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Ham­burg: Vom Mul­lah-Zen­trum zur »Gedenk­stät­te für die Opfer des Isla­mis­mus«

In Hamburg fordert ein weltanschaulich plurales Bündnis, das beschlagnahmte Mullah-Zentrum an der Außenalster in eine »Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus« umzuwandeln. Das Konzept »Fünf Pfeiler gegen Islamismus« ergänzt: eine Moschee für islamische Spiritualität unter verfassungskonformer Trägerschaft, eine Dokumentationsstelle Politischer Islam, einen Jugend-Bildungscampus sowie ein Jina-Kulturzentrum. Dies ist ein Kurswechsel und künftig soll gelten: erinnern, dokumentieren, aufklären – aus Hamburg, für Deutschland und die Welt.
»Nach dem Verbot: Was tun mit dem beschlagnahmten Mullah-Zentrum in Hamburg?« – Forderung nach einer »Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus«. Entwurf der Großflächenplakataktion (Bild: FREI-HH)

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Seit heu­te macht eine Groß­flä­chen-Pla­kat­ak­ti­on im Ham­bur­ger Stadt­zen­trum die For­de­rung sicht­bar, das beschlag­nahm­te Mul­lah-Zen­trum an der Außen­als­ter künf­tig als Ort des Geden­kens an die Opfer des Isla­mis­mus zu nut­zen. Getra­gen wird die Initia­ti­ve von einem welt­an­schau­lich plu­ra­len Bünd­nis, dem u. a. der Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (AK Polis), die Kul­tur­brü­cke Ham­burg, die Kur­di­sche Gemein­de Deutsch­land (KGD), das Säku­la­re Forum Ham­burg, der Ver­ein »Säku­la­rer Islam Ham­burg«, der Zen­tral­rat der Ex-Mus­li­me sowie die Initia­ti­ve »Inter­na­tio­nal Women in Power« (IWP) ange­hö­ren.

»Ein star­kes Zei­chen – aus Ham­burg, für Deutsch­land und die Welt«

Das Bünd­nis ergreift die Initia­ti­ve, um mit der Wür­di­gung der Opfer ein star­kes Zei­chen zu set­zen – »aus Ham­burg, für Deutsch­land und die Welt«. Zum Hin­ter­grund: Das Ham­bur­ger Mul­lah-Zen­trum agier­te bis zu sei­nem Ver­bot im Juli 2024 »als direk­te Ver­tre­tung des ira­ni­schen ›Obers­ten Revo­lu­ti­ons­füh­rers‹ in Deutsch­land« – so das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (BMI) in sei­ner Ver­bots­ver­fü­gung –, also von Aja­tol­lah Ali Cha­men­ei, der in der Isla­mi­schen Repu­blik Iran die höchs­te geist­li­che Instanz und der Ober­be­fehls­ha­ber der Streit­kräf­te ist.

Das Zen­trum ver­brei­te­te die Ideo­lo­gie der »Isla­mi­schen Revo­lu­ti­on« in »aggres­siv-kämp­fe­ri­scher Wei­se« und ziel­te auf die Errich­tung einer auto­ri­tär-theo­kra­ti­schen Herr­schaft anstel­le der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ab; zudem ver­brei­te­te es »aggres­si­ven Anti­se­mi­tis­mus«, han­del­te »gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung« und unter­stütz­te die in Deutsch­land mit Betä­ti­gungs­ver­bot beleg­te Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on »Hizb Allah«.

