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Isla­mic Reli­ef: Struk­tu­ren, För­de­rung und Ver­flech­tun­gen mit der Mus­lim­bru­der­schaft

Dieser Beitrag von Sigrid Herrmann dokumentiert Strukturen, Finanzierungswege sowie staatliche, kirchliche und private Partnernetzwerke von Islamic Relief – und stellt ihnen behördliche Bewertungen, intransparente Förderpraktiken und bekannte Verflechtungen in extremistisches, muslimbrudernahes Umfeld gegenüber. Im Fokus stehen Risiken und offene Prüfbedarfe für öffentliche Geldgeber und Kooperationspartner.
Islamic Relief in Berlin (Bild: imageBROKER.com / Alamy)

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Struk­tu­ren und Part­ner

Isla­mic Reli­ef (IR) ist welt­weit in über 40 Län­dern tätig. Die Zen­tra­le, Isla­mic Reli­ef World­wi­de (IRW), wur­de 1984 im Ver­ei­nig­ten König­reich mit Sitz in Bir­ming­ham gegrün­det. Seit den 1990er Jah­ren hat sich IRW zu einem gro­ßen inter­na­tio­na­len Hilfs­werk ent­wi­ckelt, das in nahe­zu allen gro­ßen huma­ni­tä­ren Kri­sen prä­sent war, dar­un­ter in Bos­ni­en (1992–1995), im Irak nach dem Golf­krieg, in Tsche­tsche­ni­en, nach dem Tsu­na­mi in Süd­ost­asi­en im Jahr 2004 sowie beim Erd­be­ben in Paki­stan 2005.

Im Jahr 1994 akqui­rier­te Isla­mic Reli­ef erst­mals För­der­mit­tel von der bri­ti­schen Regie­rung. In den fol­gen­den Jah­ren wur­den Pro­jek­te unter ande­rem von der Euro­päi­schen Uni­on (EU), der schwe­di­schen Ent­wick­lungs­agen­tur Sida, Glo­bal Affairs Cana­da (GAC) und der Isla­mic Deve­lo­p­ment Bank finan­ziert. Par­al­lel dazu bau­te IRW sei­ne Prä­senz in Kri­sen­re­gio­nen isla­mi­scher Bevöl­ke­rungs­grup­pen des Nahen und Mitt­le­ren Ostens, Asi­ens und Afri­kas kon­ti­nu­ier­lich aus.

Ein Mei­len­stein der stra­te­gi­schen Ver­net­zung und isla­mi­sche Krei­se über­schrei­ten­den Legi­ti­mie­rung der eige­nen Arbeit war die Unter­zeich­nung einer Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit dem Luthe­ri­schen Welt­bund – LWB (eng­lisch: The Luther­an World Fede­ra­ti­on – LWF) im Jahr 2014. In Deutsch­land gehö­ren dem LWF ver­schie­de­ne Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts (KdÖR) an, etwa die Evan­ge­lisch-luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers, die Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Bay­ern und die Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Nord­deutsch­land (Nord­kir­che).1

IRW hat sich als Netz­werk­part­ner der inter­na­tio­na­len huma­ni­tä­ren Infra­struk­tur posi­tio­niert. Im Jahr 2024 wur­de die Orga­ni­sa­ti­on mit dem bri­ti­schen Cha­ri­ty of the Year Award aus­ge­zeich­net. Zu den wich­tigs­ten inter­na­tio­na­len Part­nern zäh­len heu­te neben UN-Orga­ni­sa­tio­nen wie UNHCR, UNICEF, UNDP und dem Welt­ernäh­rungs­pro­gramm (WFP) auch zahl­rei­che inter­na­tio­na­le NGOs wie Save the Child­ren UK, World Visi­on, Hel­pA­ge Inter­na­tio­nal sowie aus Katar – einer Hoch­burg der Mus­lim­bru­der­schaft – die Qatar Cha­ri­ty.2

Isla­mic Reli­ef World­wi­de: Annu­al Report 2024. Bir­ming­ham, Juli 2025, S. 51

Im Jahr 2024 erziel­te IRW Ein­nah­men von rund 317 Mio. Euro (Umrech­nungs­kurs 1 Euro = 0,87 GBP). 7 Pro­zent (23 Mio. Euro / 20 Mio. GBP) stamm­ten aus Deutsch­land von Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD).3 Die Gel­der wer­den von IRD als Spen­den gesam­melt, mit denen Pro­jek­te in isla­mi­schen Mehr­heits­ge­sell­schaf­ten im Nahen und Mitt­le­ren Osten sowie in Asi­en und Afri­ka durch­ge­führt wer­den sol­len. Gesam­melt und ver­wal­tet wird auch die Zakāt – eine nach den fünf Säu­len des Islams ver­pflich­ten­de finan­zi­el­le Abga­be. Zusätz­lich wer­den Ein­nah­men auch aus Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und Inves­ti­ti­ons­er­trä­gen gene­riert, ins­be­son­de­re der TIC Inter­na­tio­nal Ltd. (Klei­der­re­cy­cling und Cha­ri­ty Shops) und dem Inter­na­tio­nal Waqf Fund.

Nach eige­nen Anga­ben hat IRW 14,5 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit durch Pro­gram­me in den Berei­chen Not­hil­fe, Wie­der­auf­bau und lang­fris­ti­ge Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit erreicht. Als die zehn Län­der mit den größ­ten Ziel­grup­pen wer­den genannt: Jemen (1.859.192 Per­so­nen), Syri­en (1.821.798), Paki­stan (1.433.116), Soma­lia (1.273.275), Sudan (1.240.692), Ban­gla­desch (1.055.066), Äthio­pi­en (786.031), Afgha­ni­stan (636.611), »die besetz­ten paläs­ti­nen­si­schen Gebie­te (Gaza)« (616.000) und Mali (522.079).

IRW betont in sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen, huma­ni­tä­re Hil­fe auf der Grund­la­ge isla­mi­scher Wer­te mit inter­na­tio­na­len Stan­dards der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu ver­bin­den und als föde­ra­les Netz­werk unab­hän­gi­ger natio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen zu agie­ren, das glo­bal koor­di­niert wird.

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD): Rol­le im Netz­werk und För­de­rung

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) ist ein 1996 in Köln gegrün­de­ter Ver­ein (Amts­ge­richt Köln VR 12464). Die Grün­dung erfolgt in der Neus­ser Stra­ße 387. Dabei han­delt es sich um eine Adres­se der Isla­mi­schen Gemein­schaft Mil­lî Görüş (IGMG).4 Laut dem Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ist die IGMG »aktu­ell die größ­te isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land.«5

IRD hat heu­te rund 110 Mit­ar­bei­ter. Obers­tes Ver­eins­or­gan ist die Mit­glie­der­ver­samm­lung, der ein Vor­stand nach­ge­ord­net ist. Die Ver­ant­wor­tung für die ope­ra­ti­ve Steue­rung der Orga­ni­sa­ti­on liegt bei der Geschäfts­füh­rung. Auf die­ser Ebe­ne sind Stabs­stel­len sowie fach­lich geglie­der­te Abtei­lun­gen ange­sie­delt, die unter ande­rem Auf­ga­ben in den fol­gen­den Berei­chen wahr­neh­men: Finan­zen und Con­trol­ling, Pro­gram­me und insti­tu­tio­nel­le Bezie­hun­gen, Öffent­lich­keits­ar­beit und Fund­rai­sing, Per­so­nal­we­sen sowie inter­ne Diens­te. Die Isla­mic Reli­ef Stif­tung ist orga­ni­sa­to­risch eigen­stän­dig, jedoch der Geschäfts­füh­rung zuge­ord­net und dient der lang­fris­ti­gen finan­zi­el­len Absi­che­rung aus­ge­wähl­ter Vor­ha­ben. Ins­ge­samt zeigt die Auf­stel­lung von IRD eine funk­tio­nal aus­dif­fe­ren­zier­te Struk­tur mit for­ma­ler Tren­nung von stra­te­gi­scher Lei­tung, ope­ra­ti­ver Umset­zung und unter­stüt­zen­den Funk­tio­nen. Die Füh­rungs­struk­tu­ren von IRD sind seit vie­len Jah­ren von engen Ver­bin­dun­gen zum inter­na­tio­na­len Dach­ver­band geprägt. Vor­sit­zen­der des Ver­eins ist Hossam Said, der zugleich als Direk­tor von IRW in Bir­ming­ham tätig ist – dem Haupt­sitz des inter­na­tio­na­len Netz­werks. Die wei­te­ren Vor­stands­mit­glie­der in Deutsch­land sind Samar Hababa, Nael Hawi und Usa­ma Al-Sibai.

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land: Jah­res­be­richt 2024. Köln, Sep­tem­ber 2025, S. 11

Neben dem Ver­eins­be­trieb hat IRD im Lau­fe der Jah­re meh­re­re asso­zi­ier­te Orga­ni­sa­tio­nen auf­ge­baut, die ergän­zen­de Funk­tio­nen inner­halb des Netz­werks erfül­len. Dazu zäh­len:

  • die 2016 gegrün­de­te Isla­mic Reli­ef Stif­tung, die an das inter­na­tio­na­le Waqf-Modell erin­nert und als lang­fris­ti­ger Finan­zie­rungs­pool für IR-Pro­jek­te dient;
  • die inzwi­schen auf­ge­lös­te Isla­mic Reli­ef Klei­der­kam­mer gGmbH, deren Struk­tur der bri­ti­schen TIC Inter­na­tio­nal Ltd. nach­emp­fun­den war;
  • sowie das Mus­li­mi­sche Seel­sor­ge­te­le­fon (MuTeS), das seit 2009 in Koope­ra­ti­on mit Dia­ko­nie und Cari­tas betrie­ben und seit 2016 vom Ber­li­ner Senat geför­dert wird.

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) im Ver­eins- und Fir­men­netz­werk (Gra­fik: Sig­rid Herr­mann)

IRD ist nach Anga­ben in sei­nem Jah­res­be­richt 2024 in ein brei­tes Netz­werk natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Bünd­nis­se, Platt­for­men und Ver­bän­de ein­ge­bun­den. Auf natio­na­ler Ebe­ne ist die Orga­ni­sa­ti­on unter ande­rem ver­tre­ten im Bünd­nis Akti­on Deutsch­land Hilft (ruhend), im Deut­schen Spen­den­rat, bei VENRO – Ver­band Ent­wick­lungs­po­li­tik und Huma­ni­tä­re Hil­fe deut­scher Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, in der Initia­ti­ve Trans­pa­ren­te Zivil­ge­sell­schaft, der Kli­ma-Alli­anz Deutsch­land sowie im Bünd­nis Gemein­sam für Afri­ka. Auf euro­päi­scher und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne weist IRD eine Part­ner­schaft mit dem Amt für huma­ni­tä­re Hil­fe der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on (ECHO) aus, ist Mit­glied im Cli­ma­te Action Net­work Euro­pe (CAN) und gehört der CHS Alli­ance an, die Stan­dards zur Qua­li­täts­si­che­rung huma­ni­tä­rer Arbeit ver­gibt. Dar­über hin­aus wer­den genannt: Cent­re for Huma­ni­ta­ri­an Action (CHA) als Think Tank im Bereich huma­ni­tä­re Hil­fe, des­sen Trä­ger unter ande­rem Ärz­te ohne Gren­zen, der Deut­sche Cari­tas­ver­band, das Evan­ge­li­sche Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung und das Deut­sche Rote Kreuz sind. Hin­zu kom­men Fair Share of Women Lea­ders und der Koor­di­nie­rungs­aus­schuss Huma­ni­tä­re Hil­fe, einem Abstim­mungs­fo­rum zwi­schen Bun­des­re­gie­rung, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und wei­te­ren Insti­tu­tio­nen.

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land: Jah­res­be­richt 2024. Köln, Sep­tem­ber 2025, S. 13

Wäh­rend IRW in Bir­ming­ham die glo­ba­le Stra­te­gie, inter­na­tio­na­le Pro­gram­me und den über­ge­ord­ne­ten Mit­tel­ein­satz koor­di­niert, fun­giert IRD im Wesent­li­chen als Fundraising‑, Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Pro­jekt­part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on für den deutsch­spra­chi­gen Raum. Die enge struk­tu­rel­le Ver­bin­dung zeigt sich ins­be­son­de­re in der finan­zi­el­len Ver­zah­nung: Nach Anga­ben des IRW-Jah­res­be­richts 2024 über­wies IRD im Berichts­jahr rund 23 Mil­lio­nen Euro (7 Pro­zent des IRW-Bud­gets), mit einem Anstieg seit 2023 von knapp 40 Pro­zent, an die inter­na­tio­na­le Zen­tra­le.

Zuflüs­se aus Deutsch­land an die Welt­zen­tra­le (Daten: IRW-Jah­res­be­richt 2024, Gra­fik: Sig­rid Herr­mann)

IRD erziel­te 2024 Ein­nah­men von knapp 36 Mio. Euro. Der Jah­res­ab­schluss 2024 wur­de geprüft von der Wirt­schafts­prü­fungs- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft dhmp NEXT GmbH & Co. KG aus Pforz­heim. Als größ­te Posi­ti­on wer­den »Reli­giö­se Spen­den« aus­ge­wie­sen mit 15 Mio. Euro. Aus der Lan­des­haupt­kas­se Ber­lin gin­gen 135.000 Euro ein. In der Pro­jekt­lis­te besteht die größ­te Posi­ti­on (4,7 Mio. Euro) aus Wai­sen­pa­ten­schaf­ten für 13.996 Begüns­tig­te (glo­bal). In der Lis­te der Not- und Kata­stro­phen­hil­fe ist es die »Bereit­stel­lung von Nah­rungs­mit­teln und medi­zi­ni­sche Not­ver­sor­gung im Gaza-Strei­fen« für 710.000 Begüns­tig­te (1,2 Mio. Euro).

In Deutsch­land wird IRD mit öffent­li­chen Gel­dern geför­dert. Zwi­schen 2013 und 2020 unter­stütz­ten das Aus­wär­ti­ge Amt, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) sowie die Deut­sche Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ) Pro­jek­te von IRD mit ins­ge­samt mehr als 16 Mil­lio­nen Euro. Die Bun­des­re­gie­rung gab in einer Ant­wort an den Bun­des­tag im Jahr 2020 Ein­zel­hei­ten bekannt:

»Aus Mit­teln des Aus­wär­ti­gen Amtes (AA) für huma­ni­tä­re Hil­fe im Aus­land (Kapi­tel 0501 Titel 687 32) erhielt IRD seit 2013 Zuwen­dun­gen in Höhe von ins­ge­samt rund 15,2 Mio. Euro. Im Ein­zel­nen erhielt IRD 2013 rund1,1 Mio. Euro, 2014 rund 3 Mio. Euro, 2015 rund 1,5 Mio. Euro, 2016 rund 2,6 Mio. Euro, 2017 rund 1,5 Mio. Euro, 2018 rund 2,5 Mio. Euro, 2019 rund 2,5 Mio. Euro und 2020 rund 0,5 Mio. Euro. Aus Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) erhielt IRD seit 2013 Zuwen­dun­gen in Höhe von ins­ge­samt 965.040 Euro. Die­se Sum­me setzt sich zusam­men aus Mit­teln der Gesell­schaft­li­chen Kri­sen­re­ak­ti­ons- und Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe (Kapi­tel 2302 Titel 687 08) in Höhe von 632.926 Euro, die IRD im Jahr 2013 erhielt, sowie aus Mit­teln der Bila­te­ra­len Tech­ni­schen Zusam­men­ar­beit (Kapi­tel 2301 Titel 896 03), in Höhe von ins­ge­samt 332.114 Euro, die IRD im Rah­men eines Vor­ha­bens der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit GmbH (GIZ) erhielt. Zuwen­dun­gen aus Mit­teln der Bila­te­ra­len Tech­ni­schen Zusam­men­ar­beit tei­len sich wie folgt auf: 2018: 243.817 Euro, 2019: 15.578 Euro, 2020: 72.719 Euro.«6

Seit 2022 flie­ßen nach Aus­kunft des Aus­wär­ti­gen Amtes jedoch kei­ne Bun­des­mit­tel mehr an die Orga­ni­sa­ti­on. Im Jah­res­be­richt 2024 sind auf Lan­des­ebe­ne Zuflüs­se aus Ber­lin aus­ge­wie­sen. Zudem erhielt IRD indi­rekt über die EU wei­ter­hin För­der­zu­gän­ge.

Von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on erhielt IRW zwi­schen 2007 und 2020 EU-För­der­mit­tel in Höhe von ins­ge­samt 33,77 Mio. Euro; bezieht man die for­mal eigen­stän­di­gen natio­na­len Able­ger ein, steigt das För­der­vo­lu­men auf rund 40,03 Mio. Euro. Für den enge­ren Zeit­raum 2014 bis 2020 gab es eine För­de­rung von ins­ge­samt 13,83 Mil­lio­nen Euro – laut dem EU Finan­cial Trans­pa­ren­cy Sys­tem (FTS).7 Obwohl die EU 2023 erklär­te, es gebe kei­ne lau­fen­den EU-geför­der­ten Pro­jek­te von Isla­mic Reli­ef, beleg­ten par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen fort­be­stehen­de För­de­run­gen von IRD im Rah­men von Eras­mus+, die über natio­na­le Agen­tu­ren abge­wi­ckelt wur­den. Im Fall Deutsch­lands erfolg­te dies durch die Natio­na­le Agen­tur Bil­dung für Euro­pa beim Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung.8 Par­al­lel dazu führ­te die Gene­ral­di­rek­ti­on ECHO Isla­mic Reli­ef Deutsch­land und Isla­mic Reli­ef Schwe­den wei­ter­hin als »zer­ti­fi­zier­te EU-huma­ni­tä­re Part­ner für den Zeit­raum 2021–2027«. Dar­über hin­aus stell­ten EU-eige­ne Platt­for­men wie Capacity4Dev Isla­mic Reli­ef wei­ter­hin posi­tiv dar, unter ande­rem im Zusam­men­hang mit Gaza, obwohl enge Bezie­hun­gen von Isla­mic Reli­ef Pal­es­ti­ne zu Hamas-nahen Wohl­fahrts­struk­tu­ren wie dem Gaza Zakat Com­mit­tee öffent­lich bekannt sei­en. Die Vor­gän­ge zei­gen struk­tu­rel­le Defi­zi­te bei Trans­pa­renz, Kon­trol­le und insti­tu­tio­nel­ler Koor­di­nie­rung euro­päi­scher För­der­ent­schei­dun­gen; natio­na­le Sicher­heits­be­wer­tun­gen zu Ver­bin­dun­gen in das Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft wur­den dabei nur ein­ge­schränkt berück­sich­tigt.9

In der deut­schen Öffent­lich­keit ver­fügt IRD über eine ver­gleichs­wei­se star­ke Sicht­bar­keit. Über Spen­den­kam­pa­gnen, Medi­en­ko­ope­ra­tio­nen und pro­mi­nen­te Für­spre­cher – dar­un­ter über Jah­re Per­sön­lich­kei­ten aus Poli­tik, Kir­chen und Kul­tur – posi­tio­niert sich die Orga­ni­sa­ti­on als eta­blier­ter Akteur huma­ni­tä­rer Hil­fe. Mit­glied­schaf­ten in Ver­bän­den wie dem Deut­schen Spen­den­rat, dem Ver­band Ent­wick­lungs­po­li­tik und Huma­ni­tä­re Hil­fe (VENRO) sowie die Betei­li­gung im Trä­ger­kreis des Cent­re for Huma­ni­ta­ri­an Action (CHA) in Ber­lin tra­gen zusätz­lich zur insti­tu­tio­nel­len Ein­bin­dung bei.

Damit setzt IRD, ein­ge­bet­tet in das inter­na­tio­na­le Netz­werk von Isla­mic Reli­ef, auf eine dop­pel­te Stra­te­gie: einer­seits kon­ti­nu­ier­li­che pri­va­te Mit­tel­ak­qui­se durch brei­te Öffent­lich­keits­ar­beit und Neben­or­ga­ni­sa­tio­nen, ande­rer­seits die Ein­bin­dung in staat­li­che und zivil­ge­sell­schaft­li­che För­der­struk­tu­ren in Deutsch­land und der Euro­päi­schen Uni­on zur Akqui­se staat­li­cher Gel­der.

Ver­flech­tun­gen mit der Mus­lim­bru­der­schaft und staat­li­che Bewer­tun­gen

Seit den frü­hen Jah­ren von Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) fin­den sich in der Ver­eins­füh­rung Per­so­nen, die zugleich zen­tra­le Rol­len in mus­lim­bru­der­na­hen Orga­ni­sa­tio­nen ein­nah­men.

Was ist die Mus­lim­bru­der­schaft?

Bei der Mus­lim­bru­der­schaft han­delt es sich um die »ältes­te und ein­fluss­reichs­te isla­mis­ti­sche Bewe­gung« (Ver­fas­sungs­schutz NRW). Die Mus­lim­bru­der­schaft ist laut Ver­fas­sungs­schutz »der Ursprung des moder­nen poli­ti­schen Islam«, der besa­ge, dass »die poli­ti­sche Herr­schaft nur Gott zuste­he und der Mensch die­se nur als sein Stell­ver­tre­ter oder Sach­wal­ter aus­zu­üben habe. Dabei müs­se der Mensch sich an die von Gott her­ab­ge­sand­ten Offen­ba­run­gen und die dar­in gege­be­nen Bestim­mun­gen hal­ten. Die­se fin­de man im Koran und der Sun­na, dem Brauch des Pro­phe­ten Muham­mad.« Sie strebt »ein Regie­rungs­sys­tem auf Grund­la­ge der Scha­ria« an und akzep­tiert eine säku­la­re Demo­kra­tie höchs­tens als »Über­gang zu einer isla­mi­schen Ord­nung«. Ihre Stra­te­gie ist die »Isla­mi­sie­rung von unten«, die auf einen Bewusst­seins­wan­del des Indi­vi­du­ums zielt und lang­fris­tig die Gesell­schaft prä­gen soll. In der von ihr ange­streb­ten Ord­nung wäre »Gott der Sou­ve­rän, nicht das Volk«, was »im Grund­satz dem Gedan­ken der Volks­sou­ve­rä­ni­tät und der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung wider­spricht«. Auch der von ihr ver­tre­te­ne »Islam der Mit­te« ori­en­tiert sich ein­deu­tig am klas­si­schen Scha­ria-Kon­zept und weist des­halb »Wider­sprü­che zur frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung« auf. Daher gilt die Mus­lim­bru­der­schaft als »extre­mis­ti­sche Bestre­bung« und unter­liegt der nach­rich­ten­dienst­li­chen Beob­ach­tung.10

Bereits in den 1990er und 2000er Jah­ren tra­ten Hany El-Bana, der Grün­der von Isla­mic Reli­ef World­wi­de (IRW), sowie Ibra­him El-Zayat und Almou­taz Taya­ra als Mit­grün­der von Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) her­vor. El-Zayat galt laut Der Spie­gel schon früh als »Chef der deut­schen Sek­ti­on« der Mus­lim­bru­der­schaft.11 Er war von 2002 bis 2010 Vor­sit­zen­der der Isla­mi­schen Gemein­schaft in Deutsch­land (IGD), die spä­ter als Deut­sche Mus­li­mi­sche Gemein­schaft (DMG) fir­mier­te. Die­se Ver­ei­ni­gung kann als Teil des welt­wei­ten Mus­lim­bru­der­schaft-Netz­wer­kes bezeich­net wer­den, was im Jahr 2017 durch den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Hes­sen bestä­tigt wur­de. Die DMG wird wie­der­holt in Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten genannt. Im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024 wird sie als »die wich­tigs­te und zen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on der Mus­lim­bru­der­schaft-Anhän­ger­schaft in Deutsch­land« ein­ge­stuft. Laut Bericht tritt die DMG gegen­über Poli­tik, Behör­den und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Part­nern gezielt als Ansprech­part­ne­rin eines angeb­lich gemä­ßig­ten, welt­of­fe­nen Islam auf. Tat­säch­lich ver­fol­ge sie jedoch eine »an der MB-Ideo­lo­gie aus­ge­rich­te­te Stra­te­gie der Ein­fluss­nah­me im poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Bereich«. Öffent­li­che Bekennt­nis­se zur Mus­lim­bru­der­schaft und ver­fas­sungs­feind­li­che Aus­sa­gen wür­den ver­mie­den, doch »zahl­rei­che Ver­bin­dun­gen« zwi­schen hoch­ran­gi­gen Funk­tio­nä­ren und nam­haf­ten aus­län­di­schen Mus­lim­brü­dern wür­den die Zuge­hö­rig­keit zum inter­na­tio­na­len MB-Netz­werk bele­gen.12 Es gehört zum »kon­spi­ra­ti­ven Vor­ge­hen«, die Ver­bin­dung zur Mus­lim­bru­der­schaft öffent­lich zu bestrei­ten, was »die Janus­köp­fig­keit der Orga­ni­sa­ti­on« ver­deut­li­che. Die DMG ging gegen die­se in Zitat­form gesetz­ten Aus­sa­gen juris­tisch vor, zog ihre Kla­ge jedoch im Sep­tem­ber 2021 zurück.13

Die Ver­bin­dun­gen per­so­nel­ler und finan­zi­el­ler Art waren offen­kun­dig: Bei­spiels­wei­se trat IRD im Jahr 2015 als Haupt­spon­sor für das IGD-Jah­res­tref­fen auf. IRD spon­sor­te 2016 diver­se Ver­an­stal­tun­gen des Ver­eins Mus­li­mi­sche Jugend in Deutsch­land (MJD), einer for­mal unab­hän­gi­gen Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on, die enge Ver­bin­dun­gen zur IGD unter­hält.14

Das gesam­te Isla­mic-Reli­ef-Netz­werk wird wegen der Nähe zur Mus­lim­bru­der­schaft und Hamas in eini­gen Län­dern als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft. In den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten (VAE)15 und in Isra­el16 ist IR seit dem Jahr 2014 ver­bo­ten, Ban­gla­desch hat der Orga­ni­sa­ti­on den Zugang zu den Roh­in­gya-Gebie­ten unter­sagt.

In Deutsch­land wur­den die­se Sach­ver­hal­te weit­ge­hend beschwie­gen. Erst ab 2017 rück­ten die­se Ver­bin­dun­gen stär­ker in den Fokus der (Fach-)Öffentlichkeit, als die Autorin (Anm. der Red.: die Isla­mis­mus­for­sche­rin Sig­rid Herr­mann) Bei­trä­ge des IRD-Vor­sit­zen­den Taya­ra doku­men­tier­te, in denen die­ser die Hamas-Füh­rung als »gro­ße Män­ner« lob­te, die dem »gött­li­chen und hei­li­gen Ruf der Mus­lim­bru­der­schaft« gefolgt sei­en. Die Posts ent­hiel­ten zusätz­lich anti­se­mi­ti­sche Dar­stel­lun­gen, dar­un­ter eine Kari­ka­tur des US-Prä­si­den­ten Barack Oba­ma mit David­stern-Sym­bo­lik sowie Lob für die Kämp­fer der Izz-al-Din-al-Qas­sam-Bri­ga­den. Die­se Bri­ga­den sind der mili­tä­ri­sche Flü­gel der Hamas und ver­ant­wort­lich für die Pla­nung und Durch­füh­rung von Rake­ten­an­grif­fen, Ter­ror­an­schlä­gen und Ent­füh­run­gen gegen Isra­el. Taya­ra, der IRD ab 2016 lei­te­te, soll im Schura-Rat der IGD geses­sen haben und war über­dies in einer Bil­dungs­stät­te in Nord­rhein-West­fa­len tätig, die dem Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft zuge­rech­net wird. Auch sei­ne Ehe­frau Hou­ai­da Tara­ji gehör­te über Jah­re zum Vor­stand der IGD und war zeit­wei­se Vor­stands­mit­glied des Zen­tral­rats der Mus­li­me (ZMD). Die­se per­so­nel­len Über­schnei­dun­gen präg­ten das Pro­fil von IRD lan­ge vor den spä­te­ren öffent­li­chen Kon­tro­ver­sen.

Das US-Außen­mi­nis­te­ri­um wies 2020 öffent­lich dar­auf hin, dass die­se ein­schlä­gi­gen Isla­mic-Reli­ef-Bei­trä­ge 2017 auf­ge­klärt wur­den, als die Autorin (Anm. der Red.: Sig­rid Herr­mann) sie in einem Blog­ein­trag mar­kier­te und ana­ly­sier­te.17

Kurz zuvor hat­te die Bun­des­re­gie­rung im April 2019 erst­mals öffent­lich erklärt, dass »sowohl Isla­mic Reli­ef World­wi­de als auch Isla­mic Reli­ef Deutsch­land e. V. über signi­fi­kan­te per­so­nel­le Ver­bin­dun­gen zur Mus­lim­bru­der­schaft oder ihr nahe­ste­hen­de Orga­ni­sa­tio­nen ver­fü­gen«. Gleich­zei­tig ver­wei­ger­te sie die Aus­kunft, ob der Bun­des­re­gie­rung bekannt sei, dass deut­sche Steu­er­gel­der von IRD und IRW an die Hamas, ihr Per­so­nal oder ihre Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen geflos­sen sei­en. Die­se Aus­kunft kön­ne »das Staats­wohl gefähr­den«.18

In der glei­chen Ant­wort teil­te die Bun­des­re­gie­rung mit, dass ihr das Ver­bot von IRW in Isra­el (aus dem Jahr 2014) und auch die Ver­bots­grün­de bezüg­lich der Finan­zie­rung der Hamas bekannt sei­en und die­se »bei der lau­fen­den Bear­bei­tung durch die zustän­di­gen Stel­len Berück­sich­ti­gung« fän­den. In wel­cher Wei­se es berück­sich­tigt wur­de, ist unklar – jeden­falls flos­sen die deut­schen Steu­er­gel­der im glei­chen Zeit­raum unter meh­re­ren Außen­mi­nis­tern.

Ihren Höchst­stand erreich­ten sie in der Amts­zeit von Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD). Aber auch zuvor unter Gui­do Wes­ter­wel­le (FDP) und danach unter Sig­mar Gabri­el (SPD) und Hei­ko Maas (SPD) flos­sen die oben genann­ten Mil­lio­nen­sum­men. In jener Zeit waren Dirk Nie­bel (FDP) und Gerd Mül­ler (CSU) Bun­des­mi­nis­ter im BMZ, wo eben­falls Steu­er­gel­der flos­sen. Akteu­re der Hamas haben »min­des­tens indi­rekt von deut­schem Steu­er­geld pro­fi­tiert«, alles ande­re wäre »naiv«, stell­te Rem­ko Leem­huis 2021 in Die Zeit fest.19

Aus­künf­te über ihren Kennt­nis­stand der Ver­net­zung zwi­schen IRD und der Isla­mi­schen Gemein­schaft Mil­li Görüs (IGMG) – »der größ­ten isla­mis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land« (Ver­fas­sungs­schutz) – sowie mit der tür­ki­schen Regie­rungs­par­tei AKP ver­wei­ger­te die Bun­des­re­gie­rung in der oben genann­ten Aus­kunft vom April 2019, da damit in beson­de­rem Maße das Staats­wohl berührt wer­de.

Im April 2019 nahm IRW öffent­lich Stel­lung und erklär­te, dass Behaup­tun­gen über Ver­bin­dun­gen von Isla­mic Reli­ef zur Mus­lim­bru­der­schaft »schäd­lich, ver­leum­de­risch und falsch« sei­en.20

Das Jahr 2020 mar­kier­te einen Wen­de­punkt: Die erwähn­te Stel­lung­nah­me des US-Außen­mi­nis­te­ri­ums beinhal­te­te, dass der nach­ge­wie­se­ne Anti­se­mi­tis­mus bei hoch­ran­gi­gen Isla­mic-Reli­ef-Funk­tio­nä­ren ein erheb­li­ches Pro­blem für alle Geber­staa­ten und Geld­ge­ber von Isla­mic Reli­ef dar­stel­le. Es gebe ein fort­ge­setz­tes Mus­ter, mit dem die Füh­rung den »wider­wär­tigs­ten anti­se­mi­ti­schen Hass« ver­brei­te (»bla­tant and hor­ri­fy­ing anti-Semi­tism and glo­ri­fi­ca­ti­on of vio­lence exhi­bi­ted at the most seni­or levels of IRW«). Alle staat­li­chen Stel­len, die gegen­wär­tig die Akti­vi­tä­ten von IRW und ihre jewei­li­gen Bezie­hun­gen zu der Orga­ni­sa­ti­on prü­fen, wür­den aus­drück­lich zu einer ver­tief­ten Befas­sung ermu­tigt.

Bri­ti­sche Medi­en mach­ten im Juli 2020 die anti­se­mi­ti­schen und Hamas-ver­herr­li­chen­den Bei­trä­ge von Taya­ra breit publik, wor­auf­hin er meh­re­re Funk­tio­nen nie­der­le­gen muss­te. Zeit­gleich wur­den eben­falls 2020 anti­se­mi­ti­sche Posts des deut­schen IRW-Vor­stands­mit­glieds Hesh­mat Kha­li­fa brei­ter bekannt. Der gesam­te IRW-Vor­stand trat in der Fol­ge zurück. Die bri­ti­sche Cha­ri­ty Com­mis­si­on eröff­ne­te ein Ver­fah­ren und stell­te erheb­li­che Gover­nan­ce-Defi­zi­te fest.21 Eine von IRW beauf­trag­te Unter­su­chung kam 2021 zu dem Ergeb­nis, dass es kei­ne Hin­wei­se gebe, wonach die »repu­ta­ti­ons­be­zo­ge­nen« Vor­wür­fe gegen ein­zel­ne Füh­rungs­per­so­nen die Pro­jekt­ar­beit von IRW beein­träch­tigt hät­ten. Die fest­ge­stell­ten Pro­ble­me beträ­fen die Gover­nan­ce- und Auf­sichts­ebe­ne, nicht jedoch die ope­ra­ti­ve Umset­zung der Hilfs­pro­gram­me.22

Nach 2020 ver­rin­ger­te sich die staat­li­che För­de­rung von Isla­mic Reli­ef in west­li­chen Län­dern oder brach – soweit ersicht­lich – gänz­lich ab. Regie­run­gen und öffent­li­che Geld­ge­ber zogen sich zurück. Gleich­wohl wuchs der Umsatz: Anhal­tend hohe pri­va­te Spen­den, ein Rebran­ding und die enge inter­na­tio­na­le und inter­re­li­giö­se Ver­net­zung des Isla­mic-Reli­ef-Netz­werks tru­gen dazu bei, den Ver­lust öffent­li­cher Zuschüs­se mehr als kom­pen­sie­ren zu kön­nen.23

Bei der Auf­ar­bei­tung frü­he­rer Zah­lun­gen an IRD zeigt sich die deut­sche Bun­des­re­gie­rung nicht koope­ra­tiv. Es ist bekannt, dass der Bun­des­rech­nungs­hof (BRH) die För­der­pra­xis prüf­te, jedoch bleibt seit Jah­ren der Zugang zu den Ergeb­nis­sen als Ver­schluss­sa­che ein­ge­stuft.24

An den staat­li­chen Bewer­tun­gen hat sich offen­bar nichts geän­dert. Im Dezem­ber 2025 ver­wei­ger­te Isra­el einer kana­di­schen Dele­ga­ti­on aus 30 Per­so­nen – dar­un­ter sechs Abge­ord­ne­te – die Ein­rei­se ins West­jor­dan­land. Nach israe­li­schen Anga­ben wur­de die Rei­se maß­geb­lich von Isla­mic Reli­ef Cana­da finan­ziert, einer Orga­ni­sa­ti­on aus dem IRW-Netz­werk: »Der Staat Isra­el wird Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen, die mit als Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen ein­ge­stuf­ten Grup­pen in Ver­bin­dung ste­hen, die Ein­rei­se nicht gestat­ten«.25

Staat­li­che För­de­rung und staat­li­che Trans­pa­renz­pro­ble­me

Trotz der seit Jah­ren geführ­ten Debat­ten über per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen mit mus­lim­bru­der­na­hen Struk­tu­ren erhielt Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) über einen lan­gen Zeit­raum hin­weg umfang­rei­che öffent­li­che För­der­mit­tel. Zwi­schen 2013 und 2020 stell­te das Aus­wär­ti­ge Amt (AA) für huma­ni­tä­re Hil­fe im Aus­land ins­ge­samt rund 15,2 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung. Wei­te­re 965.040 Euro flos­sen aus Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) sowie im Rah­men eines Pro­jekts der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ). Die größ­ten jähr­li­chen Zuwen­dun­gen erfolg­ten in den Jah­ren 2014, 2016 und 2018. Erst ab 2022, so die Aus­kunft des AA-Staats­se­kre­tärs Tho­mas Bag­ger, gin­gen kei­ne Bun­des­mit­tel mehr an IRD.

Par­al­lel dazu wur­de IRD auch über euro­päi­sche För­der­schie­nen unter­stützt. So bestä­tig­te die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on im Jahr 2024, dass die Natio­na­le Agen­tur Bil­dung für Euro­pa beim Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB) ein IRD-Pro­jekt im Rah­men des Pro­gramms Eras­mus+ geför­dert hat­te.26 Inwie­weit öffent­li­che Mit­tel auf Bun­des­ebe­ne zurück­ge­fah­ren wur­den, blieb für den euro­päi­schen För­der­zu­gang somit ohne unmit­tel­ba­re Bedeu­tung.

Zugleich besteht bis heu­te kei­ne voll­stän­di­ge Trans­pa­renz über die Ver­wen­dung frü­he­rer Bun­des­mit­tel. Der Bun­des­rech­nungs­hof (BRH) prüf­te die För­der­pra­xis des Aus­wär­ti­gen Amtes gegen­über IRD, doch die Ergeb­nis­se wur­den als Ver­schluss­sa­che ein­ge­stuft. Meh­re­re Aus­kunfts­be­geh­ren Drit­ter wur­den trotz Beru­fung auf § 96 Abs. 4 Bun­des­haus­halts­ord­nung (BHO), § 1 Abs. 1 S. 1 Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz (IFG) sowie Art. 5 Abs. 1 GG (Infor­ma­ti­ons- und Pres­se­frei­heit) abge­lehnt.

Ent­ge­gen der sicher­heits­be­hörd­li­chen Bewer­tun­gen – ins­be­son­de­re der Ein­stu­fung der DMG als zen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on der Mus­lim­bru­der­schaft im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024 – ist IRD seit vie­len Jah­ren pro­mi­nent in der poli­ti­schen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Land­schaft ein­ge­bun­den. Zu den Unter­stüt­zern der Spen­den­kam­pa­gne »Spei­sen für Wai­sen« zähl­ten in frü­he­ren Jah­ren u. a. der ehe­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent Chris­ti­an Wulff (CDU), der dama­li­ge Außen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter Stein­mei­er (SPD), die Staats­mi­nis­te­rin Aydan Özoğuz (SPD), die Ber­li­ner Sena­to­rin Dilek Kolat (SPD), Mün­chens Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Rei­ter (SPD) sowie der Par­tei­vor­sit­zen­de Cem Özd­emir (Bünd­nis 90/Die Grü­nen).27 Wäh­rend die vor­ge­nann­ten Per­so­nen spä­ter nicht mehr in den Wer­be­ma­te­ria­li­en genannt wur­den, tritt IRD heu­te (Sep­tem­ber 2025) mit Tes­ti­mo­ni­al-Bekun­dun­gen auf von u. a. Malu Drey­er (SPD), ehem. Minis­ter­prä­si­den­tin von Rhein­land-Pfalz; Hen­ri­et­te Reker, Ober­bür­ger­meis­te­rin der Stadt Köln; Mar­got Käß­mann, Bot­schaf­te­rin des Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums 2017 und ehe­ma­li­ge Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD).28

Für die Pro­jekt­sicht­bar­keit ist zudem die Koope­ra­ti­on mit dem Mus­li­mi­schen Seel­sor­ge­te­le­fon (MuTeS) rele­vant, des­sen Trä­ger IRD seit 2009 ist. Lei­ter des MuTeS ist Imran Sagir, ehe­ma­li­ger Amir der Mus­li­mi­schen Jugend Deutsch­lands (MJD) und frü­he­rer Geschäfts­füh­rer des MB-nahen Ber­li­ner Ver­eins Ins­san. Die MJD ist ein ein­ge­tra­ge­ner Jugend­ver­ein mit Sitz in Ber­lin mit Nähe zur Mus­lim­bru­der­schaft.29 In Kennt­nis die­ser Zusam­men­hän­ge ent­fern­te das »Bünd­nis für Demo­kra­tie und Tole­ranz – gegen Extre­mis­mus und Gewalt« (BfDT) den Ein­trag des Pro­jekts MuTeS aus sei­ner Daten­bank.30 Hin­ge­gen wird das Pro­jekt seit 2016 vom Ber­li­ner Senat geför­dert und Ende 2024 warn­ten die Dia­ko­nie und die Cari­tas den Ber­li­ner Senat sogar öffent­lich vor Ein­spa­run­gen beim MuTeS. Es dür­fe nicht »durch Res­sen­ti­ments oder Spar­ideen gefähr­det wer­den«, erklär­ten die bei­den kirch­li­chen Wohl­fahrts­ver­bän­de in einer gemein­sa­men Stel­lung­nah­me.31

Die­se öffent­li­che Unter­stüt­zung von Spit­zen aus Poli­tik und Kir­chen ist ver­mut­lich Teil der Erklä­rung dafür, dass es bis Sep­tem­ber 2020 dau­er­te, bis die »Akti­on Deutsch­land Hilft e. V. – Bünd­nis der Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen« eine greif­ba­re Reak­ti­on zeig­te und die Mit­glied­schaft von IRD aus­setz­te.32 Gleich­wohl wur­de die Mit­glied­schaft nicht been­det. Die wei­te­ren Koope­ra­ti­ons­part­ner­schaf­ten sind wie im IRD-Jah­res­be­richt 2024 oben dar­ge­stellt, for­mell unver­än­dert. So wird IRD im Deut­schen Spen­den­rat wei­ter­hin als Mit­glied – mit Wer­bung durch Spen­den­link – geführt.33 Eben­so als Mit­glied im VENRO – Ver­band Ent­wick­lungs­po­li­tik und Huma­ni­tä­re Hil­fe deut­scher Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen e.V.34 Der in Ber­lin ansäs­si­ge Think TankCent­re for Huma­ni­ta­ri­an Action (CHA) wird nach eige­nen Anga­ben »finan­zi­ell und ideell« von IRD unter­stützt. Zu den Trä­gern gehö­ren Ärz­te ohne Gren­zen Deutsch­land e.V., der Deut­sche Cari­tas­ver­band e.V./Caritas inter­na­tio­nal, das Evan­ge­li­sche Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung e.V. und das Deut­sche Rote Kreuz (DRK). Das Aus­wär­ti­ge Amt leis­te­te För­de­rung für die »Stär­kung der Pro­gramm- und Poli­cy rele­van­ten Fähig­kei­ten huma­ni­tä­rer Akteu­re in Deutsch­land«, und damit anschei­nend auch für IRD.35

Wäh­rend die sicher­heits­be­hörd­li­che Bewer­tung der Mus­lim­bru­der­schaft-Bezü­ge zuneh­mend kri­tisch aus­fiel, gelang es IRD über Jah­re, sowohl staat­li­che För­der­mit­tel als auch poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Legi­ti­mi­tät zu erhal­ten. Die för­der­recht­li­chen und insti­tu­tio­nel­len Prü­fun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re zei­gen jedoch Lücken in der Trans­pa­renz und in der Auf­sicht öffent­li­cher Mit­tel­ver­ga­be, deren Ergeb­nis­se – ins­be­son­de­re die Bewer­tung des Bun­des­rech­nungs­ho­fes – bis heu­te nicht öffent­lich sind.

Gover­nan­ce-Pro­ble­me

Der vor­ma­li­ge Geschäfts­füh­rer Tarek Abdelalem, knapp 30 Jah­re für IRD tätig, schrieb im August 2025 auf Lin­ke­dIn: »Ende Dezem­ber 2024 teil­te mir der Vor­stand die sofor­ti­ge Been­di­gung mei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses mit – ver­bun­den mit einer unwi­der­ruf­li­chen Frei­stel­lung und einem Haus­ver­bot. Dies geschah ohne vor­he­ri­ge Abmah­nung und ohne mir bekann­te schrift­li­che Begrün­dung.«

Abdelalem kom­men­tier­te wei­ter: »Aus mei­ner Sicht ent­stand dadurch ein Ein­druck von Erneue­rung nach außen, wäh­rend sich intern nur wenig ver­än­dert hat. Für Spender:innen, Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen, Behör­den und die brei­te Öffent­lich­keit wirk­te dies wie ein Neu­an­fang – tat­säch­lich gab es jedoch kei­ne spür­ba­ren struk­tu­rel­len oder per­so­nel­len Ver­än­de­run­gen.«36

»Bis heu­te exis­tiert bei IRD mei­nes Wis­sens kein unab­hän­gi­ges Gre­mi­um, das die Arbeit des Vor­stan­des wirk­sam über­wacht und bewer­tet. Dies steht nach mei­nem Ver­ständ­nis nicht im Ein­klang mit den Emp­feh­lun­gen des VEN­RO-Ver­hal­tens­ko­dex, der für Orga­ni­sa­tio­nen die­ser Grö­ße – gemes­sen an Ein­nah­men und Mit­ar­bei­ter­zahl – eine funk­tio­nie­ren­de und unab­hän­gi­ge Auf­sicht nahe­legt.«

Im Juni 2025 über­nahm Micha­el Pfaff die Geschäfts­füh­rung. Pfaff war zuvor in ver­schie­de­nen reli­giö­sen, zivil­ge­sell­schaft­li­chen Struk­tu­ren aktiv, unter ande­rem als Vor­sit­zen­der der Deut­schen Mus­lim-Liga e. V. (2006–2015), als Mit­in­itia­tor der Initia­ti­ve »Mus­li­me gegen Ter­ror« sowie in inter­re­li­giö­sen Pro­jek­ten wie der Christ­lich-Isla­mi­schen Frie­dens­ar­beit (CIF). Zuletzt wirk­te er in lei­ten­der Funk­ti­on beim Sozi­al­dienst mus­li­mi­scher Frau­en e. V. (SmF). Sei­ne beruf­li­che Lauf­bahn kann so inter­pre­tiert wer­den, dass IRD damit eine Per­son beru­fen hat, der über eta­blier­te Zugän­ge zu poli­ti­schen, kirch­li­chen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen För­der­struk­tu­ren ver­fügt.

Obwohl Funk­tio­nen des Vor­stan­des und der Geschäfts­füh­rung neu besetzt wur­den, blieb die grund­le­gen­de Auf­sichts­struk­tur unver­än­dert: Der Vor­stand ver­eint ope­ra­ti­ve und stra­te­gi­sche Ver­ant­wor­tung in weni­gen Hän­den, wäh­rend exter­ne, unab­hän­gi­ge Kon­troll­me­cha­nis­men zu feh­len schei­nen, wie Abdelalem fest­stellt. Auch ehe­ma­li­ge Funk­tio­nä­re wie Taya­ra oder El-Zayat, die for­mell kei­ne Posi­tio­nen mehr im Ver­ein ein­neh­men, kön­nen auf­grund lan­ger his­to­ri­scher Bin­dun­gen und Netz­wer­ke nicht voll­stän­dig aus dem Umfeld von IRD her­aus­ge­dacht wer­den.

Struk­tu­rel­le Risi­ken und offe­ne Prüf­be­dar­fe

Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) ist orga­ni­sa­to­risch und finan­zi­ell eng in das glo­ba­le Netz­werk von Isla­mic Reli­ef World­wi­de (IRW) ein­ge­bun­den, das zu den größ­ten mus­li­mi­schen Hilfs­wer­ken welt­weit gehört. Die Orga­ni­sa­ti­on ver­fügt über ein brei­tes Part­ner­netz­werk und eine eta­blier­te huma­ni­tä­re Infra­struk­tur. Gleich­zei­tig zeigt die Ana­ly­se der ver­gan­ge­nen Jah­re, dass die­sem ope­ra­ti­ven Pro­fil dau­er­haft erheb­li­che Risi­ken gegen­über­ste­hen, die für staat­li­che Stel­len unmit­tel­bar rele­vant sind.

Beson­ders ins Gewicht fal­len dabei Funk­tio­närs­ver­bin­dun­gen zur Mus­lim­bru­der­schaft und zu ver­fas­sungs­feind­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen. Die­se Ein­schät­zun­gen wur­den von der Bun­des­re­gie­rung bereits 2019 (»signi­fi­kan­te per­so­nel­le Ver­bin­dun­gen«) und im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024 (»wich­tigs­te und zen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on der Mus­lim­bru­der­schaft-Anhän­ger­schaft in Deutsch­land« im Hin­blick auf die DMG, in deren Füh­rung meh­re­re IRD-Grün­dungs­ak­teu­re tätig waren) aus­drück­lich bestä­tigt. Hin­zu tre­ten offi­zi­el­le Maß­nah­men ande­rer Staa­ten – dar­un­ter Ver­bo­te in Isra­el und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten seit 2014 –, die die sicher­heits­be­hörd­li­chen Beden­ken inter­na­tio­nal unter­mau­ern.

Eben­falls rele­vant sind die wie­der­holt doku­men­tier­ten Gover­nan­ce-Defi­zi­te. Dazu zäh­len anti­se­mi­ti­sche und Hamas-ver­herr­li­chen­de Äuße­run­gen ehe­ma­li­ger lei­ten­der Funk­tio­nä­re, die 2020 zum Rück­tritt des gesam­ten IRW-Vor­stands führ­ten. Auch für IRD selbst bestehen nach Aus­sa­gen des frü­he­ren Geschäfts­füh­rers Tarek Abdelalem bis heu­te kei­ne unab­hän­gi­gen Kon­troll­gre­mi­en, was grund­le­gen­de Fra­gen der Mit­tel­ver­wen­dung und Auf­sicht auf­wirft.

Die Dis­kre­panz zwi­schen exter­ner Wahr­neh­mung und inter­ner Rea­li­tät ver­stärkt das Risi­ko wei­ter. Wäh­rend IRD öffent­lich durch pro­mi­nen­te poli­ti­sche und zivil­ge­sell­schaft­li­che Unter­stüt­zer legi­ti­ma­to­risch abge­si­chert wur­de, sind zen­tra­le sicher­heits­re­le­van­te Bewer­tun­gen – ins­be­son­de­re der deut­schen Behör­den – über Jah­re hin­weg nur unzu­rei­chend berück­sich­tigt wor­den. Seit 2022 zeigt sich jedoch eine Kor­rek­tur: Auf Bun­des­ebe­ne wer­den nach Anga­ben der Regie­rung kei­ne Mit­tel mehr ver­ge­ben, und auch zivil­ge­sell­schaft­li­che Ver­bän­de sowie Bünd­nis­se haben Koope­ra­tio­nen aus­ge­setzt oder über­prüft. Eine voll­stän­di­ge Trans­pa­renz über frü­he­re För­der­ent­schei­dun­gen besteht jedoch nicht; beim Aus­wär­ti­gen Amt und beim Bun­des­rech­nungs­hof lie­gen rele­van­te Prüf­ergeb­nis­se bis heu­te unter Ver­schluss.

Im Jah­res­be­richt 2024, der unter der Ver­ant­wor­tung des neu­en Geschäfts­füh­rers Micha­el Pfaff ent­stand, erläu­tert der Ver­ein den größ­ten Ein­zel­pos­ten der Not- und Kata­stro­phen­hil­fe mit dem Bei­trag »Ein Jahr der Zer­stö­rung: Rück­blick auf unse­ren Ein­satz in Gaza«. Auf­fäl­lig ist die ein­sei­ti­ge nega­ti­ve Zuschrei­bung: Der Text ver­zich­tet voll­stän­dig auf die Nen­nung der Hamas sowie auf jede Ein­ord­nung der Ursa­chen des Krie­ges, ins­be­son­de­re des Mas­sa­kers vom 7. Okto­ber 2023 durch die Hamas, das die beschrie­be­ne Situa­ti­on aus­lös­te. Isra­el wird als Akteur beschrie­ben, der huma­ni­tä­re Hil­fe »ein­schrän­ke«, Hilfs­kon­vois »blo­ckie­re oder gezielt angrei­fe« und eine »völ­ker­rechts­wid­ri­ge Total­blo­cka­de« ver­hängt habe; mili­tä­ri­sche Gewalt erscheint allein als israe­li­sche »Mili­tär­of­fen­si­ve«, ohne die mili­tä­ri­sche Kon­trol­le Gazas durch die Hamas zu benen­nen.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch die Auf­nah­me »tau­sen­der Wai­sen­kin­der aus Gaza« in Paten­schafts­pro­gram­me beson­ders auf­fäl­lig. In dem von der Hamas kon­trol­lier­ten Gebiet besteht seit Jah­ren ein insti­tu­tio­na­li­sier­tes Sys­tem regel­mä­ßi­ger Zah­lun­gen an Wit­wen und Wai­sen getö­te­ter Kämp­fer, häu­fig als »Mär­ty­r­er­ren­ten« bezeich­net. Die­ses Sys­tem wird von den USA, der EU und von Deutsch­land als mate­ri­el­le Unter­stüt­zung ter­ro­ris­ti­scher Gewalt bewer­tet. Huma­ni­tä­re Wai­sen- und Unter­stüt­zungs­pro­gram­me in Gaza soll­ten nicht ohne ver­tief­te Sorg­falts­prü­fun­gen umge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Aus­wahl der Begüns­tig­ten, der Rol­le loka­ler Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Abgren­zung gegen­über Hamas-nahen Sozi­al­struk­tu­ren. Detail­lier­te Anga­ben zu Ver­fah­ren, Aus­wahl­kri­te­ri­en und Kon­troll­me­cha­nis­men wären erfor­der­lich. Der­glei­chen ist bei IRD – soweit ersicht­lich – nicht vor­han­den.

Anstel­le ent­spre­chen­der Aus­füh­run­gen ent­hält der Jah­res­be­richt 2024 auf Sei­te 16 fol­gen­de ein­sei­tig gegen Isra­el gerich­te­te Pas­sa­ge:

»Ohne poli­ti­schen Druck bleibt jede Hil­fe ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein – zumal die völ­ker­rechts­wid­ri­ge israe­li­sche Total­blo­cka­de seit März 2025 unse­re Vor­rä­te weit­ge­hend erschöpft hat. Des­halb for­dert Isla­mic Reli­ef – wie auch Amnes­ty Inter­na­tio­nal und ande­re Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen – einen sofor­ti­gen Waf­fen­still­stand, die Öff­nung aller Gren­zen für Hilfs­lie­fe­run­gen sowie die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Kriegs­ver­bre­chen und ein Ende aller Rüs­tungs­expor­te an Isra­el.«

Der Füh­rungs­wech­sel 2025 ändert an den struk­tu­rel­len Risi­ken bis­lang nichts Greif­ba­res. Über fast drei Jahr­zehn­te war Tarek Abdelalem in der Orga­ni­sa­ti­on tätig. Er beklei­de­te unter­schied­li­che Funk­tio­nen und führ­te IRD zuletzt als Geschäfts­füh­rer, bis ihm der Vor­stand Ende 2024 über­ra­schend die sofor­ti­ge Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses mit­teil­te. In einem spä­te­ren öffent­li­chen Bei­trag beschrieb Abdelalem, der Vor­gang habe »den Ein­druck von Erneue­rung« erweckt, wäh­rend sich intern »kaum etwas ver­än­dert« habe. Er kri­ti­sier­te ins­be­son­de­re das Feh­len eines unab­hän­gi­gen Auf­sichts­gre­mi­ums, das für Orga­ni­sa­tio­nen die­ser Grö­ße – etwa nach dem VEN­RO-Ver­hal­tens­ko­dex – üblich sei. Auch unter neu­er Geschäfts­füh­rung blei­ben Fra­gen offen, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich per­so­nel­ler Kon­ti­nui­tä­ten, feh­len­der unab­hän­gi­ger Auf­sicht und der Fähig­keit des Ver­eins, sich tat­säch­lich von frü­he­ren pro­ble­ma­ti­schen Ver­flech­tun­gen zu lösen. Solan­ge die­se Fra­gen nicht belast­bar beant­wor­tet sind, dürf­ten staat­li­chen Stel­len oder den mit Steu­er­gel­dern geför­der­ten Orga­ni­sa­tio­nen grund­sätz­lich die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zusam­men­ar­beit feh­len.

Für staat­li­che För­der­insti­tu­tio­nen und kirch­li­che und sons­ti­ge Part­ner bestehen fol­gen­de Risi­ken:

  • Per­so­nel­le und ideo­lo­gi­sche Über­schnei­dun­gen mit Struk­tu­ren der Mus­lim­bru­der­schaft, wie­der­holt doku­men­tier­te Fäl­le von Pro-Hamas-Äuße­run­gen und anti­se­mi­ti­schen Hal­tun­gen auf Füh­rungs­ebe­ne sowie eine ein­sei­ti­ge, radi­kal anti­is­rae­li­sche Posi­tio­nie­rung im jüngs­ten Jah­res­be­richt.
  • Gover­nan­ce-Struk­tu­ren, die nicht den Stan­dards ent­spre­chen, die für den Umgang mit öffent­li­chen Mit­teln vor­aus­ge­setzt wer­den, ins­be­son­de­re feh­len­de unab­hän­gi­ge Auf­sicht.
  • Unzu­rei­chen­de Trans­pa­renz über Mit­tel­ver­wen­dung und staat­li­che Kon­trol­le. So blei­ben die Prüf­ergeb­nis­se des Bun­des­rech­nungs­ho­fes zu För­de­run­gen des Aus­wär­ti­gen Amtes als Ver­schluss­sa­che ein­ge­stuft, da eine Offen­le­gung nach Anga­ben der Bun­des­re­gie­rung das Staats­wohl gefähr­den wür­de.
  • Hohe außen- und sicher­heits­po­li­ti­sche Sen­si­bi­li­tät infol­ge inter­na­tio­na­ler Maß­nah­men und Ver­bots­ent­schei­dun­gen gegen Isla­mic Reli­ef, ins­be­son­de­re in Isra­el und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, sowie gegen die Mus­lim­bru­der­schaft durch die USA. Die US-Regie­rung begrün­det die­se Schrit­te mit Erkennt­nis­sen über trans­na­tio­na­le Ein­fluss­struk­tu­ren, Ter­ror­un­ter­stüt­zung und finan­zi­el­le Ver­flech­tun­gen, sie­he White House Facts­heet.37

Eine För­de­rung kann daher nur unter erheb­li­chen Vor­be­hal­ten oder nicht ver­ant­wor­tet wer­den, solan­ge kei­ne umfas­sen­de struk­tu­rel­le Reform, unab­hän­gi­ge Kon­trol­le und eine ein­deu­ti­ge Distan­zie­rung von mus­lim­bru­der­na­hen Netz­wer­ken nach­weis­bar voll­zo­gen wur­den. Bis dahin bleibt IRD eine Orga­ni­sa­ti­on, deren Zusam­men­ar­beit für staat­li­che Stel­len hohe Risi­ken im Bereich der Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on, der ord­nungs­ge­mä­ßen Mit­tel­ver­wen­dung sowie der außen- und sicher­heits­po­li­ti­schen Ver­träg­lich­keit birgt.

Die­ser Bei­trag von Sig­rid Herr­mann ist Teil des Dos­siers zur Doku­men­ta­ti­on der Ver­an­stal­tung »Die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) – Agen­da, Struk­tu­ren und poli­ti­sche Ant­wor­ten« am 12. Sep­tem­ber 2025 im Wil­ly-Brandt-Haus in Ber­lin.

Vor­trag auf You­Tube

Sig­rid Herr­mann (SPD), Betrei­be­rin des Watch­blogs »Isla­mis­mus und Gesell­schaft«, spricht über ihre Recher­che­er­geb­nis­se zu Isla­mic Reli­ef am 12. Sep­tem­ber 2025 im Wil­ly-Brandt-Haus in Ber­lin auf der Ver­an­stal­tung »Die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) – Agen­da, Struk­tu­ren und poli­ti­sche Ant­wor­ten« (Bild: Phil­ip Schun­ke / AK Polis)

End­no­ten

  1. Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Sach­sens (EVLKS), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Schaum­burg-Lip­pe, Lip­pi­sche Lan­des­kir­che – Luthe­ri­scher Teil, Evan­ge­li­sche Kir­che in Mit­tel­deutsch­land (EKMD), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Baden (ELKiB), Nord­deut­sche Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che (Nord­kir­che), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Olden­burg, Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Bay­ern (ELKB), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che in Braun­schweig (ELLB), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che in Würt­tem­berg (ELKW), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers (ELKH). Online ver­füg­bar unter:
    https://lutheranworld.org/member-churches/search?field_n_country=DE&vkey=1 (Abruf: 10.09.2025) ↩︎
  2. Isla­mic Reli­ef World­wi­de: Annu­al Report 2024. Bir­ming­ham, Juli 2025. S. 51. Online ver­füg­bar unter: https://annualreport.islamic-relief.org/2024/wp-content/uploads/2025/07/IRW-AR2024-FINAL-14072025.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  3. Isla­mic Reli­ef World­wi­de: Annu­al Report 2024. Bir­ming­ham, Juli 2025. Online ver­füg­bar unter: https://annualreport.islamic-relief.org/2024/wp-content/uploads/2025/07/IRW-AR2024-FINAL-14072025.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  4. Frerk, Cars­ten: »Isla­mic Reli­ef Deutsch­land«. For­schungs­grup­pe Welt­an­schau­un­gen in Deutsch­land (fowid). Archiv­ver­si­on vom 09.07.2025. Online ver­füg­bar unter:
    https://web.archive.org/web/20250709224800/https://fowid.de/meldung/islamic-relief-deutschland
    (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  5. Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV): Isla­mis­mus in Deutsch­land 2025. Ber­lin 2025, S. 27. Archiv­ver­si­on vom 11.04.2025. Online ver­füg­bar unter:
    https://web.archive.org/web/20250411121223/https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/islamismus-und-islamistischer-terrorismus/2025–04-islamismus-in-deutschland.pdf
    (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  6. Deut­scher Bun­des­tag: Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge der FDP-Frak­ti­on »Isla­mic Reli­ef«, Druck­sa­che 19/23023 vom 13.11.2020, S. 11. Online ver­füg­bar unter: https://dserver.bundestag.de/btd/19/094/1909415.pdf (Abruf: 10.09.2025) ↩︎
  7. Euro­päi­sche Kom­mis­si­on: Finan­cial Trans­pa­ren­cy Sys­tem – Ana­ly­sis Tool. Online ver­füg­bar unter: https://ec.europa.eu/budget/financial-transparency-system/analysis.html (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  8. Schind­ler, Fre­de­rik: »Isla­mic Reli­ef: EU finan­ziert Pro­jekt von deutsch-mus­li­mi­schem Hilfs­werk mit Ver­bin­dun­gen zu Isla­mis­ten«. Die Welt, 14.12.2023. Archiv­ver­si­on vom 21.12.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20251221195405/https://www.welt.de/politik/deutschland/article248958228/Islamic-Relief-EU-finanziert-Projekt-von-deutsch-muslimischem-Hilfswerk-mit-Verbindungen-zu-Islamisten.html (Abruf: 22.12.2025). ↩︎
  9. Ber­geaud-Black­ler, Flo­rence / Vir­gi­li, Tom­ma­so (2025): »Unmas­king the Mus­lim Brot­her­hood. Brot­he­rism, Isla­mo­pho­bia & the EU«. Archiv­ver­si­on vom 21.12.2025. Online ver­füg­bar unter:
    https://web.archive.org/web/20251221203118/https://ecrgroup.eu/files/Unmasking_the_Muslim_Brotherhood_(2).pdf (Abruf: 22.12.2025) ↩︎
  10. Minis­te­ri­um des Innern des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len: »Mus­lim­bru­der­schaft«. Archiv­ver­si­on vom 31.08.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250831022357/https://www.im.nrw/muslimbruderschaft (Abruf: 10.09.2025); wei­te­res: Arbeits­kreis Poli­ti­scher Islam (2025): »>Kali­fat nach Plan< Von Flo­rence Ber­geaud-Black­ler über den Fré­ris­mus (Mus­lim­bru­der­schaft) und sei­ne Netz­wer­ke in Euro­pa«. Online ver­füg­bar unter: https://www.ak-polis.de/kalifat-nach-plan-von-florence-bergeaud-blackler-ueber-den-frerismus-muslimbruderschaft-und-seine-netzwerke-in-europa/ (Abruf: 10.09.2025).. ↩︎
  11. Hein, Jan-Phil­ipp / Mush­ar­bash, Yas­sin / Rei­mann, Anna (2007): »Extre­mis­mus – Islam­rats­mit­glied hielt anti­se­mi­ti­sche Rede«. Der Spie­gel, 01.10.2007. Online ver­füg­bar unter: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/extremismus-islamratsmitglied-hielt-antisemitische-rede-a-508870.html (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  12. Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz: »Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024«, S. 245. Online ver­füg­bar unter: https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2025–06-10-verfassungsschutzbericht-2024.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  13. Sar­han, Alad­din: »Die Mus­lim­bru­der­schaft in Deutsch­land«. Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung. Online ver­füg­bar unter: https://www.kas.de/de/web/extremismus/islamismus/die-muslimbruderschaft-in-deutschland (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  14. Deut­scher Bun­des­tag: Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Fra­ge des Abge­ord­ne­ten Vol­ker Beck (Köln), Bünd­nis 90/Die Grü­nen, zu Erkennt­nis­sen über Isla­mic Reli­ef Deutsch­land e. V. Druck­sa­che 18/10923, Ant­wort des Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tärs Dr. Gün­ter Krings vom 16.01.2017. Archiv­ver­si­on vom 23.06.2024. Online ver­füg­bar unter:
    https://web.archive.org/web/20240623020740/https://dserver.bundestag.de/btd/18/109/1810923.pdf
    (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  15. Al Jaze­era: »UAE lists scores of groups as ter­ro­rists«. 16.11.2014. Archiv­ver­si­on vom 09.11.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250909172906/https://www.aljazeera.com/news/2014/11/16/uae-lists-scores-of-groups-as-terrorists (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  16. New­man, Maris­sa: »Defen­se minis­ter out­laws Hamas-lin­ked Mus­lim cha­ri­ty«. The Times of Isra­el, 19.06.2014. Online ver­füg­bar unter: https://www.timesofisrael.com/defense-minister-outlaws-hamas-linked-muslim-charity (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  17. »While the­se posts had alre­a­dy been brought to light in 2017 when Ger­man rese­ar­cher Sig­rid Herr­mann-Mar­schall high­ligh­ted them in a blog post, Isla­mic Reli­ef Ger­ma­ny cho­se to main­tain Taya­ra as chair­man fol­lo­wing an apo­lo­gy which he issued, dele­ti­on of the posts and clo­sure of his Face­book account.«
    U.S. Depart­ment of Sta­te: »Isla­mic Reli­ef World­wi­de«. Office of the Spe­cial Envoy to Moni­tor and Com­bat Anti-Semi­tism, 30.12.2020. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20231012190555/https://2017–2021.state.gov/islamic-relief-worldwide (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  18. Deut­scher Bun­des­tag: Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf die Klei­ne Anfra­ge der FDP-Frak­ti­on »Aus­maß aus­län­di­scher Ein­fluss­nah­me auf Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, reli­giö­se Ver­ei­ne und sons­ti­ge reli­giö­se Orga­ni­sa­tio­nen«, Druck­sa­che 19/9415 vom 15.04.2019, S. 11. Online ver­füg­bar unter: https://dserver.bundestag.de/btd/19/094/1909415.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  19. Leem­huis, Rem­ko: »Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung – Hamas, Mus­lim­bru­der­schaft, Anti­se­mi­tis­mus«. Die Zeit, Aus­ga­be 21/2021. Archiv­ver­si­on vom 01.08.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250801095051/https://www.zeit.de/2021/21/terrorismus-finanzierung-hamas-muslimbruederschaft-antisemitismus/komplettansicht (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  20. Isla­mic Reli­ef World­wi­de: »Respon­se to alle­ga­ti­ons of links to Mus­lim Brot­her­hood«. 18.04.2019. Archiv­ver­si­on vom 19.06.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250401000000*/https://islamic-relief.org/news/response-to-allegations-of-links-to-muslim-brotherhood (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  21. The Times: »Isla­mic Reli­ef lea­der quits as Times dis­co­vers anti­se­mi­tic posts«. Archiv­ver­si­on vom 08.07.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250708200843/https://www.thetimes.com/uk/religion/article/islamic-relief-leader-quits-as-times-discovers-antisemitic-posts-5dplrw9vv (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  22. Grie­ve, Domi­nic (2021): »Inde­pen­dent Com­mis­si­on into Gover­nan­ce and Vet­ting within Isla­mic Reli­ef, Janu­ary 14, 2021«. Archiv­ver­si­on vom 05.09.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250905014843/https://islamic-relief.org/wp-content/uploads/2022/08/Independent-Commission-Report-29.01.2021.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  23. Westrop, Sam (2023): »Why Has the Isla­mic Reli­ef Fran­chise Lost Its Way?«. Midd­le East Forum, 25.09.2023. Online ver­füg­bar unter: https://www.meforum.org/why-has-the-islamic-relief-franchise-lost (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  24. Insti­tut für Welt­an­schau­ungs­recht (ifw): »BRH-Prüf­ergeb­nis­se zur För­de­rung von Isla­mic Reli­ef unter Ver­schluss«. Archiv­ver­si­on vom 17.07.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250717215222/https://weltanschauungsrecht.de/meldung/brh-pruefergebnisse-foerderung-islamic-relief (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  25. Jeru­sa­lem Post: »Cana­di­an dele­ga­ti­on ban­ned from West Bank over links to pro­scri­bed Isla­mic group«. Archiv­ver­si­on vom 21.12.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20251221195204/https://www.jpost.com/israel-news/article-880558 (Abruf: 22.12.2025). ↩︎
  26. Schind­ler, Fre­de­rik: »EU finan­ziert Pro­jekt von deutsch-mus­li­mi­schem Hilfs­werk mit Ver­bin­dun­gen zu Isla­mis­ten«. Welt Online, 14.12.2023. Online ver­füg­bar unter: https://www.welt.de/politik/deutschland/article248958228/Islamic-Relief-EU-finanziert-Projekt-von-deutsch-muslimischem-Hilfswerk-mit-Verbindungen-zu-Islamisten.html (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  27. Isla­mic Reli­ef Deutsch­land: »Spei­sen für Wai­sen – Pro­mi­nen­te Unter­stüt­zer«. Archiv­ver­si­on vom 24.12.2023. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20231224195806/https://www.speisen-fuer-waisen.de/wp-content/uploads/2016/11/Speisen‑f%C3%BCr-Waisen_Prominente-Unterst%C3%BCtzer_2017.pdf (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  28. Isla­mic Reli­ef Deutsch­land: »Spei­sen für Wai­sen – Pro­mi­nen­te Unter­stüt­zer«. Archiv­ver­si­on vom 09.09.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250909100423/https://www.islamicrelief.de/fileadmin/user-upload/Kampagnen/Speisen-fuer-Waisen/pdf/2025/06-SfW-2025-Prominente_Unterstuetzer.pdf
    (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  29. Breu­er, Rita: »Die Mus­lim­bru­der­schaft in Deutsch­land«. Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung (bpb), Dos­sier Isla­mis­mus. Online ver­füg­bar unter: https://www.bpb.de/themen/islamismus/dossier-islamismus/290422/die-muslimbruderschaft-in-deutschland/ (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  30. Fischer, Ralf: »Ein zuver­läs­si­ger Part­ner«. Jungle World, Aus­ga­be 38/2020. Archiv­ver­si­on vom 26.03.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250326081918/https://jungle.world/artikel/2020/38/ein-zuverlaessiger-partner (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  31. evangelisch.de: »War­nung vor Ein­spa­run­gen bei mus­li­mi­schem Seel­sor­ge­te­le­fon«.
    Archiv­ver­si­on vom 21.12.2025. Online ver­füg­bar unter:
    https://web.archive.org/web/20251221214959/https://www.evangelisch.de/inhalte/235834/08–11-2024/warnung-vor-einsparungen-bei-muslimischem-seelsorgetelefon
    (Abruf: 22.12.2025). ↩︎
  32. Akti­on Deutsch­land Hilft: »Bünd­nis­part­ner­schaft mit Isla­mic Reli­ef Deutsch­land ruht bis auf Wei­te­res«. Online ver­füg­bar unter: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/news/buendnispartnerschaft-mit-islamic-relief-deutschland-ruht-bis-auf-weiteres/ (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  33. Deut­scher Spen­den­rat: »Mit­glie­der – Isla­mic Reli­ef Deutsch­land«. Archiv­ver­si­on vom 29.09.2025, Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250929072237/https://www.spendenrat.de/mitglieder/islamic-relief-deutschland/ (Abruf: 29.09.2025). ↩︎
  34. VENRO: »Mit­glie­der – Isla­mic Reli­ef Deutsch­land«. Archiv­ver­si­on vom 29.09.2025, Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/save/https://venro.org/mitglieder/unsere-mitglieder/mitglied/islamic-relief-deutschland (Abruf: 29.09.2025). ↩︎
  35. Cent­re for Huma­ni­ta­ri­an Action: »Über uns«. Archiv­ver­si­on vom 10.08.2025. Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250810134516/https://www.chaberlin.org/ueber-uns (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  36. Abdelalem, Tarek: »Ein Abschied, der anders ver­lau­fen soll­te«. Bei­trag auf Lin­ke­dIn, 02.08.2025 (Archiv­ver­si­on vom 29.09.2025). Online ver­füg­bar unter: https://web.archive.org/web/20250929080933/https://www.linkedin.com/pulse/ein-abschied-der-anders-verlaufen-sollte-tarek-abdelalem-mba-hmu7e/ (Abruf: 10.09.2025). ↩︎
  37. The White House: »Fact Sheet on U.S. Poli­cy Regar­ding the Mus­lim Brot­her­hood«. 24.11.2025. Archiv­ver­si­on. Online ver­füg­bar unter: https://archive.is/1fhFO (Abruf: 01.12.2025). ↩︎