durch begriff­li­che Ent­gren­zung und poli­tisch dekre­tier­te Akti­ons- und Gedenk­ta­ge erset­zen.

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  • Braun, Rüdi­ger (2026): »Kampf gegen Islam­feind­lich­keit. Zum Für und Wider eines neu­en Gedenk­tags«. Evan­ge­li­sche Zen­tral­stel­le für Welt­an­schau­ungs­fra­gen (EZW), 26.03.2026. Online abruf­bar: LINK