Hand­rei­chung von DEVI: »Isla­mis­mus – Strö­mun­gen, Orga­ni­sa­tio­nen, Sym­bo­le«

Der Berliner Verein DEVI – Verein für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung – hat eine neue Broschüre zum Themenfeld Islamismus veröffentlicht. Der rund 30-seitige Leitfaden richtet sich an Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und pädagogische Fachkräfte und bietet einen praxisnahen Überblick über die wichtigsten Strömungen, Organisationen und Symbole des Islamismus in Deutschland.

Anlass der Ver­öf­fent­li­chung sind die Her­aus­for­de­run­gen, mit denen päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te im Schul­all­tag kon­fron­tiert sind. DEVI ver­weist auf aktu­el­le Unter­su­chun­gen, dar­un­ter eine Stu­die von Mar­git Stein und Meh­met Kart, wonach knapp 37 Pro­zent der befrag­ten Lehr­kräf­te und Schul­so­zi­al­ar­bei­ter reli­gi­ös begrün­de­te Span­nun­gen im Schul­all­tag erle­ben. Genannt wer­den unter ande­rem reli­gi­ös moti­vier­te Abwe­sen­hei­ten, Kon­flik­te um Gebets­zei­ten, Fra­gen zur Klei­dung sowie isla­mis­tisch moti­vier­te Mob­bing­fäl­le. Die Bro­schü­re will hier einen Bei­trag zur fak­ten­ba­sier­ten Prä­ven­ti­ons­ar­beit leis­ten und Päd­ago­gen dar­in stär­ken, »grund­rechts­si­cher zu argu­men­tie­ren und zu han­deln«.

Ein­ge­lei­tet wird der Band mit einer kri­ti­schen Refle­xi­on über Fall­stri­cke der Prä­ven­ti­ons­ar­beit. DEVI setzt sich dar­in poin­tiert mit dem Kon­zept der »akzep­tie­ren­den Jugend­ar­beit« aus­ein­an­der, das aus Sicht des Ver­eins von der Aus­ein­an­der­set­zung mit rechts­extre­men Jugend­li­chen unkri­tisch auf die Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on über­tra­gen wur­de – mit pro­ble­ma­ti­schen Fol­gen. Der Ver­ein plä­diert dem­ge­gen­über für einen Ansatz, der Isla­mis­mus als »mehr­di­men­sio­na­les Phä­no­men« begreift und sowohl Push- als auch Pull-Fak­to­ren der Radi­ka­li­sie­rung berück­sich­tigt, ohne in eine Täter-Opfer-Umkehr zu ver­fal­len. Eine Ein­lei­tung führt in die Geschich­te und Grund­zü­ge des Isla­mis­mus ein, unter­schei­det zwi­schen dschi­ha­dis­ti­schem und lega­lis­ti­schem Isla­mis­mus und benennt die zen­tra­len Ideo­lo­gie­frag­men­te: Frau­en­feind­lich­keit und ste­reo­ty­pe Geschlech­ter­rol­len, Homo- und Trans­feind­lich­keit, Anti­se­mi­tis­mus, Auto­ri­ta­ris­mus und die Befür­wor­tung ver­meint­lich gött­li­cher über welt­li­che Geset­ze.

Die Bro­schü­re ent­hält die fol­gen­den Kapi­tel:

Sun­ni­ti­scher Isla­mis­mus (S. 12) – Eine Ein­füh­rung in die his­to­ri­schen und kon­fes­sio­nel­len Hin­ter­grün­de sun­ni­tisch gepräg­ter isla­mis­ti­scher Strö­mun­gen.

Der Ursprung: Die Mus­lim­bru­der­schaft (S. 13) – Die 1928 in Ägyp­ten gegrün­de­te Mus­lim­bru­der­schaft als Mut­ter­or­ga­ni­sa­ti­on isla­mis­ti­scher Bewe­gun­gen welt­weit, ihre Ideo­lo­gie, ihre Dop­pel­stra­te­gie in west­li­chen Län­dern und ihre Struk­tu­ren in Deutsch­land, dar­un­ter die Deut­sche Mus­li­mi­sche Gemein­schaft (DMG) und Ber­li­ner Moscheen und Kul­tur­zen­tren.

Isla­mis­mus mit Bezug zur Tür­kei (S. 15) – Vom Kema­lis­mus über Nec­mett­in Erbak­an und die Bewe­gung Mil­lî Görüş (IGMG) bis zu Erdoğan, der AKP und dem deut­schen Diya­net-Able­ger DİTİB. Behan­delt wird außer­dem die rechts­extrem-natio­na­lis­ti­sche Bewe­gung der Grau­en Wöl­fe mit ihren in Deutsch­land akti­ven Orga­ni­sa­tio­nen ADÜTDF, ATB und ATİB sowie die zuge­hö­ri­ge Sym­bo­lik.

»Hamas« und der Isla­mis­mus mit Bezug zu Paläs­ti­na (S. 20) – Die Ent­ste­hung, Ideo­lo­gie und Akti­vi­tä­ten von Hamas und »Isla­mi­schem Dschi­had in Paläs­ti­na« (PIJ), das Betä­ti­gungs­ver­bot der Hamas in Deutsch­land von Ende 2023, das ver­bo­te­ne Sym­bol »From the river to the sea« sowie wei­te­re Erken­nungs­zei­chen wie das rote Drei­eck und die Kufi­ya.

»Gene­ra­ti­on Islam«, »Mus­lim Inter­ak­tiv« und Co.: Die Hizb ut-Tah­r­ir und ihre Tarn­or­ga­ni­sa­tio­nen (S. 22) – Die Stra­te­gien der seit 2003 ver­bo­te­nen HuT, das im Novem­ber 2025 aus­ge­spro­che­ne Ver­bot von »Mus­lim Inter­ak­tiv« sowie die Umstruk­tu­rie­rung von »Rea­li­tät Islam« und »Gene­ra­ti­on Islam« hin zu per­so­na­li­sier­ten Social-Media-Kanä­len (Suhaib Hoff­mann, Ahmad Tamim). Beleuch­tet wer­den ihre hohe Reich­wei­te auf Tik­Tok, Insta­gram und You­Tube sowie die Wir­kung ihrer Pro­pa­gan­da als Radi­ka­li­sie­rungs­ka­ta­ly­sa­tor.

Gesich­ter des Sala­fis­mus: Von Pierre Vogel bis »Han­na Han­sen« (S. 24) – Por­trä­tiert wer­den zen­tra­le sala­fis­ti­sche Akteur:innen in Deutsch­land, dar­un­ter Pierre Vogel, Ahmad Armih (»Abul Baraa«), Ibra­him El Azz­azi sowie die Kon­ver­ti­tin Vik­to­ria Stadt­lan­der (»Han­na Han­sen«) und Sven Lau.

Schii­ti­scher Isla­mis­mus (S. 26) – Eine Ein­füh­rung in die theo­lo­gi­schen Grund­la­gen des schii­ti­schen Isla­mis­mus, ins­be­son­de­re Ruhol­lah Cho­mei­nis Kon­zept der »Statt­hal­ter­schaft der Rechts­ge­lehr­ten«.

Der lan­ge Arm des ira­ni­schen Regimes (S. 26) – Der Export der »Isla­mi­schen Revo­lu­ti­on«, die Rol­le der Isla­mi­schen Revo­lu­ti­ons­gar­den (IRGC), der Al-Quds-Tag sowie die Struk­tu­ren in Deutsch­land, dar­un­ter die Isla­mi­sche Gemein­schaft der schii­ti­schen Gemein­den (IGS) und das 2024 ver­bo­te­ne Isla­mi­sche Zen­trum Ham­burg (IZH).

His­bol­lah – die »Par­tei Got­tes« (S. 28) – Ent­ste­hung, Ideo­lo­gie und Gewalt­ge­schich­te der liba­ne­si­schen His­bol­lah, das seit 2020 in Deutsch­land gel­ten­de Betä­ti­gungs­ver­bot sowie die ihrem Umfeld zuge­rech­ne­ten Ber­li­ner Moschee­ver­ei­ne »Isla­mi­sches Zen­trum Imam Riza Ber­lin« und »Al-Irschad e.V.«.

Anhang: Umgang mit Isla­mis­mus und kon­fron­ta­ti­ver Reli­gi­ons­be­kun­dung (S. 29) – Ein Arbeits­bo­gen für die päd­ago­gi­sche Pra­xis, der elf typi­sche Ver­hal­tens­mus­ter auf­greift – von der Bewer­tung nach Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit über reli­giö­sen Kol­lek­tiv­zwang bis zur Wer­bung für extre­mis­ti­sche Grup­pen – und Schu­len wie Jugend­ein­rich­tun­gen Spal­ten zur Selbst­re­fle­xi­on, zu insti­tu­tio­nel­len Maß­nah­men und zur Ein­schal­tung exter­ner Stel­len an die Hand gibt.

Ergänzt wird die Dar­stel­lung durch­gän­gig durch Abbil­dun­gen ein­schlä­gi­ger Logos, Sym­bo­le und Ges­ten – vom Rabia-Gruß über den Wolfs­gruß und den Tau­hid-Fin­ger bis zum roten Drei­eck als Erken­nungs­zei­chen von Hamas-Sym­pa­thi­san­ten. Die Bro­schü­re berück­sich­tigt aktu­el­le Ent­wick­lun­gen wie das Ver­bot von »Mus­lim Inter­ak­tiv« im Novem­ber 2025, die Aus­wir­kun­gen des Gaza-Kriegs auf isla­mis­ti­sche Mobi­li­sie­rung in Deutsch­land sowie die Rol­le sozia­ler Netz­wer­ke wie Tik­Tok, über die isla­mis­ti­sche Influen­cer gezielt Jugend­li­che anspre­chen.

Die Hand­rei­chung steht ab sofort zum Down­load bereit und kann ab Anfang Juni als gedruck­te Aus­ga­be kos­ten­frei bei DEVI e.V. bestellt wer­den. Inter­es­sier­te kön­nen dort auch ein Kon­tin­gent zum Aus­le­gen bei eige­nen Ver­an­stal­tun­gen anfra­gen – hier­für genügt eine kur­ze Mit­tei­lung mit gewünsch­ter Stück­zahl und Lie­fer­adres­se.

Her­aus­ge­ge­ben wird die Bro­schü­re vom DEVI e.V. im Rah­men des Pro­jekts »Bera­tungs- und Fort­bil­dungs­stel­le für welt­an­schau­li­che und reli­giö­se Viel­falt (BeFo)«, geför­dert durch die Ber­li­ner Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie.