Anlass der Veröffentlichung sind die Herausforderungen, mit denen pädagogische Fachkräfte im Schulalltag konfrontiert sind. DEVI verweist auf aktuelle Untersuchungen, darunter eine Studie von Margit Stein und Mehmet Kart, wonach knapp 37 Prozent der befragten Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter religiös begründete Spannungen im Schulalltag erleben. Genannt werden unter anderem religiös motivierte Abwesenheiten, Konflikte um Gebetszeiten, Fragen zur Kleidung sowie islamistisch motivierte Mobbingfälle. Die Broschüre will hier einen Beitrag zur faktenbasierten Präventionsarbeit leisten und Pädagogen darin stärken, »grundrechtssicher zu argumentieren und zu handeln«.
Eingeleitet wird der Band mit einer kritischen Reflexion über Fallstricke der Präventionsarbeit. DEVI setzt sich darin pointiert mit dem Konzept der »akzeptierenden Jugendarbeit« auseinander, das aus Sicht des Vereins von der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Jugendlichen unkritisch auf die Islamismusprävention übertragen wurde – mit problematischen Folgen. Der Verein plädiert demgegenüber für einen Ansatz, der Islamismus als »mehrdimensionales Phänomen« begreift und sowohl Push- als auch Pull-Faktoren der Radikalisierung berücksichtigt, ohne in eine Täter-Opfer-Umkehr zu verfallen. Eine Einleitung führt in die Geschichte und Grundzüge des Islamismus ein, unterscheidet zwischen dschihadistischem und legalistischem Islamismus und benennt die zentralen Ideologiefragmente: Frauenfeindlichkeit und stereotype Geschlechterrollen, Homo- und Transfeindlichkeit, Antisemitismus, Autoritarismus und die Befürwortung vermeintlich göttlicher über weltliche Gesetze.
Die Broschüre enthält die folgenden Kapitel:
Sunnitischer Islamismus (S. 12) – Eine Einführung in die historischen und konfessionellen Hintergründe sunnitisch geprägter islamistischer Strömungen.
Der Ursprung: Die Muslimbruderschaft (S. 13) – Die 1928 in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft als Mutterorganisation islamistischer Bewegungen weltweit, ihre Ideologie, ihre Doppelstrategie in westlichen Ländern und ihre Strukturen in Deutschland, darunter die Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG) und Berliner Moscheen und Kulturzentren.
Islamismus mit Bezug zur Türkei (S. 15) – Vom Kemalismus über Necmettin Erbakan und die Bewegung Millî Görüş (IGMG) bis zu Erdoğan, der AKP und dem deutschen Diyanet-Ableger DİTİB. Behandelt wird außerdem die rechtsextrem-nationalistische Bewegung der Grauen Wölfe mit ihren in Deutschland aktiven Organisationen ADÜTDF, ATB und ATİB sowie die zugehörige Symbolik.
»Hamas« und der Islamismus mit Bezug zu Palästina (S. 20) – Die Entstehung, Ideologie und Aktivitäten von Hamas und »Islamischem Dschihad in Palästina« (PIJ), das Betätigungsverbot der Hamas in Deutschland von Ende 2023, das verbotene Symbol »From the river to the sea« sowie weitere Erkennungszeichen wie das rote Dreieck und die Kufiya.
»Generation Islam«, »Muslim Interaktiv« und Co.: Die Hizb ut-Tahrir und ihre Tarnorganisationen (S. 22) – Die Strategien der seit 2003 verbotenen HuT, das im November 2025 ausgesprochene Verbot von »Muslim Interaktiv« sowie die Umstrukturierung von »Realität Islam« und »Generation Islam« hin zu personalisierten Social-Media-Kanälen (Suhaib Hoffmann, Ahmad Tamim). Beleuchtet werden ihre hohe Reichweite auf TikTok, Instagram und YouTube sowie die Wirkung ihrer Propaganda als Radikalisierungskatalysator.
Gesichter des Salafismus: Von Pierre Vogel bis »Hanna Hansen« (S. 24) – Porträtiert werden zentrale salafistische Akteur:innen in Deutschland, darunter Pierre Vogel, Ahmad Armih (»Abul Baraa«), Ibrahim El Azzazi sowie die Konvertitin Viktoria Stadtlander (»Hanna Hansen«) und Sven Lau.
Schiitischer Islamismus (S. 26) – Eine Einführung in die theologischen Grundlagen des schiitischen Islamismus, insbesondere Ruhollah Chomeinis Konzept der »Statthalterschaft der Rechtsgelehrten«.
Der lange Arm des iranischen Regimes (S. 26) – Der Export der »Islamischen Revolution«, die Rolle der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), der Al-Quds-Tag sowie die Strukturen in Deutschland, darunter die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden (IGS) und das 2024 verbotene Islamische Zentrum Hamburg (IZH).
Hisbollah – die »Partei Gottes« (S. 28) – Entstehung, Ideologie und Gewaltgeschichte der libanesischen Hisbollah, das seit 2020 in Deutschland geltende Betätigungsverbot sowie die ihrem Umfeld zugerechneten Berliner Moscheevereine »Islamisches Zentrum Imam Riza Berlin« und »Al-Irschad e.V.«.
Anhang: Umgang mit Islamismus und konfrontativer Religionsbekundung (S. 29) – Ein Arbeitsbogen für die pädagogische Praxis, der elf typische Verhaltensmuster aufgreift – von der Bewertung nach Religionszugehörigkeit über religiösen Kollektivzwang bis zur Werbung für extremistische Gruppen – und Schulen wie Jugendeinrichtungen Spalten zur Selbstreflexion, zu institutionellen Maßnahmen und zur Einschaltung externer Stellen an die Hand gibt.
Ergänzt wird die Darstellung durchgängig durch Abbildungen einschlägiger Logos, Symbole und Gesten – vom Rabia-Gruß über den Wolfsgruß und den Tauhid-Finger bis zum roten Dreieck als Erkennungszeichen von Hamas-Sympathisanten. Die Broschüre berücksichtigt aktuelle Entwicklungen wie das Verbot von »Muslim Interaktiv« im November 2025, die Auswirkungen des Gaza-Kriegs auf islamistische Mobilisierung in Deutschland sowie die Rolle sozialer Netzwerke wie TikTok, über die islamistische Influencer gezielt Jugendliche ansprechen.
Die Handreichung steht ab sofort zum Download bereit und kann ab Anfang Juni als gedruckte Ausgabe kostenfrei bei DEVI e.V. bestellt werden. Interessierte können dort auch ein Kontingent zum Auslegen bei eigenen Veranstaltungen anfragen – hierfür genügt eine kurze Mitteilung mit gewünschter Stückzahl und Lieferadresse.
Herausgegeben wird die Broschüre vom DEVI e.V. im Rahmen des Projekts »Beratungs- und Fortbildungsstelle für weltanschauliche und religiöse Vielfalt (BeFo)«, gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.
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- Weitere Informationen: demokratieundvielfalt.de