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»Isla­mis­ti­sche Gemein­nüt­zig­keit« beim Finanz­amt

In diesem Beitrag wertet Hartmut Licht erstmals öffentlich die aktuellen Verfassungsschutzberichte von Bund und Ländern sowie das Zuwendungsempfängerregister systematisch aus. In mindestens zehn bekannten Fällen sind islamistische und extremistische Organisationen in Deutschland weiterhin als gemeinnützig anerkannt – mit steuerlichen Vorteilen und staatlicher Legitimation. Der Beitrag analysiert die rechtlichen und strukturellen Ursachen und formuliert sieben konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Sicherheitsbehörden und Finanzverwaltung.
»Islamistische Gemeinnützigkeit« beim Finanzamt (Illustration: KI-generiert mit Unterstützung von OpenAI | AK Polis)

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Aus­gangs­la­ge und Fra­ge­stel­lung

Isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land sind auf finan­zi­el­le Res­sour­cen ange­wie­sen. Dabei spie­len ins­be­son­de­re steu­er­lich begüns­tig­te Spen­den sowie der Zugang zu öffent­li­chen För­der­mit­teln eine zen­tra­le Rol­le. Bei­des setzt die Aner­ken­nung der Gemein­nüt­zig­keit vor­aus und ver­schafft den betref­fen­den Orga­ni­sa­tio­nen nicht nur finan­zi­el­le Vor­tei­le, son­dern auch eine staat­lich ver­mit­tel­te Legi­ti­ma­ti­on.

Zum Spek­trum des Isla­mis­mus zäh­len unter ande­rem Orga­ni­sa­tio­nen wie die »Mus­lim­bru­der­schaft« (MB) mit ihrem deut­schen Able­ger »Deut­sche Mus­li­mi­sche Gemein­schaft« (DMG), die tür­kisch gepräg­te »Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­li Görüş« (IGMG), die »Fur­kan-Bewe­gung«, »Hizb ut-Tah­r­ir« (HuT), »Tab­lighi Jama’at« (TJ) sowie ver­schie­de­ne isla­mis­tisch-schii­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen. Trotz unter­schied­li­cher ideo­lo­gi­scher Aus­prä­gun­gen ver­fol­gen die­se Grup­pie­run­gen lang­fris­ti­ge poli­ti­sche Ziel­set­zun­gen, die auf eine Umge­stal­tung von Gesell­schaft und Staat nach reli­gi­ös begrün­de­ten Nor­men abzie­len und mit den Grund­prin­zi­pi­en der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung unver­ein­bar sind.1

Dar­über hin­aus gehen auch von Grup­pie­run­gen des aus­lands­be­zo­ge­nen Extre­mis­mus nicht zu unter­schät­zen­de Gefah­ren für Deutsch­land aus. Sie ver­fol­gen links- oder rechts­extre­mis­ti­sche, natio­na­lis­ti­sche oder sepa­ra­tis­ti­sche Zie­le und belas­ten durch ihr Wir­ken in Deutsch­land sowohl den inne­ren Frie­den als auch die außen­po­li­ti­schen Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik.

Bei­spiel­haft zu nen­nen sind im links­extre­mis­ti­schen Bereich die »Kur­di­sche Arbei­ter­par­tei« (PKK) oder die »DHKP‑C«. Im tür­kisch-rechts­extre­mis­ti­schen Spek­trum domi­niert die »Ülkü­cü-Bewe­gung«, die in Deutsch­land vor allem unter der Bezeich­nung »Graue Wöl­fe« bekannt ist. Sie wird durch meh­re­re Dach­ver­bän­de orga­ni­siert, dar­un­ter die »Föde­ra­ti­on der Tür­kisch-Demo­kra­ti­schen Idea­lis­ten­ver­ei­ne in Deutsch­land« (ADÜTDF), die »Uni­on der Tür­kisch-Isla­mi­schen Kul­tur­ver­ei­ne in Euro­pa« (ATIB) und die »Föde­ra­ti­on der Welt­ord­nung in Euro­pa« (ANF), die nach Erkennt­nis­sen der Sicher­heits­be­hör­den zusam­men rund 250 ört­li­che Ver­ei­ne in Deutsch­land unter­hal­ten.2 Gemes­sen an Mit­glie­der- und Anhän­ger­zah­len zählt die Ülkü­cü-Bewe­gung zu den größ­ten rechts­extre­mis­ti­schen Bestre­bun­gen in Deutsch­land. Der Über­gang zwi­schen aus­lands­be­zo­ge­nem Rechts­extre­mis­mus und isla­mis­ti­schen Milieus ist dabei nicht trenn­scharf; so ist die ATIB zugleich Grün­dungs­mit­glied des »Zen­tral­rats der Mus­li­me in Deutsch­land« (ZMD).3

Wenn­gleich bis­lang nicht durch die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den als extre­mis­tisch ein­ge­stuft, stellt auch der tür­ki­sche Moschee­ver­band »Tür­kisch-Isla­mi­sche Uni­on der Anstalt für Reli­gi­on« (DITIB) eine Belas­tung für das gesell­schaft­li­che Mit­ein­an­der dar. Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist die enge orga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nel­le Anbin­dung an die tür­ki­sche Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net im Macht­ge­fü­ge von Prä­si­dent Erdoğan. So rief im August 2025 eine Kon­fe­renz isla­mi­scher Gelehr­ter in Istan­bul im Bei­sein des Diya­net-Prä­si­den­ten Ali Erbas zur Unter­stüt­zung des bewaff­ne­ten Kamp­fes der Hamas gegen Isra­el sowie zum welt­wei­ten Jihad auf.4 Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern ver­wies in die­sem Zusam­men­hang aus­drück­lich auf die pro­ble­ma­ti­sche Nähe der DITIB zu staat­li­chen und reli­giö­sen Insti­tu­tio­nen der Tür­kei.5

Vor die­sem Hin­ter­grund ergibt sich die zen­tra­le Fra­ge:

  • Sind isla­mis­ti­sche und extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land von den Finanz­äm­tern als gemein­nüt­zig aner­kannt – und wenn ja, aus wel­chen Grün­den?

Zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge wur­den die aktu­el­len Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te des Bun­des und der Län­der aus­ge­wer­tet6 und sys­te­ma­tisch mit dem Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter7 abge­gli­chen.8 Ziel der Unter­su­chung ist es, Erkennt­nis­se über funk­tio­nie­ren­des staat­li­ches Han­deln öffent­lich bekann­ter zu machen. Gleich­zei­tig sol­len struk­tu­rel­le Defi­zi­te im Zusam­men­spiel von Sicher­heits­be­hör­den und Finanz­ver­wal­tung offen­ge­legt und deren Aus­wir­kun­gen auf den Voll­zug des Gemein­nüt­zig­keits­rechts sowie Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung dar­ge­stellt wer­den.

Gemein­nüt­zig­keit im Steu­er­recht: Vor­aus­set­zun­gen

Nach der Abga­ben­ord­nung (AO) ver­folgt eine Kör­per­schaft – also auch ein Ver­ein – gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke, wenn »ihre Tätig­keit dar­auf gerich­tet ist, die All­ge­mein­heit auf mate­ri­el­lem, geis­ti­gem oder sitt­li­chem Gebiet selbst­los zu för­dern«.9

Die Abga­ben­ord­nung kon­kre­ti­siert die­sen Gemein­wohl­be­zug durch einen Kata­log von Tätig­kei­ten, die als »För­de­rung der All­ge­mein­heit« aner­kannt wer­den.

Im Kon­text die­ser Unter­su­chung sind ins­be­son­de­re fol­gen­de gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke von Bedeu­tung:

  • För­de­rung der Reli­gi­on,10
  • För­de­rung von Kunst und Kul­tur,11
  • För­de­rung der Hil­fe für poli­tisch, ras­sis­tisch oder reli­gi­ös Ver­folg­te, für Flücht­lin­ge, Ver­trie­be­ne, (Spät-)Aussiedler, Kriegs­op­fer, Kriegs­hin­ter­blie­be­ne, Kriegs­be­schä­dig­te und Kriegs­ge­fan­ge­ne, Zivil­be­schä­dig­te und Men­schen mit Behin­de­run­gen sowie Hil­fe für Opfer von Straf­ta­ten; ein­schließ­lich der För­de­rung des Andenkens an Ver­folg­te sowie an Kriegs- und Kata­stro­phen­op­fer, des Such­diens­tes für Ver­miss­te und der Hil­fe für Men­schen, die auf­grund ihrer geschlecht­li­chen Iden­ti­tät oder sexu­el­len Ori­en­tie­rung dis­kri­mi­niert wer­den,12
  • För­de­rung inter­na­tio­na­ler Gesin­nung, der Tole­ranz auf allen Gebie­ten der Kul­tur sowie des Völ­ker­ver­stän­di­gungs­ge­dan­kens,13
  • För­de­rung der Für­sor­ge für Straf­ge­fan­ge­ne und ehe­ma­li­ge Straf­ge­fan­ge­ne,14
  • För­de­rung des Schut­zes von Ehe und Fami­lie.15

Die­se Zwe­cke bil­den den steu­er­recht­li­chen Rah­men, inner­halb des­sen Ver­ei­ne und ande­re Kör­per­schaf­ten steu­er­li­che Pri­vi­le­gi­en in Anspruch neh­men kön­nen. Vor­aus­set­zung ist stets, dass die tat­säch­li­che Geschäfts­füh­rung mit der Sat­zung über­ein­stimmt und die Tätig­keit der Orga­ni­sa­ti­on aus­schließ­lich und unmit­tel­bar auf die selbst­lo­se För­de­rung der All­ge­mein­heit gerich­tet ist.

Ent­zug der Gemein­nüt­zig­keit: Recht­li­che Schwel­le

Die im Kon­text die­ser Unter­su­chung ent­schei­den­de Rege­lung für die Aberken­nung einer bestehen­den Gemein­nüt­zig­keit fin­det sich in § 51 Abs. 3 Abga­ben­ord­nung (AO). Danach ist eine Steu­er­ver­güns­ti­gung aus­ge­schlos­sen, wenn »die Kör­per­schaft nach ihrer Sat­zung und bei ihrer tat­säch­li­chen Geschäfts­füh­rung Bestre­bun­gen im Sin­ne des § 4 des Bun­des­ver­fas­sungs­schutz­ge­set­zes för­dert und dem Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung zuwi­der­han­delt«.

Für Kör­per­schaf­ten, die im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Bun­des oder eines Lan­des als extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on auf­ge­führt sind, bestimmt § 51 Abs. 3 Satz 2 AO zudem, dass wider­leg­bar davon aus­zu­ge­hen ist, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Gemein­nüt­zig­keit nicht erfüllt sind.

Die­se Rege­lung mar­kiert einen Sys­tem­wech­sel im Steu­er­recht. Bis zum Jahr 2020 war die Finanz­ver­wal­tung gehal­ten, die Ver­fas­sungs­feind­lich­keit oder den extre­mis­ti­schen Cha­rak­ter einer Orga­ni­sa­ti­on selbst nach­zu­wei­sen. Mit dem Jah­res­steu­er­ge­setz 202016 wur­de die Beweis­last umge­kehrt: Seit­dem muss die betrof­fe­ne Orga­ni­sa­ti­on aktiv bele­gen, dass sie nicht extre­mis­tisch ist. Kon­se­quen­ter­wei­se bleibt ihr hier­für nur der Rechts­weg, ins­be­son­de­re die gericht­li­che Anfech­tung ihrer Nen­nung im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) sind an die Nen­nung einer Orga­ni­sa­ti­on im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt jedoch bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen geknüpft, damit die­se für den Ent­zug der Gemein­nüt­zig­keit aus­reicht. Ent­schei­dend ist, dass die Orga­ni­sa­ti­on aus­drück­lich als extre­mis­tisch beschrie­ben und ein­ge­stuft wird. Eine blo­ße Erwäh­nung als Ver­dachts­fall oder eine bei­läu­fi­ge Nen­nung genügt hier­für nicht.

Die Vor­aus­set­zun­gen für den Ent­zug der Gemein­nüt­zig­keit sind viel­mehr dann erfüllt, wenn die Orga­ni­sa­ti­on in dem Anhang des Ver­fas­sungs­schutz­be­richts auf­ge­führt ist, in dem Grup­pie­run­gen benannt wer­den, »bei denen tat­säch­li­che Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass sie ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le ver­fol­gen, so dass es sich um eine extre­mis­ti­sche Grup­pie­rung han­delt«.17 Der Bun­des­fi­nanz­hof betont in die­sem Zusam­men­hang aus­drück­lich, dass die vol­le Beweis­last bei der Orga­ni­sa­ti­on liegt, die Extre­mis­mus­ein­stu­fung zu wider­le­gen.18

Die Recht­spre­chung ist inso­weit ein­deu­tig:

Für den Ent­zug der Gemein­nüt­zig­keit muss die Orga­ni­sa­ti­on im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt ein­deu­tig als extre­mis­ti­sche Bestre­bung bezeich­net wer­den. Soge­nann­te Ver­dachts­fäl­le oder die blo­ße Erwäh­nung rei­chen nicht aus. Selbst wenn der Ver­fas­sungs­schutz in einer Pres­se­mit­tei­lung oder in einem Inter­net­ar­ti­kel öffent­lich erklärt, dass die Orga­ni­sa­ti­on X als gesi­chert extre­mis­tisch ein­ge­stuft wird, wür­de die­se Form der Bekannt­ma­chung nicht aus­rei­chen. Der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt erhält durch die aus­drück­li­che Benen­nung in der Abga­ben­ord­nung eine gesetz­lich nor­mier­te Anknüp­fungs­funk­ti­on.

Struk­tu­rel­le Lücken: Wenn Ver­zö­ge­rung und Klein­heit den Ent­zug der Gemein­nüt­zig­keit ver­hin­dern

Zeit­li­che Ver­zö­ge­rung durch den Ver­öf­fent­li­chungs­rhyth­mus der Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te

Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te die­nen der Auf­klä­rung von staat­li­chen Stel­len, etwa den Finanz­äm­tern, und der Öffent­lich­keit im Rah­men der Früh­warn- und Gefah­ren­ab­wehr­funk­ti­on. Zugleich besit­zen Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te eine beson­de­re recht­li­che Qua­li­tät, da sie als poli­tisch ver­ant­wor­te­te Berich­te der jeweils zustän­di­gen Innen­mi­nis­te­ri­en ver­öf­fent­licht wer­den. Die­se minis­te­ri­el­le Zurech­nung ermög­licht es dem Gesetz­ge­ber, an die Berich­te in spe­zi­al­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen – wie § 51 Abs. 3 AO – nor­ma­ti­ve Fol­gen zu knüp­fen, ohne ihnen selbst den Cha­rak­ter eines Ver­wal­tungs­akts zu ver­lei­hen.

Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te wer­den regel­mä­ßig ein­mal jähr­lich ver­öf­fent­licht und den Finanz­be­hör­den wie auch der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht. Sie erschei­nen in der Regel zur Jah­res­mit­te und bil­den die Erkennt­nis­se des jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­res ab. Erkennt­nis­se aus dem Jahr 2025 wer­den Mit­te 2026 öffent­lich ver­füg­bar. Soll­te eine Orga­ni­sa­ti­on erst kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung eines Berich­tes ein­ge­stuft wer­den, müss­te bis zu einem Jahr gewar­tet wer­den, bis der Orga­ni­sa­ti­on durch Nen­nung im nächs­ten Bericht die Gemein­nüt­zig­keit ent­zo­gen wer­den kann. Für die Finanz­äm­ter hat die­ser Ver­öf­fent­li­chungs­rhyth­mus zur Fol­ge, dass steu­er­recht­lich rele­van­te Erkennt­nis­se erst mit erheb­li­chem zeit­li­chem Abstand ver­wert­bar wer­den.

