»Die Lie­be zum Hass. Isra­el, 7. Okto­ber 2023« von Abdel-Hakim Ourghi

Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi zeigt in »Die Liebe zum Hass«, wie tief der islamische Antisemitismus reicht und warum er nicht nur in islamischen Mehrheitsgesellschaften, sondern auch in Deutschland und anderen westlichen Gesellschaften um sich greift. Schonungslos legt er die Ursachen und Folgen des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 offen.

»Um den 7. Okto­ber 2023 zu ver­ste­hen, muss man sich mit der sinn­stif­ten­den Kul­tur des Has­ses unter vie­len Mus­li­men aus­ein­an­der­set­zen«, schreibt Abdel-Hakim Ourghi, Islam­wis­sen­schaft­ler an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Frei­burg, in sei­nem Buch Die Lie­be zum Hass. Isra­el, 7. Okto­ber 2023 (2025). Der Ter­ror­an­griff der Hamas auf Isra­el habe gezeigt, dass der isla­mi­sche Anti­se­mi­tis­mus nicht nur bei Ter­ro­ris­ten zu fin­den sei, son­dern auch »bei ganz nor­ma­len Mus­li­men«.

Ourghi ana­ly­siert, wie die­ser Hass reli­gi­ös, kul­tu­rell und poli­tisch ver­ur­sacht und genährt wird und wel­che Rol­le dabei der Poli­ti­sche Islam spielt. Dabei rich­tet er sei­ne Kri­tik aus­drück­lich nach innen:

»Gera­de wir Mus­li­me soll­ten uns bewusst machen, dass die größ­ten Fein­de des Islam und der Mus­li­me wir selbst sind. Wir soll­ten nicht ver­ges­sen, dass nicht der Wes­ten und Isra­el die Ver­ant­wor­tung für die schwie­ri­ge Lage in der isla­mi­schen Welt und die haus­ge­mach­te Sinn­kri­se des Islam tra­gen. Dafür sind – in Zusam­men­ar­beit mit den Ver­tre­tern eines kon­ser­va­ti­ven Islam – die poli­ti­schen Eli­ten ver­ant­wort­lich, die seit Jahr­zehn­ten an der Macht sind.«

Wie bereits in sei­nem frü­he­ren Werk Die Juden im Koran. Ein Zerr­bild mit fata­len Fol­gen (2024) legt Ourghi auch dies­mal offen, wie reli­giö­se Tex­te und Bil­dungs­sys­te­me über Gene­ra­tio­nen Feind­bil­der geformt haben. Er schil­dert eige­ne Erfah­run­gen in Alge­ri­en, wo Kin­der früh ler­nen, dass »der Jude der ewi­ge Feind der Mus­li­me« sei. In Gaza, so schreibt er, wür­den Kin­der in Kin­der­gär­ten mit Spiel­zeug­waf­fen erzo­gen und als »klei­ne Kämp­fer gegen die Juden« spie­le­risch ein­ge­setzt, um spä­ter zu Tätern zu wer­den.

Ourghi beschreibt die­sen Mecha­nis­mus als eine »Schu­le des Has­ses«, in der Anti­se­mi­tis­mus nicht nur gelehrt, son­dern emo­tio­nal ver­an­kert wird. Hin­ter dem Juden­hass, so sei­ne Ana­ly­se, ver­ber­ge sich in Wahr­heit ein trans­for­mier­ter Selbst­hass: die Wei­ge­rung, eige­ne gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Miss­stän­de zu erken­nen. Ohne den Hass auf Juden und den Staat Isra­el sei­en die Mus­li­me nicht über­le­bens­fä­hig, lau­tet sei­ne dras­ti­sche Schluss­fol­ge­rung.

Der Autor kri­ti­siert zugleich west­li­che Poli­ti­ker und Aka­de­mi­ker, die aus fal­scher Rück­sicht auf reli­giö­se Emp­find­lich­kei­ten oder aus ideo­lo­gi­scher Soli­da­ri­tät die Dimen­si­on des isla­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus ver­schwei­gen. Nach dem 7. Okto­ber hät­ten sich, so Ourghi, unhei­li­ge Alli­an­zen zwi­schen isla­mi­schen Anti­se­mi­ten und Tei­len der poli­ti­schen Lin­ken, der Kul­tur­sze­ne und des aka­de­mi­schen Betriebs gebil­det, was zu einer Kon­stel­la­ti­on geführt habe, die jede Selbst­kri­tik und Kurs­kor­rek­tur ver­hin­de­re.

Ourghi kon­sta­tiert: Je län­ger der isla­mi­sche Anti­se­mi­tis­mus ver­schwie­gen wer­de, des­to gefähr­li­cher wer­de er, auch in Deutsch­land und Euro­pa. Wäh­rend Isra­el für sei­ne Selbst­ver­tei­di­gung inter­na­tio­nal zuneh­mend ver­ur­teilt wer­de, habe die Hamas »erfolg­reich geschafft, mit den Gefüh­len der Welt­ge­mein­schaft zu spie­len«. Er warnt in Rich­tung Deutsch­land:

»Das Gedan­ken­gut der Hamas weist gro­ße Schnitt­men­gen mit dem poli­ti­schen Islam der Dach­ver­bän­de auf. Dazu gehö­ren Ele­men­te wie der isla­mi­sche Anti­se­mi­tis­mus, die Israel­pho­bie und, auf der ande­ren Sei­te, die unein­ge­schränk­te Paläs­ti­na­phi­lie.«

Zu die­sen Dach­ver­bän­den zählt er den Zen­tral­rat der Mus­li­me in Deutsch­land (ZMD), die tür­ki­sche Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net und deren deut­sche Ver­tre­tung DITIB, die Isla­mi­schen Kul­tur­zen­tren (VIKZ), sowie die Isla­mi­sche Gemein­schaft der Bos­nia­ken in Deutsch­land (IGBD).

»Es ist wich­tig, dass der Islam ent­po­li­ti­siert wird und dass er kei­ne Rol­le im öffent­li­chen Raum spielt. Die Eta­blie­rung des poli­ti­schen Islam durch die Dach­ver­bän­de ver­hin­dert nicht nur Inte­gra­ti­on, sie begrün­det lei­der auch die zuneh­men­de Macht des isla­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus.«

Kurz­be­wer­tung

Die Lie­be zum Hass. Isra­el, 7. Okto­ber 2023 macht deut­lich, dass der isla­mi­sche Anti­se­mi­tis­mus kein Rand­phä­no­men extre­mis­ti­scher Grup­pen ist, son­dern tief in bestimm­ten theo­lo­gi­schen, poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Mus­tern wur­zelt. Dies legt Ourghi in einer detail­lier­ten Ana­ly­se des Ter­ror­an­griffs der Hamas auf Isra­el am 7. Okto­ber 2023 und sei­ner Fol­gen offen. Wer ver­ste­hen will, wel­chen Her­aus­for­de­run­gen auch Deutsch­land und ande­re west­li­che Gesell­schaf­ten ent­ge­gen­se­hen, fin­det hier eine ein­dring­li­che, scho­nungs­lo­se Unter­su­chung.


Abdel-Hakim Ourghi: Die Lie­be zum Hass. Isra­el, 7. Okto­ber 2023. Clau­di­us, Mün­chen 2025. ISBN 978–3‑532–62906‑2