Das Isla­mi­sche Zen­trum Ham­burg (IZH) wur­de – zusam­men mit sei­nen Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen »Isla­mi­sche Aka­de­mie Deutsch­land«, »Ver­ein der För­de­rer einer ira­ni­schen-isla­mi­schen Moschee in Ham­burg« und wei­te­ren – ver­bo­ten, weil es sich um eine extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on des Isla­mis­mus han­delt, die ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le ver­folgt. Das BMI stell­te fest, dass das IZH »äußerst kon­spi­ra­tiv« vor­geht: »Nach außen möch­te es den Ein­druck erwe­cken, eine tole­ran­te und rein reli­giö­se Ein­rich­tung zu sein, ohne jeg­li­che poli­ti­sche Agen­da oder Anbin­dung. Tat­säch­lich bele­gen die Ermitt­lun­gen ein­deu­tig, dass das IZH nicht bloß reli­gi­ös agiert. Viel­mehr setzt es als Ver­tre­tung des ira­ni­schen ›Obers­ten Revo­lu­ti­ons­füh­rers‹ die poli­ti­sche Vor­ga­be zum Export der ›Isla­mi­schen Revo­lu­ti­on‹ kon­se­quent und kate­go­risch um. Das IZH und sein Lei­ter sind vom ›Obers­ten Revo­lu­ti­ons­füh­rer‹ aus­drück­lich ange­wie­sen, sich ›inten­siv und uner­schüt­ter­lich für die Grund­la­gen der Revo­lu­ti­on ein­zu­set­zen, ohne Kom­pro­mis­se ein­zu­ge­hen‹. Men­schen­rech­te und Demo­kra­tie sei­en nur ein Vor­wand, um die Ver­brei­tung der ›Isla­mi­schen Revo­lu­ti­on‹ zu unter­drü­cken.« Das vom IZH pro­pa­gier­te Gesell­schafts­mo­dell sei gegen das Grund­ge­setz gerich­tet – ohne freie Wah­len, ohne Min­der­hei­ten­schutz, ohne Gewal­ten­tei­lung, mit reli­giö­ser Jus­tiz.

Eine zivi­le Nut­zung des Gelän­des

Daher strebt das Bünd­nis an, das IZH-Gelän­de zu kon­ver­tie­ren und eine zivi­le Nut­zung abzu­si­chern. Der Vor­schlag zur Ein­rich­tung einer Gedenk­stät­te steht für einen Kurs­wech­sel: weg von der jahr­zehn­te­lan­gen extre­mis­tisch-isla­mis­ti­schen Unter­wan­de­rung und Ter­ror­un­ter­stüt­zung durch das IZH, hin zu einem öffent­li­chen, säku­la­ren Erinnerungs‑, Doku­men­ta­ti­ons- und Auf­klä­rungs­ort. Das Bünd­nis will damit einer Ver­en­gung der Debat­ten vor­beu­gen und einen Rück­fall des Gebäu­des in isla­mis­ti­sche oder auto­kra­ti­sche Struk­tu­ren ver­hin­dern.

Die Exil-Ira­ne­rin Hour­vash Pour­ki­an vom Bünd­nis­part­ner Kul­tur­brü­cke Ham­burg zeigt sich besorgt, dass unter dem Deck­man­tel von »Reli­gi­ons­frei­heit«, »inter­re­li­giö­sem Dia­log« und »Anti­dis­kri­mi­nie­rung« die Debat­te zuguns­ten von Ver­fas­sungs­fein­den schief­lau­fe. So habe die Deut­sche Pres­se-Agen­tur (dpa) kurz nach dem Ver­bot in unkri­ti­scher Wei­se Aus­sa­gen des aus Deutsch­land aus­ge­wie­se­nen ira­ni­schen IZH-Lei­ters ver­brei­tet, in denen der Imam »rund hun­dert Gläu­bi­ge« gegen die staat­li­che Ver­bots­maß­nah­me mobi­li­sier­te und deut­schen Behör­den Kor­rup­ti­on und Dis­kri­mi­nie­rung unter­stell­te. Die taz ver­harm­los­te IZH-Anhän­ger, die Show­ge­be­te vor dem geschlos­se­nen Gebäu­de ver­an­stal­te­ten, als Men­schen, die sich ver­sam­meln, um auf »ihre reli­giö­se Hei­mat­lo­sig­keit« hin­zu­wei­sen. Pour­ki­ans Ein­schät­zung zufol­ge hat der Nord­deut­sche Rund­funk (NDR) »Pro­pa­gan­da repro­du­ziert«, etwa durch Aus­sa­gen wie »Beten auf dem Bür­ger­steig ist ent­wür­di­gend« sowie die For­de­run­gen »Moschee statt Stra­ße« und »Wo ist unser Platz in die­ser Stadt?«.

Die Ham­bur­ger Schura, vie­le Jah­re eng mit den ver­fas­sungs­feind­li­chen Akteu­ren des IZH über eine Mit­glied­schaft ver­knüpft, erklär­te in Medi­en, sie füh­re bereits Gesprä­che mit zwei mög­li­chen Trä­gern; schwie­rig sei­en die Aner­ken­nung durch einen schii­ti­schen Gelehr­ten­rat und die Gewin­nung eines akzep­ta­blen Imams, da das ver­bo­te­ne IZH die Aus­bil­dung schii­ti­scher Ima­me durch­ge­führt habe.

Unab­hän­gig davon ist fest­zu­hal­ten, dass die Schura als Staats­ver­trags­part­ner in Tei­len der Ham­bur­ger Poli­tik und im »inter­re­li­giö­sen Dia­log« der Kir­chen über ein­fluss­rei­che Für­spre­cher ver­fügt – eine Kon­stel­la­ti­on, die in der Ver­gan­gen­heit zu Fehl­ent­wick­lun­gen bei­getra­gen hat. Aus dem Zen­tral­rat der Ex-Mus­li­me unter­stützt die Grün­de­rin und Exil-Ira­ne­rin Mina Aha­di, deren Ehe­mann vom Isla­mi­schen Regime des Irans ermor­det wur­de, die Initia­ti­ve:

»Man darf die Bedeu­tung des Stand­or­tes Ham­burg für den Poli­ti­schen Islam der Schii­ten und den ira­ni­schen Macht­ap­pa­rat nicht unter­schät­zen. Moham­mad Chat­a­mi war wäh­rend der Revo­lu­ti­on 1979 – als der Kle­rus in Tehe­ran die Macht erober­te – Lei­ter des IZH und stieg spä­ter zum ira­ni­schen Staats­prä­si­den­ten auf. Ham­burg hat jetzt die Chan­ce, einen Ort zu schaf­fen, von dem kei­ne isla­mis­ti­sche Pro­pa­gan­da, kei­ne Spio­na­ge und kei­ne Repres­si­on gegen­über frei­en Men­schen mehr aus­ge­hen, son­dern an dem die Ver­bre­chen doku­men­tiert wer­den und an dem Bil­dung und Auf­klä­rung statt­fin­den. Eine muti­ge Ent­schei­dung zur Umwid­mung des Isla­mi­schen Zen­trums Ham­burg in eine Gedenk­stät­te wäre auch ein wich­ti­ges Signal für die Frei­heits­be­we­gung im Iran.«

»Isla­mis­mus betrifft uns alle« – Ein­ord­nung von Pro­fes­sor Mouha­nad Khor­chi­de

Anfang Dezem­ber schrieb der Pro­fes­sor für Isla­mi­sche Reli­gi­ons­päd­ago­gik Mouha­nad Khor­chi­de in der evan­ge­li­schen Monats­zeit­schrift Chris­mon:

»Isla­mis­mus betrifft uns alle – Mus­li­me wie Nicht­mus­li­me, Reli­giö­se wie Nicht­re­li­giö­se. Dazu gehört auch eine kla­re Unter­schei­dung zwi­schen Islam und Isla­mis­mus. Der Begriff ›Isla­mis­mus‹ ist hier not­wen­dig, um eine Ideo­lo­gie zu benen­nen, die demo­kra­ti­sche Wer­te im Namen der Reli­gi­on angreift. Nicht der Begriff stig­ma­ti­siert – son­dern die Gewalt, die er beschreibt. Isla­mis­mus ver­zerrt eine spi­ri­tu­el­le Reli­gi­on zu einem poli­ti­schen Herr­schafts­pro­jekt. Ihn zurück­zu­drän­gen, schützt nicht nur die frei­heit­li­che Gesell­schaft, son­dern auch die Inte­gri­tät des Islam und die Sicher­heit der Mus­li­me selbst.«

