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Was hat Clan­kri­mi­na­li­tät mit dem Islam zu tun?

»Ich beschreibe das Milieu, in dem so etwas wächst.« So antwortete der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban am 20. Mai 2026 auf dem Podium der Friedrich-Naumann-Stiftung, als ihn der Berliner Grünen-Innenpolitiker Vasili Franco nach dem Zusammenhang von Clankriminalität und Islam fragte. In diesem Artikel führt Ghadban die Antwort aus. Er beschreibt die Großfamilie als Sozialsystem, das Scharia-Familienrecht, die Ehrenkultur samt Blutrache, den politisch privilegierten Verbandsislam sowie die Parallelgesellschaft. Erst aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren ergebe sich, warum das Phänomen so robust ist – und welche Hebel im Sinne einer Auflösung wirken könnten.

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Von Ralph Ghad­ban

Bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung in Ber­lin am 20. Mai 2026 unter dem Titel »Ber­lin und Clans: Hat die Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät längst gewon­nen?« stell­te Vasi­li Fran­co, innen­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen-Frak­ti­on im Abge­ord­ne­ten­haus, die Fra­ge: »Was hat Clan­kri­mi­na­li­tät mit dem Islam zu tun?«1 Mei­ne Ant­wort war: »Ich beschrei­be das Milieu, in dem so etwas wächst.« Die­se Ant­wort ver­dient eine Aus­füh­rung, die über den Rah­men einer Podi­ums­dis­kus­si­on hin­aus­geht. Denn die Fra­ge ist kei­ne rhe­to­ri­sche – sie berührt den Kern des­sen, war­um unser Rechts­staat in eini­gen Stadt­tei­len Ber­lins seit Jahr­zehn­ten an Boden ver­liert.

Das Indi­vi­du­um gegen die Groß­fa­mi­lie

Unser frei­heit­li­cher Staat ruht auf einer anthro­po­lo­gi­schen Vor­aus­set­zung: dem Indi­vi­du­um. Erzie­hung, Schu­le, Sozi­al­sys­tem, Straf­recht – alles ist auf den ein­zel­nen mün­di­gen Bür­ger zuge­schnit­ten, der für sich selbst ver­ant­wort­lich ist und gegen­über dem Staat in einem direk­ten Rechts­ver­hält­nis steht. Die­se Kon­struk­ti­on ist his­to­risch jung und kul­tu­rell vor­aus­set­zungs­reich. Sie ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, und vor allem ist sie kein Natur­zu­stand.

In den Her­kunfts­ge­bie­ten der meis­ten mus­li­mi­schen Ein­wan­de­rer – von Marok­ko über den Liba­non bis Afgha­ni­stan – bil­det nicht das Indi­vi­du­um die sozia­le Grund­ein­heit, son­dern die Groß­fa­mi­lie. Die­se Struk­tur ist kei­ne Lau­ne der Kul­tur, son­dern Ant­wort auf eine har­te öko­no­mi­sche Wirk­lich­keit. Sie hat eine Funk­ti­on, und die­se Funk­ti­on ver­dient es, ernst genom­men zu wer­den.

Die Groß­fa­mi­lie als Sozi­al­sys­tem

Wer Clan­struk­tu­ren ver­ste­hen will, muss den Wohl­fahrts­staat weg­den­ken. In Staa­ten, in denen es kei­ne Ren­ten­ver­si­che­rung gibt, kei­ne Arbeits­lo­sen­hil­fe, kei­ne Pfle­ge­ver­si­che­rung, kei­ne Kran­ken­kas­se, kein BAföG, kei­nen funk­tio­nie­ren­den Sozi­al­dienst – wer fängt dort den Ein­zel­nen auf, wenn das Leben zuschlägt? Die Ant­wort ist nicht »der Staat« und auch nicht »die Ver­si­che­rung«. Die Ant­wort ist: die Fami­lie. Und zwar nicht die Kern­fa­mi­lie aus Vater, Mut­ter, Kind, son­dern die Groß­fa­mi­lie mit Onkeln, Tan­ten, Cou­sins, Schwä­gern, Groß­el­tern, also der gesam­te Ver­bund über meh­re­re Gene­ra­tio­nen.2

Die­se Groß­fa­mi­lie ist Sozi­al­ver­si­che­rung, Arbeits­amt und Pfle­ge­heim in einem. Sie sorgt für die Wit­we, wenn der Mann stirbt. Sie nimmt die Wai­se auf, wenn die Eltern weg­fal­len. Sie pflegt den alten Vater, der nicht mehr gehen kann. Sie streckt das Start­ka­pi­tal für den jun­gen Cou­sin vor, der ein Geschäft eröff­nen will. Sie fin­det Arbeit für den Schwa­ger, der sei­ne Stel­le ver­lo­ren hat. Sie zahlt das Braut­geld für den Nef­fen. Sie küm­mert sich um das Kind, das im Kran­ken­haus liegt, weil eben nie­mand sonst kommt. In Gesell­schaf­ten ohne staat­li­ches Sicher­heits­netz ist das kei­ne Sen­ti­men­ta­li­tät, son­dern Über­le­bens­öko­no­mie.

Dar­aus folgt umge­kehrt eine Pflicht des Ein­zel­nen: Wer von der Groß­fa­mi­lie auf­ge­fan­gen wird, schul­det ihr Loya­li­tät. Wer es zu etwas bringt, muss zurück­zah­len – nicht nur Geld, son­dern Ver­füg­bar­keit, Soli­da­ri­tät, Gehor­sam gegen­über den Älte­ren, die für sei­ne Erzie­hung gesorgt haben. Die Groß­fa­mi­lie ist eine wech­sel­sei­ti­ge Ver­si­che­rungs­ge­mein­schaft, deren Prä­mi­en lebens­lang flie­ßen, in bei­de Rich­tun­gen.

Die­se Soli­da­ri­tät ist nicht über­all gleich stark. Sie ist umso aus­ge­präg­ter, je här­ter die Lebens­be­din­gun­gen sind: bei Halb­no­ma­den in tro­cke­nen Regio­nen stär­ker als bei sess­haf­ten Bau­ern, bei Bau­ern stär­ker als in den Städ­ten. Nur etwa 18 Pro­zent der Land­flä­che die­ses Rau­mes sind über­haupt urbar. Wo die Natur wenig her­gibt, muss die Grup­pe mehr leis­ten. Das ist auch der Grund, war­um die Mhal­la­mi – ursprüng­lich halb­no­ma­di­sche Bau­ern aus der Süd­ost­tür­kei, spä­ter Migran­ten ohne Auf­ent­halts­sta­tus im Liba­non – die schlag­kräf­tigs­ten Clan­struk­tu­ren ent­wi­ckelt haben. Sie hat­ten gene­ra­tio­nen­lang nichts außer ein­an­der.3

Hier liegt die ers­te, oft über­se­he­ne Wahr­heit: Die Groß­fa­mi­lie ist nicht das Pro­blem. In ihrem ursprüng­li­chen Kon­text ist sie eine zivi­li­sa­to­ri­sche Leis­tung. Sie ver­hin­dert, dass Schwa­che unter­ge­hen. Sie hält Gesell­schaf­ten zusam­men, in denen sonst nichts trägt. Wer aus einer sol­chen Struk­tur kommt und nach Deutsch­land ein­wan­dert, gibt sie nicht leicht­fer­tig auf – nicht aus Stur­heit, son­dern weil sie für ihn jahr­hun­der­te­lang das war, was die Ver­si­che­rungs­kar­te, die Sozi­al­num­mer und der Ren­ten­be­scheid für uns sind.

Was die Scha­ria mit der Fami­li­en­struk­tur macht

Damit ist aber erst die sozio­geo­gra­fi­sche Grund­la­ge erklärt. Sie reicht nicht aus, um zu ver­ste­hen, war­um sich die Groß­fa­mi­li­en­struk­tur auch nach drei, vier Gene­ra­tio­nen in einer Gesell­schaft hält, die ihre ursprüng­li­che Funk­ti­on längst durch staat­li­che Insti­tu­tio­nen ersetzt hat. Wenn die öko­no­mi­sche Not­wen­dig­keit weg­fällt, müss­te sich die Struk­tur eigent­lich auf­lö­sen. War­um tut sie es nicht?

Die Ant­wort liegt im Wer­te­sys­tem, das die Groß­fa­mi­lie über den Weg­fall ihrer öko­no­mi­schen Funk­ti­on hin­aus kon­ser­viert: in der Scha­ria.

In nahe­zu allen isla­misch gepräg­ten Staa­ten regelt reli­giö­ses Recht das Fami­li­en- und Erbrecht – auch dort, wo das Straf­recht längst säku­lar ist. Das hat drei Kon­se­quen­zen, die für unser The­ma ent­schei­dend sind:

Ers­tens das Patri­ar­chat. Unter den Welt­re­li­gio­nen räumt der Islam den Geschlech­ter­ver­hält­nis­sen den größ­ten Platz in sei­nem hei­li­gen Buch ein; die zweit­größ­te Grup­pe nor­ma­ti­ver Ver­se im Koran betrifft die Bezie­hung zwi­schen Mann und Frau – sie gestal­ten das Patri­ar­chat. Vers 4:34 legt die Rang­ord­nung fest: »Die Män­ner ste­hen über den Frau­en, weil Gott sie aus­ge­zeich­net hat und wegen der Aus­ga­ben, die sie von ihrem Ver­mö­gen gemacht haben.« Die rela­tiv freie Frau der vor­is­la­mi­schen Zeit wur­de unter die Kon­trol­le des Man­nes gebracht: Sie erhielt einen männ­li­chen Vor­mund (wali), der über ihre Hand­lun­gen mit­ent­schied – eine Infan­ti­li­sie­rung, die sich bis in die Fami­li­en­rechts­ko­di­fi­ka­tio­nen prak­tisch aller Staa­ten der Regi­on fort­schreibt, in unter­schied­li­cher Schär­fe, aber im Kern unver­än­dert. Wer in die­ser Logik auf­wächst, bringt sie mit – auch nach Ber­lin-Neu­kölln.

Zwei­tens das Erbrecht. Wäh­rend im deut­schen Recht pri­mär Ehe­frau und Kin­der erben, wei­tet das isla­mi­sche Erbrecht den Kreis der Berech­tig­ten auf Geschwis­ter und unter Umstän­den auch auf die Eltern des Ver­stor­be­nen aus; die Toch­ter erbt dabei nur halb so viel wie ihre Brü­der. Eigen­tum wird damit nicht an die Kern­fa­mi­lie wei­ter­ge­ge­ben, son­dern inner­halb der Groß­fa­mi­lie gehal­ten – »recy­celt«, könn­te man sagen. Ver­mö­gen bleibt im Clan. Das ist nicht nur öko­no­misch wirk­sam, son­dern auch struk­tu­rell: Die Groß­fa­mi­lie ist eine wirt­schaft­li­che Ein­heit, kein loser Ver­bund von Ver­wand­ten.

