His­bol­lah-Todes­lis­te mit rund 200 Namen: Islam­wis­sen­schaft­ler Ralph Ghad­ban erneut im Visier

Der Vorwurf lautet »Agententätigkeit für Israel«. Betroffen ist ein breites Spektrum der Hisbollah-Kritik: Abgeordnete, Journalisten, Wissenschaftler, darunter die Witwe des 2021 ermordeten Verlegers Lokman Slim. Islamwissenschaftler Ralph Ghadban reagiert mit einem Plädoyer für Öffentlichkeit.

Aus dem Umfeld der His­bol­lah kur­siert im Juli 2026 eine schwar­ze Lis­te mit rund 200 Namen. Der His­bol­lah nahe­ste­hen­de Akti­vis­ten ver­brei­te­ten sie in den sozia­len Medi­en, das liba­ne­si­sche Por­tal Ayoub News doku­men­tier­te am 15. Juli 2026 den voll­stän­di­gen Namens­be­stand. Sei­tens der His­bol­lah, einer isla­mis­tisch-schii­ti­schen Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on im Liba­non, ist der Vor­wurf der »Agen­ten­tä­tig­keit« weit mehr als ein Wert­ur­teil: Er kommt einer Todes­dro­hung gleich.

Auf der Lis­te: Dr. Ralph Ghad­ban.

Der Islam­wis­sen­schaft­ler, Autor von »Ara­bi­sche Clans – Die unter­schätz­te Gefahr« (Econ, 2018), »Allahs muti­ge Kri­ti­ker« (Her­der, 2021) und »Das Netz der Mul­lahs: Der Iran und der poli­ti­sche Islam der Schii­ten« (Her­der, 2026) ist seit Jah­ren auch in Deutsch­land gefähr­det. Nun nimmt ihn die His­bol­lah erneut ins Visier.

Am 16. Juli distan­zier­te sich die His­bol­lah nach brei­tem gesell­schaft­li­chem und poli­ti­schem Druck von der Lis­te. Ihre Medi­en­ab­tei­lung erklär­te, die Par­tei sei von der Lis­te »weder von nah noch von fern« betrof­fen und habe »nie­mals Men­schen klas­si­fi­ziert oder des Ver­rats bezich­tigt«. Glaub­wür­dig ist das Demen­ti nicht: Die Lis­te ver­sam­melt gezielt Abge­ord­ne­te, Jour­na­lis­ten und Wis­sen­schaft­ler. Es ist ein brei­tes Spek­trum der His­bol­lah-Kri­tik. Dar­un­ter befin­den sich die Reform-Abge­ord­ne­ten Pau­la Yacou­bi­an und Ibra­him Mneim­neh, die Publi­zis­tin Dima Sadek sowie Moni­ka Borg­mann, die Wit­we des 2021 ermor­de­ten Ver­le­gers Lok­man Slim. Mit der Schrift­stel­le­rin Rascha al-Amir, Slims Schwes­ter, trifft die Lis­te des­sen Fami­lie sogar dop­pelt.

Ghad­ban selbst sagt: »Das Publik­ma­chen der Dro­hung ist der bes­te Schutz gegen Ter­ro­ris­ten.«

Der AK Polis ver­öf­fent­licht in Abstim­mung mit Ghad­ban die­sen Post auf X mit dem Zusatz: »Er hat recht. Wer Isla­mis­ten kri­ti­siert und dafür mit dem Tod bedroht wird, ver­dient Öffent­lich­keit und Soli­da­ri­tät.«