Im Zentrum der Untersuchung steht die Doktrin des Tamkeen – ein langfristiges Programm der institutionellen Verankerung. Durch vergleichende historische Betrachtungen zeichnet sie die Entwicklung nach von ihren theoretischen Ursprüngen im Ägypten des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zu ihren aktuellen Dimensionen in den USA. ISGAP bezeichnet den Ansatz der Muslimbruderschaft als einen »100-Jahres-Plan«, dessen erste fünfzig Jahre nun eine alarmierende Zwischenbilanz offenbaren.
Grundlage der Untersuchung sind interne Dokumente wie das »Explanatory Memorandum« (1991) und das Papier »The Project« (1982), die seit Jahren als Schlüsseltexte der Bewegung gelten. Anhand zahlreicher Quellen zeigt der Bericht, wie die Muslimbruderschaft (MB) anstrebt, gesellschaftliche, mediale, akademische und politische Strukturen schrittweise zu durchdringen und so islamitische Positionen zu normalisieren. Gerade in westlichen Minderheitenkontexten, in denen offene oder militante Konfrontation weniger erfolgversprechend sei, setze die Bewegung auf graduellen Aufbau: die Errichtung von Schulen, Moscheen, Wohlfahrtsverbänden, Studierendenorganisationen und Lobbygruppen sowie den Aufbau von Kontakten zu Politik, Gewerkschaften, Vereinen und Medien. Diese MB-Organisationsstrukturen präsentierten sich häufig als scheinbar authentische Vertretung muslimischer Gemeinschaften, obwohl sie die tatsächliche Vielfalt muslimischer Lebenswelten verdrängen und unterdrücken.
Operative Umsetzung: Vier Einflussbereiche
Die Studie identifiziert und analysiert vier strategische Einflussbereiche der Muslimbruderschaft im Detail: erstens politische Einflussnahme (Policy Impact) durch Zugang zu Regierungsstrukturen und Bildung von Allianzen; zweitens die Manipulation rechtlicher Rahmenbedingungen (Legal Framework Manipulation) mittels Lawfare und der Umdeutung zentraler Begriffe; drittens die institutionelle Durchdringung (Institutional Infiltration) von Bildungs- und zivilgesellschaftlichen Organisationen; und viertens die Deutungs- und Narrativkontrolle (Narrative Control) durch mediale Einflussnahme, akademische Publikationen, digitale Netzwerke und diskursive Rahmensetzung. Mehrere detaillierte Fallstudien zu diesen Bereichen zeigen, wie MB-Netzwerke diese Strategien umgesetzt haben.
ISGAP verweist zudem auf die transnationale Dimension: Die Muslimbruderschaft betreibe eine Form des »zivilisatorischen Dschihad«, also eines langfristigen, nicht-gewaltsamen Transformationsprozesses, der die Freiheiten westlicher Demokratien strategisch nutze, um schrittweise politischen Einfluss zu gewinnen. Der Bericht beschreibt dies als ein bewusst generationenübergreifendes Vorgehen, das eng der Vision der Gründer entspreche, westliche Gesellschaften von innen heraus zu verändern. Von dem
Ein weiterer Befund der Studie betrifft die Reaktionen mehrheitlich islamischer Staaten. Länder wie Ägypten, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate haben die Muslimbruderschaft verboten oder offiziell als extremistische Organisation eingestuft, was als Hinweis darauf gelten kann, dass die Kritik am Politischen Islam der Muslimbruderschaft nicht mit einer Ablehnung »des« Islam verwechselt werden sollte.
US-Präsident Trump erklärt Teile der Muslimbruderschaft zu »ausländischen terroristischen Organisationen«
In dem Bericht empfiehlt ISGAP der US-Regierung, die Muslimbruderschaft als »Foreign Terrorist Organization« einzustufen, um Netzwerke und Finanzierungswege wirksam begegnen zu können. Am 24. November 2025 leitete US-Präsident Donald J. Trump diesen Prozess per Executive Order ein. Das Verfahren betrifft zunächst Ableger im Libanon, in Ägypten und Jordanien; eine Ausweitung auf die Verankerung der MB in Katar, die Türkei und weitere Staaten ist möglich. Die US-Regierung begründet diesen Schritt mit Erkenntnissen über transnationale Einflussstrukturen auf Terror und finanzielle Verflechtungen, siehe White House Factsheet.
Auch in Europa und Deutschland sind Organisationen und Akteure tätig, die der Muslimbruderschaft nahestehen oder aus ihr hervorgegangen sind. Eine Zusammenfassung mit weiterführenden Informationen zur Debatte in Deutschland bietet dieser X‑Post des AK Polis:
US-Präsident Donald Trump hat ein Verfahren zur Einstufung von Teilen der #Muslimbruderschaft (MB) als Terrororganisation eingeleitet. Im Fokus sind #Libanon #Ägypten #Jordanien und deren Finanzbeziehungen. Die MB unterhält auch Gliederungen in Deutschland.
— AK Polis | Arbeitskreis Politischer Islam (@AK_Polis) November 25, 2025
Das BfV benennt als… pic.twitter.com/e7iRR1X7AD
The Muslim Brotherhood’s Strategic Entryism into the United States: A Systemic Analysis (PDF)

The Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (2025): The Muslim Brotherhood’s Strategic Entryism into the United States: A Systemic Analysis. ISGAP, New York. ISBN 978–1‑940186–33‑7