Ham­burg bedient sich daher einer zusätz­li­chen Metho­dik. Das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ver­öf­fent­licht bei ent­spre­chen­dem Bedarf auch unter­jäh­rig einen Ver­fas­sungs­schutz­be­richt, der dem­sel­ben Ent­ste­hungs­zy­klus (Prü­fung und Ver­öf­fent­li­chung durch die Innen­be­hör­de) unter­wor­fen ist wie der übli­che Jah­res­be­richt. Die­ser »Son­der-Ver­fas­sungs­schutz­be­richt« wird auf der Web­site der Innen­be­hör­de ver­öf­fent­licht19 und wird von der Finanz­ver­wal­tung als Ver­fas­sungs­schutz­be­richt im Sin­ne des § 51 Abs. 3 AO gewer­tet. Die­se Pra­xis zeigt, dass zeit­li­che Ver­zö­ge­run­gen nicht zwin­gend hin­ge­nom­men wer­den müs­sen und mit dem ent­spre­chen­den poli­ti­schen Wil­len abge­stellt wer­den kön­nen.

Feh­len­de Nen­nung auf­grund orga­ni­sa­to­ri­scher Klein­heit

Unab­hän­gig vom Ver­öf­fent­li­chungs­rhyth­mus wer­den in der Pra­xis regel­mä­ßig nur sol­che ver­fas­sungs­feind­li­chen Bestre­bun­gen in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten auf­ge­führt, die ein gewis­ses Gewicht erlangt haben. Klei­ne­re, lokal begrenz­te oder orga­ni­sa­to­risch wenig sicht­ba­re extre­mis­ti­sche Struk­tu­ren fin­den daher häu­fig kei­ne nament­li­che Erwäh­nung, selbst wenn tat­säch­li­che Anhalts­punk­te für extre­mis­ti­sche Bezü­ge vor­lie­gen.

Es kommt erschwe­rend ein wei­te­rer Aspekt hin­zu: Die öffent­li­che Stig­ma­ti­sie­rung eines Ver­eins ist ein Ein­griff in des­sen ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­ten Grund­rech­te. Gegen die­se Nen­nung im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt steht der betrof­fe­nen Orga­ni­sa­ti­on der Kla­ge­weg offen. Aus die­sem Grund sind Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den bei der Auf­lis­tung kon­kre­ter extre­mis­ti­scher Ver­eins­struk­tu­ren sehr zurück­hal­tend.

Für die Finanz­äm­ter bedeu­tet dies, dass extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne ent­we­der gar nicht oder erst spät als sol­che erkenn­bar wer­den. Wenn extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne allein auf­grund ihrer orga­ni­sa­to­ri­schen Klein­heit oder feh­len­den Sicht­bar­keit für die Bear­bei­ter in den Finanz­äm­tern die steu­er­li­che Gemein­nüt­zig­keit erlan­gen oder behal­ten, wider­spricht dies dem Rege­lungs­zweck des § 51 Abs. 3 Abga­ben­ord­nung. Die­ser zielt aus­drück­lich dar­auf ab, eine steu­er­li­che Pri­vi­le­gie­rung ver­fas­sungs­feind­li­cher Bestre­bun­gen unab­hän­gig von Grö­ße, Orga­ni­sa­ti­ons­grad oder öffent­li­cher Wahr­nehm­bar­keit aus­zu­schlie­ßen.

Ergeb­nis­se der Aus­wer­tung

Dar­stel­lung extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten

Die Aus­wer­tung der 34 Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te des Bun­des und der Län­der aus den Jah­ren 2023 und 2024 zeigt ein kon­sis­ten­tes Mus­ter in der Dar­stel­lung extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen.

Extre­mis­ti­sche Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen wie die »Mus­lim­bru­der­schaft« (MB) oder die »Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­li Görüş« (IGMG) wer­den in den Berich­ten regel­mä­ßig beschrie­ben, ein­ge­ord­net und hin­sicht­lich ihrer Ideo­lo­gie bewer­tet. Ins­be­son­de­re im Bereich des Isla­mis­mus ste­hen dabei isla­mis­ti­scher Ter­ro­ris­mus sowie zuneh­mend auch der lega­lis­ti­sche Isla­mis­mus im Fokus der Bericht­erstat­tung.

Dem­ge­gen­über wer­den ört­li­che Ver­ei­ne, Moschee­ge­mein­den und Teil­struk­tu­ren die­ser Orga­ni­sa­tio­nen nur sel­ten nament­lich benannt, selbst wenn sie dem beob­ach­te­ten Umfeld ein­deu­tig zuzu­rech­nen sind. Die­se Zurück­hal­tung ist beson­ders aus­ge­prägt im Bereich des lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus, also bei Orga­ni­sa­tio­nen, die for­mell rechts­kon­form auf­tre­ten, jedoch ver­fas­sungs­feind­li­che Ziel­set­zun­gen ver­fol­gen.

Die­se Pra­xis erschwert nicht nur die öffent­li­che Trans­pa­renz, son­dern ver­hin­dert auch ein ziel­ge­rich­te­tes steu­er­recht­li­ches Han­deln, da den Finanz­be­hör­den häu­fig die kon­kre­te orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ne Grund­la­ge fehlt.

