Drei Wochen nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) im Berliner Tiergarten hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit einem Gastbeitrag in der ZEIT zu Wort gemeldet. Am 25. Juli 2026 hatte ein islamistischer Attentäter den CSD mit einem Auto angegriffen. Eine Frau wurde getötet, mehr als dreißig Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer.
Anlass des Gastbeitrags ist das bevorstehende Wochenende: In mehreren kleineren Städten finden CSD-Veranstaltungen statt, bei denen auch der Berliner Opfer gedacht wird. Einige dieser Umzüge wurden bereits im Vorfeld bedroht. Steinmeier deutet den Anschlag als Angriff auf die offene Gesellschaft insgesamt und verankert seine Antwort im Grundgesetz:
»Dieser islamistisch motivierte Anschlag war ein Anschlag auf uns alle, auf unsere offene Gesellschaft. Anscheinend können wir es nicht oft genug sagen: Nach unserer Verfassung und Überzeugung haben alle das Recht, über sich selbst zu bestimmen, gerade da, wo es um das Innerste jedes Menschen geht, um den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, um Liebe und Partnerschaft, um Körperlichkeit und Sexualität.«
Zugleich hält der Bundespräsident fest, dass sich die Tat in ihrem Hass zuerst gegen schwule und lesbische Menschen und gegen die gesamte queere Community richtete. Viele von ihnen hätten inzwischen Angst, weil sie seit geraumer Zeit ein wachsendes Risiko trügen, Opfer von Herabsetzungen, Anfeindungen und Straftaten zu werden. Die Zahl dieser Straftaten ist nach seinen Worten im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert gestiegen. CSD-Paraden, vor allem in kleineren Städten, seien in den vergangenen Jahren immer wieder bedroht und angegriffen worden, hätten teilweise nur unter hohem Schutz stattfinden können oder ganz abgesagt werden müssen.
Aus der Diagnose leitet Steinmeier einen konkreten Aufgabenkatalog für die wehrhafte Demokratie ab. Er nennt konsequente Strafverfolgung, Sicherheit im öffentlichen Raum, den Schutz der Zivilgesellschaft, eine Bildungsoffensive sowie Solidarität und Empathie. Diese Liste versteht er als Verpflichtung für alle.
Sein Beitrag mündet in ein Bekenntnis zur Freiheit als geteiltem Gut: Die Freiheit, die jeder für sich selbst leben möchte, soll zugleich die Freiheit aller anderen sein. Selbstbestimmung und gleiche Rechte bezeichnet Steinmeier als politische DNA des Landes, die es auch gegen jene zu verteidigen gelte, die einen Rollback hin zu Ausgrenzung und Diskriminierung anstreben.
»Dieser islamistisch motivierte Anschlag war ein Anschlag auf uns alle, auf unsere offene Gesellschaft. Anscheinend können wir es nicht oft genug sagen: Nach unserer Verfassung und Überzeugung haben alle das Recht, über sich selbst zu bestimmen, gerade da, wo es um das Innerste… pic.twitter.com/SmAUb1clT7
— AK Polis | Arbeitskreis Politischer Islam (@AK_Polis) August 15, 2026