Khor­chi­de wur­de jüngst in den Isla­mis­mus-Bera­ter­kreis des deut­schen Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums (BMI) beru­fen und steht seit meh­re­ren Jah­ren dem wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat der öster­rei­chi­schen Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam vor. Auf die geplan­te Groß­flä­chen-Pla­kat­ak­ti­on und die Kon­zept­idee ange­spro­chen, ant­wor­te­te er:

»Eine Umwid­mung der über Jahr­zehn­te poli­tisch miss­brauch­ten Imam-Ali-Moschee des ver­bo­te­nen IZH zu einem Ort, der Opfer isla­mis­ti­scher Gewalt wür­digt und zugleich einen trans­pa­rent betrie­be­nen Gebets­raum ermög­licht, ist eine her­vor­ra­gen­de Idee. Das ist ein Debat­ten­im­puls zur rich­ti­gen Zeit. Die isla­mi­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten sind auf­ge­ru­fen, sich kon­struk­tiv an die­ser Debat­te zu betei­li­gen, damit am Ende mög­lichst vie­le Gläu­bi­ge in Ham­burg gestärkt wer­den, die kla­re Gren­zen zum Poli­ti­schen Islam zie­hen wol­len.«

Poli­ti­sche Posi­tio­nen in Ham­burg: Innen­se­na­tor, Regie­rung, Oppo­si­ti­on

Bis die Ver­bots­ent­schei­dung des Bun­des rechts­kräf­tig ist, kön­nen vor­be­rei­ten­de Arbei­ten erfol­gen. Das Bünd­nis regt an, Fol­gen­des zu beauf­tra­gen: Mach­bar­keits­stu­die, ein vor­be­rei­ten­des Kura­to­ri­um aus Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern von Opfer­grup­pen, Wis­sen­schaft, Zivil­ge­sell­schaft sowie Bund und Län­dern, die Kon­zep­ti­on für Infor­ma­ti­ons- und Bil­dungs­ar­beit etwa in Form einer Dau­er­aus­stel­lung (am Stand­ort) und einer Wan­der­aus­stel­lung (für Schu­len, Kom­mu­nen, Kul­tur­ein­rich­tun­gen). Eine Mach­bar­keits­stu­die kann von Frak­tio­nen, Stif­tun­gen, Ver­bän­den, einem zivil­ge­sell­schaft­li­chen Bünd­nis oder einem wis­sen­schaft­li­chen Trä­ger ver­an­lasst wer­den.

Um die staat­li­che Ver­ant­wor­tung für das beschlag­nahm­te Objekt zu unter­strei­chen, hat der Senat die Per­spek­ti­ve mehr­fach klar benannt. Ham­burgs Innen­se­na­tor Andy Gro­te (SPD) for­mu­liert es so:

»Der Staat darf das Gebäu­de nie wie­der aus der Hand geben.«

Im Ham­bur­ger rot-grü­nen Koali­ti­ons­ver­trag (April 2025) wur­de zur Nach­nut­zung der Immo­bi­lie ver­ein­bart:

»Wir set­zen uns dafür ein, dass sie wie­der ein Ort der reli­giö­sen Pra­xis für Schiit:innen und ein Ort der Begeg­nung für Exil-Iraner:innen wird – frei von aus­län­di­schem Ein­fluss und im Ein­klang mit unse­rer Ver­fas­sung.« Und wei­ter grund­sätz­lich: »[…] Dia­log [der] das gegen­sei­ti­ge Ver­ständ­nis för­dert und Räu­me schafft, in denen gemein­sa­me Posi­tio­nen für ein fried­li­ches und tole­ran­tes Mit­ein­an­der ent­wi­ckelt wer­den. Dies gilt auch für kri­ti­sche Fra­gen: In den bestehen­den Gesprächs­zu­sam­men­hän­gen kön­nen Pro­ble­me klar ange­spro­chen und Zie­le und Maß­nah­men für deren Lösung fest­ge­legt wer­den.«

Aus Sicht der größ­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei sagt Dr. Anke Frie­ling, stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der CDU-Bür­ger­schafts­frak­ti­on:

»Wir stre­ben ein säku­la­res Gebäu­de an, ein Begeg­nungs­zen­trum in staat­li­cher Trä­ger­schaft.«

Auf einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in der Patrio­ti­schen Gesell­schaft Ham­burg im Juli 2025 sag­te Frie­ling zu den kur­sie­ren­den Dis­kri­mi­nie­rungs­be­schwer­den, schii­ti­sche Gläu­bi­ge hät­ten nach dem Ver­bot kein Got­tes­haus mehr: »Schii­ti­sche Gläu­bi­ge hat­ten jahr­zehn­te­lang die Chan­ce, das Gebäu­de in Frie­den zu nut­zen, aber sie haben einen ande­ren Weg gewählt« – mit Blick auf Pro­pa­gan­da- und Unter­stüt­zungs­struk­tu­ren des Isla­mi­schen Zen­trums, die dem Mul­lah-Regime zuge­rech­net wer­den. Die reli­gi­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Bür­ger­schafts­frak­ti­on, Ire­ne Appiah, betont: »Eine Nach­nut­zung soll­te vor­ran­gig ver­söh­nen.«

Vom Ver­ein Säku­la­rer Islam Ham­burg skiz­ziert Dr. Necla Kelek einen mög­li­chen Kom­pro­miss:

»Es soll ein Ort der Erin­ne­rung und der Mah­nung für Frei­heit und Men­schen­rech­te wer­den; ein Ort, an dem der Opfer des isla­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus gedacht wird; ein Ort, an dem die gro­ße Viel­falt der isla­mi­schen Kul­tur, jedoch auch der ira­ni­schen Völ­ker und nicht-isla­mi­schen Kul­tu­ren einen Platz fin­det; an dem gelernt und dis­ku­tiert wird – und ein Ort, an dem am Frei­tag auch gebe­tet wer­den kann.«

»Eine exklu­si­ve Nut­zung als Gebets­raum ist nicht erfor­der­lich. In Ham­burg gibt es offi­zi­ell 66 Moscheen und Gebets­räu­me – nie­mand ver­bie­tet Gläu­bi­gen das Beten oder den Got­tes­dienst. Eine mul­ti­funk­tio­na­le Nut­zung des Zen­trums för­dert Viel­falt und Tole­ranz und kann im Rah­men einer für alle gel­ten­den Haus­ord­nung auch spi­ri­tu­el­le Bedar­fe berück­sich­ti­gen«, so Kelek.

Ein Ort, fünf Pfei­ler gegen Isla­mis­mus

Ein Kon­sens kann dar­in bestehen, den Ort des ehe­ma­li­gen Mul­lah-Zen­trums zu einem öffent­li­chen Raum mit fünf Funk­tio­nen zu kon­ver­tie­ren. Eine der Ideen stellt Ali Ertan Toprak vom Bünd­nis­part­ner Kur­di­sche Gemein­de Deutsch­land (KGD) vor. Er will im neu­en Isla­mis­mus-Bera­ter­kreis des BMI, dem er ange­hört, vor­an­brin­gen, dass in Deutsch­land eine »Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam« nach öster­rei­chi­schem Vor­bild ein­ge­rich­tet wird:

»Ham­burg ist ein geeig­ne­ter Stand­ort. Eine Mach­bar­keits­stu­die soll­te prü­fen, ob sich Büro­räu­me auf dem IZH-Gelän­de dafür eig­nen.«

Mit Rechts­kraft des Ver­bots fällt die Lie­gen­schaft nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge in das Ver­mö­gen des Bun­des – nicht der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg. Daher wäre zunächst der Bund als Eigen­tü­mer ent­schei­dungs­be­fugt. Eine Opti­on ist die Über­tra­gung an eine Stif­tung, z. B. in staat­li­cher Trä­ger­schaft. Ent­spre­chend rich­tet das Bünd­nis sei­ne Vor­schlä­ge sowohl an die Ham­bur­ger Poli­tik als auch an die Bun­des­ebe­ne und regt eine früh­zei­ti­ge Bund-Län­der-Abstim­mung sowie die Prü­fung stif­tungs­recht­li­cher Model­le für Trä­ger­schaft und Betrieb an. Zudem soll­te eine pro­vi­so­ri­sche Umset­zung geprüft wer­den, da das Gerichts­ver­fah­ren vor­aus­sicht­lich noch län­ge­re Zeit andau­ern kann.

Für die wei­te­re öffent­li­che Debat­te legt das Bünd­nis das Kon­zept »Fünf Pfei­ler gegen Isla­mis­mus« vor:

Pfei­ler 1: Gedenk­stät­te für die Opfer des Isla­mis­mus

Ein Erin­ne­rungs- und Lern­ort mit kura­tier­ter Dau­er­aus­stel­lung und Wech­sel­aus­stel­lun­gen. Fokus: Opfer­per­spek­ti­ven; his­to­ri­sche Ent­wick­lung und Ideo­lo­gie des Isla­mis­mus am Bei­spiel der Isla­mi­schen Revo­lu­ti­on 1979 und dar­über hin­aus; Täter- und Netz­werk­struk­tu­ren sowie grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit, ins­be­son­de­re Frau­en­feind­lich­keit, Que­er­feind­lich­keit und Juden­feind­lich­keit.

Pfei­ler 2: Moschee für isla­mi­sche Spi­ri­tua­li­tät in Viel­falt

Eine offe­ne »Blaue Moschee« für isla­mi­sche Spi­ri­tua­li­tät in Viel­falt (z. B. Frei­tags­ge­bet, Trau­er­fei­ern), unter säku­la­rer Betrei­ber­ver­ant­wor­tung und im Ein­klang mit Haus­recht, Grund­ge­setz und Völ­ker­ver­stän­di­gung, ohne Rück­fall in die alte Trä­ger­schaft der isla­mis­ti­schen Netz­wer­ke des IZH. Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen, die vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet wer­den, sind aus­ge­schlos­sen.

Pfei­ler 3: Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam

Eine Forschungs‑, Moni­to­ring- und Poli­cy-Ein­heit nach öster­rei­chi­schem Vor­bild: kon­ti­nu­ier­li­che Dos­siers (Akteu­re, Struk­tu­ren, Finanz­flüs­se), Daten­ana­ly­se, Lage- und Poli­cy-Brie­fings, Bera­tung für Behör­den sowie für vom Isla­mis­mus betrof­fe­ne Moscheen, isla­mi­sche Ver­ei­ne, Sport‑, Bil­dungs- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen.

Pfei­ler 4: Jugend-Bil­dungs­cam­pus

Pro­gram­me für Schu­len, Jugend­hil­fe, Ver­ei­ne, Com­mu­ni­ties: Work­shops, Lehr­kräf­te- und Sozi­al­ar­beits-Trai­nings. Inhal­te: Erken­nen von Radi­ka­li­sie­rungs­dy­na­mi­ken, Wider­spruchs­kom­pe­tenz gegen grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit (u. a. Frauen‑, Queer‑, Juden­feind­lich­keit), Medi­en-/Des­in­for­ma­ti­ons­kom­pe­tenz bei Pro­pa­gan­da/On­line-Radi­ka­li­sie­rung, demo­kra­ti­sche Kon­flikt­be­ar­bei­tung.

