Phil­ipp Wol­din in der WELT: Was folgt auf das IZH-Ver­bot?

Das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH) war ein historischer Einschnitt in die durch Teheran gesteuerten islamistischen Netzwerke in Deutschland. Über Jahrzehnte wurde die Blaue Moschee an der Alster vom iranischen Regime als Propaganda- und Überwachungszentrum genutzt. Seit der Schließung durch die Bundesregierung ringen verschiedene Akteure um die Zukunft der Immobilie. WELT-Korrespondent Philipp Woldin dokumentiert Positionen aus Union, SPD und Grünen – und zeigt, wie ungeklärt die Lage ist.
Poli­zei­ein­satz im Isla­mi­schen Zen­trum Ham­burg (IZH) in der soge­nann­ten Blau­en Moschee am 24. Juli 2024, die seit­her unter der Ver­wal­tung des Bun­des steht. (Bild: Bildforyou7, CC BY-SA 4.0)

Was wird aus der Blau­en Moschee?

Ein knap­pes Jahr nach dem Ver­bot des Isla­mi­schen Zen­trums Ham­burg (IZH) durch das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um stellt sich die Fra­ge: Wer soll künf­tig die Blaue Moschee an der Ham­bur­ger Außen­als­ter nut­zen – und wie lässt sich ver­hin­dern, dass isla­mis­ti­sche Netz­wer­ke erneut Ein­fluss gewin­nen?

Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te unter der dama­li­gen Minis­te­rin Nan­cy Fae­ser (SPD), dass das IZH »ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le« ver­fol­ge und den »Export der isla­mi­schen Revo­lu­ti­on ira­ni­schen Vor­bilds nach Euro­pa« för­de­re. Seit 1993 hat­te der Ham­bur­ger Ver­fas­sungs­schutz den Trä­ger­ver­ein beob­ach­tet. Auch eini­ge schii­ti­sche Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen aus Ber­lin und Frank­furt am Main, die dem Ver­ein zuge­ord­net wur­den, ließ der Bund schlie­ßen.

Gegen das Ver­bot klagt das IZH der­zeit vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig. Ein Ver­hand­lungs­ter­min steht noch aus, wie eine Spre­che­rin mit­teil­te. Zwei IZH-nahe Ver­ei­ni­gun­gen, die eben­falls geschlos­sen wur­den, schei­ter­ten bereits mit ihren Ein­sprü­chen. Laut den WELT AM SONNTAG vor­lie­gen­den Beschlüs­sen bestrit­ten bei­de eine Zuge­hö­rig­keit zum IZH, was das Gericht jedoch auf­grund per­so­nel­ler und orga­ni­sa­to­ri­scher Ver­flech­tun­gen als »ins Auge sprin­gend« anders bewer­te­te.

Meh­re­re reli­giö­se und poli­ti­sche Grup­pen erhe­ben Anspruch auf die Immo­bi­lie – mit unter­schied­li­chen Ziel­vor­stel­lun­gen für die Nach­nut­zung: vom unab­hän­gi­gen Kul­tur­zen­trum bis hin zu einer schii­ti­schen Gebets­stät­te. Doch wer wird künf­tig die Räu­me an der pres­ti­ge­träch­ti­gen Adres­se »Schö­ne Aus­sicht 36« nut­zen dür­fen? Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um unter Alex­an­der Dob­rindt (CSU) erklär­te, die künf­ti­ge Nut­zung sol­le im »bes­ten Ein­ver­neh­men« mit der Stadt Ham­burg geklärt wer­den. Die in Ham­burg regie­ren­de rot-grü­ne Koali­ti­on macht dabei unter­schied­li­che Stim­men hör­bar:

  • Ham­burgs Innen­se­na­tor Andy Gro­te (SPD) for­dert: »Der Staat darf das Gebäu­de nie wie­der aus der Hand geben.« Ire­ne Appiah, reli­gi­ons­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Bür­ger­schafts­frak­ti­on, erklärt: »Eine Nach­nut­zung soll­te vor­ran­gig ver­söh­nen. Wir set­zen uns dafür ein, dass die Blaue Moschee ein Ort der Kul­tur und der frei­en Reli­gi­ons­aus­übung wird.«
  • Laut Micha­el Gwosdz von der GRÜ­NEN-Bür­ger­schafts­frak­ti­on gäbe es »bun­des­weit kei­nen recht­li­chen Prä­ze­denz­fall für die Beschlag­nah­mung eines Got­tes­hau­ses.« Wäh­rend man Ver­eins­hei­me von Rocker­clubs ver­stei­gern kön­ne, gel­te dies nicht für »ein sym­bol­träch­ti­ges Got­tes­haus«.
  • Aus dem Umfeld des ver­bo­te­nen IZH tritt laut WELT ins­be­son­de­re eine Grup­pe aktiv mit For­de­run­gen auf, die sich um Aja­tol­lah Abbas Hoss­ei­ni Ghaem­mag­ha­mi for­miert habe – einst selbst Lei­ter des IZH (2004–2009). Ghaem­mag­ha­mi nahm in einem Schrei­ben an die WELT Stel­lung und for­der­te eine »voll­stän­di­ge Ver­pflich­tung und Loya­li­tät zur Ver­fas­sung und den Geset­zen Deutsch­lands«. Er wol­le »die Idee eines euro­päi­schen Islams för­dern, die Theo­lo­gie der Inte­gra­ti­on wei­ter­ent­wi­ckeln und eine ratio­na­le sowie fried­li­che Les­art des Islams prä­sen­tie­ren«. Auch die Schura Ham­burg (SCHURA – Rat der isla­mi­schen Gemein­schaf­ten in Ham­burg), mit der die Stadt Ham­burg einen Staats­ver­trag seit 2012 unter­hält und deren prä­gen­des Mit­glied das IZH bis 2022 war, posi­tio­niert sich: man wol­le »den Geschwis­tern« bera­tend zur Sei­te ste­hen, wie Vor­sit­zen­der Fatih Yil­diz erklär­te.
  • Aus dem säku­la­ren Spek­trum ver­weist der Bericht auf die Posi­ti­on der Initia­ti­ve »Inter­na­tio­nal Women in Power (IWP)«, getra­gen vom Ver­ein Kul­tur­brü­cke Ham­burg. Deren Grün­de­rin Hour­vash Pour­ki­an, die sich seit Jah­ren für die von Frau­en getra­ge­nen Pro­tes­te im Iran ein­setzt, for­dert, aus der Blau­en Moschee ein unab­hän­gi­ges Kul­tur­zen­trum zu machen.

Ein Jahr nach dem Ver­bot IZH bleibt die Fra­ge: Wie wird die Immo­bi­lie genutzt und wie ver­hin­dert der Staat künf­tig die Steue­rung oder Unter­wan­de­rung durch isla­mis­ti­sche Akteu­re?

Zum voll­stän­di­gen Bericht von Phil­ipp Wol­din in der WELT AM SONNTAG vom 6. Juli 2025 (Bezahl­schran­ke): hier