Wie stark das Fami­li­en­recht die isla­mi­sche Welt prägt, haben schon die klas­si­schen Ori­en­ta­lis­ten fest­ge­stellt: Auf der Suche nach dem gemein­sa­men Nen­ner der »isla­mi­schen Welt« kamen sie zu dem Ergeb­nis, dass genau die­ses Fami­li­en­recht sie am stärks­ten kenn­zeich­net. Es gestal­tet den All­tag der Mus­li­me, grenzt sie von den Nicht­mus­li­men ab und ver­fes­tigt die Herr­schaft des Man­nes.4 In der Migra­ti­on bleibt es iden­ti­täts­stif­tend: Wenn Mus­li­me in Euro­pa von isla­mi­scher Iden­ti­tät und Lebens­wei­se reden, mei­nen sie nicht Hudud-Stra­fen, son­dern das Fami­li­en­recht – und das Kopf­tuch ist Teil davon, weil es die Geschlech­ter­tren­nung in der Öffent­lich­keit bedeu­tet.

Drit­tens die Endo­ga­mie. In ihrer ara­bi­schen Aus­prä­gung ist die Hei­rat zwi­schen Cou­sin und Cou­si­ne nicht nur erlaubt, son­dern bevor­zugt – die soge­nann­te bint al-ʿamm-Ehe, die Hei­rat mit der Toch­ter des Vater­bru­ders.5 Die­se Pra­xis ist reli­gi­ös erlaubt und kul­tu­rell vor­ge­schrie­ben. Sie hat zwei Effek­te: Sie hält Ver­mö­gen, Loya­li­tät und Kon­trol­le in der Fami­lie, und sie macht die Grup­pe nach außen prak­tisch undurch­läs­sig. Der Anthro­po­lo­ge Emma­nu­el Todd hat die staats­po­li­ti­sche Trag­wei­te die­ser Hei­rats­ord­nung auf den Punkt gebracht: Die Exo­ga­mie zwingt dazu, Ver­bin­dun­gen zwi­schen Frem­den her­zu­stel­len – das führt zur Ent­ste­hung eines Staa­tes. Die Endo­ga­mie dage­gen erzeugt Gesell­schaf­ten ohne Staat, in denen die Gemein­schaft aus einer blo­ßen Neben­ein­an­der­stel­lung von Fami­li­en besteht.6 Empi­ri­sche Stu­di­en doku­men­tie­ren konsan­gui­ne Hei­rats­ra­ten in ara­bi­schen Gesell­schaf­ten von 20 bis über 50 Pro­zent, mit einer kla­ren Bevor­zu­gung der Patri­la­te­ra­li­tät. In eini­gen Mhal­la­mi-Clans in Deutsch­land erreicht die Endo­ga­mie­ra­te nahe­zu hun­dert Pro­zent. In einer offe­nen Gesell­schaft wie unse­rer ist eine sol­che Quo­te ohne erheb­li­chen sozia­len Druck nicht zu errei­chen – sie geht regel­mä­ßig ein­her mit Ehe­schlie­ßun­gen Min­der­jäh­ri­ger und Zwangs­ehen, also mit Straf­tat­be­stän­den; die Ehe mit Min­der­jäh­ri­gen ist in vie­len isla­misch gepräg­ten Län­dern bis heu­te legal, und die Mhal­la­mi hal­ten die deut­schen Alters­gren­zen zum Teil nicht ein.7

Die­se drei Ele­men­te – Patri­ar­chat, Erbrecht, Endo­ga­mie – sind reli­gi­ös legi­ti­miert und kul­tu­rell tief ver­an­kert. Sie kon­ser­vie­ren die Groß­fa­mi­lie auch dort, wo ihre ursprüng­li­che Schutz­funk­ti­on längst vom Staat über­nom­men wur­de.

Die Ehre als Bin­de­mit­tel

Was aus die­sen Struk­tu­ren ein leben­di­ges Steue­rungs­sys­tem macht, ist ein Begriff, den unse­re Gesell­schaft kaum noch ernst nimmt: die Ehre. Im ara­bi­schen Kul­tur­kreis bezeich­net sha­raf die kol­lek­ti­ve Ehre der Fami­lie, ʿird spe­zi­ell die sexu­el­le Unver­sehrt­heit ihrer Frau­en. Bei­des ist nicht indi­vi­du­ell. Ehre gehört nicht dem Ein­zel­nen, son­dern der Groß­fa­mi­lie. Der Ein­zel­ne kann sie nicht meh­ren, ohne sie für alle zu meh­ren; er kann sie aber jeder­zeit für alle beschä­di­gen.

Die­ser Ehr­be­griff ist his­to­risch nicht immer der­sel­be gewe­sen. In der vor­is­la­mi­schen Zeit war die Ehre mit der Rit­ter­lich­keit asso­zi­iert: Kraft, Mut, Groß­zü­gig­keit und der Schutz des Stam­mes gal­ten als ihre Kom­po­nen­ten – nicht die Sexua­li­tät. Mit dem Islam lös­te der Patri­arch den Rit­ter ab. Fort­an kenn­zeich­ne­ten nicht Kraft und Mut das Män­ner­bild, son­dern finan­zi­el­le Potenz, Besitz, Weis­heit und Reli­gi­on; der Schutz sei­nes Besit­zes, wozu sei­ne Kin­der und sei­ne Frau­en gehör­ten, bil­de­te den neu­en Inhalt des Ehr­be­griffs. Damit gewann die Ehre eine aus­ge­prägt sexu­el­le Kon­no­ta­ti­on: Es geht um die Siche­rung der männ­li­chen Filia­ti­on. Wie unmit­tel­bar die­se Ord­nung bis heu­te wirkt, hat ein paläs­ti­nen­si­scher Sozi­al­ar­bei­ter in Ber­lin-Neu­kölln 2013 for­mu­liert: »In dem ara­bi­schen Ehren­kon­text hat eben das Mäd­chen eine ganz ande­re Stel­lung als der Jun­ge. Der Jun­ge ist der Beschüt­zer der Ehre, der Bru­der, sehr oft der Vater, und das Mäd­chen ver­kör­pert die­se Ehre, und die­se Ehre muss geschützt wer­den.«8

Dar­aus folgt eine Logik, die mit der west­li­chen Vor­stel­lung von Schuld kaum ver­ein­bar ist. Wir leben in einer Schuld­kul­tur: Wer etwas falsch macht, ist per­sön­lich ver­ant­wort­lich, kann per­sön­lich büßen und per­sön­lich reha­bi­li­tiert wer­den. Die Ehren­kul­tur funk­tio­niert anders. Hier ist das Fehl­ver­hal­ten eines Ein­zel­nen die Schan­de aller; und die Schan­de wird nicht durch Reue getilgt, son­dern durch eine Hand­lung, die die Ehre wie­der­her­stellt. Im äußers­ten Fall durch Gewalt – gegen eine Toch­ter, eine Schwes­ter, einen Schwa­ger. Der soge­nann­te »Ehren­mord« ist kei­ne Ent­glei­sung der Ehren­kul­tur, son­dern ihre kon­se­quen­te Anwen­dung.9

Die­se Kon­struk­ti­on ver­bin­det die drei struk­tu­rel­len Ele­men­te zu einem geschlos­se­nen Sys­tem. Das Patri­ar­chat ver­teilt die Wäch­ter­rol­le: Der Mann ist nicht nur Ver­sor­ger, son­dern Hüter der Fami­li­en­eh­re. Die Endo­ga­mie schützt die­se Ehre nach außen, weil die Toch­ter idea­ler­wei­se inner­halb der Fami­lie ver­hei­ra­tet wird, wo der Ruf der Frau über­wacht wer­den kann. Das Erbrecht hält das Ver­mö­gen zusam­men, das die kol­lek­ti­ve Stel­lung der Fami­lie sichert. So betrach­tet ist auch Reich­tum Ehre.

Für die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zu unse­rer Rechts­ord­nung ist das ent­schei­dend. Eine Anzei­ge gegen den eige­nen Bru­der, eine Aus­sa­ge gegen den Cou­sin, eine Distan­zie­rung von einem straf­fäl­li­gen Onkel – all das beschä­digt die Ehre der Groß­fa­mi­lie und gilt als Ver­rat. Der Rechts­staat ver­langt vom Zeu­gen, was die Ehren­kul­tur ver­bie­tet. Das ist kein Detail, son­dern der har­te Kern des Pro­blems: Ohne aus­sa­ge­be­rei­te Zeu­gen schei­tern Ver­fah­ren rei­hen­wei­se; mit ihnen wür­den Clans schnell ihren Schutz ver­lie­ren. Wie weit die Ein­schüch­te­rung staat­li­cher Stel­len reicht, hat die 2010 ver­stor­be­ne Neu­köll­ner Jugend­rich­te­rin Kirs­ten Hei­sig doku­men­tiert – sie berich­te­te, was Sozi­al­ar­bei­ter hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand erzäh­len: »Man kann kein Kind zwangs­wei­se aus einem ara­bi­schen Clan neh­men. Die Fami­li­en erschie­ßen jeden, der das ver­su­chen soll­te.«10 Die Bekämp­fung der Clan­kri­mi­na­li­tät hängt des­halb wesent­lich davon ab, ob es gelingt, ein­zel­ne aus dem Ehren­sys­tem her­aus­zu­lö­sen oder ob das Ehren­sys­tem die Ein­zel­nen wei­ter trägt.

Auch die Frau­en­fra­ge hängt hier. Die Frau­en sind die Haupt­leid­tra­gen­den in die­sen Struk­tu­ren; ihre mas­si­ve Unter­drü­ckung bil­det die Grund­la­ge zur Erhal­tung der Groß­fa­mi­li­en. Wenn sie sich befrei­en, fällt das Sys­tem zusam­men.11 Das ist der Grund, war­um erfolg­rei­che Aus­stei­ge­rin­nen aus Clan­struk­tu­ren so oft bedroht wer­den: Sie sind nicht nur per­sön­lich abtrün­nig, sie demon­tie­ren das Sys­tem selbst. Umge­kehrt heißt das für die Bekämp­fung: Jedes Aus­stiegs­pro­gramm muss die Situa­ti­on der Frau­en ins Zen­trum stel­len – ein funk­tio­nie­ren­des, schüt­zen­des Netz­werk aus Poli­zei, Jugend­äm­tern, Frau­en­häu­sern und frei­en Trä­gern wür­de immer mehr Mit­glie­der ermu­ti­gen, sich selbst­stän­dig zu machen, und damit zur Schwä­chung der Clan­struk­tu­ren und zur Indi­vi­dua­li­sie­rung bei­tra­gen.

Vom Groß­fa­mi­li­en­ver­band zum Clan

Groß­fa­mi­lie ist nicht gleich Clan. Der ent­schei­den­de Schritt voll­zieht sich dort, wo zur fami­liä­ren Soli­da­ri­tät ein wei­te­res Ele­ment hin­zu­kommt: die Blut­ra­che. Sie ist die schärfs­te Sank­ti­on der Ehren­kul­tur – die Ant­wort auf einen Angriff von außen, der die Ehre der Fami­lie ver­letzt. Wer einen aus der Grup­pe angreift, greift alle an; wer aus der Grup­pe aus­schert, ver­liert ihren Schutz. Erst durch die­se har­te Außen­gren­ze wird aus der Groß­fa­mi­lie ein Clan.12 Das ist nicht roman­ti­sche Folk­lo­re, son­dern ein funk­tio­nie­ren­des Sank­ti­ons­sys­tem, das die Endo­ga­mie absi­chert und die Par­al­lel­jus­tiz trägt.

Bei der Ankunft in Deutsch­land hät­te man erwar­ten kön­nen, dass die­se Struk­tu­ren sich auf­lö­sen. Der deut­sche Staat über­nimmt die Schutz­funk­ti­on, die im Her­kunfts­land die Groß­fa­mi­lie leis­te­te: Er sichert gegen Krank­heit, Alter, Arbeits­lo­sig­keit. Die öko­no­mi­sche Exis­tenz­grund­la­ge der Groß­fa­mi­lie als Ver­si­che­rungs­ver­bund fällt damit weg. Eine Auf­lö­sung der Struk­tu­ren wäre die Vor­aus­set­zung für Inte­gra­ti­on gewe­sen, denn Inte­gra­ti­on fin­det immer indi­vi­du­ell statt – nie kol­lek­tiv.

Ein­ge­tre­ten ist das Gegen­teil. Statt sich auf­zu­lö­sen, hat sich die Groß­fa­mi­lie umfunk­tio­niert. Man­che Grup­pen haben ent­deckt, dass ihr Soli­da­ri­täts­prin­zip in einer indi­vi­dua­li­sier­ten Gesell­schaft ein mas­si­ver Wett­be­werbs­vor­teil ist – nicht mehr zur Exis­tenz­si­che­rung, son­dern zur Selbst­be­die­nung. Wer geschlos­sen auf­tritt, kann jeden Ein­zel­nen ein­schüch­tern. Was als Ver­si­che­rung gegen das Schick­sal ent­stan­den war, wur­de zum Werk­zeug der Beu­te. Aus die­ser Umnut­zung ist Schritt für Schritt das gewach­sen, was wir heu­te Clan­kri­mi­na­li­tät nen­nen: von Schutz­geld­erpres­sung über Raub­de­lik­te bis hin zu orga­ni­sier­ten Über­grif­fen auf die Staats­ge­walt selbst.13

Den Anfang mach­ten die Mhal­la­mi, deren halb­no­ma­di­scher Hin­ter­grund eine beson­ders star­ke inne­re Soli­da­ri­tät mit­brach­te. Spä­ter kamen Struk­tu­ren aus Alba­ni­en, Tsche­tsche­ni­en und – nach 2015 – vor allem aus Syri­en hin­zu. Ande­re Groß­fa­mi­li­en beob­ach­te­ten die Erfol­ge die­ser Grup­pen und ver­such­ten, sie nach­zu­ah­men. Auch das ist beschreib­bar, ohne jeman­den zu stig­ma­ti­sie­ren.

Die Par­al­lel­ge­sell­schaft als Schutz­raum

Hier kommt der Islam ein zwei­tes Mal ins Spiel – nicht mehr als kul­tu­rel­ler Hin­ter­grund, son­dern als orga­ni­sier­te Par­al­lel­ge­sell­schaft. Mit der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung kamen ab den 1980er Jah­ren die Frau­en und Kin­der nach. Vie­le Män­ner woll­ten ver­hin­dern, dass ihre Fami­li­en sich in einer offe­nen Gesell­schaft eman­zi­pie­ren. Sie wand­ten sich an die Hüter der Scha­ria – die isla­mi­schen Ver­bän­de, deren Orga­ni­sa­tio­nen einen erheb­li­chen Zulauf erfuh­ren. Der Islam­rat wur­de 1986 gegrün­det, der Zen­tral­rat der Mus­li­me 1994.

Die­se Ver­bän­de betrie­ben fort­an eine Poli­tik der Re-Isla­mi­sie­rung sozia­ler Ver­hält­nis­se: Kopf­tuch, Geschlech­ter­tren­nung, Halal-Essen, reli­giö­ser Anspruch auf den öffent­li­chen Raum. Metho­disch folg­ten sie dabei der von Hassan al-Ban­na, dem Grün­der der Mus­lim­bru­der­schaft, emp­foh­le­nen »Isla­mi­sie­rung von unten«: Sie beginnt in der Bil­dung des gläu­bi­gen ein­zel­nen Mus­lims, setzt sich fort in der gläu­bi­gen Fami­lie, dann in der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen – und wenn es so weit ist, kommt schließ­lich die Isla­mi­sie­rung der Poli­tik und führt zum isla­mi­schen Staat. Die Mit­tel die­ser Isla­mi­sie­rung sind Bil­dung und Sozi­al­ar­beit; die geeig­ne­te Insti­tu­ti­on ist das isla­mi­sche Zen­trum.

Die Isla­mi­sie­rung zeig­te mess­ba­re Wir­kung: Nach den Erhe­bun­gen des Zen­trums für Tür­kei­stu­di­en stieg der Anteil reli­giö­ser Mus­li­me von 57 Pro­zent im Jahr 2000 auf 76 Pro­zent im Jahr 2005; die Stu­die von Brett­feld und Wet­zels für das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te 2007 die Distan­zie­rung der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on von der deut­schen Gesell­schaft und den Zusam­men­hang zwi­schen stei­gen­der Reli­gio­si­tät und Des­in­te­gra­ti­on.

Die deut­sche Poli­tik ant­wor­te­te nicht mit dem nüch­ter­nen Ver­fah­ren, das Arti­kel 140 Grund­ge­setz für die Aner­ken­nung als Reli­gi­ons­ge­mein­schaft vor­sieht, son­dern mit insti­tu­tio­nel­ler Aner­ken­nung außer­halb des gesetz­li­chen Rah­mens: Staats­ver­trä­ge mit Schura-Räten, Ein­be­ru­fung der Deut­schen Islam­kon­fe­renz. Der Ver­lauf der Islam­kon­fe­renz ist dabei lehr­reich: Die ers­te Kon­fe­renz (2006) lud noch bewusst Ein­zel­per­so­nen ein, dar­un­ter vie­le Libe­ra­le. Nach ihrem Beginn bün­del­ten die gro­ßen Ver­bän­de im März 2007 ihre Kräf­te im Koor­di­na­ti­ons­rat der Mus­li­me, führ­ten in der zwei­ten Kon­fe­renz (2009–2013) eine Kon­fron­ta­ti­on mit dem Staat, die sie gewan­nen, und schaff­ten es in der drit­ten Kon­fe­renz (ab 2014), allei­ni­ge Ansprech­part­ner des Staa­tes zu wer­den – alle nicht orga­ni­sier­ten Mus­li­me, und die waren durch­weg libe­ral, wur­den aus­ge­schlos­sen. Damit ent­stand etwas, das mit Reli­gi­ons­frei­heit nur noch wenig zu tun hat – ein poli­tisch pri­vi­le­gier­ter Ver­band­s­is­lam, der einen Anspruch auf kol­lek­ti­ve Son­der­rech­te erhebt. Nicht als Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aner­kannt – das Urteil des OVG Müns­ter gegen den Zen­tral­rat und den Islam­rat vom 9. Novem­ber 2017 hat es erneut bestä­tigt –,14 wur­den die Ver­bän­de den­noch in Bei­rä­te für den isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt und die isla­mi­sche Theo­lo­gie an den Uni­ver­si­tä­ten geholt.15

Für die Clan­struk­tu­ren war die­ser Ver­band­s­is­lam funk­tio­nal. Er lie­fer­te das Wer­te­sys­tem, das die patri­ar­cha­li­sche Fami­lie legi­ti­miert. Er schuf Räu­me, in denen Par­al­lel­jus­tiz – etwa durch soge­nann­te Frie­dens­rich­ter – ohne ernst­haf­te staat­li­che Gegen­wehr ope­rie­ren konn­te.16 Und er lie­fer­te die ideo­lo­gi­sche Begrün­dung dafür, sich der Auf­nah­me­ge­sell­schaft nicht zu öff­nen, son­dern sich von ihr abzu­gren­zen. Der Clan schützt das Eigen­tum, die Par­al­lel­ge­sell­schaft schützt den Clan.

Die poli­zei­li­che Defi­ni­ti­on

Über zwei Jahr­zehn­te galt das Wort »Clan« in Tei­len der Poli­tik als stig­ma­ti­sie­rend (teil­wei­se wei­ter­hin); ent­spre­chend fehl­te den Behör­den die begriff­li­che Kate­go­rie, um die Struk­tu­ren über­haupt zu erfas­sen. Das hat sich geän­dert. Im Bun­des­la­ge­bild Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät arbei­tet das Bun­des­kri­mi­nal­amt seit 2018/2019 mit einer ein­heit­li­chen Defi­ni­ti­on, die seit­her im Rah­men der Bund-Län­der-Initia­ti­ve zur Bekämp­fung der Clan­kri­mi­na­li­tät (BLICK) fort­ge­schrie­ben wird:

»Clan­kri­mi­na­li­tät ist die Bege­hung von Straf­ta­ten durch Ange­hö­ri­ge eth­nisch abge­schot­te­ter Sub­kul­tu­ren. Sie ist bestimmt von ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen, einer gemein­sa­men eth­ni­schen Her­kunft und einem hohen Maß an Abschot­tung der Täter, wodurch die Tat­be­ge­hung geför­dert oder die Auf­klä­rung der Tat erschwert wird. Dies geht ein­her mit einer eige­nen Wer­te­ord­nung und der prin­zi­pi­el­len Ableh­nung der deut­schen Rechts­ord­nung.«17

Dass eine sol­che bun­des­weit aner­kann­te Defi­ni­ti­on heu­te vor­liegt, ist ein poli­ti­scher Fort­schritt. Neu­köllns Bezirks­bür­ger­meis­ter Mar­tin Hikel (SPD) hat sie kürz­lich als »wesent­li­chen Erfolg« bezeich­net: »Dadurch ist kla­rer, wor­über wir über­haupt spre­chen, und es ent­steht ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis.«18 Ohne Defi­ni­ti­on kein Lage­bild, ohne Lage­bild kei­ne Bund-Län­der-Koor­di­na­ti­on, ohne Koor­di­na­ti­on kei­ne Erfol­ge gegen mobi­le Tat­struk­tu­ren.

Die Defi­ni­ti­on leis­tet aber nur, was sie leis­ten soll: Sie ist eine poli­zei­li­che Arbeits­de­fi­ni­ti­on. Sie beschreibt das »Wie« der Tat­be­ge­hung – eth­nisch abge­schot­tet, ver­wandt­schaft­lich ver­bun­den, gegen­über dem Rechts­staat abwei­send. Sie beschreibt nicht das »War­um« der Struk­tu­ren. Wel­che Rol­le spielt das Patri­ar­chat? Wel­che das isla­mi­sche Erbrecht, das Ver­mö­gen in der Groß­fa­mi­lie hält? Wel­che die reli­gi­ös legi­ti­mier­te Endo­ga­mie, die nach außen abschot­tet? Wel­che die Ehren­kul­tur, die Aus­sa­gen gegen Ver­wand­te als Ver­rat ver­steht? Wel­che schließ­lich die Par­al­lel­ge­sell­schaft, die das Wer­te­sys­tem kon­ser­viert und mit insti­tu­tio­nel­ler Rücken­de­ckung ver­sieht? Auf all die­se Fra­gen schweigt die poli­zei­li­che Defi­ni­ti­on – sie muss schwei­gen, weil sie für ihre Auf­ga­ben weder zustän­dig noch geeig­net ist.

Genau die­se sozio­lo­gi­sche und reli­gi­ons­wis­sen­schaft­li­che Tie­fen­schicht ist Gegen­stand des vor­lie­gen­den Bei­trags. Sie ist kei­ne Kon­kur­renz zur poli­zei­li­chen Defi­ni­ti­on, son­dern ihre not­wen­di­ge Ergän­zung. Die Poli­zei beschreibt, was vor Gericht beweis­bar sein muss. Sie kann nicht beschrei­ben, was eine Wer­te­ge­mein­schaft in vier­ter Gene­ra­ti­on zusam­men­hält. Wer das ver­ste­hen will, muss bei der Groß­fa­mi­lie als Sozi­al­sys­tem anset­zen, beim Fami­li­en- und Erbrecht der Scha­ria, bei der Ehren­kul­tur und bei der Par­al­lel­ge­sell­schaft. Erst aus dem Zusam­men­spiel die­ser Fak­to­ren ergibt sich, war­um das Phä­no­men so robust ist – und wel­che Hebel im Sin­ne einer Auf­lö­sung wir­ken könn­ten.

Was dar­aus folgt – und was nicht

Aus dem Gesag­ten folgt nicht, dass der Islam als sol­cher mit Clan­kri­mi­na­li­tät her­vor­bringt. Es gibt Hun­dert­tau­sen­de Mus­li­me in Deutsch­land, die in kei­nem Clan leben und kei­ner­lei kri­mi­nel­le Ener­gie ent­wi­ckeln. Es folgt aber, dass die Clan­struk­tu­ren in einem reli­gi­ös-kul­tu­rel­len Milieu wach­sen, das ihre Kon­ser­vie­rung begüns­tigt: durch ein Fami­li­en­recht, das das Patri­ar­chat stützt; durch ein Erbrecht, das die Groß­fa­mi­lie wirt­schaft­lich zusam­men­hält; durch eine Hei­rats­pra­xis, die die Grup­pe nach außen abschot­tet; durch eine Ehren­kul­tur, die Loya­li­tät zur Fami­lie über Loya­li­tät zum Recht stellt; und durch eine Par­al­lel­ge­sell­schaft, die die­sem Milieu insti­tu­tio­nel­le Rücken­de­ckung gibt. Wer die­se Zusam­men­hän­ge benennt, stig­ma­ti­siert nicht. Er nimmt die Bedin­gun­gen ernst, unter denen Inte­gra­ti­on gelin­gen oder schei­tern kann. Die Dis­kus­si­on gehört in die Mit­te der Gesell­schaft – nicht an ihre Rän­der, weder rechts noch links.

Die Fra­ge, die der Grü­nen-Poli­ti­ker Vasi­li Fran­co am 20. Mai bei der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung gestellt hat, ist die rich­ti­ge. Sie ver­dient eine kla­re Ant­wort. Eine kla­re Ant­wort beginnt mit der Beschrei­bung des Milieus, in dem etwas wächst. Aber sie soll­te dort nicht auf­hö­ren. Sie soll­te zu den Kon­se­quen­zen füh­ren, die der Rechts­staat dar­aus zu zie­hen hat. Das wäre dann eine nächs­te Dis­kus­si­on.


Dr. Ralph Ghad­ban ist Islam­wis­sen­schaft­ler und Migra­ti­ons­for­scher. 1949 im Liba­non gebo­ren, lebt er seit 1972 in Ber­lin. Zu sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen zäh­len: »Die Liba­non-Flücht­lin­ge in Ber­lin. Zur Inte­gra­ti­on eth­ni­scher Min­der­hei­ten« (Das Ara­bi­sche Buch, Ber­lin 2000), »Ara­bi­sche Clans – Die unter­schätz­te Gefahr« (Econ, 2018), »Allahs muti­ge Kri­ti­ker« (Her­der, 2021) und »Das Netz der Mul­lahs – Der Iran und der poli­ti­sche Islam der Schii­ten« (Her­der, 2026).


End­no­ten

  1. Die Ver­an­stal­tung wur­de gemein­sam mit der Ber­li­ner Mor­gen­post aus­ge­rich­tet. Auf dem Podi­um saßen neben Vasi­li Fran­co (MdA, Bünd­nis 90/Die Grü­nen) und dem Autor die­ses Bei­trags: Ben­ja­min Jen­dro (Gewerk­schaft der Poli­zei Ber­lin), Astrid Leicht (Fix­punkt e. V.), Adem Ispir­li (Betrei­ber einer von Schutz­geld­erpres­sung betrof­fe­nen KFZ-Werk­statt) und Peter Lan­ger (Gene­ral­se­kre­tär der FDP Ber­lin). Mode­ra­ti­on: Den­nis Mei­schen, Ber­li­ner Mor­gen­post. ↩︎
  2. Ralph Ghad­ban: »Ara­bi­sche Clans. Die unter­schätz­te Gefahr«. Ber­lin (Econ), 2018, Kap. 1, S. 17–55, zur Stam­mes­kul­tur bes. S. 43 ff. ↩︎
  3. Ghad­ban 2018, Kap. 2, S. 56–80; ders.: »Die Liba­non-Flücht­lin­ge in Ber­lin. Zur Inte­gra­ti­on eth­ni­scher Min­der­hei­ten«. Ber­lin (Das Ara­bi­sche Buch), 2000. ↩︎
  4. Ghad­ban 2018, S. 29–33; ver­glei­chend zum kodi­fi­zier­ten Fami­li­en­recht Lynn Welch­man: »Women and Mus­lim Fami­ly Laws in Arab Sta­tes«. Ams­ter­dam (Ams­ter­dam Uni­ver­si­ty Press), 2007; zum Erbrecht David S. Powers: »Stu­dies in Qurʾan and Hadith. The For­ma­ti­on of the Isla­mic Law of Inhe­ri­tance«. Ber­ke­ley (Uni­ver­si­ty of Cali­for­nia Press), 1986. ↩︎
  5. Ladis­lav Holý: »Kin­ship, Honour and Soli­da­ri­ty. Cou­sin Mar­ria­ge in the Midd­le East«. Man­ches­ter (Man­ches­ter Uni­ver­si­ty Press), 1989. ↩︎
  6. Ghad­ban 2018, S. 42; grund­le­gend Emma­nu­el Todd: »L’o­ri­gi­ne des sys­tè­mes fami­liaux«, Bd. 1. Paris (Gal­li­mard), 2011. ↩︎
  7. Alan H. Bitt­les / Micha­el L. Black: »Cons­an­gui­neous Mar­ria­ge and Human Evo­lu­ti­on«. In: Annu­al Review of Anthro­po­lo­gy 39 (2010), S. 193–207, DOI: 10.1146/annurev.anthro.012809.105051; zur Endo­ga­mie der Mhal­la­mi in Deutsch­land Ghad­ban 2018, S. 29 und Kap. 5. ↩︎
  8. Ghad­ban 2018, S. 31 (dort auch das Zitat des Sozi­al­ar­bei­ters); zur Begriff­lich­keit Frank Hen­der­son Ste­wart: »Honor«. Chi­ca­go (Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press), 1994. ↩︎
  9. Unni Wikan: »In Honor of Fadi­me. Mur­der and Shame«. Chi­ca­go (Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press), 2008. ↩︎
  10. Kirs­ten Hei­sig, zit. n. Ghad­ban 2018, S. 282; vgl. dies.: »Das Ende der Geduld«. Frei­burg (Her­der), 2010. ↩︎
  11. Ghad­ban 2018, S. 283. ↩︎
  12. Joseph Ginat: »Blood Reven­ge. Fami­ly Honor, Media­ti­on and Out­cas­ting«. Brigh­ton (Sus­sex Aca­de­mic Press), 1997. ↩︎
  13. Ghad­ban 2018, Kap. 4–6; Bun­des­kri­mi­nal­amt: »Bun­des­la­ge­bild Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät«, jähr­lich, Wies­ba­den. ↩︎
  14. Zum OVG-Urteil (Az. 19 A 997/02) und sei­ner Vor­ge­schich­te Insti­tut für Welt­an­schau­ungs­recht (10. Novem­ber 2017): OVG NRW: Kein Anspruch auf Ein­füh­rung isla­mi­schen Reli­gi­ons­un­ter­richts in NRW. Online ver­füg­bar unter: LINK ↩︎
  15. Ghad­ban 2018, S. 215–219; die Reli­gio­si­täts­da­ten nach Kat­rin Brett­feld / Peter Wet­zels: »Mus­li­me in Deutsch­land«. Ham­burg (Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern), 2007. ↩︎
  16. Joa­chim Wag­ner: »Rich­ter ohne Gesetz – Isla­mi­sche Par­al­lel­jus­tiz gefähr­det unse­ren Rechts­staat. Wie Ima­me in Deutsch­land die Scha­ria anwen­den«. Erwei­ter­te und aktua­li­sier­te Aus­ga­be, Ber­lin (Ull­stein), 2012. ↩︎
  17. Bun­des­kri­mi­nal­amt: »Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät. Bun­des­la­ge­bild«, Wies­ba­den, Aus­ga­ben 2018 ff. Online ver­füg­bar unter: LINK (archi­viert). ↩︎
  18. Sebas­ti­an Kar­kos (14. Juni 2026): Hikel: »Für kri­mi­nel­le Clans ist es in Neu­kölln unge­müt­lich gewor­den«. In: Ber­li­ner Kurier. Online ver­füg­bar unter: LINK (archi­viert). ↩︎