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Shahr­am Akbarz­adehs Auf­takt­ka­pi­tel im »Rout­ledge Hand­book of Poli­ti­cal Islam«: Der isla­mis­ti­sche Zugriff auf den Staat im Namen gött­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät

Das 2021 in zweiter Auflage erschienene Standardwerk eröffnet mit einer konzeptionellen Ortsbestimmung. Der Herausgeber definiert den Politischen Islam als Reaktionsphänomen des 20. Jahrhunderts, benennt seine zwei Angriffsziele, legt zwei innere Widersprüche der islamistischen Programmatik frei und spannt ein Spektrum auf, das vom Jihadismus bis zur tunesischen Ennahda reicht. Am Ende steht ein Plädoyer für begriffliche Beweglichkeit in der Islamismusforschung.

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Ein moder­nes Phä­no­men mit reli­giö­sem Anspruch

Shahr­am Akbarz­adeh, Pro­fes­sor an der Dea­kin Uni­ver­si­ty in Aus­tra­li­en und Her­aus­ge­ber des Hand­buchs, bestimmt den Poli­ti­schen Islam ein­gangs als moder­nes Phä­no­men, das Reli­gi­on zur For­mung des poli­ti­schen Sys­tems ein­set­zen will. Sei­ne Ursprün­ge ver­or­tet er im wahr­ge­nom­me­nen Schei­tern der säku­la­ren Ideo­lo­gien von Natio­na­lis­mus und Sozia­lis­mus, die ihre Ver­spre­chen von Anti­im­pe­ria­lis­mus und Wohl­stand nach sei­ner Dar­stel­lung nie ein­lös­ten. Die Vor­den­ker des Poli­ti­schen Islam, nament­lich Sayy­id Qutb und Mau­la­na Mau­du­di, gefolgt von Aya­tol­lah Kho­mei­ni, rebel­lier­ten dem­nach gegen das poli­ti­sche Sys­tem, das in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts ent­stand und das west­lich inspi­rier­te Modell des Natio­nal­staats kopie­ren woll­te. Die­ses Sys­tem sei von einer eigen­nüt­zi­gen poli­ti­schen Eli­te mono­po­li­siert wor­den, die unter dem Vor­wand von Moder­ni­tät und Fort­schritt weder Volks­wil­len noch natio­na­le Inter­es­sen respek­tier­te.

Der Poli­ti­sche Islam bot laut Akbarz­adeh hier­zu eine kon­zep­tio­nel­le Alter­na­ti­ve an, die sich vor­geb­lich auf die Leh­ren des Glau­bens stütz­te. Qut­bs Kon­zept des Islam als revo­lu­tio­nä­rer Ideo­lo­gie, das Adnan Mus­al­lam in sei­ner Stu­die »From Secu­la­rism to Jihad: Sayy­id Qutb and the Foun­da­ti­ons of Radi­cal Isla­mism« (2005) nach­ge­zeich­net hat, habe des­sen Anhän­ger dazu inspi­riert, den Islam als Rezept für Wan­del zu begrei­fen. Der Ruf »Islam is the solu­ti­on« fan­ge die­se Stim­mung ein. Der Poli­ti­sche Islam zie­le auf die Umfor­mung des öffent­li­chen Lebens nach einer spe­zi­fi­schen Inter­pre­ta­ti­on isla­mi­scher Tex­te und Tra­di­tio­nen; sämt­li­che Staats­an­ge­le­gen­hei­ten wür­den am Maß­stab des Poli­ti­schen Islam gemes­sen. Des­sen selbst­er­klär­te Anhän­ger bezeich­net das Kapi­tel als Isla­mis­ten.

Isla­mis­mus sei am bes­ten als Ideo­lo­gie der Gegen­wart zu ver­ste­hen. Wie ande­re Ismen stül­pe er der Gesell­schaft ein nor­ma­ti­ves Gerüst über, um sie in sei­ne Form zu pres­sen. Das mache Isla­mis­ten zu akti­ven Agen­ten des Wan­dels, die eine per­fek­te Welt anstre­ben: eine Welt, die nach gött­li­chem Wil­len und einer bestimm­ten Les­art der isla­mi­schen Geschich­te geführt wird. Akbarz­adeh stützt sich hier auf den Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Moham­med Ayoob, der den Isla­mis­mus in sei­nem Auf­satz »The Future of Poli­ti­cal Islam: The Importance of Exter­nal Varia­bles« (Inter­na­tio­nal Affairs, 2005) als Neu­erfin­dung der Geschich­te und Neu­ima­gi­na­ti­on der Zukunft beschrie­ben hat, die sich selek­tiv aus der isla­mi­schen His­to­rie bedient und Bedeu­tun­gen umdeu­tet, um das End­ziel eines isla­mi­schen Staa­tes zu recht­fer­ti­gen. Die­se Fähig­keit zur Umdeu­tung mache den Isla­mis­mus zu einer anpas­sungs­fä­hi­gen, fle­xi­blen Kraft. Wäh­rend der klas­si­sche isla­mi­sche Wis­sens­be­stand zur Starr­heit nei­ge, habe sich der Isla­mis­mus als beweg­lich erwie­sen. Die­se Fle­xi­bi­li­tät sei ein wich­ti­ges Kapi­tal, das ihm erlau­be, sich zu rege­ne­rie­ren und auf neue Her­aus­for­de­run­gen mit rela­ti­ver Leich­tig­keit zu ant­wor­ten.

Ein Schlüs­sel­punkt im Stu­di­um des Isla­mis­mus sei sein Cha­rak­ter als Stim­me des Wider­spruchs. Isla­mis­ten defi­nier­ten sich im Kon­trast zum Sta­tus quo, ob in Reak­ti­on auf Sozia­lis­mus, Natio­na­lis­mus oder die kul­tu­rel­le und poli­ti­sche Hege­mo­nie der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Unter Beru­fung auf Hen­ry Mun­sons Ana­ly­se »Islam, Natio­na­lism and Resent­ment of For­eign Domi­na­ti­on« (Midd­le East Poli­cy, 2003) führt Akbarz­adeh die Anzie­hungs­kraft des Isla­mis­mus auf zwei Quel­len zurück: auf den natio­na­lis­ti­schen Groll gegen Fremd­herr­schaft und auf die deso­la­te wirt­schaft­li­che Lage in wei­ten Tei­len der mus­li­mi­schen Welt. In einer Nuss­scha­le sei der Isla­mis­mus eine Reak­ti­on auf alles, was in der mus­li­mi­schen Welt als »wrong« emp­fun­den wer­de.

Zwei Angriffs­zie­le: die Natio­nal­re­gie­run­gen und der Wes­ten

Isla­mis­ten hät­ten zwei unter­schied­li­che Adres­sa­ten ihrer poli­ti­schen Agi­ta­ti­on ins Visier genom­men. Auf loka­ler Ebe­ne tru­gen die natio­na­len Regie­run­gen die Haupt­last des isla­mis­ti­schen Gegen­schlags: Kho­mei­ni, Qutb und Mau­du­di ant­wor­te­ten jeweils auf die Regie­run­gen ihrer Zeit in ihren jewei­li­gen Län­dern. Akbarz­adeh zitiert erneut Ayoob, dies­mal des­sen Bei­trag »Poli­ti­cal Islam: Image and Rea­li­ty« (World Poli­cy Jour­nal, 2004), wonach der Poli­ti­sche Islam wach­sen­den Zuspruch gewann, weil die herr­schen­den Eli­ten ihre Ver­spre­chen von wirt­schaft­li­chem Fort­schritt, poli­ti­scher Teil­ha­be und per­sön­li­cher Wür­de gegen­über Bevöl­ke­run­gen, die aus kolo­nia­ler Knecht­schaft her­vor­gin­gen, schul­dig blie­ben. Der Auf­stieg des Poli­ti­schen Islam sei zuerst und vor allem eine direk­te Her­aus­for­de­rung der natio­na­len Herr­schafts­eli­te gewe­sen. In Iran rit­ten Isla­mis­ten 1978 und 1979 auf der Wel­le des Volks­zorns und stürz­ten die Mon­ar­chie, wor­aus die Isla­mi­sche Repu­blik her­vor­ging. In Ägyp­ten beflü­gel­te die isla­mis­ti­sche Agi­ta­ti­on gegen das Regime das rasche Wachs­tum der Mus­lim­bru­der­schaft; ein gewalt­tä­ti­ger Able­ger der Bru­der­schaft trieb die Bot­schaft auf die Spit­ze und ver­üb­te 1981 das Atten­tat auf Prä­si­dent Anwar Sadat.

Das zwei­te Ziel sei der Wes­ten. Die enge Bezie­hung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu umstrit­te­nen poli­ti­schen Regimes sowie ihr Mili­tär­bünd­nis mit Isra­el hät­ten sie zur Ziel­schei­be isla­mis­ti­schen Zorns gemacht. Die Aus­brei­tung des Anti­ame­ri­ka­nis­mus im Nahen Osten wur­ze­le in der Über­zeu­gung, die USA fun­gier­ten als inter­na­tio­na­le Schutz­macht unpo­pu­lä­rer Regimes. Aus die­sem Grund hät­ten natio­nal ver­an­ker­te Beschwer­den eine inter­na­tio­na­le Dimen­si­on ange­nom­men. Die isla­mis­ti­sche Her­aus­for­de­rung rei­che über die Gefähr­dung von US-Inter­es­sen hin­aus: Sie besit­ze eine kon­zep­tio­nell wirk­mäch­ti­ge Kom­po­nen­te, die sich für ihre Anhän­ger als ver­füh­re­risch erwie­sen habe und auf eine fun­da­men­ta­le Kri­tik des Staa­ten­sys­tems hin­aus­lau­fe.

Das Sys­tem der Natio­nal­staa­ten, Fun­da­ment der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft, sei der mus­li­mi­schen Welt durch die Erfah­rung von Kolo­ni­sie­rung und Neo­ko­lo­ni­sie­rung auf­er­legt wor­den. Die Gren­zen des heu­ti­gen Nahen Ostens sei­en das Ergeb­nis von Ver­hand­lun­gen und Hin­ter­zim­mer­ge­schäf­ten der Groß­mäch­te des 20. Jahr­hun­derts. Die Kern­bot­schaft Qut­bs und ande­rer isla­mis­ti­scher Den­ker lau­te, die­ses auf­er­leg­te Staa­ten­sys­tem sei »man-made« und ver­sto­ße gegen das gött­li­che Gebot mus­li­mi­scher Ein­heit. Als sinn­fäl­li­gen Beleg nennt das Kapi­tel die Pla­nie­rung eines Grenz­pos­tens zwi­schen Irak und Syri­en durch den Isla­mi­schen Staat im Juni 2014: ein demons­tra­ti­ver Akt der Besei­ti­gung men­schen­ge­mach­ter Schran­ken inner­halb der glo­ba­len Umma, der trans­na­tio­na­len Glau­bens­ge­mein­schaft.

Die Sou­ve­rä­ni­täts­fra­ge als Kern der Kon­fron­ta­ti­on

Der isla­mis­ti­sche Angriff auf den Natio­nal­staat erfas­se zugleich den recht­li­chen und poli­ti­schen Rah­men des Staa­tes. Der Schlacht­ruf »Islam is the solu­ti­on« prä­sen­tie­re eine ver­meint­lich kla­re Alter­na­ti­ve zum Ver­sa­gen der herr­schen­den Regimes bei Gerech­tig­keit, Wohl­stand und Wohl­fahrt. Die eta­blier­ten Regimes hät­ten nach isla­mis­ti­scher Les­art ver­sagt, weil sie vom Pfad des Islam abwi­chen und sich zu Werk­zeu­gen west­li­cher Domi­nanz machen lie­ßen. Obwohl die Spra­che die­ser Rück­kehr die Wie­der­be­le­bung einer angeb­lich frü­her exis­tie­ren­den Tra­di­ti­on beschwö­re, sei das isla­mis­ti­sche Pro­jekt in Wirk­lich­keit modern und krei­se um die Erobe­rung der Staats­ma­schi­ne­rie.

Den kri­ti­schen Punkt die­ses Macht­kamp­fes sieht Akbarz­adeh in der Fra­ge der Sou­ve­rä­ni­tät. Für den Isla­mis­ten sei die Ant­wort ein­deu­tig: Mora­li­sche, poli­ti­sche und recht­li­che Auto­ri­tät gehe von Gott aus. Sou­ve­rä­ni­tät lie­ge bei Gott, was jedes poli­ti­sche Sys­tem dele­gi­ti­mie­re, das ihn aus dem Zen­trum der Glei­chung ent­fer­ne. Die­ser Ansatz for­de­re die Volks­sou­ve­rä­ni­tät her­aus, die im Volks­wil­len grün­det. Der isla­mis­ti­sche Zugang bre­che mit der lan­gen Geschich­te mensch­li­cher Ver­nunft­tä­tig­keit und Wis­sens­su­che und ver­tre­te die Auf­fas­sung, Men­schen dürf­ten an Got­tes Wil­len kei­ne Ver­än­de­run­gen vor­neh­men. Jede mensch­li­che Ein­mi­schung in die gött­li­che Ord­nung des idea­len isla­mi­schen Staa­tes wer­de Got­tes Ent­wurf zwangs­läu­fig kor­rum­pie­ren und ver­zer­ren. Die isla­mis­ti­sche Visi­on einer per­fek­ten Gesell­schaft ste­he der Demo­kra­tie dia­me­tral ent­ge­gen, da letz­te­re auf der Sou­ve­rä­ni­tät des Vol­kes als Quel­le der Legi­ti­mi­tät ruht; Akbarz­adeh folgt hier der Argu­men­ta­ti­on von John L. Espo­si­to und John O. Voll in deren Auf­satz »Islam and Demo­cra­cy« (Huma­ni­ties, 2001). Die­ser fun­da­men­ta­le Punkt erklä­re das Aus­maß der Abnei­gung von Isla­mis­ten gegen­über dem Wes­ten: Die anti­west­li­che Posi­ti­on mit ihrem ver­trau­ten anti­ko­lo­nia­len Aus­gangs­punkt wer­de durch den Glau­ben ver­stärkt, der Wes­ten zwin­ge mus­li­mi­schen Län­dern eine frem­de und kor­rum­pie­ren­de Regie­rungs­form auf.

Zwei Iro­nien des isla­mis­ti­schen Pro­jekts

Akbarz­adeh arbei­tet zwei inne­re Wider­sprü­che her­aus. Die offen­sicht­li­che Iro­nie der isla­mis­ti­schen Posi­ti­on bestehe dar­in, dass Isla­mis­ten beim Bau ihres idea­len isla­mi­schen Staa­tes in einen unver­meid­ba­ren Pro­zess der Inter­pre­ta­ti­on und Inter­ven­ti­on ein­tre­ten. Der Islam sei inter­pre­ta­ti­ons­of­fen, was ihn für die Anfor­de­run­gen des moder­nen Staa­tes und mensch­li­ches Den­ken anschluss­fä­hig mache. Folg­lich betrie­ben Isla­mis­ten eine auf­wen­di­ge Neu­in­ter­pre­ta­ti­on reli­giö­sen Wis­sens, um es von dem zu rei­ni­gen, was sie als ange­sam­mel­te Miss­ver­ständ­nis­se und Ver­fäl­schun­gen betrach­ten. Isla­mis­ten bean­spruch­ten, die letz­te Wahr­heit gefun­den zu haben, eine rei­ne und unver­fälsch­te Inter­pre­ta­ti­on des Islam. Ihr Islam­ver­ständ­nis wer­de als ein­zig authen­ti­sche Ver­si­on prä­sen­tiert; abwei­chen­de Sicht­wei­sen wür­den als unecht und ille­gi­tim abge­tan. Dies sei ein exklu­si­ver Zugriff auf Gott und gött­li­che Weis­heit: Nur Isla­mis­ten könn­ten Got­tes Wil­len erken­nen. In der Fol­ge wer­de jede Kri­tik an ihnen als ille­gi­tim und unbe­acht­lich zurück­ge­wie­sen; Kri­tik am Isla­mis­mus gel­te als Kri­tik an Gott. Die­se selbst­ge­rech­te Per­spek­ti­ve nennt Akbarz­adeh intel­lek­tu­ell läh­mend und poli­tisch gefähr­lich, beson­ders wenn der Isla­mis­mus aus einer sozi­al­po­li­ti­schen Kraft des Wider­spruchs in eine Posi­ti­on der Auto­ri­tät wech­selt.

Die zwei­te Iro­nie betref­fe die Umset­zung. Im Prin­zip ver­wer­fe der Isla­mis­mus bestehen­de Natio­nal­staa­ten als men­schen­ge­mach­te Pro­duk­te west­li­cher Hege­mo­nie und leh­ne Staats­gren­zen als Spal­tung der Umma ab. Das End­ziel sei die Schaf­fung einer glor­rei­chen trans­na­tio­na­len Enti­tät des Islam. In der Rea­li­tät hät­ten Isla­mis­ten ihre Akti­vi­tä­ten jedoch tra­di­tio­nell auf Staats­gren­zen beschränkt. Alle gro­ßen isla­mis­ti­schen Bewe­gun­gen, als Bei­spie­le nennt das Kapi­tel die Mus­lim­bru­der­schaft, die Hamas und die ira­ni­sche Revo­lu­ti­on, hät­ten als natio­na­le Pro­jek­te ope­riert. Das rhe­to­ri­sche Bekennt­nis zur trans­na­tio­na­len Umma sei zwar erhal­ten geblie­ben, doch die unmit­tel­ba­re Her­aus­for­de­rung, die Isla­mis­ten absor­bier­te, sei die Erobe­rung des poli­ti­schen Pro­zes­ses inner­halb der bestehen­den Staats­gren­zen gewe­sen. Allein der Isla­mi­sche Staat brach mit die­ser Pra­xis und rief ein kurz­le­bi­ges trans­na­tio­na­les Kali­fat aus.

Exklu­si­ver Wahr­heits­an­spruch an der Macht

Die Kom­bi­na­ti­on aus exklu­si­vem Anspruch auf gött­li­che Wahr­heit und der Erobe­rung poli­ti­scher Macht bezeich­net Akbarz­adeh als gefähr­li­che Mischung. Die Errich­tung eines isla­mi­schen Staa­tes nach die­sem Modell füh­re zur Ent­rech­tung des Vol­kes, da poli­ti­sche Auto­ri­tät und Legi­ti­mi­tät als von Gott aus­ge­hend gedacht wer­den, und zwar ver­mit­telt über jene, die exklu­si­ven Zugang zu Gott bean­spru­chen. Oppo­si­ti­on gegen die­ses Regie­rungs­mo­dell sei dann kei­ne blo­ße Mei­nungs­ver­schie­den­heit mehr; sie gel­te als Zurück­wei­sung Got­tes. Der exklu­si­ve Wahr­heits­an­spruch ermäch­ti­ge Isla­mis­ten, alle geg­ne­ri­schen Ansich­ten als Blas­phe­mie zu ver­wer­fen und sämt­li­che Maß­nah­men zu ergrei­fen, um Got­tes Sys­tem an der Spit­ze zu hal­ten.

In der Isla­mi­schen Repu­blik Iran, wo sich die isla­mis­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on Aya­tol­lah Kho­mei­nis gegen alter­na­ti­ve Model­le durch­setz­te, habe die­ser exklu­si­ve Anspruch auf gött­li­ches Wis­sen den Weg zur bru­ta­len Eli­mi­nie­rung poli­ti­scher Oppo­si­ti­on geeb­net. Das Sys­tem der Velayat‑e Faqih, der Herr­schaft des Rechts­ge­lehr­ten, habe die Unter­drü­ckung von Dis­sens und abwei­chen­den Stand­punk­ten vor­ge­zeich­net. Jede Mei­nungs­dif­fe­renz sei als Her­aus­for­de­rung der Auto­ri­tät Got­tes inter­pre­tiert wor­den; Dis­si­den­ten wur­den ver­ur­teilt, weil sie angeb­lich Krieg gegen Gott und sei­nen Gesand­ten führ­ten und Ver­der­ben auf Erden stif­te­ten. Akbarz­adeh ver­weist hier­zu auf Eliza­beth Anne May­ers Bei­trag »Isla­mic Law as a Cure for Poli­ti­cal Law: The Withe­ring of an Isla­mist Illu­si­on« im Sam­mel­band »Sha­ping the Cur­rent Isla­mic Refor­ma­ti­on« (2003).

Vom Manich­äis­mus zum Sala­fi-Jiha­dis­mus

Die offen­sicht­li­che Gefahr die­ser exklu­si­ven Sicht sei poli­ti­sche Into­le­ranz, die leicht in Gewalt­ak­te umschla­gen kön­ne. Akbarz­adeh betont, der Poli­ti­sche Islam sei kei­ne not­wen­di­ger­wei­se gewalt­tä­ti­ge Bewe­gung und vie­le Isla­mis­ten übten kei­ne Gewalt aus. Der exklu­si­ve Wahr­heits­an­spruch und das manich­äi­sche Welt­bild einer Tei­lung in das Haus des Islam und das Haus des Unglau­bens begüns­tig­ten jedoch extre­mis­ti­sche Ten­den­zen. Im isla­mis­ti­schen Welt­bild gebe es kei­nen Mit­tel­grund: Man sei ent­we­der der Umset­zung des Wor­tes Got­tes ver­pflich­tet oder arbei­te dage­gen. Es gebe kei­ne unbe­tei­lig­ten Zuschau­er, kei­nen Raum für Indif­fe­renz und kei­ne Unter­schei­dung zwi­schen Zivi­lis­ten und Sol­da­ten. Die­se ver­eng­te Sicht auf Islam und Gesell­schaft habe es eini­gen Isla­mis­ten erlaubt, Ter­ror und Bru­ta­li­tät im Namen Got­tes zu recht­fer­ti­gen.

Die­se Rea­li­tät mani­fes­tie­re sich in der sala­fi-jiha­dis­ti­schen Bewe­gung des spä­ten 20. Jahr­hun­derts. Sala­fi-Jiha­dis­ten schöpf­ten ihre Inspi­ra­ti­on aus der sala­fis­ti­schen Bewe­gung mit ihrer lite­ra­lis­ti­schen Koran­inter­pre­ta­ti­on, die die Pra­xis des Pro­phe­ten Moham­med und der ers­ten drei Gene­ra­tio­nen der Mus­li­me, des As-Sal­af as-Salih, zum ulti­ma­ti­ven Vor­bild erhebt. Die­se tra­di­tio­nel­le sala­fis­ti­sche Per­spek­ti­ve hät­ten Sala­fi-Jiha­dis­ten mit einer über­stei­ger­ten Beto­nung des Jihad ver­schmol­zen, hier ver­stan­den als hei­li­ger Krieg. An die­ser Stel­le spiel­ten Qut­bs radi­kals­te Gedan­ken eine Schlüs­sel­rol­le. Als kon­tro­ver­ses­ten Aspekt sei­nes Wer­kes benennt Akbarz­adeh die Dis­kus­si­on der Jahi­li­y­ya, des Begriffs für die vor­is­la­mi­sche Zeit der Unwis­sen­heit in Ara­bi­en. Für Qutb, der die­se Leh­re in sei­ner Pro­gramm­schrift »Mile­sto­nes« ent­fal­te­te, sei die mus­li­mi­sche Welt erneut in einen Zustand der Jahi­li­y­ya abge­sun­ken, weil moder­ne Herr­scher Säku­la­ris­mus und Mate­ria­lis­mus über Got­tes Gesetz stell­ten. Qutb habe erklärt, alle wah­ren Gläu­bi­gen müss­ten bewaff­ne­ten Jihad füh­ren, um das jahi­li­ti­sche Sys­tem zu stür­zen und eine wah­re isla­mi­sche Gesell­schaft zu errich­ten. Sei­ne Jihad-Inter­pre­ta­ti­on habe in der mus­li­mi­schen Welt wider­ge­hallt und, wie Robert Man­ne in »The Mind of the Isla­mic Sta­te: Mile­sto­nes Along the Road to Hell« (2016) gezeigt hat, den ideo­lo­gi­schen Fun­ken gelie­fert, der die sala­fi-jiha­dis­ti­sche Bewe­gung ent­zün­de­te. Der Jiha­dis­mus reprä­sen­tie­re das extre­me Ende des isla­mis­ti­schen Spek­trums.

Die bekann­tes­ten Akte jiha­dis­ti­scher Gewalt sei­en die Anschlä­ge des 11. Sep­tem­ber durch al-Qai­da gewe­sen. Gewalt von Isla­mis­ten im Namen des Islam rich­te sich jedoch häu­fi­ger gegen Mus­li­me in der mus­li­mi­schen Welt. Das Kapi­tel nennt das Sadat-Atten­tat von 1981 durch den Isla­mi­schen Jihad, die all­täg­li­che Gewalt gegen anti­is­la­mis­ti­sche mus­li­mi­sche Bür­ger und Intel­lek­tu­el­le wie den paki­sta­ni­schen Gou­ver­neur Sal­man Taseer, der die Abschaf­fung der Blas­phe­mie­ge­set­ze befür­wor­te­te und 2011 in Islam­abad ermor­det wur­de, sowie die Gewalt­ge­schich­te des Isla­mi­schen Staa­tes gegen ande­re Mus­li­me in Syri­en und Irak. In des­sen exklu­si­ver Ideo­lo­gie gal­ten allein die Sala­fi-Jiha­dis­ten als wah­re Gläu­bi­ge; beson­de­re Ver­ach­tung sei Ange­hö­ri­gen der schii­ti­schen Gemein­schaft vor­be­hal­ten gewe­sen. Erst die mili­tä­ri­sche Nie­der­la­ge im Jahr 2020 habe die Ter­ror­herr­schaft des Isla­mi­schen Staa­tes been­det.

Mus­li­me im Wes­ten und die isla­mis­ti­sche Ver­wei­ge­rung

Die Aus­deh­nung die­ser Ideo­lo­gie der Into­le­ranz auf den Wes­ten habe neue Her­aus­for­de­run­gen geschaf­fen. Bevöl­ke­rungs­be­we­gun­gen und die Ansied­lung mus­li­mi­scher Gemein­schaf­ten im Wes­ten hät­ten die tra­di­tio­nel­le Tren­nung zwi­schen mus­li­mi­scher Welt und der Welt des Judäo-Chris­ten­tums über­holt gemacht. Mus­li­me stell­ten nach Anga­ben des »CIA World Fact Book« (2020) knapp unter einem Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, was deut­lich über zwei Mil­lio­nen Men­schen ent­spre­che. Auf­klä­rung und Tren­nung von Kir­che und Staat, mus­li­mi­sche Migra­ti­on, das Her­an­wach­sen der zwei­ten und drit­ten Gene­ra­ti­on in Euro­pa, Aus­tra­li­en und Ame­ri­ka sowie recht­li­che, sozia­le und poli­ti­sche Rah­men­wer­ke zum Schutz der Bür­ger­rech­te hät­ten die Indi­ge­ni­sie­rung des Islam im Wes­ten beför­dert. Trotz fort­be­stehen­der Pro­ble­me durch ras­sis­ti­sche Alt­las­ten sei der Islam heu­te Teil der west­li­chen Land­schaft. Die binä­re Tei­lung der Welt in das Haus des Islam und das Haus des Unglau­bens sei mit der Rea­li­tät mus­li­mi­scher Erfah­rung im Wes­ten unver­ein­bar, zumal west­li­che Gesell­schaf­ten die Rech­te mus­li­mi­scher Gemein­schaf­ten auf Reli­gi­ons­aus­übung aktiv schütz­ten. Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus­po­li­tik und Rege­lun­gen zum Moschee­bau nennt das Kapi­tel als zwei anschau­li­che Bei­spie­le west­li­cher Inkor­po­ra­ti­on des Islam.