Unter­schied­li­che Ein­stu­fun­gen auf Bun­des- und Län­der­ebe­ne

Wäh­rend die MB bun­des­weit durch­gän­gig als extre­mis­tisch benannt wird, ergibt sich bei der IGMG ein hete­ro­ge­nes Bild. Der Beob­ach­tungs­sta­tus und die Art der Nen­nung unter­schei­den sich erheb­lich zwi­schen Bund und Län­dern. Wäh­rend der Bund die IGMG als extre­mis­tisch ein­stuft, wird sie in meh­re­ren Län­dern nicht oder nur ein­ge­schränkt beob­ach­tet. Die­se Diver­gen­zen spie­geln unter­schied­li­che behörd­li­che Bewer­tun­gen wider und erschwe­ren eine ein­heit­li­che Voll­zugs­pra­xis.

Im Bereich des rechts­extre­mis­tisch-natio­na­lis­ti­schen Extre­mis­mus mit Aus­lands­be­zug unter­liegt die »Ülkü­cü-Bewe­gung« mit ihren Dach­ver­bän­den ADÜTDF, ATIB und ANF bun­des­weit der Beob­ach­tung durch die Sicher­heits­be­hör­den.

Dem­ge­gen­über wird die »Tür­kisch-Isla­mi­sche Uni­on der Anstalt für Reli­gi­on« (DITIB) vom Ver­fas­sungs­schutz­ver­bund durch­gän­gig nicht als extre­mis­tisch ein­ge­stuft.

Posi­ti­ver Befund mit struk­tu­rel­ler Ein­schrän­kung

Ins­ge­samt zeich­net die Ana­ly­se der Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te ein grund­sätz­lich posi­ti­ves Bild: Die Gefähr­dung des Rechts­staa­tes durch den Isla­mis­mus wird von den Sicher­heits­be­hör­den ernst genom­men. Jün­ge­re Ver­bots­maß­nah­men der Innen­mi­nis­te­ri­en – etwa gegen die »Al-Mus­ta­fa Gemein­schaft e. V.« (Bre­men, 2022), das »Isla­mi­sche Zen­trum Ham­burg« (Ham­burg, 2024) oder die Orga­ni­sa­ti­on »Mus­lim Inter­ak­tiv« (u. a. Ham­burg, 2025) – bele­gen die erhöh­te Auf­merk­sam­keit des Staa­tes. Auch auf die janus­köp­fi­ge Stra­te­gie der Mus­lim­bru­der­schaft wird in den Berich­ten aus­drück­lich hin­ge­wie­sen.

Gleich­wohl ist fest­zu­hal­ten, dass sich die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den mit der öffent­li­chen Nen­nung kon­kre­ter ört­li­cher Ver­eins­struk­tu­ren schwer­tun. So ver­weist etwa das zustän­di­ge Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz in Nord­rhein-West­fa­len auf die Exis­tenz von 70 Ver­ei­nen der ADÜTDF20, sie­ben ATIB-Ver­ei­nen21 und vier ANF-Ver­ei­nen22, nennt jedoch kei­nen Ver­ein mit Namen und Sitz als kon­kre­tes Beob­ach­tungs­ob­jekt. Damit bleibt ein voll­stän­di­ger Abgleich mit steu­er­recht­lich rele­van­ten Daten unmög­lich.

Abgleich mit dem Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter

Der Abgleich der in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten als extre­mis­tisch genann­ten Orga­ni­sa­tio­nen mit dem Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter ergab in der Mehr­zahl der Bun­des­län­der kei­ne Tref­fer. Ziel die­ses Abgleichs war es fest­zu­stel­len, wel­che der sicher­heits­be­hörd­lich benann­ten Orga­ni­sa­tio­nen wei­ter­hin über einen steu­er­li­chen Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus ver­fü­gen.

Das Aus­blei­ben von Tref­fern ist dabei nicht zwin­gend gleich­be­deu­tend mit dem Nicht­vor­lie­gen ent­spre­chen­der Fäl­le. Viel­mehr kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Daten­qua­li­tät des Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ters begrenzt ist. Hier­zu zäh­len ins­be­son­de­re:

  • unvoll­stän­di­ge oder ver­al­te­te Anga­ben zum Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus ein­zel­ner Orga­ni­sa­tio­nen,
  • zeit­li­che Ver­zö­ge­run­gen bei der Ein­tra­gung oder Aktua­li­sie­rung von Sta­tus­än­de­run­gen,
  • Abwei­chun­gen in der Namens­füh­rung (z. B. unter­schied­li­che Schreib­wei­sen von Ver­eins­na­men),
  • feh­len­de Trans­pa­renz über unter­ge­ord­ne­te Ver­eins­struk­tu­ren oder Orts­ver­ei­ne, die steu­er­lich selbst­stän­dig geführt wer­den.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist davon aus­zu­ge­hen, dass die tat­säch­li­che Zahl extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen mit bestehen­der Gemein­nüt­zig­keit höher lie­gen kann, als es der rei­ne Regis­ter­ab­gleich zunächst nahe­legt. Die gerin­ge Tref­fer­quo­te ist daher metho­disch zu rela­ti­vie­ren und darf nicht als Ent­war­nung miss­ver­stan­den wer­den.

Dort, wo belast­ba­re Regis­ter­ein­trä­ge vor­la­gen und eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung mög­lich war, zei­gen sich jedoch Befun­de, die im Fol­gen­den dar­ge­stellt wer­den.

