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»Mus­lim Inter­ak­tiv« ver­bo­ten – Durch­su­chun­gen bei »Gene­ra­ti­on Islam« und »Rea­li­tät Islam«

Das Bundesministerium des Innern hat den islamistischen Verein »Muslim Interaktiv« verboten. Der Beitrag dokumentiert die Verbotsgründe, den Personenkreis und die Strukturen, die Rolle Hamburgs als Mobilisierungsschwerpunkt und die Frage, welche Konsequenzen aus einer weitgehend »homegrown«-Szene zu ziehen sind.
Verbot der islamistischen Gruppierung Muslim Interaktiv (MI) (Bild: © LfV Hamburg)

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Am 5. Novem­ber 2025 hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern den isla­mis­ti­schen Ver­ein »Mus­lim Inter­ak­tiv« ver­bo­ten. Grund­la­ge war die Ver­fü­gung vom 6. Okto­ber 2025, ver­öf­fent­licht im Bun­des­an­zei­ger (BAnz AT 05.11.2025 B1). Das Minis­te­ri­um stützt das Ver­bot auf Arti­kel 9 Absatz 2 GG in Ver­bin­dung mit § 3 Absatz 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 2 und 3, Satz 2 sowie § 9 Ver­eins­ge­setz.

In der Begrün­dung heißt es, »Zweck und Tätig­keit der Ver­ei­ni­gung rich­ten sich gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung und gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung«. Die Orga­ni­sa­ti­on wur­de auf­ge­löst, ihr Ver­mö­gen beschlag­nahmt und ein­ge­zo­gen. Die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Ver­fü­gung wur­de ange­ord­net.

Das Ver­bot umfasst auch das öffent­li­che Ver­wen­den von Ver­eins­kenn­zei­chen, dar­un­ter meh­re­re Vari­an­ten des Logos mit der Kaa­ba in einem roten oder wei­ßen Bluts­trop­fen, teils kom­bi­niert mit dem Schrift­zug »Mus­lim Inter­ak­tiv«. Die­se Sym­bo­lik, die den Anspruch reli­giö­ser Opfer- und Kampf­be­reit­schaft trans­por­tier­te, war in der Social-Media-Kom­mu­ni­ka­ti­on der Grup­pe weit ver­brei­tet.

Zudem wur­den sämt­li­che Inter­net­auf­trit­te und Social-Media-Kanä­le der Ver­ei­ni­gung ver­bo­ten. Betrof­fen sind Pro­fi­le und Kon­ten auf Face­book, Insta­gram, Tele­gram, You­Tube, Tik­Tok, X (vor­mals Twit­ter) und Threads, dar­un­ter u. a.: www.instagram.com/minteraktiv, www.t.me/Muslim_Interaktiv, www.youtube.com/@musliminteraktiv, www.tiktok.com/@muslim.interaktiv, www.x.com/Minteraktiv.
Auch deren Bereit­stel­lung, Hos­ting und Wei­ter­ver­wen­dung sind unter­sagt.

Ermitt­lun­gen

Zeit­gleich lei­te­te das BMI Durch­su­chun­gen bei den Grup­pie­run­gen »Gene­ra­ti­on Islam« und »Rea­li­tät Islam« ein. Bei­de wei­sen eine Nähe zur in Deutsch­land seit 2003 ver­bo­te­nen Hizb ut-Tah­r­ir auf. In Ham­burg, Ber­lin und Hes­sen durch­such­ten am 5. Novem­ber ins­ge­samt 375 Poli­zis­ten 19 Objek­te, dar­un­ter sie­ben in Ham­burg (Neu­al­ler­mö­he, Müm­mel­manns­berg), vier in Hes­sen und eines in Ber­lin-Neu­kölln. Beschlag­nahmt wur­den Daten­trä­ger, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel und Ver­mö­gens­wer­te.

Die Ver­ei­ni­gung »Rea­li­tät Islam« (RI) ist seit Novem­ber 2015 vor allem im Rhein-Main-Gebiet aktiv. Am 20. Mai 2025 von RI eine angeb­li­che Auf­lö­sung bekannt gege­ben. Aller­dings hat die Ver­ei­ni­gung ihre Tätig­kei­ten nicht end­gül­tig und dau­er­haft ein­ge­stellt; viel­mehr wur­den die bekann­ten Accounts bis zum Tag des Ver­bots wei­ter­hin unter dem Namen des Haupt­prot­ago­nis­ten betrie­ben.

