ISGAP-Stu­die: »Die lang­fris­ti­ge Ein­fluss­stra­te­gie der Mus­lim­bru­der­schaft«

Am 19. November 2025 veröffentlichte das Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (ISGAP) eine Studie über die langfristige Einflussstrategie der Muslimbruderschaft in westlichen Demokratien mit dem Schwerpunkt auf den USA. Auf 256 Seiten werden systematische Analysen von Strategien, Netzwerken und Akteuren vorgelegt sowie Primärquellen dokumentiert.

Im Zen­trum der Unter­su­chung steht die Dok­trin des Tam­keen – ein lang­fris­ti­ges Pro­gramm der insti­tu­tio­nel­len Ver­an­ke­rung. Durch ver­glei­chen­de his­to­ri­sche Betrach­tun­gen zeich­net sie die Ent­wick­lung nach von ihren theo­re­ti­schen Ursprün­gen im Ägyp­ten des frü­hen 20. Jahr­hun­derts bis hin zu ihren aktu­el­len Dimen­sio­nen in den USA. ISGAP bezeich­net den Ansatz der Mus­lim­bru­der­schaft als einen »100-Jah­res-Plan«, des­sen ers­te fünf­zig Jah­re nun eine alar­mie­ren­de Zwi­schen­bi­lanz offen­ba­ren.

Grund­la­ge der Unter­su­chung sind inter­ne Doku­men­te wie das »Expl­ana­to­ry Memo­ran­dum« (1991) und das Papier »The Pro­ject« (1982), die seit Jah­ren als Schlüs­sel­tex­te der Bewe­gung gel­ten. Anhand zahl­rei­cher Quel­len zeigt der Bericht, wie die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) anstrebt, gesell­schaft­li­che, media­le, aka­de­mi­sche und poli­ti­sche Struk­tu­ren schritt­wei­se zu durch­drin­gen und so isla­mi­ti­sche Posi­tio­nen zu nor­ma­li­sie­ren. Gera­de in west­li­chen Min­der­hei­ten­kon­tex­ten, in denen offe­ne oder mili­tan­te Kon­fron­ta­ti­on weni­ger erfolg­ver­spre­chend sei, set­ze die Bewe­gung auf gra­du­el­len Auf­bau: die Errich­tung von Schu­len, Moscheen, Wohl­fahrts­ver­bän­den, Stu­die­ren­den­or­ga­ni­sa­tio­nen und Lob­by­grup­pen sowie den Auf­bau von Kon­tak­ten zu Poli­tik, Gewerk­schaf­ten, Ver­ei­nen und Medi­en. Die­se MB-Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren prä­sen­tier­ten sich häu­fig als schein­bar authen­ti­sche Ver­tre­tung mus­li­mi­scher Gemein­schaf­ten, obwohl sie die tat­säch­li­che Viel­falt mus­li­mi­scher Lebens­wel­ten ver­drän­gen und unter­drü­cken.

Ope­ra­ti­ve Umset­zung: Vier Ein­fluss­be­rei­che

Die Stu­die iden­ti­fi­ziert und ana­ly­siert vier stra­te­gi­sche Ein­fluss­be­rei­che der Mus­lim­bru­der­schaft im Detail: ers­tens poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me (Poli­cy Impact) durch Zugang zu Regie­rungs­struk­tu­ren und Bil­dung von Alli­an­zen; zwei­tens die Mani­pu­la­ti­on recht­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen (Legal Frame­work Mani­pu­la­ti­on) mit­tels Law­fa­re und der Umdeu­tung zen­tra­ler Begrif­fe; drit­tens die insti­tu­tio­nel­le Durch­drin­gung (Insti­tu­tio­nal Infil­tra­ti­on) von Bil­dungs- und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen; und vier­tens die Deu­tungs- und Nar­ra­tiv­kon­trol­le (Nar­ra­ti­ve Con­trol) durch media­le Ein­fluss­nah­me, aka­de­mi­sche Publi­ka­tio­nen, digi­ta­le Netz­wer­ke und dis­kur­si­ve Rah­men­set­zung. Meh­re­re detail­lier­te Fall­stu­di­en zu die­sen Berei­chen zei­gen, wie MB-Netz­wer­ke die­se Stra­te­gien umge­setzt haben.

ISGAP ver­weist zudem auf die trans­na­tio­na­le Dimen­si­on: Die Mus­lim­bru­der­schaft betrei­be eine Form des »zivi­li­sa­to­ri­schen Dschi­had«, also eines lang­fris­ti­gen, nicht-gewalt­sa­men Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses, der die Frei­hei­ten west­li­cher Demo­kra­tien stra­te­gisch nut­ze, um schritt­wei­se poli­ti­schen Ein­fluss zu gewin­nen. Der Bericht beschreibt dies als ein bewusst gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­des Vor­ge­hen, das eng der Visi­on der Grün­der ent­spre­che, west­li­che Gesell­schaf­ten von innen her­aus zu ver­än­dern. Von dem

Ein wei­te­rer Befund der Stu­die betrifft die Reak­tio­nen mehr­heit­lich isla­mi­scher Staa­ten. Län­der wie Ägyp­ten, Sau­di-Ara­bi­en oder die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te haben die Mus­lim­bru­der­schaft ver­bo­ten oder offi­zi­ell als extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft, was als Hin­weis dar­auf gel­ten kann, dass die Kri­tik am Poli­ti­schen Islam der Mus­lim­bru­der­schaft nicht mit einer Ableh­nung »des« Islam ver­wech­selt wer­den soll­te.

US-Prä­si­dent Trump erklärt Tei­le der Mus­lim­bru­der­schaft zu »aus­län­di­schen ter­ro­ris­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen«

In dem Bericht emp­fiehlt ISGAP der US-Regie­rung, die Mus­lim­bru­der­schaft als »For­eign Ter­ro­rist Orga­niza­ti­on« ein­zu­stu­fen, um Netz­wer­ke und Finan­zie­rungs­we­ge wirk­sam begeg­nen zu kön­nen. Am 24. Novem­ber 2025 lei­te­te US-Prä­si­dent Donald J. Trump die­sen Pro­zess per Exe­cu­ti­ve Order ein. Das Ver­fah­ren betrifft zunächst Able­ger im Liba­non, in Ägyp­ten und Jor­da­ni­en; eine Aus­wei­tung auf die Ver­an­ke­rung der MB in Katar, die Tür­kei und wei­te­re Staa­ten ist mög­lich. Die US-Regie­rung begrün­det die­sen Schritt mit Erkennt­nis­sen über trans­na­tio­na­le Ein­fluss­struk­tu­ren auf Ter­ror und finan­zi­el­le Ver­flech­tun­gen, sie­he White House Facts­heet.

Auch in Euro­pa und Deutsch­land sind Orga­ni­sa­tio­nen und Akteu­re tätig, die der Mus­lim­bru­der­schaft nahe­ste­hen oder aus ihr her­vor­ge­gan­gen sind. Eine Zusam­men­fas­sung mit wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen zur Debat­te in Deutsch­land bie­tet die­ser X‑Post des AK Polis:

The Mus­lim Brotherhood’s Stra­te­gic Ent­ry­ism into the United Sta­tes: A Sys­te­mic Ana­ly­sis (PDF)

The Insti­tu­te for the Stu­dy of Glo­bal Anti­se­mi­tism and Poli­cy (2025): The Mus­lim Brotherhood’s Stra­te­gic Ent­ry­ism into the United Sta­tes: A Sys­te­mic Ana­ly­sis. ISGAP, New York. ISBN 978–1‑940186–33‑7