  • Baden-Würt­tem­berg: Vier extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne ver­fü­gen über Gemein­nüt­zig­keit, davon sind drei Ver­ei­ne dem Sala­fis­mus zuzu­ord­nen. Ein IGMG-Ver­ein ist eben­falls als gemein­nüt­zig regis­triert, obwohl die IGMG ein Beob­ach­tungs­ob­jekt des zustän­di­gen Lan­des­am­tes ist.
  • Bay­ern: Vier Ver­ei­ne sind als gemein­nüt­zig regis­triert, dar­un­ter zwei IGMG-Ver­ei­ne, obwohl die IGMG dort als extre­mis­tisch ein­ge­stuft ist. Die Ver­ei­ne wer­den im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt jedoch nicht nament­lich genannt.
  • Bre­men: Zwei IGMG-Ver­ei­ne sind als gemein­nüt­zig regis­triert. Die IGMG wird im Lan­des­be­richt nicht als extre­mis­tisch ein­ge­stuft.
  • Hes­sen: Die »Inter­na­tio­na­le Mil­li Görüş Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on« wird als gemein­nüt­zig geführt, obwohl die IGMG auch in Hes­sen als extre­mis­tisch gilt.
  • Sach­sen: Ein sala­fis­ti­scher Ver­ein ist trotz Nen­nung im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt als gemein­nüt­zig im Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter auf­ge­führt.

Zusam­men­fas­sung des Daten­ab­glei­ches

Ins­ge­samt las­sen sich min­des­tens zehn extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne mit fort­be­stehen­der Gemein­nüt­zig­keit iden­ti­fi­zie­ren.

Der Abgleich zwi­schen Sicher­heits­be­hör­den und Finanz­ver­wal­tung kann nur dort funk­tio­nie­ren, wo kon­kre­te orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen von den Sicher­heits­be­hör­den und die Sta­tus­an­ga­ben von den Finanz­be­hör­den mit­ge­teilt wer­den. Wo die­se feh­len, bleibt das steu­er­recht­li­che Instru­men­ta­ri­um im Ergeb­nis wir­kungs­los. Hin­zu kommt, dass unein­heit­li­che sicher­heits­be­hörd­li­che Bewer­tun­gen zwi­schen Bund und Län­dern den Voll­zug zusätz­lich erschwe­ren. Dies zeigt sich exem­pla­risch am Umgang mit der IGMG: Wäh­rend der Ver­fas­sungs­schutz des Bun­des sie aus­drück­lich als »aktu­ell größ­te isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land«23 ein­stuft, wird sie bei­spiels­wei­se in Bre­men nicht als extre­mis­tisch bewer­tet. Sol­che Diver­gen­zen kön­nen dazu füh­ren, dass extre­mis­ti­sche Struk­tu­ren trotz bun­des­wei­ter Ein­stu­fung steu­er­lich pri­vi­le­giert blei­ben.

Eine prä­zi­se Benen­nung extre­mis­ti­scher Ver­eins­struk­tu­ren, eine bes­se­re Abstim­mung zwi­schen Bun­des- und Lan­des­ebe­ne sowie die kon­ti­nu­ier­li­che Daten­pfle­ge im Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter sind daher Vor­aus­set­zun­gen für ein wirk­sa­mes Han­deln der Finanz­be­hör­den – und für die öffent­li­che Kon­trol­le.

Fazit und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

Die Unter­su­chung zeigt, dass die Ein­füh­rung des Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ters seit Anfang 2024 in Ver­bin­dung mit der Beweis­last­um­kehr nach § 51 Abs. 3 Abga­ben­ord­nung eine struk­tu­rel­le Ver­bes­se­rung der recht­li­chen und admi­nis­tra­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen dar­stellt, um die Gemein­nüt­zig­keit extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen sys­te­ma­tisch zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls zu ent­zie­hen. Erst­mals steht damit ein bun­des­weit ein­heit­li­ches Instru­ment zur Ver­fü­gung, das einen orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­nen Abgleich ermög­licht.

Aus­sa­gen über die tat­säch­li­che Wirk­sam­keit die­ses Instru­ments im Sin­ne einer Reduk­ti­on extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen mit Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus sind der­zeit jedoch nicht mög­lich. Für die Jah­re vor Ein­füh­rung des Regis­ters (2022/2023) exis­tiert kei­ne öffent­lich bekann­te Über­sicht, wie vie­le extre­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen als gemein­nüt­zig aner­kannt waren. Ein­zel­ne Fall­zah­len aus Län­dern oder Medi­en­be­rich­ten erlau­ben kei­nen belast­ba­ren Vor­her-nach­her-Ver­gleich. Dabei han­delt es um ein struk­tu­rel­les Trans­pa­renz­de­fi­zit der bis­he­ri­gen Pra­xis.

