Hei­ko Hei­nisch im Mena-Watch-Talk über den Poli­ti­schen Islam, die Mus­lim­bru­der­schaft und den hybri­den Kon­flikt in Euro­pa

Anlässlich des neuen Buches »Politischer Islam – eine hybride Bedrohung. Der ›Civilization Jihad‹ der Muslimbruderschaft« spricht der Historiker Heiko Heinisch über islamistische Transformationsstrategien, gesellschaftliche Einflussnahme und die langfristige Herausforderung für liberale Demokratien.
Heiko Heinisch im Mena-Watch-Talk über die langfristige Strategie des Politischen Islam am Beispiel der Muslimbruderschaft, 8. Mai 2026 (Bild: https://www.mena-watch.com)

Im Gespräch mit Flo­ri­an Markl erläu­tert Hei­ko Hei­nisch zen­tra­le The­sen des Buches »Poli­ti­scher Islam – eine hybri­de Bedro­hung. Der ›Civi­liza­ti­on Jihad‹ der Mus­lim­bru­der­schaft«, das er gemein­sam mit Nina Scholz und Gus­tav E. Gus­ten­au ver­öf­fent­licht hat.

Im Zen­trum steht die Ana­ly­se der Mus­lim­bru­der­schaft als hybri­der Akteur: nicht als klas­si­sche Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on, son­dern als weit ver­zweig­tes Netz­werk aus Kadern, Orga­ni­sa­tio­nen, ideo­lo­gi­schen Milieus und inter­na­tio­na­len Unter­stüt­zern. Hei­nisch beschreibt eine Stra­te­gie, die auf lang­fris­ti­ge gesell­schaft­li­che Trans­for­ma­ti­on zielt – über Bil­dungs­ar­beit, Lob­by­ing, reli­giö­se Infra­struk­tur, NGOs, Medi­en und poli­ti­sche Netz­wer­ke.

Der Begriff »Civi­liza­ti­on Jihad« stammt aus inter­nen Stra­te­gie­pa­pie­ren der Mus­lim­bru­der­schaft. Gemeint sei ein kul­tu­rel­ler und gesell­schaft­li­cher Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess, der west­li­che Gesell­schaf­ten schritt­wei­se ver­än­dern soll. Gera­de weil die Bewe­gung häu­fig nicht offen kon­fron­ta­tiv auf­tre­te, son­dern sich als mode­ra­ter Ansprech­part­ner prä­sen­tie­re, sei ihr in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie schwer zu begeg­nen.

Beson­ders deut­lich wer­de die Wir­kung isla­mis­ti­scher Ein­fluss­nah­me in Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und in bestimm­ten mus­li­mi­schen Com­mu­ni­ties. Hei­nisch ver­weist auf Kon­flik­te um Sexu­al­kun­de, Evo­lu­ti­ons­theo­rie, Holo­caust-Unter­richt, Geschlech­ter­rol­len, Kopf­tuch, Rama­dan und reli­giö­se Nor­men im All­tag. Die­se Fra­gen sei­en nicht nur Aus­druck indi­vi­du­el­ler Reli­gio­si­tät, son­dern auch Teil gesell­schaft­li­cher Aus­hand­lungs­pro­zes­se, in denen isla­mis­ti­sche Akteu­re Ein­fluss gewin­nen woll­ten.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt des Gesprächs ist die insti­tu­tio­nel­le Ver­net­zung: Par­tei­en, Gewerk­schaf­ten, NGOs, Kir­chen und staat­li­che Dia­log­for­ma­te kön­nen laut Hei­nisch zu Fel­dern wer­den, auf denen Akteu­re des Poli­ti­schen Islam poli­ti­sche Frei­räu­me gewin­nen. Dem Begriff »Isla­mo­pho­bie« kom­me dabei beson­de­re Bedeu­tung zu, weil er häu­fig genutzt wer­de, um Kri­tik an isla­mis­ti­scher Ein­fluss­nah­me als anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus zu dele­gi­ti­mie­ren.

Auch die Rol­le isla­mi­scher Ver­bän­de wird the­ma­ti­siert. Hei­nisch ver­weist ins­be­son­de­re auf Orga­ni­sa­tio­nen und Milieus aus dem Umfeld von Mil­lî Görüş sowie auf die Fra­ge, wen Poli­tik und Staat als Ansprech­part­ner für »den Islam« akzep­tie­ren. Dar­aus ergibt sich eine zen­tra­le demo­kra­tie­theo­re­ti­sche Fra­ge: Ver­han­deln staat­li­che Akteu­re tat­säch­lich mit reprä­sen­ta­ti­ven mus­li­mi­schen Stim­men – oder mit Ver­tre­tern des Poli­ti­schen Islam?

Das Gespräch macht deut­lich: Der Poli­ti­sche Islam ist kei­ne kurz­fris­ti­ge Sicher­heits­fra­ge, son­dern eine lang­fris­ti­ge Her­aus­for­de­rung für libe­ra­le Demo­kra­tien und staat­li­che Sou­ve­rä­ni­tät.


Flo­ri­an Markl inter­viewt Hei­ko Hei­nisch: »Die Gesell­schaft an den Islam gewöh­nen« | Mena-Watch-Talk | 1:01:31 Min.