»Islamistische Strömungen sind gleichermaßen Sicherheitsproblem wie auch gesellschaftspolitische Herausforderung. Die Gefährdung durch Islamismus und pauschalisierende Debatten darüber können Polarisierungs- und Stigmatisierungstendenzen in der Gesellschaft verstärken. Dadurch entsteht weiterer Nährboden für Radikalisierung, Rekrutierung und Mobilisierung in islamistische Gruppierungen – ebenso wie in andere Extremismen. Lösungen im Bereich der Prävention müssen sich an der Vielschichtigkeit der Herausforderung messen lassen, sie können nie eindimensional sein. Deutschland hat im internationalen Vergleich durch die Vielfalt der Präventionsansätze, der Professionalisierung der zivilgesellschaftlichen Träger, der Förderinstrumente in Bundes- und Landesprogrammen bereits viel unternommen. Als tendenziell ausbaufähig erscheinen die Angebote und Maßnahmen der Regelsysteme (insbesondere in Schule und Jugendhilfe). Hier fehlt es vor allem an personellen Ressourcen in der Schulsozialarbeit und der kommunalen Jugendhilfe. Darüber hinaus erscheinen auch aufgrund der folgenden Herausforderungen weitere Maßnahmen geboten:
- Der Wandel des Phänomenfelds Islamismus erfordert stetige Anpassungen, Wissensnetzwerke und kontinuierlichen Austausch aller mit der Islamismusprävention Befassten, insbesondere auch unter Berücksichtigung phänomenübergreifend bedingter Dynamiken.
- Der technologische Wandel und die Veränderungen in der Mediennutzung erfordern dringend neue Regulierungen, die diesen Entwicklungen Rechnung tragen. Weiterhin ist insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) in nahezu allen Lebensbereichen eine entsprechende zukunftsorientierte technologische Ausrichtung auch bei der Prävention von Extremismus und Terrorismus von entscheidender strategischer Bedeutung.
- Angesichts langer Phasen vorläufiger Haushaltsführung und vor dem Hintergrund einer allgemein angespannten Haushaltslage ist ein klares Bekenntnis notwendig, die Nachhaltigkeit der Bundes- und Landesprogramme zu gewährleisten und die Berechenbarkeit der Förderinstrumente auszubauen. Ferner sollten die Regelsysteme (Schule und Jugendhilfe) mit weiteren Ressourcen ausgestattet werden.
- Der Umgang mit Islamismus bleibt ein Feld von hoher politischer Brisanz und öffentlicher Aufmerksamkeit: In Reaktion auf bspw. Anschlagsereignisse gilt es zunächst eine systematische Ursachenanalyse zu betreiben und weder vorschnell vermeintlich einfache Lösungen zu versprechen noch eine voreilige Kategorisierung als islamistischer Anschlag vorzunehmen.«
Quelle: Handlungsempfehlungender Task Force Islamismusprävention (BMI) vom 2. Juni 2025 (PDF)

Mitglieder der Task Force:
- Lisa Borchardt (Landeskriminalamt Niedersachsen)
- Claudia Dantschke (Grüner Vogel e.V.)
- Florian Endres (BAMF)
- Dominik Irani (Landeskriminalamt Bayern)
- Julian Junk (PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung)
- Michael Kiefer (Universität Osnabrück)
- Mouhanad Khorchide (Universität Münster)
- Thomas Mücke (Violence Prevention Network e.V.)
- Jamuna Oehlmann (Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e.V.)