Unge­ach­tet des­sen machen die Befun­de deut­lich, dass die prak­ti­sche Wir­kung des bestehen­den Instru­men­ta­ri­ums maß­geb­lich vom Zusam­men­spiel zwi­schen Sicher­heits­be­hör­den und Finanz­ver­wal­tun­gen abhängt. Aus der Ana­ly­se erge­ben sich fol­gen­de kon­kre­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen:

I. Detail­lier­te und voll­zugs­re­le­van­te Ver­fas­sungs­schutz­be­richt­erstat­tung

Die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den von Bund und Län­dern soll­ten dort, wo die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, kon­kre­te extre­mis­ti­sche Ver­ei­ne, Moschee­ge­mein­den und Teil­struk­tu­ren nament­lich benen­nen. Die bis­lang ver­brei­te­te Beschrän­kung auf Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen erschwert ein ziel­ge­rich­te­tes steu­er­recht­li­ches Han­deln erheb­lich. Die Innen­mi­nis­te­ri­en soll­ten den Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den hier­für poli­ti­sche und recht­li­che Rücken­de­ckung geben und klar­stel­len, dass eine orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­ge­ne und detail­lier­te Bericht­erstat­tung aus­drück­lich gewollt ist.

II. Ver­bind­li­cher und regel­mä­ßi­ger Abgleich mit der Finanz­ver­wal­tung

Der Abgleich zwi­schen Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten und dem Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter soll­te ver­bind­lich, regel­mä­ßig und stan­dar­di­siert erfol­gen. Sicher­heits­be­hörd­li­che Erkennt­nis­se müs­sen zeit­nah in steu­er­recht­li­che Prüf­ver­fah­ren ein­flie­ßen. Hier­zu bedarf es kla­rer res­sort­über­grei­fen­der Ver­fah­rens­stan­dards zwi­schen Innen- und Finanz­res­sorts.

III. Ver­bes­se­rung der Daten­qua­li­tät des Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ters

Die Unter­su­chung legt nahe, dass die Daten­qua­li­tät des Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ters in Tei­len unzu­rei­chend ist. Erfor­der­lich sind voll­stän­di­ge und aktu­el­le Anga­ben zum Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus, eine nach­voll­zieh­ba­re Doku­men­ta­ti­on von Aberken­nun­gen und Prüf­ver­fah­ren sowie eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung auch bei Orts- und Teil­ver­ei­nen oder abwei­chen­den Namens­füh­run­gen. Nur so lässt sich ein belast­ba­rer Abgleich gewähr­leis­ten.

IV. Sys­te­ma­ti­sche Ana­ly­se des Instru­ments

Um künf­tig belast­ba­re Aus­sa­gen tref­fen zu kön­nen, soll­te eine jähr­li­che sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung vor­ge­legt wer­den. Aus die­ser soll­te her­vor­ge­hen, wie vie­le Orga­ni­sa­tio­nen mit Extre­mis­mus­be­zug geprüft wur­den, in wie vie­len Fäl­len Gemein­nüt­zig­keit ver­sagt oder ent­zo­gen wur­de und auf wel­cher Rechts- und Erkennt­nis­grund­la­ge dies geschah. Erst auf die­ser Grund­la­ge lässt sich die tat­säch­li­che Wir­kung des Regis­ters eva­lu­ie­ren.

V. Kon­se­quen­ter Aus­schluss extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen auch beim Zuwen­dungs­recht

Neben dem Steu­er­recht ist auch das Zuwen­dungs­recht ein zen­tra­les Steue­rungs­in­stru­ment. Zahl­rei­che Orga­ni­sa­tio­nen erhal­ten öffent­li­che Mit­tel, ohne dass extre­mis­ti­sche Bezü­ge den zuwen­den­den Stel­len bekannt sind. Vor die­sem Hin­ter­grund sind die von der Bun­des­mi­nis­te­rin für Bil­dung, Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, Karin Prien, ange­kün­dig­ten Ände­run­gen der För­der­richt­li­ni­en des Bun­des­pro­gramms »Demo­kra­tie leben!« zu begrü­ßen.24 Die Ziel­set­zung, För­der­mit­tel aus­schließ­lich Orga­ni­sa­tio­nen zukom­men zu las­sen, die zwei­fels­frei auf dem Boden der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ste­hen, soll­te ver­bind­lich umge­setzt und auf Pro­gram­me der Län­der über­tra­gen wer­den.

VI. Regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der tat­säch­li­chen Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten

Ergän­zend sind regel­mä­ßi­ge, stich­pro­ben­ar­ti­ge Prü­fun­gen der tat­säch­li­chen Akti­vi­tä­ten steu­er­be­güns­tig­ter Ver­ei­ne erfor­der­lich, um sicher­zu­stel­len, dass die­se mit den ange­ge­be­nen Sat­zungs­zwe­cken und Tätig­keits­be­schrei­bun­gen über­ein­stim­men. Hier­für soll­ten koope­ra­ti­ve Prüf­struk­tu­ren zwi­schen kom­mu­na­ler, Lan­des- und Fach­be­hör­de­n­ebe­ne eta­bliert wer­den. Model­le wie das Exper­ten­netz­werk Rechts­extre­mis­mus in Sach­sen kön­nen hier­bei als Vor­bild die­nen.25

VII. Trans­pa­renz als prä­ven­ti­ves Instru­ment

Die öffent­li­che Benen­nung extre­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen erfüllt nicht nur eine fis­ka­li­sche, son­dern auch eine prä­ven­ti­ve Funk­ti­on. Gera­de bei kon­zi­li­ant auf­tre­ten­den Akteu­ren des lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus, etwa im Umfeld der Mus­lim­bru­der­schaft, ist Trans­pa­renz ent­schei­dend, um deren Ein­fluss­nah­me auf Poli­tik, Ver­wal­tung und Zivil­ge­sell­schaft zu begren­zen. Infor­mier­te Ent­schei­dungs­trä­ger sind Vor­aus­set­zung dafür, dass staat­li­che Aner­ken­nung oder För­de­rung nicht unbe­ab­sich­tigt extre­mis­ti­sche Struk­tu­ren sta­bi­li­sie­ren.