In Ham­burg lau­fen meh­re­re Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Per­so­nen aus dem Umfeld von »Mus­lim Inter­ak­tiv«. Gegen vier Män­ner wur­de Ankla­ge wegen einer gewalt­tä­ti­gen Demons­tra­ti­on im Okto­ber 2023 erho­ben. Aller­dings hat das zustän­di­ge Amts­ge­richt Ham­burg laut Zeit-Bericht bis­lang kei­nen Ter­min ange­setzt (Stand: Novem­ber 2025).

Zu den Ver­bots­grün­den im Ein­zel­nen

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern begrün­det das Ver­eins­ver­bot vom 6. Okto­ber 2025 mit einer Viel­zahl ver­fas­sungs­feind­li­cher Aspek­te. Dem­nach rich­ten sich Zweck und Tätig­keit von »Mus­lim Inter­ak­tiv« »gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung sowie gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung« (Bun­des­an­zei­ger, BAnz AT 05.11.2025 B1). »Mus­lim Inter­ak­tiv« leh­ne das Demo­kra­tie- und Rechts­staats­prin­zip grund­sätz­lich ab und ver­tre­te eine theo­kra­ti­sche Gegen­po­si­ti­on. Nach Auf­fas­sung des BMI beken­ne sich die Grup­pe zu einem Gesell­schafts­mo­dell, in dem »der Islam« als allei­ni­ges Ord­nungs­prin­zip fun­gie­ren sol­le und in dem staat­li­che Ent­schei­dun­gen reli­giö­ser Kon­trol­le unter­wor­fen sei­en. Kenn­zeich­nend sei die pro­gram­ma­ti­sche Abgren­zung von demo­kra­ti­scher Gesetz­ge­bung, wie sich in den eige­nen Aus­sa­gen der Grup­pie­rung zeigt:

»Wir leh­nen jeg­li­che staat­li­che Ein­fluss­nah­me ab.«
»All unse­re Ideen und Wer­te­vor­stel­lun­gen ent­sprin­gen unse­rer isla­mi­schen Welt­an­schau­ung und sind unver­han­del­bar.«
»Die demo­kra­ti­sche Gesell­schaft ent­spricht einer Wer­te­dik­ta­tur.«

Wei­ter­hin ver­sto­ße MI gegen die uni­ver­sel­len Men­schen­rech­te. Das BMI führt an, dass die Grup­pe ins­be­son­de­re gegen die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter sowie gegen die Frei­heit hin­sicht­lich sexu­el­ler Ori­en­tie­rung und geschlecht­li­cher Iden­ti­tät vor­ge­he. Dies brin­ge eine mit Demo­kra­tie und Men­schen­rech­ten nicht zu ver­ein­ba­ren­de Into­le­ranz zum Aus­druck.

Die Orga­ni­sa­ti­on habe zudem »in der gesetz­lich gefor­der­ten kämp­fe­risch-aggres­si­ven Wei­se« gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung agiert. Das sei, so das BMI, ins­be­son­de­re durch die anhal­ten­den öffent­li­chen Auf­ru­fe zur Umset­zung ver­fas­sungs­feind­li­cher Zie­le belegt. »Mus­lim Inter­ak­tiv« nut­ze dazu digi­ta­le Pro­pa­gan­da und real­welt­li­che Insze­nie­rung: Über Social-Media-Kanä­le und Demons­tra­tio­nen (»Per­for­man­ces«) ver­su­che die Grup­pe, »eine mög­lichst gro­ße Zahl von Men­schen zu indok­tri­nie­ren und bestän­dig neue Ver­fas­sungs­fein­de zu schaf­fen, um die frei­heit­li­che Grund­ord­nung fort­lau­fend zu unter­gra­ben«.

Schließ­lich ver­sto­ße MI auch gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung. In Ver­öf­fent­li­chun­gen der Grup­pe wer­de das Exis­tenz­recht Isra­els aus­drück­lich bestrit­ten. Das Minis­te­ri­um doku­men­tiert meh­re­re ein­schlä­gi­ge Zita­te:

»Isra­el hat kein Exis­tenz­recht.«
»Wir wer­den nicht einen ein­zi­gen Zen­ti­me­ter des Apart­heid­staa­tes ‹Isra­el› und der kolo­nia­len Gren­zen akzep­tie­ren.«
»Die Grün­dung des recht­ge­lei­te­ten Kali­fats wird in der Lage sein, die Pro­ble­me in der isla­mi­schen Welt und ins­be­son­de­re in Paläs­ti­na von der Wur­zel zu lösen.«

Mit die­sen Aus­sa­gen mache die Grup­pie­rung deut­lich, dass sie »die Sou­ve­rä­ni­tät ande­rer Staa­ten nicht aner­kennt« und auf eine theo­kra­ti­sche Welt­ord­nung unter isla­mi­schem Herr­schafts­an­spruch hin­ar­bei­te.

Hoch­burg Ham­burg: Ideo­lo­gie und Mobi­li­sie­rung

Der Ver­fas­sungs­schutz Ham­burg ord­net »Mus­lim Inter­ak­tiv« dem ideo­lo­gi­schen Umfeld der Hizb ut-Tah­r­ir (HuT) zu. Obwohl HuT in Deutsch­land ver­bo­ten ist, wür­den deren Posi­tio­nen »wei­ter­hin ver­brei­tet, so unter ande­rem durch die HuT-nahe Grup­pie­rung ›Mus­lim Inter­ak­tiv‹ (MI), die 2020 gegrün­det wur­de und vor allem in Ham­burg aktiv ist«. MI ent­fal­te »eine rele­van­te Wir­kung durch ihre Online-Akti­vi­tä­ten auf ver­schie­de­nen Social-Media-Kanä­len, dar­un­ter Face­book, Insta­gram und Tik­Tok«, sei aber auch »in der rea­len Welt aktiv, zum Bei­spiel durch die Orga­ni­sa­ti­on von Demons­tra­tio­nen«.

Die Zuord­nung zu HuT ergibt sich laut LfV »aus den inhalt­li­chen Schnitt­men­gen sowie den Bezü­gen der für die Social-Media-Prä­senz ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen, die in Video-Bei­trä­gen auch für MI auf­tre­ten«. Die Grup­pie­rung kon­zen­trie­re sich »seit Jah­ren auf die Ver­brei­tung gesell­schafts­kri­ti­scher Stel­lung­nah­men und Kom­men­ta­re«. In ihren pro­fes­sio­nell pro­du­zier­ten Vide­os grei­fe MI »aktu­el­le, gesell­schaft­lich rele­van­te The­men auf und instru­men­ta­li­sie­re die­se zur Dar­stel­lung einer ver­meint­lich fort­wäh­ren­den Ableh­nungs­hal­tung der Poli­tik und Gesell­schaft in Deutsch­land gegen­über der gesam­ten mus­li­mi­schen Com­mu­ni­ty«.

Damit grei­fe die Grup­pie­rung auf ein »ver­brei­te­tes Nar­ra­tiv isla­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen« zurück, das »dem Wes­ten eine ziel­ge­rich­te­te Unter­drü­ckung der Mus­li­me« vor­wer­fe und »ein Bedro­hungs­sze­na­rio ent­wer­fe, in wel­chem sie sich dann wie­der­um als Beschüt­zer prä­sen­tie­re«. MI sug­ge­rie­re dabei, »als Sprach­rohr aller Mus­li­me zu fun­gie­ren«, die als homo­ge­ne Ein­heit ange­se­hen wür­den.

Mit einer »selek­ti­ven Inter­pre­ta­ti­on gesell­schafts­po­li­ti­scher Ereig­nis­se« zie­le MI nach Ein­schät­zung des Ver­fas­sungs­schut­zes auf »eine des­in­te­gra­ti­ve Wir­kung unter der mus­li­mi­schen Bevöl­ke­rung und eine Spal­tung der Gesell­schaft«. Dar­über hin­aus ver­su­che die Grup­pie­rung, »das Ver­trau­en in die Insti­tu­tio­nen des deut­schen Staa­tes zu erschüt­tern«, der von MI als »Wer­te­dik­ta­tur« bezeich­net wer­de.

Typisch für die Grup­pe sei ihr »kon­fron­ta­ti­ves Auf­tre­ten« und eine »an die Jugend­kul­tur ange­pass­te Ästhe­tik« der Social-Media-Bei­trä­ge. Ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit dem Nah­ost­kon­flikt, der »immer wie­der von isla­mis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen instru­men­ta­li­siert« wer­de, spie­le in der Rhe­to­rik von MI die »For­de­rung nach einem Kali­fat« eine zuneh­men­de Rol­le.

MI in Ham­burg mehr­fach in der Öffent­lich­keit

  • April 2024: Unter dem Tenor »Gegen islam­feind­li­che Bericht­erstat­tung« ver­sam­mel­ten sich etwa 1.250 Teil­neh­men­de. Anlass war u. a. die Bericht­erstat­tung über MI und den Funk­tio­när Joe Ada­de Boat­eng. Neben der behaup­te­ten »media­len und poli­ti­schen Hetz­kam­pa­gne« wur­de der Nah­ost­kon­flikt the­ma­ti­siert. Auf Pla­ka­ten waren Paro­len wie »Kali­fat ist die Lösung« und »Staats­rä­son tötet« zu lesen. Die Ver­an­stal­tung sorg­te »bun­des­weit für Schlag­zei­len und poli­ti­sche Dis­kus­sio­nen«.
  • Mai 2024: Als Reak­ti­on auf die media­le Kri­tik folg­te die »Demons­tra­ti­on gegen Zen­sur und Mei­nungs­dik­tat« mit rund 2.300 Teil­neh­men­den. In Rede­bei­trä­gen wur­den Staat und Medi­en erneut scharf kri­ti­siert und der Wunsch nach einem Kali­fat geäu­ßert, das »die Mus­li­me in der isla­mi­schen Welt ver­eint und die vor­geb­lich herr­schen­de kolo­nia­le Ord­nung über­win­det«.
  • Okto­ber 2024: Eine wei­te­re Ver­samm­lung mit rund 1.600 Teil­neh­men­den war unter dem Mot­to »Stoppt den Geno­zid gegen unse­re uigu­ri­schen Geschwis­ter in Ost­tur­ki­stan« ange­mel­det. Im Ver­lauf kam es zu einem the­ma­ti­schen Wech­sel mit Pla­kat-Cho­reo­gra­phie, bei der erneut zum Nah­ost­kon­flikt Stel­lung bezo­gen wur­de.

Die­se Ver­an­stal­tun­gen zeig­ten, so das Ham­bur­ger Lan­des­amt, »über wel­ches Mobi­li­sie­rungs­po­ten­zi­al MI ver­fügt und wel­che Außen­wir­kung die Grup­pie­rung, ins­be­son­de­re bei der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on der mus­li­mi­schen Com­mu­ni­ty, errei­chen kann«. Für Außen­ste­hen­de sei »nicht immer sofort erkenn­bar«, dass es sich um Extre­mis­ten hand­le, »die dem ideo­lo­gi­schen Umfeld der Hizb ut-Tah­r­ir zuzu­rech­nen sind«. MI wäh­le The­men, »die mög­lichst vie­le Men­schen mus­li­mi­schen Glau­bens anspre­chen und emo­tio­na­li­sie­ren« und knüp­fe gezielt an »Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen« an. Auch reli­giö­se Anläs­se wür­den poli­tisch instru­men­ta­li­siert: So infor­mier­te das LfV Ham­burg im Früh­jahr 2024 über Ift­ar-Ver­an­stal­tun­gen, die »nach Bewer­tung des LfV Ham­burg unter ande­rem Ver­bin­dun­gen zur HuT und MI auf­wie­sen«. Dies sei als Ver­such zu ver­ste­hen, »den Rama­dan zu instru­men­ta­li­sie­ren und zu poli­ti­sie­ren«, auch vor dem Hin­ter­grund des Nah­ost­kon­flikts.

Per­so­nen­kreis und Struk­tu­ren

Nach Erkennt­nis­sen der Sicher­heits­be­hör­den besteht der har­te Kern aus rund 20 Män­nern, im Umfeld sei­en 40 bis 80 Per­so­nen aktiv. »Mus­lim Inter­ak­tiv« gilt als Kern eines Netz­werks, zu dem auch »Gene­ra­ti­on Islam« und »Rea­li­tät Islam« gehö­ren.

Der Jour­na­list Lukas Bre­ken­kamp, Redak­teur der Neu­en West­fä­li­schen Zei­tung, erin­ner­te dar­an, dass die Akti­vi­tä­ten der Sze­ne nicht auf Ham­burg, Ber­lin und Hes­sen beschränkt gewe­sen sei­en. Schon zuvor habe »Mus­lim Inter­ak­tiv« auch in Nord­rhein-West­fa­len agiert. Wie er berich­tet, trat der Kopf der Grup­pe im Jahr 2024 in einer Moschee in Glad­beck (Ruhr­ge­biet) auf, wo er öffent­lich für das Kali­fat warb. In der­sel­ben Ein­rich­tung habe zuvor auch ein Prot­ago­nist von »Rea­li­tät Islam« gespro­chen.

»Die Grup­pie­rung ›Mus­lim Inter­ak­tiv‹ ist bun­des­weit ver­netzt und nutzt loka­le Moscheen und Ver­ei­ne als Büh­ne, um ihre Bot­schaf­ten zu ver­brei­ten«, so Bre­ken­kamp. »Auch in Ost­west­fa­len las­sen sich in sozia­len Medi­en kla­re Schnitt­stel­len und per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen mit Akteu­ren von ›Rea­li­tät Islam‹ erken­nen.«

Die­se Recher­chen unter­strei­chen, dass das Netz­werk hin­ter »Mus­lim Inter­ak­tiv« nicht regio­nal begrenzt, son­dern über meh­re­re Bun­des­län­der hin­weg aktiv war

Vie­le von ihnen haben fami­liä­re Wur­zeln in der Tür­kei, im Liba­non oder in Syri­en, sind jedoch in Deutsch­land gebo­ren und gehö­ren nicht zur ers­ten Ein­wan­de­rer­ge­nera­ti­on und Es han­delt sich somit um ein weit­ge­hend »homegrown«-Phänomen, eine in Deutsch­land sozia­li­sier­te, radi­ka­li­sier­te Sze­ne, die vor allem über sozia­le Medi­en mobi­li­siert.

Vor die­sem Hin­ter­grund stößt die For­de­rung des Bun­des­vor­sit­zen­den der Deut­schen Poli­zei­ge­werk­schaft (DPolG), Rai­ner Wendt, an ihre Gren­zen. Er erklär­te auf X:

»Wer offen ein Kali­fat for­dert, gehört nicht ins Land.«

Da die meis­ten rele­van­ten Akteu­re – womög­lich sämt­li­che – deut­sche Staats­bür­ger sind, grei­fen auf­ent­halts­recht­li­che Maß­nah­men eher nicht. Die Sicher­heits­be­hör­den ver­fü­gen ver­mut­lich über umfang­rei­che Erkennt­nis­se zu den Per­so­nen und ihrem Umfeld. Um hier mehr Klar­heit zu schaf­fen, erscheint es sinn­voll, die­se Erkennt­nis­se auf­zu­be­rei­ten.

Unter Wah­rung des Daten­schut­zes und mit der erfor­der­li­chen Anony­mi­sie­rung könn­ten sie der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen For­schung zugäng­lich gemacht wer­den – etwa zur Ana­ly­se von Geburts­or­ten, Migra­ti­ons- und Ein­bür­ge­rungs­we­gen, Radi­ka­li­sie­rungs­me­cha­nis­men in der zwei­ten Ein­wan­de­rer­ge­nera­ti­on sowie der Rol­le digi­ta­ler Gemein­schafts­bil­dung.

Erst auf die­ser Grund­la­ge lie­ße sich ein geeig­ne­tes Maß­nah­men­bün­del ent­wi­ckeln, das repres­si­ve, prä­ven­ti­ve und gesell­schafts­po­li­ti­sche Ansät­ze mit­ein­an­der ver­zahnt: also eine Poli­tik, die den »Poli­ti­schen Islam« gezielt und mit Aus­sicht auf Wirk­sam­keit bekämpft.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, »Bekannt­ma­chung über das Ver­bot des Ver­eins ›Mus­lim Inter­ak­tiv‹ (Bekannt­ma­chung vom 6. Okto­ber 2025)«, in: Bun­des­an­zei­ger, Amt­li­cher Teil, BAnz AT 05.11.2025 B1, Ber­lin, 05.11.2025.
  • Hei­ne­mann, Chris­toph / Kroll, Tom, »Mus­lim Inter­ak­tiv: Der Staat kann doch etwas tun! Viel­leicht«, in: Die Zeit, Ham­burg, 05.11.2025, archi­viert (Zugriff am 06.11.2025).

Doku­men­ta­ti­on

Aus der Ver­bots­ver­fü­gung: