Schind­ler: Online-Pro­pa­gan­da und Finanz­struk­tu­ren der Hamas zer­schla­gen

Der Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler hat am 10. Dezember 2025 im »The Jewish Chronicle« einen ausführlichen Kommentar zur aktuellen Bedrohungslage durch die Hamas veröffentlicht. Der Beitrag macht deutlich: Europa kann Hamas nicht mehr als ausschließlich regionalen Akteur im Nahen Osten betrachten, denn die Organisation operiert längst mit Strukturen in Deutschland und mehreren europäischen Ländern.

Ope­ra­ti­ve Hamas-Netz­wer­ke in Euro­pa

Schind­ler erin­nert dar­an, dass Deutsch­land und Euro­pa sich lan­ge in der Annah­me gewiegt hät­ten, Hamas wür­de ihre Gewalt auf Isra­el und die paläs­ti­nen­si­schen Gebie­te kon­zen­trie­ren. Spä­tes­tens die Fest­nah­men im Dezem­ber 2023 in Ber­lin und Rot­ter­dam hät­ten die­se Vor­stel­lung wider­legt. Es lägen Erkennt­nis­se vor, dass die Auf­trä­ge schon Mona­te vor dem Hamas-Mas­sa­ker in Isra­el am 7. Okto­ber 2023 erteilt wor­den sei­en und die Orga­ni­sa­ti­on begon­nen hat, ihre Gewalt zu inter­na­tio­na­li­sie­ren. Die Staats­an­walt­schaft gehe zudem davon aus, dass die­se mut­maß­li­che Zel­le in Euro­pa nicht iso­liert ope­rier­te.

Ideo­lo­gi­sche Grund­la­ge: trans­na­tio­na­ler Isla­mis­mus

Für Schind­ler ist die­se Ent­wick­lung ideo­lo­gisch fol­ge­rich­tig. Ange­sichts ihrer Ideo­lo­gie soll­te es nicht über­ra­schen, dass Hamas Anschlä­ge außer­halb Isra­els vor­be­rei­tet. Hamas wur­de als paläs­ti­nen­si­scher Arm der Mus­lim­bru­der­schaft gegrün­det. Die Hamas-Char­ta von 1988 for­mu­liert dies ein­deu­tig. Hamas hat sich nie von die­sen Wur­zeln distan­ziert, auch nicht in dem 2017 ver­öf­fent­lich­ten poli­ti­schen Doku­ment. Die Ideo­lo­gie der Mus­lim­bru­der­schaft ist nicht auf einen geo­gra­fi­schen Raum begrenzt; ihre isla­mis­tisch-extre­mis­ti­schen Ideen sind glo­bal aus­ge­rich­tet. Daher sei es wenig über­ra­schend, dass Hamas bereit ist, ihre Ope­ra­tio­nen über Isra­el und die paläs­ti­nen­si­schen Gebie­te hin­aus aus­zu­deh­nen.

Hand­lungs­be­darf: Pro­pa­gan­da und Finan­zen stop­pen

Aus den Erkennt­nis­sen der letz­ten Jah­re lei­tet Schind­ler fol­gen­de Maß­nah­men ab:

  • Online-Pro­pa­gan­da der Hamas kon­se­quent unter­bin­den. Die Orga­ni­sa­ti­on ver­brei­te ihre anti­se­mi­ti­schen Inhal­te über Social-Media-Platt­for­men nahe­zu unge­hin­dert. Tech-Kon­zer­ne müss­ten ver­pflich­tet wer­den, pro­ak­tiv mit Sicher­heits­be­hör­den zu koope­rie­ren.
  • Finanz­struk­tu­ren der Hamas zer­schla­gen. Hamas ver­fü­ge über ver­deck­te Spen­den­struk­tu­ren, Schein­or­ga­ni­sa­tio­nen und Kryp­to­wäh­rungs­netz­wer­ke in Deutsch­land und Euro­pa. Zudem müs­se ins­be­son­de­re auf die Tür­kei stär­ke­rer Druck aus­ge­übt wer­den, da dort Finanz- und Logis­tik­struk­tu­ren der Hamas ange­sie­delt sei­en.

Hans-Jakob Schind­ler: »Hamas is a ter­ror thre­at to Euro­pe – it’s high time to act.« In: The Jewish Chro­nic­le, 10. Dezem­ber 2025. Online abruf­bar unter: LINK (archi­viert)