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Hart­mut Licht ist Kri­mi­no­lo­ge und war bis 2025 rund 46 Jah­re in ver­schie­de­nen Funk­tio­nen beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) und beim Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz in Ham­burg tätig. Zuletzt lei­te­te er die Aus­wer­tung.


Das Pro­blem und die Lösung zusam­men­ge­fasst auf einer Sei­te:

Sach­stand AK Polis | Nr. 3 | 19. Janu­ar 2026: »Isla­mis­ti­sche Gemein­nüt­zig­keit« beim Finanz­amt (PDF)


End­no­ten

  1. Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz Bay­ern (2025): Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024, S. 64–78, archi­viert am 1. Novem­ber 2025 ↩︎
  2. Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (2025): Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024, S. 293–295, archi­viert am 12. Sep­tem­ber 2025 ↩︎
  3. Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz Ham­burg (2025): Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024, S. 51–61, archi­viert am 1. Juni 2025 ↩︎
  4. Pfah­ler, Lenn­art (2025): DITIB – Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um setzt tür­ki­schem Moschee­ver­band ein Ulti­ma­tum. In: Die Welt, Online­aus­ga­be, archi­viert am 8. Sep­tem­ber 2025 ↩︎
  5. Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (2025): »Innen­mi­nis­te­ri­um ver­langt von DITIB Bekennt­nis gegen Anti­se­mi­tis­mus«, Regie­rungs­pres­se­kon­fe­renz vom 8. Sep­tem­ber 2025 ↩︎
  6. Ins­ge­samt 34 Berich­te aus den Jah­ren 2023 und 2024 ↩︎
  7. Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern: »Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter«, abruf­bar unter: https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Gemeinnuetzigkeit/Zuwendungsempfaengerregister/Zuwendungsempfaengerregister_node.html ↩︎
  8. Im AK Polis Sekre­ta­ri­at lie­gen vor: »Tabel­le 1: Beob­ach­tungs­sta­tus und Dar­stel­lung in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten« (01/2026) und »Tabel­le 2: Abgleich Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te und Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter« (01/2026) ↩︎
  9. § 52 Abs. 1 Satz 1 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  10. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  11. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  12. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 10 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  13. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 13 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  14. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 17 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  15. § 52 Abs. 2 Satz 1 Nr. 19 Abga­ben­ord­nung (AO) ↩︎
  16. Bun­des­ge­setz­blatt, Teil I, Jahr­gang 2020, Nr. 65, S. 3096 ↩︎
  17. Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 05. Sep­tem­ber 2024 – V R 36/21, Rand­num­mer 16 ↩︎
  18. Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 05. Sep­tem­ber 2024 – V R 36/21, Rand­num­mer 17 ↩︎
  19. Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te auf hamburg.de; sämt­li­che dort ver­öf­fent­lich­ten Bei­trä­ge gel­ten als Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te im Sin­ne des § 4 Abs. 3 Ham­bur­gi­sches Ver­fas­sungs­schutz­ge­setz (HmbVerfSchG) ↩︎
  20. ADÜTDF (Föde­ra­ti­on der Tür­kisch-Demo­kra­ti­schen Idea­lis­ten­ver­ei­ne in Deutsch­land e. V.).
    Die ADÜTDF fun­giert als zen­tra­ler natio­na­lis­tisch-rechts­extre­mis­ti­scher Ver­band der Ülkü­cü-Bewe­gung in Deutsch­land und wird von den Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den dem rechts­extre­mis­ti­schen Phä­no­men­be­reich des aus­lands­be­zo­ge­nen Extre­mis­mus zuge­ord­net. ↩︎
  21. ATIB (Uni­on der Tür­kisch-Isla­mi­schen Kul­tur­ver­ei­ne in Euro­pa e. V.). ATIB wird von den Sicher­heits­be­hör­den dem Ülkü­cü-Spek­trum und damit dem rechts­extre­mis­ti­schen Phä­no­men­be­reich des aus­lands­be­zo­ge­nen Extre­mis­mus zuge­rech­net. Der Ver­band ist Mit­glied im Zen­tral­rat der Mus­li­me in Deutsch­land (ZMD). ↩︎
  22. ANF (Föde­ra­ti­on der Welt­ord­nung in Euro­pa). Die ANF wird von den Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den der Ülkü­cü-Bewe­gung und dem aus­lands­be­zo­ge­nen Rechts­extre­mis­mus zuge­ord­net. ↩︎
  23. Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV): Isla­mis­mus in Deutsch­land 2025. Ber­lin 2025, S. 27, archi­viert am 2. Juli 2025 ↩︎
  24. Doll, Niko­laus (2025): »‚Demo­kra­tie leben‘-Reform: ‚Dass die mit Geld der Steu­er­zah­ler finan­ziert wer­den, been­den wir jetzt‘«, Die Welt, archi­viert am 15. Sep­tem­ber 2025 ↩︎
  25. Klein, Adri­an und Schen­der­lein, Dani­el: »Exper­ten­netz­werk gegen Rechts­extre­mis­mus«, archi­viert am 25. Mai 2024 ↩︎