Islamkonferenz vor der Neuausrichtung
Laut FAZ zieht der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries (CDU), nach zwanzig Jahren Islamkonferenz eine kritische Bilanz: Statt »großer, symbolträchtiger Konferenzen« soll ein regelmäßiger, inhaltlich fokussierter Austausch entstehen. »Wir müssen auch über muslimischen Antisemitismus in unseren Städten sprechen, der unübersehbar ist«, sagt de Vries. Ende April sei ein erstes Werkstattgespräch als Auftakt der nächsten Phase geplant. Als Bedingungen für die Zusammenarbeit mit Islamverbänden und Moscheegemeinden nennt de Vries zwei Kriterien: keine Kooperation mit vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen, keine Finanzierung aus dem Ausland.
Damit berührt er ein Grundproblem der bisherigen Islampolitik: Verbände wie DITIB – mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet verbunden und ein Instrument der Diasporapolitik von Präsident Erdoğan – oder der Islamrat, dessen größtes Mitglied die vom Bundesverfassungsschutz als größte islamistische Organisation Deutschlands eingestufte Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) ist, erfüllen diese Anforderungen nicht.
Neuer Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung
Parallel dazu wurde die bisherige »Task Force Islamismusprävention« der Vorgängerregierung im November 2025 als »Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung« neu aufgestellt. Dreizehn der fünfzehn Mitglieder sind neu; nur der islamische Theologe Mouhanad Khorchide und Florian Endres vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gehörten bereits dem Vorgängergremium an.
Der neue Beraterkreis soll einen Bund-Länder-Aktionsplan erarbeiten, ein erster Entwurf wird Ende des Jahres erwartet. De Vries begründet die Neuausrichtung damit, der legalistische, nicht gewaltsam auftretende Islamismus sei lange Zeit unterschätzt worden. Ziel sei eine »systematische Aufklärung über islamistische Ideologien, Aktivitäten und Akteure«. Zu den neu berufenen Mitgliedern zählen die Neuköllner Integrationsbeauftragte Güner Balcı, der Islamismusexperte Ahmad Mansour, die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher und der Migrationsforscher Ruud Koopmans. Auch die großen Sicherheitsbehörden sind vertreten.
AK Polis – Arbeitskreis Politischer Islam
In dem Kontext der Neuausrichtung nimmt die FAZ auch den Arbeitskreis Politischer Islam in den Blick:
»Bemerkenswert ist, dass ein Drittel der Mitglieder im neuen Gremium zu einem noch jungen regierungsunabhängigen Netzwerk von Fachleuten und zivilgesellschaftlichen Akteuren gehört: dem Arbeitskreis Politischer Islam. Den umstrittenen Begriff verteidigte das Netzwerk in seiner Anfang vergangenen Jahres veröffentlichten Gründungsresolution gegen die Kritik, einen Generalverdacht gegen Muslime zu transportieren, man wolle liberalen und säkularen Muslimen eine Plattform bieten. Das Netzwerk, dem auch de Vries schon einen Besuch abstattete, forderte in seiner Gründungsresolution die Auflösung der Deutschen Islamkonferenz, um diese in die Integrationspolitik zu überführen, und warnt vehement vor der Unterwanderung durch den Politischen Islam.«
Weiterlesen:
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): »Was wird aus der Islamkonferenz?« von Tobias Schrörs, 14. März 2026. Online abrufbar unter: LINK (archiviert)
Im Text erwähnt:
Gründungsresolution des AK Polis:
https://www.ak-polis.de/AK-Polis-Resolution
Begriff »Politischer Islam«:
https://www.ak-polis.de/politischer-islam
Besuch von Staatssekretär Christoph de Vries:
Position »Deutsche Islamkonferenz (DIK) auflösen und integrationspolitisch mainstreamen« aus dem Sachstand AK Polis | Nr. 2 | 31. Januar 2025: