»Im Blind­flug« – Steu­er­mil­lio­nen an Isla­mic Reli­ef vom Aus­wär­ti­gen Amt

Sachstand AK Polis | Nr. 4 | 10. Juni 2026: »Im Blindflug« – Steuermillionen an Islamic Relief vom Auswärtigen Amt
Islamic Relief in Berlin (Bild: imageBROKER.com / Alamy)

Pro­blem

Das Aus­wär­ti­ge Amt hat Isla­mic Reli­ef Deutsch­land e. V. (IRD) zwi­schen 2013 und 2020 mit rund 15 Mil­lio­nen Euro Steu­er­geld für Pro­jek­te im Nahen Osten geför­dert. Es ist behörd­lich viel­fach doku­men­tiert, dass IRD eine Orga­ni­sa­ti­on aus dem Umfeld der extre­mis­ti­schen Mus­lim­bru­der­schaft ist. Die Fra­ge, ob deut­sche Steu­er­gel­der an die Hamas oder Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen geflos­sen sind, ließ die Bun­des­re­gie­rung aus »Grün­den des Staats­wohls« unbe­ant­wor­tet. Die Ergeb­nis­se einer Prü­fung durch den Bun­des­rech­nungs­hof waren über sechs Jah­re unter Ver­schluss. Erst eine mehr­jäh­ri­ge Kla­ge hat den Bericht 2026 mit Schwär­zun­gen ans Licht gebracht.

Dar­in spricht der Bun­des­rech­nungs­hof von einem »Blind­flug«: Das Aus­wär­ti­ge Amt habe die eige­ne Wei­sungs­la­ge eines Ter­rorer­las­ses miss­ach­tet, ohne dies nach­voll­zieh­bar zu begrün­den. Eine inter­ne War­nung des Län­der­re­fe­rats Syri­en vor einer »nicht-inten­dier­ten För­de­rung kari­ta­ti­ver Struk­tu­ren« der Mus­lim­bru­der­schaft in Syri­en fand kei­ne Berück­sich­ti­gung. Die ers­te IRD-Grund­satz­ak­te mit mut­maß­lich ein­schlä­gi­gen sicher­heits­be­hörd­li­chen Befun­den wur­de 2013 ver­nich­tet – im Jahr des För­der­be­ginns. Fol­ge­pro­jek­te wur­den bewil­ligt, ohne dass die Nach­wei­se vor­he­ri­ger Pro­jek­te geprüft waren. Es wur­de ein Bar­geld­trans­fer von rund 240.000 Euro in die Tür­kei akzep­tiert, ohne dass das Aus­wär­ti­ge Amt den Vor­gang wei­ter­ver­folgt und die Emp­fän­ger fest­ge­stellt hät­te. Die mit der Ver­wen­dungs­prü­fung beauf­trag­te Deut­sche Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ) GmbH benö­tig­te für Prü­fun­gen bis zu fünf Jah­re; sie erkann­te Zah­lun­gen als ord­nungs­ge­mäß an, die nicht zuge­ord­net wer­den konn­ten oder ohne Nach­weis geleis­tet wor­den waren. Der Ver­fas­sungs­schutz hat bestä­tigt, dass »nach wie vor signi­fi­kan­te per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen zwi­schen Isla­mic Reli­ef Deutsch­land und der Mus­lim­bru­der­schaft« bestehen.

Lösung

(1) Insti­tu­tio­nell. Das Aus­wär­ti­ge Amt muss sei­ne eige­ne Beschluss- und Wei­sungs­la­ge kon­se­quent, lücken­los und nach­weis­bar umset­zen. Die Ver­wen­dungs­nach­weis­prü­fung ist nach­zu­schär­fen: Wo Bele­ge der Letzt­emp­fän­ger feh­len, darf eine ord­nungs­ge­mä­ße Mit­tel­ver­wen­dung nicht zuguns­ten des Zuwen­dungs­emp­fän­gers unter­stellt wer­den. Jah­re­lan­ges Ver­sa­gen von pro­jekt­füh­ren­dem Refe­rat, Mit­zeich­nungs­ket­te bis zur Haus­lei­tung und Innen­re­vi­si­on ist abzu­stel­len.

(2) Sta­tus­be­zo­gen. Die Mit­glied­schaft von IRD im Koor­di­nie­rungs­aus­schuss Huma­ni­tä­re Hil­fe der Bun­des­re­gie­rung besteht bis heu­te fort, obwohl das Aus­wär­ti­ge Amt »mit Blick auf die eige­ne Wei­sungs­la­ge« die­sen Sta­tus nicht ein­räu­men dürf­te. Ein Aus­schluss ist über­fäl­lig.

(3) Pro­zess­be­zo­gen. Mit Ver­weis auf das »Staats­wohl« hat die Bun­des­re­gie­rung über Jah­re Trans­pa­renz ver­hin­dert. Die erzwun­ge­ne Offen­le­gung hat gezeigt, dass die­ses nicht durch die Trans­pa­renz, son­dern durch die Intrans­pa­renz gefähr­det war. Nur so kön­nen regel­ba­sier­te Ver­ga­be­pro­zes­se gestärkt und der Miss­brauch und die Ver­schwen­dung von Steu­er­gel­dern in ver­gleich­ba­ren Fäl­len künf­tig ver­hin­dert wer­den.

(4) Poli­tisch. Die Befun­de wer­fen struk­tu­rel­le Fra­gen nach dem nega­ti­ven Zusam­men­wir­ken von poli­ti­scher Lei­tung und Ver­wal­tungs­ap­pa­rat auf, das meh­re­re Wech­sel der Haus­lei­tung über­dau­ert hat. Für die han­deln­den Per­so­nen las­sen die Befun­de weni­ge Erklä­run­gen zu: Sie haben den Vor­gang ent­we­der gleich­gül­tig, fach­lich über­for­dert oder in einer noch auf­zu­klä­ren­den Nähe zum Zuwen­dungs­emp­fän­ger bear­bei­tet.


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