»Miss Afgha­ni­stan 2026« in Ket­ten – Jac­ques Til­lys Mahn­wa­gen im Düs­sel­dor­fer Rosen­mon­tags­zug

Beim Rosenmontagszug in Düsseldorf am 16. Februar 2026 rollte ein Wagen mit, der ohne viele Worte auskommt: Eine vollverschleierte, gefesselte und angekettete Frau – von Wagenbauer Jacques Tilly als »Miss Afghanistan 2026« präsentiert. Die Großplastik führt vor Augen, was die Herrschaft der Taliban für Frauen bedeutet: Entrechtung, Verbannung aus der Öffentlichkeit, Zwang zur Vollverschleierung.
Mottowagen »Miss Afghanistan 2026« von Jacques Tilly im Düsseldorfer Rosenmontagszug am 16. Februar 2026: Eine vollverschleierte Frau, gefesselt und in Ketten gelegt, daneben die Schärpe des »Schönheitswettbewerbs« (Foto: Ricarda Hinz)

Der Düs­sel­dor­fer Rosen­mon­tags­zug ist seit Jahr­zehn­ten für die poli­ti­sche Sati­re sei­ner Mot­to­wa­gen bekannt – und für deren Schöp­fer Jac­ques Til­ly. In die­sem Jahr griff Til­ly unter ande­rem die Lage der Frau­en in Afgha­ni­stan auf: Der Wagen »Miss Afgha­ni­stan 2026« zeigt eine voll­stän­dig ver­schlei­er­te Frau, gefes­selt, gekne­belt und in Ket­ten gelegt – eine bit­te­re Umkeh­rung der Bild­spra­che von Schön­heits­wett­be­wer­ben.

Im Begleit­text zu sei­ner Plas­tik beschreibt Til­ly, wofür das Bild steht: Seit die Tali­ban die Macht in Afgha­ni­stan zurück­er­obert haben, hat sich die Lage der Frau­en dra­ma­tisch ver­schlech­tert. Frau­en wer­den wie­der in die Bur­ka gezwun­gen mit einer Voll­ver­schleie­rung, deren Ein­hal­tung streng kon­trol­liert wird. Sie wer­den aus der Öffent­lich­keit ver­bannt, dür­fen sich drau­ßen nur in männ­li­cher Beglei­tung auf­hal­ten, erhal­ten kaum noch Bil­dung und sind männ­li­cher Gewalt weit­ge­hend schutz­los aus­ge­lie­fert. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen bekla­gen zu Recht, dass die Welt­öf­fent­lich­keit zu wenig Druck auf die Tali­ban aus­übt.

Die Bur­ka erscheint hier nicht als folk­lo­ris­ti­sches Klei­dungs­stück oder Aus­druck indi­vi­du­el­ler Fröm­mig­keit, son­dern als das, was sie unter der Herr­schaft der Tali­ban ist: ein staat­lich erzwun­ge­nes Instru­ment der Unsicht­bar­ma­chung von Frau­en. Wer hier­zu­lan­de über die Ein­füh­rung von Voll­ver­schleie­rung dis­ku­tiert, soll­te die­se Rea­li­tät mit­den­ken.