Hand­lungs­emp­feh­lun­gen der Task Force Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on (BMI)

Am 2. Juni 2025 veröffentliche das Bundesministerium des Innern (BMI) Handlungsempfehlungen der Task Force Islamismusprävention.

»Isla­mis­ti­sche Strö­mun­gen sind glei­cher­ma­ßen Sicher­heits­pro­blem wie auch gesell­schafts­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung. Die Gefähr­dung durch Isla­mis­mus und pau­scha­li­sie­ren­de Debat­ten dar­über kön­nen Pola­ri­sie­rungs- und Stig­ma­ti­sie­rungs­ten­den­zen in der Gesell­schaft ver­stär­ken. Dadurch ent­steht wei­te­rer Nähr­bo­den für Radi­ka­li­sie­rung, Rekru­tie­rung und Mobi­li­sie­rung in isla­mis­ti­sche Grup­pie­run­gen – eben­so wie in ande­re Extre­mis­men. Lösun­gen im Bereich der Prä­ven­ti­on müs­sen sich an der Viel­schich­tig­keit der Her­aus­for­de­rung mes­sen las­sen, sie kön­nen nie ein­di­men­sio­nal sein. Deutsch­land hat im inter­na­tio­na­len Ver­gleich durch die Viel­falt der Prä­ven­ti­ons­an­sät­ze, der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der zivil­ge­sell­schaft­li­chen Trä­ger, der För­der­instru­men­te in Bun­des- und Lan­des­pro­gram­men bereits viel unter­nom­men. Als ten­den­zi­ell aus­bau­fä­hig erschei­nen die Ange­bo­te und Maß­nah­men der Regel­sys­te­me (ins­be­son­de­re in Schu­le und Jugend­hil­fe). Hier fehlt es vor allem an per­so­nel­len Res­sour­cen in der Schul­so­zi­al­ar­beit und der kom­mu­na­len Jugend­hil­fe. Dar­über hin­aus erschei­nen auch auf­grund der fol­gen­den Her­aus­for­de­run­gen wei­te­re Maß­nah­men gebo­ten:

  1. Der Wan­del des Phä­no­men­felds Isla­mis­mus erfor­dert ste­ti­ge Anpas­sun­gen, Wis­sens­netz­wer­ke und kon­ti­nu­ier­li­chen Aus­tausch aller mit der Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on Befass­ten, ins­be­son­de­re auch unter Berück­sich­ti­gung phä­no­men­über­grei­fend beding­ter Dyna­mi­ken.
  2. Der tech­no­lo­gi­sche Wan­del und die Ver­än­de­run­gen in der Medi­en­nut­zung erfor­dern drin­gend neue Regu­lie­run­gen, die die­sen Ent­wick­lun­gen Rech­nung tra­gen. Wei­ter­hin ist ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der zuneh­men­den Bedeu­tung von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) in nahe­zu allen Lebens­be­rei­chen eine ent­spre­chen­de zukunfts­ori­en­tier­te tech­no­lo­gi­sche Aus­rich­tung auch bei der Prä­ven­ti­on von Extre­mis­mus und Ter­ro­ris­mus von ent­schei­den­der stra­te­gi­scher Bedeu­tung.
  3. Ange­sichts lan­ger Pha­sen vor­läu­fi­ger Haus­halts­füh­rung und vor dem Hin­ter­grund einer all­ge­mein ange­spann­ten Haus­halts­la­ge ist ein kla­res Bekennt­nis not­wen­dig, die Nach­hal­tig­keit der Bun­des- und Lan­des­pro­gram­me zu gewähr­leis­ten und die Bere­chen­bar­keit der För­der­instru­men­te aus­zu­bau­en. Fer­ner soll­ten die Regel­sys­te­me (Schu­le und Jugend­hil­fe) mit wei­te­ren Res­sour­cen aus­ge­stat­tet wer­den.
  4. Der Umgang mit Isla­mis­mus bleibt ein Feld von hoher poli­ti­scher Bri­sanz und öffent­li­cher Auf­merk­sam­keit: In Reak­ti­on auf bspw. Anschlags­er­eig­nis­se gilt es zunächst eine sys­te­ma­ti­sche Ursa­chen­ana­ly­se zu betrei­ben und weder vor­schnell ver­meint­lich ein­fa­che Lösun­gen zu ver­spre­chen noch eine vor­ei­li­ge Kate­go­ri­sie­rung als isla­mis­ti­scher Anschlag vor­zu­neh­men.«

Quel­le: Hand­lungs­emp­feh­lun­gen­der Task Force Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on (BMI) vom 2. Juni 2025 (PDF)

Mit­glie­der der Task Force:

  • Lisa Bor­chardt (Lan­des­kri­mi­nal­amt Nie­der­sach­sen)
  • Clau­dia Dantsch­ke (Grü­ner Vogel e.V.)
  • Flo­ri­an End­res (BAMF)
  • Domi­nik Ira­ni (Lan­des­kri­mi­nal­amt Bay­ern)
  • Juli­an Junk (PRIF – Leib­niz-Insti­tut für Frie­dens- und Kon­flikt­for­schung)
  • Micha­el Kie­fer (Uni­ver­si­tät Osna­brück)
  • Mouha­nad Khor­chi­de (Uni­ver­si­tät Müns­ter)
  • Tho­mas Mücke (Vio­lence Pre­ven­ti­on Net­work e.V.)
  • Jamu­na Oehl­mann (Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft reli­gi­ös begrün­de­ter Extre­mis­mus e.V.)