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Fehl­start der Islam­fa­kul­tät Müns­ter: »Abnor­ma­li­tä­ten-Theo­lo­gie« über Homo­se­xua­li­tät aus dem Bei­rat

Heute, am 24. September 2026, eröffnet die Universität Münster die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands. In ihrem Beirat wirkt Islamratschef Burhan Kesici an Berufungen und Studieninhalten mit, obwohl er Homosexualität als »abnormal« einordnet und dies einen theologischen Fachbegriff nennt. Der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), laut Sicherheitsbehörden die größte islamistische Organisation Deutschlands und größter Mitgliedsverband seines Islamrats, gab er im Deutschlandfunk eine umfassende Ehrenerklärung.

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Unter Grün­dungs­de­kan Mouha­nad Khor­chi­de soll die Fakul­tät ein Leucht­turm für einen auf­ge­klär­ten, welt­of­fe­nen Islam wer­den. Khor­chi­de spricht von einer Stär­kung der Uni­ver­si­tät »als Ort der theo­lo­gi­schen Viel­falt«: »Die­ser Schritt ist für vie­le Mus­li­me in Deutsch­land ein ein­drucks­vol­les und wich­ti­ges Signal der Aner­ken­nung.« Rek­tor Johan­nes Wes­sels sagt: »Die Grün­dung ist ein Mei­len­stein für die isla­mi­sche Theo­lo­gie, auf den wir stolz sind. Gleich­zei­tig ist es ein gesell­schafts­po­li­ti­sches Zei­chen für mehr Tole­ranz, das weit über Müns­ter hin­aus beach­tet wer­den wird.«1 An die­sem Anspruch ist die Fakul­tät zu mes­sen.

Ein­fluss auf Beru­fun­gen und Leh­re

Über Per­so­nal und Leh­re ent­schei­det die Fakul­tät aller­dings nicht allein, denn ihr ist der Kon­fes­sio­nel­le Bei­rat für Isla­mi­sche Theo­lo­gie zuge­ord­net. Wel­ches Gewicht die­ses Gre­mi­um hat, regelt eine Ord­nung, die der Senat der Uni­ver­si­tät beschlos­sen hat. Vor der Ein­rich­tung oder Ände­rung eines Stu­di­en­gangs und vor dem Erlass von Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen muss die Uni­ver­si­tät das Ein­ver­ständ­nis des Bei­rats ein­ho­len. Vor jeder Beru­fung braucht die Uni­ver­si­täts­lei­tung sein Ein­ver­ständ­nis zu der Per­son, die den Ruf erhal­ten soll. Ver­wei­gern darf der Bei­rat es »aus reli­giö­sen Grün­den, die sich auf Leh­re oder Lebens­wan­del bezie­hen«. Bean­stan­det er nach­träg­lich die Leh­re einer beru­fe­nen Per­son, muss die Uni­ver­si­tät dafür sor­gen, dass sie nicht mehr in der Isla­mi­schen Theo­lo­gie unter­rich­tet. Das gilt auch für den Grün­dungs­de­kan.2

Ursprüng­lich sah die Ord­nung neben vier Ver­bands­ver­tre­tern auch unab­hän­gi­ge mus­li­mi­sche Per­sön­lich­kei­ten und Reli­gi­ons­ge­lehr­te vor, die Uni­ver­si­tät und Ver­bän­de gemein­sam bestim­men soll­ten. Seit einer Senats­re­form im Dezem­ber 2015 benen­nen die Ver­bän­de alle Mit­glie­der selbst. Heu­te ent­sen­den DITIB, Islam­rat und Zen­tral­rat der Mus­li­me in Deutsch­land (ZMD) je zwei Ver­tre­ter, für den Islam­rat dar­un­ter des­sen Vor­sit­zen­den Bur­han Kesi­ci. Eine eige­ne wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on Kesi­cis ist nicht ersicht­lich. Als Ver­bands­ver­tre­ter ent­schei­det er trotz­dem mit, ob habi­li­tier­te Wis­sen­schaft­ler beru­fen wer­den und wei­ter an der Uni­ver­si­tät Müns­ter leh­ren dür­fen.

»Ein theo­lo­gi­scher Fach­be­griff«

Nach wel­chen Maß­stä­ben Kesi­ci die Isl­am­theo­lo­gie beur­teilt, über die er mit­ent­schei­det, hat er öffent­lich mit­ge­teilt. In der ZDF-Sen­dung »Forum am Frei­tag« vom 8. Mai 2026 wur­den ihm die Moti­ve der Akzep­tanz­kam­pa­gne für Viel­falt im Islam »Ich bin Mus­lim / Ich bin Mus­li­min« vor­ge­legt, die vom Mer­nis­si-de Gou­ges Bil­dungs- und Sozi­al­werk, der Ibn Rushd-Goe­the-Moschee und dem AK Polis getra­gen wird. Zu den Bil­dern, dar­un­ter ein schwu­les mus­li­mi­sches Paar, sag­te Kesi­ci, hier wür­den »Abnor­ma­li­tä­ten« als nor­mal dar­ge­stellt.3

Eine Woche nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den Ber­li­ner Chris­to­pher Street Day (CSD) vom 25. Juli 2026 kon­fron­tier­te ihn der Deutsch­land­funk mit sei­nen Aus­sa­gen. Kesi­ci bekräf­tig­te sei­ne »Abnormalitäten«-Rhetorik und gab ihr eine theo­lo­gi­sche Begrün­dung: »Und alles, was sozu­sa­gen ver­bo­ten ist, ist abnor­mal. Das ist ein theo­lo­gi­scher Fach­be­griff.«4 Auf Nach­fra­ge bezog er das Urteil auf den homo­se­xu­el­len Akt. Dass er Homo­se­xua­li­tät im ZDF in eine Rei­he mit Obdach­lo­sig­keit, Alko­ho­lis­mus und Gewalt an Frau­en gestellt hat­te, bestritt er rund­her­aus, obwohl der Bei­trag nach­prüf­bar das Gegen­teil zeigt. Eren Güver­cin, Mit­grün­der der Alham­bra-Gesell­schaft, wider­sprach dem Islam­rats­chef noch am sel­ben Tag auf der Platt­form X, denn einen sol­chen Fach­be­griff ken­ne die isla­mi­sche Theo­lo­gie nicht. Von der Uni­ver­si­tät Müns­ter und ihren Isl­am­theo­lo­gen und ‑päd­ago­gen ist bis heu­te kei­ne öffent­li­che Reak­ti­on bekannt.

Nach dem isla­mis­ti­schen CSD-Anschlag hat­te Tugay Saraç, Lei­ter der Akzep­tanz­kam­pa­gne für Viel­falt im Islam und selbst schwu­ler Mus­lim, im Pod­cast des Jour­na­lis­ten Paul Ron­z­hei­mer die Nähe der Poli­tik zum Islam­rats­chef kri­ti­siert: »Die Poli­tik hofiert die­je­ni­gen, die que­e­re Men­schen ja ver­un­glimp­fen.«5 Saraç hält dage­gen: »Es gibt in die­sem Land genug säku­la­re, demo­kra­ti­sche und huma­nis­ti­sche Mus­li­min­nen und Mus­li­me – mit denen kann und muss die Poli­tik reden. Die­se Viel­falt ist in der neu­en Islam­fa­kul­tät in Müns­ter nicht zu erken­nen. Das ist auch nicht über­ra­schend, ange­sichts der Ori­en­tie­rung an Für­spre­chern der Mil­lî Görüş wie Kesi­ci. Mei­ne Kri­tik gilt nicht der Ein­bin­dung von Mus­li­min­nen und Mus­li­men, son­dern der Fra­ge, wer als deren Ver­tre­tung aner­kannt und gesell­schafts­po­li­tisch legi­ti­miert wird.«

Kesi­ci spricht dabei für einen Dach­ver­band, des­sen größ­ter Mit­glieds­ver­band die Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­lî Görüş (IGMG) ist. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz, der Inlands­nach­rich­ten­dienst des Bun­des, führt die IGMG als größ­te isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land.6 Im Deutsch­land­funk gab Kesi­ci ihr den­noch eine umfas­sen­de Ehren­er­klä­rung: »Mil­lî Görüş ist nicht radi­kal, Mil­lî Görüş ist nicht pro­ble­ma­tisch und macht auch sehr gute Arbeit.« Die Ein­stu­fung durch den Ver­fas­sungs­schutz wisch­te er bei­sei­te: »Das sind so ande­re Mei­nun­gen«.7 Der nord­rhein-west­fä­li­sche Ver­fas­sungs­schutz beschrieb die­ses Ver­hält­nis schon vor über drei­ßig Jah­ren: »Die IGMG besitzt die Mehr­heit im ›Islam­rat‹.« Im Islam­rat hät­ten sich dem­nach »sowohl nicht-extre­mis­ti­sche als auch extre­mis­ti­sche isla­mi­sche Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ge­schlos­sen, um als reprä­sen­ta­ti­ve Gesprächs­part­ner für staat­li­che Stel­len ihr Ziel, die Aner­ken­nung als Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, zu ver­fol­gen«. Der Bericht hielt wei­ter fest: »Unter dem Deck­man­tel des Islam­rats unter­nimmt die IGMG wei­ter­hin Anstren­gun­gen, offi­zi­ell als Reli­gi­ons­ge­mein­schaft aner­kannt zu wer­den, um die damit ver­bun­de­nen recht­li­chen und finan­zi­el­len Vor­tei­le nut­zen zu kön­nen.«8 Mit dem Sitz im Müns­te­ra­ner Bei­rat ist der Islam­rat heu­te genau jener Gesprächs­part­ner staat­li­cher Stel­len, als den der Ver­fas­sungs­schutz sein Ziel beschrie­ben hat­te.

Wie weit Kesi­cis Ver­bin­dung in das Umfeld der Mil­lî Görüş zurück­reicht, zeigt ein Arti­kel der taz von 2005. Kesi­ci sei damals Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der der Isla­mi­schen Föde­ra­ti­on Ber­lin (IFB) gewe­sen. Die IFB erteil­te bereits damals isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt an Ber­li­ner Schu­len und galt nach Dar­stel­lung der taz als Tarn­or­ga­ni­sa­ti­on der Mil­lî Görüş.9

Aziz Bozk­urt (SPD), Staats­se­kre­tär im Ber­li­ner Senat, ver­or­te­te Kesi­ci im Juni 2026 beim »Neu­köll­ner Dia­log für Inte­gra­ti­on« »klar im isla­mis­ti­schen Bereich«.10

Die Ver­ant­wor­tung der Lan­des­re­gie­rung NRW

Für den Reli­gi­ons­un­ter­richt an Schu­len hat das Land NRW selbst einen Maß­stab gesetzt. Nach § 132a Schul­ge­setz NRW arbei­tet das Schul­mi­nis­te­ri­um nur mit Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men, die Gewähr für Staats­un­ab­hän­gig­keit und die Ach­tung der Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en bie­ten. Für den Bei­rat der Fakul­tät, die Lehr­kräf­te für die­sen Unter­richt aus­bil­det, gibt es einen sol­chen Maß­stab nicht. Sei­ne Mit­wir­kung beruht allein auf einer Sat­zung der Uni­ver­si­tät, die an die Ver­tre­ter der Ver­bän­de kei­ne ver­gleich­ba­ren Anfor­de­run­gen stellt.

Das Müns­te­ra­ner Modell hat sich damit von sei­ner eige­nen Anla­ge ent­fernt. Gedacht als kir­chen­för­mi­ger Ersatz für eine feh­len­de isla­mi­sche Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, ist der Bei­rat zu einem Gre­mi­um gewor­den, des­sen Beset­zung allein die pro­ble­ma­ti­schen Ver­bän­de bestim­men. Der Jurist Chris­toph Schmisch­ke kam in sei­ner ver­fas­sungs­recht­li­chen Unter­su­chung des Bei­rats­mo­dells schon 2018 zu einem deut­li­chen Befund: Die Uni­ver­si­tät Müns­ter habe dem Koor­di­na­ti­ons­rat der Mus­li­me (KRM), ein­schließ­lich des Islam­rats, die Beset­zung des Bei­rats »ganz offen­kun­dig ein­ge­räumt, ohne von sei­ner voll­stän­di­gen Rechts- und Ver­fas­sungs­treue rest­los über­zeugt zu sein bzw. die­se hin­rei­chend genau unter­sucht zu haben«. Geprüft wer­den müs­se die Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit anhand der Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re des Islam­rats und der IGMG, die als trei­ben­de Kraft im Islam­rat gel­te. In sei­ner Zusam­men­fas­sung heißt es: »Das Merk­mal der Rechts- und Ver­fas­sungs­treue muss für die Teil­nah­me am Bei­rat eben­so unum­stöß­li­che Vor­aus­set­zung sein wie für die Direkt­ko­ope­ra­ti­on nach Art. 7 Abs. 3 GG. Es ist daher nicht nur inkon­se­quent, son­dern auch ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig, der IGMG zwar ihre Koope­ra­ti­ons­taug­lich­keit im Rah­men einer Direkt­ko­ope­ra­ti­on mit Ver­weis auf feh­len­de Rechts- und Ver­fas­sungs­treue abzu­spre­chen, gleich­zei­tig aber den ihr über­ge­ord­ne­ten Spit­zen­ver­band als Koope­ra­ti­ons­part­ner bzw. als Teil eines sol­chen zu akzep­tie­ren.«11

Dabei finan­ziert das Land die Fakul­tät, und poli­tisch ver­ant­wort­lich ist das Minis­te­ri­um für Kul­tur und Wis­sen­schaft unter Minis­te­rin Ina Bran­des (CDU). Minis­ter­prä­si­dent Hen­drik Wüst (CDU) schrieb am Tag nach dem Anschlag auf den CSD: »Das war ein abscheu­li­cher Angriff auf unse­re Frei­heit.« An einer Fakul­tät, die sein Land finan­ziert, wirkt nun ein Bei­rat mit, der Homo­se­xua­li­tät als abnor­mal ein­ord­net und sich dafür auf die isla­mi­sche Theo­lo­gie beruft.

Das Grund­ge­setz schützt die Reli­gi­ons­frei­heit und das Selbst­be­stim­mungs­recht der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten (Art. 4 GG, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 3 WRV), wes­halb der Staat nicht über Glau­bens­leh­ren urteilt. Mit wem er an einer staat­li­chen Hoch­schu­le koope­riert, ent­schei­det er jedoch selbst. Die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung liegt bei Uni­ver­si­tät und Lan­des­re­gie­rung.

Sey­ran Ateş, Grün­de­rin der Ibn Rushd-Goe­the-Moschee und Mit­trä­ge­rin der Akzep­tanz­kam­pa­gne für Viel­falt im Islam, fragt ange­sichts die­ser Que­er­feind­lich­keit:

»Ist das Reli­gi­on? Soll das die Linie der isla­mi­schen Theo­lo­gie in Müns­ter sein? Wer Homo­se­xua­li­tät als ›abnor­mal‹ bezeich­net und dies reli­gi­ös begrün­det, wer­tet homo­se­xu­el­le Men­schen und ihre Lebens­wei­se ab. Das hal­te ich für men­schen­feind­lich. Wel­che Viel­falt wird damit gestärkt?

Die Grün­dung der Isla­misch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät soll ein Signal der Aner­ken­nung für Mus­li­min­nen und Mus­li­me in Deutsch­land sein. Umso pro­ble­ma­ti­scher ist es, wenn Ver­tre­ter von Islam­ver­bän­den in den dafür geschaf­fe­nen Bei­rä­ten Ein­fluss erhal­ten und zugleich Posi­tio­nen ver­tre­ten, die der sexu­el­len Selbst­be­stim­mung und der Gleich­wer­tig­keit quee­rer Men­schen wider­spre­chen.

Bur­han Kesi­ci, Vor­sit­zen­der des Islam­rats, ist als Ver­tre­ter sei­nes Ver­ban­des Mit­glied des kon­fes­sio­nel­len Bei­rats für Isla­mi­sche Theo­lo­gie der Uni­ver­si­tät Müns­ter. Auch Ver­tre­ter ande­rer gro­ßer Islam­ver­bän­de wir­ken in die­sem Gre­mi­um mit. Gera­de des­halb muss die Uni­ver­si­tät sehr genau dar­auf ach­ten, wel­che theo­lo­gi­schen Posi­tio­nen durch die­se insti­tu­tio­nel­le Betei­li­gung Ein­fluss auf die Ent­wick­lung der isla­mi­schen Theo­lo­gie erhal­ten.

Als Grün­dungs­de­kan der neu­en Isla­misch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät muss Mouha­nad Khor­chi­de sich aus mei­ner Sicht hier­zu klar posi­tio­nie­ren:

Teilt die isla­mi­sche Theo­lo­gie in Müns­ter die Auf­fas­sung, ›abnor­mal‹ sei im Zusam­men­hang mit Homo­se­xua­li­tät ein theo­lo­gi­scher Fach­be­griff? Wenn nicht, soll­ten Fakul­tät und Uni­ver­si­tät gegen­über dem Bei­rat, den Leh­ren­den, den Stu­die­ren­den und der Öffent­lich­keit unmiss­ver­ständ­lich deut­lich machen, dass die Abwer­tung homo­se­xu­el­ler Men­schen und ihrer Lebens­wei­se kei­nen Platz in einer isla­mi­schen Theo­lo­gie an einer deut­schen Uni­ver­si­tät haben darf.«

Güner Yase­min Bal­cı, Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­te des Bezirks Neu­kölln und Mit­glied im Bera­ter­kreis Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums, sagt:

»Ich erle­be jeden Tag, wie viel­fäl­tig mus­li­mi­sches Leben ist. Die meis­ten jun­gen Mus­li­min­nen und Mus­li­me wol­len selbst ent­schei­den, wie sie leben und wen sie lie­ben. Wer ihre Lie­be zur Abnor­ma­li­tät erklärt, lie­fert dem Druck und der Gewalt in ihren Com­mu­ni­ties eine ver­meint­lich reli­giö­se Recht­fer­ti­gung. Gera­de nach dem Anschlag auf den CSD ist das uner­träg­lich. Ein Leucht­turm für einen welt­of­fe­nen Islam darf nicht im Schat­ten von Isla­mis­ten ste­hen. NRW muss den Zustand been­den, dass Isla­mis­ten über Beru­fun­gen und Leh­re in Müns­ter ent­schei­den.«

Ali Ertan Toprak, Ehren­prä­si­dent der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Immi­gran­ten­ver­bän­de in Deutsch­land und eben­falls Mit­glied im Isla­mis­mus-Bera­ter­kreis des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums, sieht die Lan­des­re­gie­rung NRW in der Pflicht:

»Das ist ein Fehl­start mit Ansa­ge. Die Lan­des­re­gie­rung weiß, dass die größ­te Mit­glieds­or­ga­ni­sa­ti­on des Islam­rats zur beob­ach­te­ten Mil­lî-Görüş-Bewe­gung gehört. Sie finan­ziert eine Fakul­tät, in deren Bei­rat der Vor­sit­zen­de die­ses Ver­bands sitzt. ZDF und Deutsch­land­funk sind auch in Düs­sel­dorf zu emp­fan­gen, und das Abnor­ma­li­tä­ten-Mind­set des Islam­rats­chefs über Homo­se­xua­li­tät ist weit­hin bekannt. Wenn Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Bran­des davor die Augen ver­schließt, muss Minis­ter­prä­si­dent Wüst ein­schrei­ten.«

End­no­ten

  1. Uni­ver­si­tät Müns­ter (22. April 2026): Uni Müns­ter grün­det ers­te deut­sche »Isla­misch-Theo­lo­gi­sche Fakul­tät«. Rek­tor Johan­nes Wes­sels: »Ein Mei­len­stein und ein Zei­chen für mehr Tole­ranz«. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  2. West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter: Ord­nung des kon­fes­sio­nel­len Bei­rats für Isla­mi­sche Theo­lo­gie vom 21. Dezem­ber 2011, Amt­li­che Bekannt­ma­chun­gen 2012/03 vom 24. Janu­ar 2012, S. 153–155, §§ 2–6 und 11. LINK; Uni­ver­si­tät Müns­ter, Isla­misch-Theo­lo­gi­sche Fakul­tät (23. Sep­tem­ber 2026): Gre­mi­en. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  3. Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (23. Juli 2026, aktua­li­siert am 1. August 2026): »Abnor­ma­li­tä­ten«! Was der Islam­rats­vor­sit­zen­de Kesi­ci im ZDF zur Norm erklärt. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  4. Deutsch­land­funk (1. August 2026): Homo­pho­bie unter Mus­li­men. Inter­view mit Bur­han Kesi­ci, Vor­sit­zen­der Islam­rat. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  5. Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (30. Juli 2026): Nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den Ber­li­ner CSD: Tugay Saraç kri­ti­siert im Pod­cast von Paul Ron­z­hei­mer die Nähe der Poli­tik zu que­er­feind­li­chen Funk­tio­nä­ren. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  6. Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (2025): »Isla­mis­mus in Deutsch­land. Ideo­lo­gie, Strö­mun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen«, S. 27. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  7. Deutsch­land­funk (1. August 2026): Homo­pho­bie unter Mus­li­men. Inter­view mit Bur­han Kesi­ci, Vor­sit­zen­der Islam­rat. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  8. Innen­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (1996): »Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len über das Jahr 1995«, S. 190. LINK ↩︎
  9. taz. die tages­zei­tung (22. Febru­ar 2005): Betr.: Bur­han Kesi­ci. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  10. Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (23. Juli 2026, aktua­li­siert am 1. August 2026): »Abnor­ma­li­tä­ten«! Was der Islam­rats­vor­sit­zen­de Kesi­ci im ZDF zur Norm erklärt. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  11. Chris­toph Schmisch­ke: »Das Bei­rats­mo­dell – neue Wege für den isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt. Ver­fas­sungs­recht­li­che Unter­su­chun­gen zur Zuläs­sig­keit alter­na­ti­ver Koope­ra­ti­ons­for­men zwi­schen Staat und reli­giö­sen Orga­ni­sa­tio­nen«. Göt­tin­gen (Uni­ver­si­täts­ver­lag Göt­tin­gen), 2018, S. 215–217. ↩︎