Pfei­ler 5: Jina-Kul­tur­zen­trum

Ein offe­ner Kul­tur- und Debat­ten­ort zu Iran, von und für Exil-Ira­ne­rin­nen und Exil-Ira­ner: Lesun­gen, Film- und Dis­kus­si­ons­rei­hen, Exil-Kunst, Civics-Labs zu Frau­en- und Grund­rech­ten. In Erin­ne­rung an Jina Mah­sa Ami­ni, die 2022 nach Fest­nah­me wegen eines angeb­li­chen Ver­sto­ßes gegen das Hid­schab-Gesetz in Haft zu Tode kam. Ihr Tod lös­te die Pro­tes­te »Frau, Leben, Frei­heit« aus; sie wur­de post­hum mit dem Sacha­row-Preis geehrt. Das Zen­trum wür­digt den Wider­stand gegen Zwangs­ver­schleie­rung und isla­mis­ti­sche Gewalt und schafft Räu­me für kon­fes­si­ons­über­grei­fen­den, zivil­ge­sell­schaft­li­chen Aus­tausch demo­kra­ti­scher Akteu­re.

»Nach dem Ver­bot: Was tun mit dem beschlag­nahm­ten Mul­lah-Zen­trum in Ham­burg?« – For­de­rung nach einer »Gedenk­stät­te für die Opfer des Isla­mis­mus«. Ent­wurf der Groß­flä­chen-Pla­kat­ak­ti­on vor der Elb­phil­har­mo­nie (Bild: FREI-HH)

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Evi­denz­ba­siert: Wer sind die »Opfer des Isla­mis­mus«?

Unter Opfern des Isla­mis­mus ver­steht das Bünd­nis Men­schen, die durch isla­mis­tisch begrün­de­te Gewalt und Hege­mo­ni­al­an­sprü­che betrof­fen sind – in Ham­burg, Deutsch­land und Euro­pa etwa durch Atten­ta­te, Ein­schüch­te­rung, und Kon­for­mi­täts­druck; in Auto­kra­tien wie dem Iran seit 1979, sowie in Kon­flikt- und Ter­ror­la­gen, etwa in Nah­ost, Sahel, Nige­ria, Syri­en und ande­ren Län­dern.

Ham­bur­ger Bezug und Euro­pa

9/11 mit der »Ham­bur­ger Zel­le« (Har­burg) mar­kiert den schwers­ten isla­mis­ti­schen Anschlag der Neu­zeit mit rund 3.000 Toten – ein zen­tra­ler his­to­ri­scher Bezugs­punkt für Ham­burgs Erin­ne­rungs­ar­beit. Die Hamas-Mas­sa­ker vom 7. Okto­ber 2023 gel­ten als zweittöd­lichs­tes Ereig­nis mit 1.200 Toten, 3.400 Ver­letz­ten und 251 Ent­führ­ten. Euro­pa ver­zeich­ne­te gro­ße Anschlä­ge in Ber­lin, Madrid, Lon­don, Paris, Brüs­sel, Niz­za und Man­ches­ter, und ein wach­sen­des Pro­blem des struk­tu­rel­len Isla­mis­mus, von dem Mil­lio­nen Men­schen in Euro­pa betrof­fen sind.

Glo­ba­le Min­dest­zah­len

Seit 1979 wur­den welt­weit über 65.000 isla­mis­ti­sche Anschlä­ge mit min­des­tens 250.000 Toten regis­triert. Knapp 90 % der Todes­op­fer ent­fal­len auf mehr­heit­lich isla­mi­sche Län­der; Haupt­schau­plät­ze sind die MENA-Regi­on, Süd­asi­en und Sub­sa­ha­ra-Afri­ka. Zudem kom­men tau­sen­de Hin­rich­tun­gen und Todes­fäl­le auf­grund von Norm­ab­wei­chun­gen vom Poli­ti­schen Islam allein in der Isla­mi­schen Repu­blik Iran hin­zu.