Isla­mis­ten täten die­se Erfah­rung der Inklu­si­on als Erfah­rung der Unter­ord­nung und kul­tu­rel­len Ent­frem­dung ab, durch die Mus­li­me in ihrem Glau­ben kor­rum­piert und in ihrer Bin­dung an Gott geschwächt wür­den. Ver­tre­ten durch Grup­pen wie Hizb ut-Tah­r­ir und Muha­ji­run, deren Ideo­lo­gie unter ande­rem Hou­ri­ya Ahmed und Han­nah Stuart in »Hizb ut-Tah­r­ir: Ideo­lo­gy and Stra­tegy« (2009) sowie Suha Taji-Farou­ki in »A Fun­da­men­tal Quest: Hizb al-Tah­r­ir and the Search for the Isla­mic Cali­pha­te« (1996) unter­sucht haben, ver­wür­fen Isla­mis­ten in west­li­chen Staa­ten Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, Demo­kra­tie und Par­la­men­ta­ris­mus als men­schen­ge­mach­te Sys­te­me, die Got­tes Auto­ri­tät zuwi­der­lie­fen und Mus­li­men eine Illu­si­on von Inklu­si­on und Respekt vor­gau­kel­ten. Die Teil­nah­me an west­li­chen Ver­fah­ren drän­ge Gott an den Rand und erken­ne die Herr­schaft des Säku­la­ris­mus an. Akbarz­adeh zitiert die auf den Grün­der Taqi ad-Din an-Nab­ha­ni zurück­ge­hen­de Ver­fas­sung von Hizb ut-Tah­r­ir, wonach die isla­mi­sche Aqee­da, die Glau­bens­leh­re, das Fun­da­ment des Staa­tes bil­de und nichts in Struk­tur, Sys­tem oder Rechen­schafts­we­sen des Staa­tes exis­tie­ren dür­fe, was ihr nicht ent­springt. Zugleich hält er fest, dass Hizb ut-Tah­r­ir trotz kom­pro­miss­lo­ser Rhe­to­rik Gewalt aus­drück­lich fern­blei­be. Die Posi­ti­on der Grup­pe zum 11. Sep­tem­ber und zu al-Qai­da möge zwei­deu­tig sein, doch habe sie sich bewusst von der För­de­rung gewalt­sa­mer Aktio­nen und des Ter­rors fern­ge­hal­ten, womög­lich auch aus dem prag­ma­ti­schen Kal­kül, dass die Über­schrei­tung die­ser Schwel­le sie Anti­ter­ror­ge­set­zen aus­set­zen wür­de.

Prag­ma­ti­sche Teil­ha­be und ihre Fol­gen

Ter­ro­ris­mus ist nach Akbarz­adeh kein not­wen­di­ges Resul­tat des Isla­mis­mus. Kräf­te, die der Ideo­lo­gie des Poli­ti­schen Islam zunei­gen, hät­ten eine lan­ge Erfolgs­bi­lanz gewalt­frei­er Arbeit im sozia­len, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Raum vor­zu­wei­sen. Die Mehr­heit der isla­mi­schen Bewe­gun­gen habe moder­ne poli­ti­sche Grup­pie­run­gen und Sozi­al­or­ga­ni­sa­tio­nen auf­ge­baut, moder­ne Tech­no­lo­gien über­nom­men und agie­re, wie John L. Espo­si­to in »Clai­ming the Cen­ter: Poli­ti­cal Islam in Tran­si­ti­on« (Har­vard Inter­na­tio­nal Review, 1997) for­mu­liert hat, inner­halb der Zivil­ge­sell­schaft als sozia­le und poli­ti­sche Akti­vis­ten. Die Mus­lim­bru­der­schaft sei ein Para­de­bei­spiel: Ursprüng­lich auf Bewusst­seins­bil­dung und isla­mi­sche Bil­dung kon­zen­triert, habe sie ihre Akti­vi­tä­ten über die Jah­re auf Wohl­fahrt und Poli­tik aus­ge­wei­tet, Kran­ken­häu­ser betrie­ben und Kan­di­da­ten für Par­la­ments­wah­len auf­ge­stellt. Sie habe Ter­ror als poli­ti­sches Werk­zeug zurück­ge­wie­sen und sich von ihrer Split­ter­grup­pe Isla­mi­scher Jihad distan­ziert. Die Bru­der­schaft habe die Teil­nah­me an genau dem Sys­tem gesucht, des­sen Abschaf­fung sie gelob­te, was ihre Unvor­be­rei­tet­heit auf den Ara­bi­schen Früh­ling erklä­re.

Die­se Teil­ha­be am eta­blier­ten Sys­tem stel­le eine kon­zep­tio­nel­le Her­aus­for­de­rung dar. Einer­seits woll­ten Akteu­re des Poli­ti­schen Islam die Sou­ve­rä­ni­tät Got­tes errich­ten, ande­rer­seits betei­lig­ten sie sich am men­schen­ge­mach­ten Staats­ap­pa­rat, den sie letzt­lich abset­zen wol­len. Die­ses wider­sprüch­li­che Ver­hal­ten wer­de häu­fig mit der Not­wen­dig­keit begrün­det, für die Bedürf­nis­se der Gesell­schaft rele­vant zu blei­ben und die Gren­zen von innen zu ver­schie­ben. Grup­pen wie die Bru­der­schaft erklär­ten, sich über die Reform­fä­hig­keit der bestehen­den Regimes kei­ne Illu­sio­nen zu machen, hoff­ten aber, durch das Ope­rie­ren im Sys­tem ihre Reich­wei­te aus­zu­bau­en, rele­vant zu blei­ben und staat­li­cher Repres­si­on zu ent­ge­hen. Die­se prag­ma­ti­sche Ant­wort umge­he den inhä­ren­ten Wider­spruch, sich auf ein ille­gi­ti­mes Sys­tem ein­zu­las­sen und ihm womög­lich Legi­ti­mi­tät zu ver­lei­hen; sie schie­be die prin­zi­pi­el­le Ableh­nung des men­schen­ge­mach­ten Sys­tems mit dem Argu­ment bei­sei­te, ein voll­stän­di­ger Rück­zug wür­de den Wir­kungs­kreis des Isla­mis­mus begren­zen. Die­se Hal­tung habe vie­le Beob­ach­ter einen ver­bor­ge­nen Plan hin­ter dem Ver­hal­ten der Isla­mis­ten ver­mu­ten las­sen. Der bereits 1992 gefal­le­ne Aus­spruch des US-Diplo­ma­ten Edward Dje­re­ji­an, Isla­mis­ten hiel­ten das Prin­zip »one-man, one-vote« nur für »one-time« hoch, spieg­le die­sen Zynis­mus.

Zugleich sieht Akbarz­adeh gute Grün­de für die Annah­me, dass der ver­län­ger­te Pro­zess des Enga­ge­ments einen qua­li­ta­ti­ven Ein­druck bei Isla­mis­ten hin­ter­las­sen kann. Das blei­be womög­lich weit hin­ter einer voll­stän­di­gen Revi­si­on des isla­mis­ti­schen Welt­bil­des zurück, doch ver­schaf­fe der Pro­zess Isla­mis­ten einen Anteil am Sys­tem und erzeu­ge Abhän­gig­keit von des­sen Funk­tio­nie­ren. Wenn herr­schen­de Regimes Fle­xi­bi­li­tät zeig­ten und auf die voll­stän­di­ge Aus­schal­tung des Poli­ti­schen Islam ver­zich­te­ten, nutz­ten isla­mis­tisch gepräg­te Akteu­re die Öff­nun­gen im öffent­li­chen Raum und schlü­gen Wur­zeln. Die­se Sicht­bar­keit bie­te einen Anreiz, auf Extre­mis­mus und Fron­tal­kon­fron­ta­ti­on zu ver­zich­ten. Die poli­ti­sche Platt­form des Isla­mis­mus kön­ne sich in Rich­tung Reform ver­schie­ben, ein Pro­zess, der Isla­mis­ten mehr Gemein­sam­kei­ten mit den Kräf­ten des Sta­tus quo ent­wi­ckeln las­se als mit Sys­tem­re­vo­lu­tio­nä­ren. Akbarz­adeh nennt es eine iro­ni­sche Wen­de, dass der Isla­mis­mus eine 180-Grad-Dre­hung voll­zie­he: Er begin­ne mit der voll­stän­di­gen Ableh­nung des men­schen­ge­mach­ten Staa­ten­sys­tems und ende mit einer Anpas­sung an den Natio­nal­staat. Die ägyp­ti­sche Mus­lim­bru­der­schaft bie­te hier­für ein ein­schlä­gi­ges Bei­spiel: Sie habe ihr End­ziel eines isla­mi­schen Staa­tes nie wider­ru­fen, doch ihre Bilanz unter 30 Jah­ren Hos­ni Muba­rak und ihre Ant­wort auf den Volks­auf­stand von 2011 hät­ten ein bemer­kens­wer­tes Maß an Anpas­sung gezeigt. Einen anders gela­ger­ten Fall mit kri­ti­schen Gemein­sam­kei­ten stel­le die Isla­mi­sche Repu­blik Iran dar. Das neue isla­mi­sche Regime von 1979 habe bean­sprucht, das Ide­al gött­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät zu ver­wirk­li­chen, dabei aber die men­schen­ge­mach­ten Macht­in­sti­tu­tio­nen und den ira­ni­schen Staat bei­be­hal­ten und ledig­lich eine Schicht reli­giö­ser Auto­ri­tät, die Velayat‑e Faqih, dar­über­ge­legt. Das neue Regie­rungs­sys­tem habe aus­ge­fal­le­ne Ansprü­che erho­ben, die Inter­es­sen einer idea­li­sier­ten trans­na­tio­na­len Umma zu ver­tre­ten, doch die Isla­mi­sche Repu­blik habe sich wie eine reli­gi­ös-natio­na­lis­ti­sche Macht ver­hal­ten.

Post-Isla­mis­mus und die ara­bi­schen Auf­stän­de

Im Kon­text des nach­re­vo­lu­tio­nä­ren Iran habe Asef Bayat in sei­nem Auf­satz »The Coming of a Post-Isla­mist Socie­ty« (Cri­tique, 1996) den Begriff des Post-Isla­mis­mus geprägt, um das Ver­hält­nis von Isla­mis­ten zu Moder­ne und Demo­kra­tie zu fas­sen. Bayat zufol­ge set­ze sich unter Isla­mis­ten die Ein­sicht durch, dass der Islam allein kei­ne Ant­wor­ten auf alle öko­no­mi­schen, sozia­len und poli­ti­schen Pro­ble­me der Gesell­schaft bereit­hal­te; der Post-Isla­mis­mus spieg­le eine Ten­denz zur Re-Säku­la­ri­sie­rung der Reli­gi­on in Anpas­sung an die sich wan­deln­de gesell­schafts­po­li­ti­sche Land­schaft. Eine ande­re Kon­zep­tua­li­sie­rung stam­me von Oli­vi­er Roy, der in sei­ner Stu­die »The Fail­ure of Poli­ti­cal Islam« (1994) in kri­ti­scher Per­spek­ti­ve argu­men­tier­te, der Isla­mis­mus sei an sei­ner Unfä­hig­keit geschei­tert, außer­halb der Isla­mi­schen Repu­blik Iran einen isla­mi­schen Staat zu errich­ten. Roy habe auf das Fort­be­stehen säku­la­rer auto­ri­tä­rer Regimes und die anhal­ten­de US-Hege­mo­nie nach dem Golf­krieg ver­wie­sen und dem Poli­ti­schen Islam attes­tiert, den Macht­test nicht bestan­den zu haben.

Roys Befund vom Schei­tern des Isla­mis­mus bestä­ti­ge sich im Kon­text der ara­bi­schen Auf­stän­de von 2011 und ihrer Nach­wir­kun­gen. Der brei­te Volks­op­ti­mis­mus, der Mas­sen­be­we­gun­gen in Nord­afri­ka und dem Nahen Osten antrieb, habe die Isla­mis­ten zunächst zurück­ge­las­sen. In Tune­si­en und Ägyp­ten gelang es Isla­mis­ten, die Früch­te der Revol­te zu ern­ten und an die Macht auf­zu­stei­gen. Bei­de Erfah­run­gen ver­lie­fen sehr unter­schied­lich, schie­nen aber eines gemein­sam zu haben: den Nie­der­gang des Poli­ti­schen Islam.

Der Sturz des Muba­rak-Regimes 2011 öff­ne­te Ägyp­tens poli­ti­schen Raum. Der Wahl­er­folg der Frei­heits- und Gerech­tig­keits­par­tei der Mus­lim­bru­der­schaft 2011/12 ver­schaff­te der Grup­pe die ers­te Regie­rungs­chan­ce ihrer 93-jäh­ri­gen Geschich­te. Prä­si­dent Moham­med Mur­si über­nahm ein extrem schwie­ri­ges poli­ti­sches und wirt­schaft­li­ches Umfeld, das durch die feh­len­de Regie­rungs­er­fah­rung der Bru­der­schaft noch erschwert wur­de. Sei­ne Prä­si­dent­schaft war kurz­le­big. Kri­ti­ker ver­wie­sen auf den Aus­schluss nicht­is­la­mis­ti­scher Akteu­re und war­fen ihm die Errich­tung eines theo­kra­ti­schen Faschis­mus vor. Sie ver­wie­sen zudem auf eine Ver­fas­sung, die die ägyp­ti­sche Gesell­schaft nicht reprä­sen­tier­te, indem sie den Islam zur pri­mä­ren Rechts­quel­le erhob und die Gleich­heit von Min­der­hei­ten und Frau­en unter­grub; Akbarz­adeh stützt sich hier auf Muq­te­dar Khans Ana­ly­se »Islam, Demo­cra­cy and Isla­mism after the Coun­ter­re­vo­lu­ti­on in Egypt« (Midd­le East Poli­cy, 2014). Mur­si stell­te sich durch die Aus­nah­me sei­ner Dekre­te von rich­ter­li­cher Kon­trol­le über das Gesetz und ver­fes­tig­te damit die wach­sen­de Unzu­frie­den­heit. Die­se Fak­to­ren beför­der­ten eine Gegen­re­vo­lu­ti­on: Am 2. Juli 2013 wur­de Mur­si durch einen Mili­tär­putsch gestürzt. Im Sep­tem­ber 2013 erklär­te die ägyp­ti­sche Regie­rung unter dem frü­he­ren Gene­ral­stabs­chef Abdel Fattah al-Sisi die Mus­lim­bru­der­schaft zur Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on und begann eine umfas­sen­de Kam­pa­gne zur Auf­lö­sung ihres sozia­len Netz­werks, die Ste­ven Broo­ke in sei­ner Broo­kings-Stu­die »The Mus­lim Brotherhood’s Social Out­reach after the Egyp­ti­an Coup« (2015) doku­men­tiert hat. Zugleich betont das Kapi­tel, die Bru­der­schaft hal­te kein Mono­pol auf den Isla­mis­mus in Ägyp­ten, was der Auf­stieg der sala­fis­ti­schen Al-Nur-Par­tei nach 2011 bele­ge.

Ganz anders die Ent­wick­lung in Tune­si­en. Nach dem Sturz von Prä­si­dent Ben Ali 2011 wur­de die Ennah­da nach Jahr­zehn­ten staat­li­cher Repres­si­on for­mal lega­li­siert. Nach ihrem Wahl­er­folg bei der ers­ten demo­kra­ti­schen Wahl des Lan­des steu­er­te die Par­tei einen prag­ma­ti­schen Kurs und bewies Fle­xi­bi­li­tät, nach den Regeln der libe­ra­len Demo­kra­tie zu ope­rie­ren. Sie trug zur Sta­bi­li­tät der demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen bei, indem sie eine Regie­rung der natio­na­len Ein­heit mit der größ­ten säku­la­ren Par­tei des Lan­des bil­de­te. Sie spiel­te eine bedeu­ten­de Rol­le bei der Schaf­fung einer Ver­fas­sung, die kei­nen isla­mi­schen Staat anstreb­te und kei­nen Bezug auf die Scha­ria nahm. Die Ver­fas­sung eta­blier­te viel­mehr einen wei­ten Frei­heits­rah­men, der Gewis­sens­frei­heit eben­so ein­schließt wie Reli­gi­ons­frei­heit, und damit die Frei­heit, zu glau­ben oder nicht zu glau­ben. Akbarz­adeh nennt dies eine ein­zig­ar­ti­ge Inno­va­ti­on in der mus­li­mi­schen Welt. 2016 hör­te die Ennah­da auf, sich als isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on zu defi­nie­ren. Ihr Mit­grün­der Rached Ghan­nou­chi begrün­de­te die­sen Schritt in sei­nem Bei­trag »From Poli­ti­cal Islam to Mus­lim Demo­cra­cy: The Ennah­da Par­ty and the Future of Tuni­sia« (For­eign Affairs, 2016) damit, dass Tune­si­en end­lich eine Demo­kra­tie sei und die Ennah­da nun eine poli­ti­sche Par­tei mit Fokus auf ihre prak­ti­sche Agen­da und wirt­schaft­li­che Visi­on sein kön­ne, nach­dem sie zuvor eine sozia­le Bewe­gung im Kampf gegen Repres­si­on und Dik­ta­tur gewe­sen war.

Die Flug­bahn der Ennah­da lie­fe­re wich­ti­ge Ein­sich­ten in die Evo­lu­ti­on des Isla­mis­mus. So wie der Jiha­dis­mus das eine extre­me Ende des Spek­trums des Poli­ti­schen Islam reprä­sen­tie­re, kön­ne die Ennah­da als das ande­re Ende gel­ten. Die Ein­he­gung die­ser Viel­falt in eine Defi­ni­ti­on des Poli­ti­schen Islam habe sich als kon­zep­tio­nel­le Her­aus­for­de­rung und Streit­punkt der Lite­ra­tur erwie­sen. Ein wei­te­rer Punkt betref­fe die Flui­di­tät isla­mis­ti­scher Ideen und Stra­te­gien, die es Akteu­ren erlau­be, sich in Abhän­gig­keit von sozia­len, poli­ti­schen und ideo­lo­gi­schen Varia­blen ent­lang des Spek­trums zu bewe­gen. Wer den Isla­mis­mus als fixiert und wand­lungs­un­fä­hig betrach­te, ris­kie­re, die Diver­si­tät der Akteu­re und Stra­te­gien unter dem brei­ten Dach des Poli­ti­schen Islam und ihre Ent­wick­lungs­fä­hig­keit zu ver­feh­len. Akbarz­adeh stellt die Fra­ge, an wel­chem Punkt die­se Evo­lu­ti­on in eine Ableh­nung der Fun­da­men­te umschlägt und ab wann die Ennah­da auf­hö­ren wür­de, als isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on zu gel­ten.

Die AKP als Lehr­stück ideo­lo­gi­scher Beweg­lich­keit

Der Fall der tür­ki­schen Regie­rungs­par­tei AKP beleuch­te die nicht­sta­ti­sche ideo­lo­gi­sche Natur des Poli­ti­schen Islam wei­ter. Seit ihrer Par­la­ments­mehr­heit von 2002 habe die Par­tei ihre Füh­rungs­rol­le in der tür­ki­schen Poli­tik behaup­tet und 2016 einen Putsch­ver­such abge­wehrt. Ihre Ent­wick­lung sei jedoch alles ande­re als kon­sis­tent ver­lau­fen. Bis etwa 2011 sei die AKP als mode­ra­te isla­mis­ti­sche Kraft gefei­ert wor­den, die Islam und Demo­kra­tie erfolg­reich ver­söhnt habe, und als Hoff­nungs­trä­ger für den Nahen Osten. Trotz ihrer Wur­zeln in der isla­mis­ti­schen Tugend­par­tei habe die AKP zunächst pro­blem­los eine men­schen­ge­mach­te Staats­ma­schi­ne­rie geführt, die Volks­sou­ve­rä­ni­tät sicher­te und eine kla­re Tren­nung von Islam und Poli­tik wahr­te. Die Par­tei habe jeden Bezug auf den Islam in der Poli­tik sorg­sam ver­mie­den, außer als natio­na­les Erbe und mora­li­schen Kom­pass. Sie habe etwa eine Reform durch­ge­setzt, die den Hid­schab im öffent­li­chen Raum und an Uni­ver­si­tä­ten erlaub­te, zugleich aber wie­der­holt ihr Bekennt­nis zu einem säku­la­ren, scha­riafrei­en Rechts­sys­tem bekräf­tigt. Kri­ti­ker sähen in der tür­ki­schen Regie­rung einen Wolf im Schafs­pelz und wer­te­ten die Rück­füh­rung des Islam in den öffent­li­chen Raum als Weg­be­rei­tung einer schlei­chen­den isla­mis­ti­schen Revo­lu­ti­on. Die demo­kra­ti­schen Refe­ren­zen der säku­la­ren mus­li­mi­schen Demo­kra­tie der Tür­kei sei­en wäh­rend der Gezi-Pro­tes­te 2013 in Zwei­fel gera­ten: Der will­kür­li­che staat­li­che Umgang mit den Demons­tran­ten habe den auto­ri­tä­ren Cha­rak­ter der tür­ki­schen Regie­rung offen­ge­legt. Seit­her zei­ge die AKP wach­sen­de Miss­ach­tung demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en, appel­lie­re an natio­na­lis­ti­sche und isla­mi­sche Wer­te, habe die Tür­kei als mus­li­mi­sche Nati­on rekon­stru­iert und ihre isla­mis­ti­sche Ideo­lo­gie wie­der­be­lebt. Akbarz­adeh folgt in die­ser Ein­schät­zung Men­de­ras Cinars Bei­trag »From Mode­ra­ti­on to De-mode­ra­ti­on: Demo­cra­tic Backsli­ding of the AKP in Tur­key« im Sam­mel­band »The Poli­tics of Isla­mism: Diver­ging Visi­ons and Tra­jec­to­ries« (2017).

Daesh und die sek­tie­re­ri­sche Wen­de

Die Nach­wir­kun­gen der ara­bi­schen Auf­stän­de hät­ten zur wei­te­ren Schwä­chung der Staats­struk­tu­ren des Nahen Ostens bei­getra­gen, deren Ero­si­on wohl schon mit der US-Inva­si­on im Irak 2003 begann. Der syri­sche Kon­flikt und die Regime­wech­sel in Liby­en und Jemen hät­ten die Regi­on dra­ma­tisch desta­bi­li­siert und frucht­ba­ren Boden für den Auf­stieg isla­mis­ti­scher Mili­tanz berei­tet. Das tref­fends­te Bei­spiel lie­fe­re der Isla­mi­sche Staat, nach sei­nem ara­bi­schen Akro­nym auch Daesh genannt. Nach der Kon­so­li­die­rung der Kon­trol­le über wei­te Tei­le Syri­ens und Iraks erklär­te die Daesh-Füh­rung im April 2014 die Wie­der­errich­tung des isla­mi­schen Kali­fats und rief Abu Bakr al-Bagh­da­di zum Kali­fen aus. Die ideo­lo­gi­schen Grund­la­gen der Grup­pe stamm­ten erkenn­bar aus der sala­fi-jiha­dis­ti­schen Tra­di­ti­on: Ihr Bestre­ben, nach pro­phe­ti­schen Bräu­chen zu herr­schen, und ihre Zer­stö­rung hei­li­ger Stät­ten und Grä­ber gehör­ten zur sala­fis­ti­schen Dok­trin der Rei­ni­gung des Glau­bens. Daesh mar­kie­re jedoch einen bedeu­ten­den Wen­de­punkt in der Geschich­te des Sala­fi-Jiha­dis­mus, der in sei­ner offen sek­tie­re­ri­schen Inter­pre­ta­ti­on des Isla­mis­mus zuta­ge tre­te. Hier sei der spe­zi­fi­sche gesell­schafts­po­li­ti­sche Ent­ste­hungs­kon­text ent­schei­dend: Im Kon­text des Irak nach Sad­dam habe Daesh kon­fes­sio­nel­le Span­nun­gen erfolg­reich aus­ge­beu­tet, um Tau­sen­de sun­ni­ti­scher Mus­li­me für sein selbst­er­klär­tes Kali­fat zu gewin­nen. Die Isla­m­in­ter­pre­ta­ti­on von Daesh, sei­ne Miss­ach­tung der Men­schen­rech­te, beson­ders gegen­über Min­der­hei­ten und Frau­en, und sein bru­ta­ler Gewalt­ein­satz hät­ten die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der Mus­li­me welt­weit ent­setzt, die Daesh als voll­stän­dig los­ge­löst von isla­mi­schen Nor­men und Wer­ten betrach­te­ten.

Vier Span­nungs­li­ni­en und ein Plä­doy­er

Im Schluss­teil bün­delt Akbarz­adeh die Defi­ni­ti­ons­pro­ble­me der For­schung. Der Kern der Defi­ni­ti­on betref­fe das Bekennt­nis, den Islam als Regie­rungs­prin­zip des Staa­tes zu eta­blie­ren; inner­halb die­ses Rah­mens gebe es jedoch wich­ti­ge Abwei­chun­gen. Ers­tens stre­be die isla­mis­ti­sche Visi­on die trans­na­tio­na­le Ein­heit der Mus­li­me an, doch sei es über­aus ver­brei­tet, dass sich Kräf­te des Poli­ti­schen Islam mit den eta­blier­ten Staats­gren­zen abfin­den und ihre poli­ti­schen Zie­le auf staat­li­che Zuschnit­te trim­men. Zwei­tens ver­wer­fe der Isla­mis­mus men­schen­ge­mach­te Geset­ze als Ent­man­nung der Mus­li­me und Berau­bung ihrer Auto­ri­täts- und Stolz­quel­le, was auf eine Zurück­wei­sung bestehen­der poli­ti­scher Ord­nun­gen als ille­gi­tim hin­aus­lau­fe; den­noch such­ten sehr vie­le Isla­mis­ten die Teil­nah­me am Sys­tem, um es von innen zu beein­flus­sen. Drit­tens ste­he das Prin­zip gött­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät in direk­tem Kon­flikt mit der Volks­sou­ve­rä­ni­tät, und die meis­ten Isla­mis­ten hät­ten die Demo­kra­tie als Unter­jo­chung des Islam abge­lehnt; gleich­wohl sei ein erkenn­ba­rer Trend im Isla­mis­mus zur Nut­zung der Demo­kra­tie zu beob­ach­ten. Kräf­te, die den Isla­mis­ten kei­ner­lei Wil­len zur Wah­rung demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en nach einem Macht­ge­winn zutrau­en, täten dies als zyni­schen Miss­brauch der Demo­kra­tie ab; es gebe jedoch signi­fi­kan­te Fäl­le, die Anlass zum Inne­hal­ten geben. Vier­tens habe das manich­äi­sche Welt­bild mit sei­nem exklu­si­ven Wahr­heits­an­spruch man­chen isla­mis­ti­schen Akteu­ren erlaubt, alle Geg­ner als Krie­ger gegen Gott abzu­tun; die Über­schrei­tung der Schwel­le zu Gewalt und Ter­ror sei den­noch kein zwangs­läu­fi­ger Pro­zess. Vie­le Isla­mis­ten prä­sen­tier­ten ihre ideo­lo­gi­sche Posi­ti­on als exis­ten­zi­el­len Kon­flikt zwi­schen Gut und Böse und schreck­ten zugleich vor der phy­si­schen Eli­mi­nie­rung des­sen zurück, was sie als das Böse bezeich­nen.

Der Poli­ti­sche Islam sei am bes­ten als dyna­mi­sches sozia­les Phä­no­men zu ver­ste­hen. Sei­ne Ursprün­ge sei­en unter Beob­ach­tern unbe­strit­ten, doch die Ent­wick­lung des Poli­ti­schen Islam ent­lang diver­gie­ren­der Pfa­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten lege nahe, dass die Isla­mis­mus­for­schung kon­zep­tio­nel­le Beweg­lich­keit und intel­lek­tu­el­le Stren­ge bewah­ren müs­se. Die­se Beweg­lich­keit sei not­wen­dig, um die ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men des Poli­ti­schen Islam im 21. Jahr­hun­dert zu erfas­sen. Hier­zu wol­le der vor­lie­gen­de Band bei­tra­gen.


Shahr­am Akbarz­adeh: »Poli­ti­cal Islam under the Spot­light«. In: Shahr­am Akbarz­adeh (Hrsg.): »Rout­ledge Hand­book of Poli­ti­cal Islam«. Zwei­te Auf­la­ge. New York (Rout­ledge), 2021, S. 1–10, ISBN 978–1‑138–35389‑3