Online-Gespräch im SPD-Arbeits­kreis: Poli­ti­scher Islam in Baden-Würt­tem­berg

Am 10. Dezember 2025 war Zeinab Herz zu Gast in einem Online-Gespräch des SPD-Arbeitskreises Säkularität & Humanismus Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stand die Lage des Politischen Islam in Baden-Württemberg sowie konkrete politische und gesellschaftliche Herausforderungen auf Landesebene. Grundlage der Diskussion waren ihr Impuls und Präsentation aus dem AK Polis.

Zeinab Herz ord­ne­te zunächst bio­gra­fisch ihre heu­ti­ge Posi­ti­on als Isla­mis­mus­kri­ti­ke­rin ein und erläu­ter­te die begriff­li­che Trenn­schär­fe zwi­schen Reli­gi­ons­frei­heit von Mus­li­min­nen und Mus­li­men und dem Poli­ti­schen Islam als Herr­schafts- und Ein­fluss­ideo­lo­gie. Anhand aktu­el­ler Zah­len des Ver­fas­sungs­schut­zes Baden-Würt­tem­berg wur­den sala­fis­ti­sche Strö­mun­gen, Mus­lim­bru­der­schaft, Mil­li-Görüş-Struk­tu­ren sowie schii­ti­scher Isla­mis­mus als rele­van­te Phä­no­men­be­rei­che benannt.

Der Schwer­punkt des Gesprächs lag auf drei lan­des­spe­zi­fi­schen Dis­kus­si­ons­fel­dern:

  • Isla­mi­scher Anti­se­mi­tis­mus nach dem 7. Okto­ber: The­ma­ti­siert wur­de ein deut­li­cher Radi­ka­li­sie­rungs­schub seit dem Hamas-Angriff auf Isra­el, ins­be­son­de­re in isla­mis­tisch gepräg­ten Milieus. Genannt wur­den anti­se­mi­ti­sche Nar­ra­ti­ve an Schu­len und Hoch­schu­len, sozia­ler Druck auf jüdi­sche Schü­ler und Stu­die­ren­de sowie der Ein­fluss trans­na­tio­na­ler Akteu­re über sozia­le Medi­en und Ver­bands­struk­tu­ren.
  • Islam­un­ter­richt und staat­li­che Neu­tra­li­tät: Kri­tisch dis­ku­tiert wur­de die Kon­struk­ti­on des bekennt­nis­ori­en­tier­ten Islam­un­ter­richts in Baden-Würt­tem­berg, ins­be­son­de­re die Rol­le der Stif­tung Sun­ni­ti­scher Schul­rat, von DITIB und ande­rer Ver­bän­de. Dabei ging es um Fra­gen staat­li­cher Neu­tra­li­tät, demo­kra­ti­scher Kon­trol­le, feh­len­der plu­ra­ler Reprä­sen­ta­ti­on sowie um den hohen Ein­satz von Steu­er­mit­teln ohne unab­hän­gi­ge Eva­lua­ti­on.
  • Eman­zi­pa­ti­on durch Kopf­tuch­ver­bot für Min­der­jäh­ri­ge: Anknüp­fend an inter­na­tio­na­le Bei­spie­le – kürz­lich Öster­reich – wur­de ein Kopf­tuch­ver­bot für Mäd­chen unter 14 Jah­ren als Schutz­in­stru­ment vor fami­liä­rem und sozia­lem Zwang dis­ku­tiert. Argu­men­tiert wur­de mit zuneh­men­dem Nor­men­druck bereits in Grund­schu­len und der Not­wen­dig­keit staat­li­cher Schutz­räu­me für eine freie Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung

Abschlie­ßend stell­te Herz poli­ti­sche Hand­lungs­op­tio­nen für die SPD in Baden-Würt­tem­berg zur Dis­kus­si­on: von einer kon­se­quen­te­ren Bekämp­fung isla­mis­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus über Refor­men im Schul- und Reli­gi­ons­recht bis hin zur stär­ke­ren Ein­bin­dung libe­ra­ler, säku­la­rer und ex-mus­li­mi­scher Stim­men in staat­li­che Dia­log­for­ma­te.

Das Online-Gespräch mach­te deut­lich, dass die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Poli­ti­schen Islam kein Rand­the­ma ist, son­dern eine zen­tra­le Auf­ga­be für Demokratie‑, Bil­dungs- und Gleich­stel­lungs­po­li­tik – auch und gera­de auf Lan­des­ebe­ne.