Betrof­fe­ne Grup­pen

  • Getö­te­te und Ver­letz­te durch Ter­ror­an­schlä­ge und mili­tant-isla­mis­ti­sche Grup­pen.
  • Hin­ge­rich­te­te, Gefol­ter­te, Inhaf­tier­te, Ver­schwun­de­ne in theo­kra­ti­schen oder extre­mis­tisch-isla­mis­tisch domi­nier­ten Regi­men.
  • Frau­en und Mäd­chen unter Zwangs­ver­schleie­rung, Zwangs­ver­hei­ra­tung und »Ehren«-Gewalt.
  • Ver­folg­te Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­grup­pen (nicht-isla­mis­ti­sche Mus­li­me, Chris­ten, Juden, Jesi­den, Athe­is­ten).
  • Frei­heit­lich gesinn­te Men­schen, die Ziel von Extre­mis­mus-Pro­pa­gan­da, Rekru­tie­rung oder sozia­lem Norm­druck wer­den.

Kura­to­ri­scher Ansatz für Ham­burg

Das Bünd­nis emp­fiehlt, die­se Evi­denz sys­te­ma­tisch zu kura­tie­ren (UN-/NGO-Berich­te, Gerichts­ent­schei­dun­gen, Kon­flikt­da­ten­ban­ken, poli­zei­li­che Lage­bil­der), nach Zeit/Raum/Täterkontext/Opfergruppen auf­zu­be­rei­ten und durch Zeit­zeu­gen zu ergän­zen, in sach­be­zo­ge­ner, ver­glei­chen­der Per­spek­ti­ve zu ande­ren Gewalt- und Dik­ta­tur­er­fah­run­gen der Zeit­ge­schich­te wie NS, Sta­li­nis­mus und Mao­is­mus. Beim Isla­mis­mus han­delt es sich um ein For­schungs­de­si­de­rat, das wei­ter auf­ge­ar­bei­tet wer­den muss.

Fünf Spra­chen, eine Bot­schaft

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Aus dem Archiv: You­Tube-Video »Ein Jahr IZH-Ver­bot – Bilanz und Per­spek­ti­ven« | Dis­kus­si­on am 24. Juli 2025 in Ham­burg

Medi­en & State­ments – aktu­ell

Medi­en

24.12.2025 | DPA-Mel­dung

Im Deutsch­land­funk als Nach­richt gesen­det »CDU unter­stützt Gedenk­stät­ten-Plä­ne für Blaue Moschee«

22.12.2025 | hpd.de »Gedenk­stät­te für die Opfer des Isla­mis­mus gefor­dert« (Sebas­ti­an Schnel­le)

17.12.2025 | Ham­bur­ger Mor­gen­post (MOPO) »Blaue Moschee an der Als­ter: Bünd­nis macht über­ra­schen­den Vor­schlag« (Olaf Wun­der)


State­ments

24.12.2025 | Den­nis The­ring, Lan­des- und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der CDU Ham­burg


20.12.2025 | Erol Ünal, Autor: »Der Abtrün­ni­ge: 15 Jah­re in Moschee­ge­mein­den«


16.12.2025 | Sey­ran Ateş, Grün­de­rin der Ibn-Rushd-Goe­the-Moschee


16.12.2025 | Mouha­nad Khor­chi­de, Pro­fes­sor für Isla­mi­sche Reli­gi­ons­päd­ago­gik an der Uni­ver­si­tät Müns­ter, Mit­glied des Isla­mis­mus-Bera­ter­krei­ses des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums (BMI) und Lei­ter des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der öster­rei­chi­schen Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam