Kurz­fas­sung: »Isla­mis­ti­sche Gemein­nüt­zig­keit« beim Finanz­amt

Sachstand AK Polis | Nr. 3: »Islamistische Gemeinnützigkeit« beim Finanzamt
»Islamistische Gemeinnützigkeit« beim Finanzamt (Illustration: KI-generiert mit Unterstützung von OpenAI | AK Polis)

Pro­blem

Meh­re­re isla­mis­ti­sche und extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne sind in Deutsch­land als gemein­nüt­zig aner­kannt. Dies gilt ins­be­son­de­re für Orga­ni­sa­tio­nen aus dem Umfeld des lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus, dar­un­ter Ver­ei­ne der »Isla­mi­schen Gemein­schaft Mil­li Görüş« (IGMG). Die Gemein­nüt­zig­keit ermög­licht ihnen den Emp­fang steu­er­lich begüns­tig­ter Spen­den, den Zugang zu öffent­li­chen För­der­mit­teln und ver­leiht ihnen eine staat­lich ver­mit­tel­te Legi­ti­ma­ti­on.

Die Rechts­la­ge ver­bie­tet die­se Pra­xis ein­deu­tig: Nach § 51 Abs. 3 Abga­ben­ord­nung ist die Gemein­nüt­zig­keit aus­ge­schlos­sen, wenn eine Kör­per­schaft extre­mis­ti­sche Bestre­bun­gen för­dert. Seit der Beweis­last­um­kehr im Jahr 2020 gilt: Wird eine Orga­ni­sa­ti­on im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Bun­des oder eines Lan­des als extre­mis­tisch benannt, muss sie selbst nach­wei­sen, dass sie nicht ver­fas­sungs­feind­lich ist.

Der Voll­zug die­ser Rege­lung ist jedoch lücken­haft. Die Aus­wer­tung von 34 Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten (Bund und Län­der, 2023/2024) zeigt, dass extre­mis­ti­sche Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen zwar regel­mä­ßig beschrie­ben wer­den, kon­kre­te ört­li­che Ver­ei­ne jedoch häu­fig nicht nament­lich benannt sind. Dadurch fehlt den Finanz­be­hör­den eine belast­ba­re Grund­la­ge für steu­er­recht­li­che Maß­nah­men. Der Abgleich mit dem Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter bestä­tigt die­ses struk­tu­rel­le Defi­zit: In Baden-Würt­tem­berg wur­den vier extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne mit Gemein­nüt­zig­keit iden­ti­fi­ziert, dar­un­ter drei sala­fis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen und ein IGMG-Ver­ein. In Bay­ern sind vier ent­spre­chen­de Ver­ei­ne regis­triert – dar­un­ter zwei IGMG-Ver­ei­ne, obwohl die IGMG dort als extre­mis­tisch gilt. In Bre­men sind zwei IGMG-Ver­ei­ne als gemein­nüt­zig aner­kannt, obwohl der Bund die IGMG als »größ­te isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land« ein­stuft. In Hes­sen ist die »Inter­na­tio­na­le Mil­li Görüş Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on« gemein­nüt­zig, obwohl die IGMG als extre­mis­tisch gilt. In Sach­sen bleibt ein sala­fis­ti­scher Ver­ein trotz ein­deu­ti­ger Nen­nung im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt gemein­nüt­zig. Deutsch­land­weit las­sen sich ins­ge­samt min­des­tens zehn extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne mit fort­be­stehen­der Gemein­nüt­zig­keit iden­ti­fi­zie­ren.

Lösung

Extre­mis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen ist die steu­er­li­che Gemein­nüt­zig­keit kon­se­quent zu ver­sa­gen bzw. zu ent­zie­hen; die recht­li­chen Instru­men­te dafür bestehen. Sie­ben Hand­lungs­emp­feh­lun­gen:

(1) Detail­lier­te­re, orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ne Ver­fas­sungs­schutz­be­richt­erstat­tung mit Benen­nung ört­li­cher Ver­eins­struk­tu­ren.

(2) Ver­bind­li­cher, regel­mä­ßi­ger Abgleich zwi­schen Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten und Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter.

(3) Bes­se­re Abstim­mung zwi­schen Bund und Län­dern zur Ver­mei­dung diver­gie­ren­der Ein­stu­fun­gen.

(4) Ver­bes­se­rung der Daten­qua­li­tät und Aktua­li­tät des Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ters.

(5) Kon­se­quen­ter Aus­schluss extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen von staat­li­chen För­der­mit­teln.

(6) Regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der tat­säch­li­chen Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten.

(7) Stär­kung von Trans­pa­renz als prä­ven­ti­vem Instru­ment der Rechts­durch­set­zung.


Sach­stand AK Polis | Nr. 3 | 19. Janu­ar 2026: »Isla­mis­ti­sche Gemein­nüt­zig­keit« beim Finanz­amt (PDF)