Von Gaza zum glo­ba­len Dschi­had: Drei Jah­re nach dem 7. Okto­ber

Für das Pro­gram on Extre­mism der Geor­ge Washing­ton Uni­ver­si­ty hat Ser­gio Altu­na Galán die offi­zi­el­le Pro­pa­gan­da dschi­ha­dis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen seit Okto­ber 2023 aus­ge­wer­tet. Sein Befund betrifft vor allem al-Qai­da: Sie löst den Angriff vom 7. Okto­ber schritt­wei­se von der Hamas als Orga­ni­sa­ti­on und reiht ihn in die eige­ne Geschich­te des glo­ba­len Dschi­had ein. Gaza dient dem Netz­werk inzwi­schen als Lehr­fall, etwa für das Kon­zept einer »bewaff­ne­ten Umma«. Voka­bu­lar der brei­ten pro­pa­läs­ti­nen­si­schen Bewe­gung über­nimmt al-Qai­da dabei, wäh­rend reli­giö­se Rah­mung und Anti­se­mi­tis­mus laut Stu­die unver­än­dert blei­ben. Das reicht bis zur Holo­caust­leug­nung in Schrif­ten ihres fak­ti­schen Anfüh­rers.

Rama­zan Ilik­kan: Anka­ras Mann an der DITIB-Spit­ze. Wie die Erdoğan-Auto­kra­tie den größ­ten Moschee­ver­band in Deutsch­land lenkt

Mit Rama­zan Ilik­kan hat die DITIB seit bald einem Jahr einen neu­en Bun­des­vor­sit­zen­den. Er kommt aus dem Appa­rat der tür­ki­schen Reli­gi­ons­be­hör­de und war Reli­gi­ons­at­ta­ché in Düs­sel­dorf, als die Diya­net die in der Spio­na­ge­af­fä­re belas­te­ten Ima­me abzog und auch Ilik­kan nach Anka­ra zurück­kehr­te. Moritz Piec­zew­ski-Frei­muth zeigt, wie der tür­ki­sche Staat den Ver­band heu­te mit ihm führt und war­um das, was dort als Reli­gi­on auf­tritt, im Kern die natio­nal­is­la­mis­ti­sche Herr­schafts­po­li­tik eines frem­den Staa­tes ist.

Anhö­rung zum Ver­eins­ge­setz: Ver­fas­sungs­schutz sieht bei Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) Ver­bin­dun­gen zur Mus­lim­bru­der­schaft und hält Offen­le­gung für sinn­voll

In sei­ner Stel­lung­nah­me vom 2. Okto­ber 2026 an den Innen­aus­schuss des Bun­des­tags ver­weist das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) dar­auf, dass Isla­mic Reli­ef Deutsch­land (IRD) Isla­mic Reli­ef World­wi­de (IRW) unmit­tel­bar finan­ziert. Gegen IRW besteht nach Anga­ben des BfV seit Jah­ren ein öffent­li­cher Hamas-Ver­dacht. Die geplan­te Offen­le­gungs­pflicht soll des­halb auch aus­län­di­sche Ver­ei­ne erfas­sen, die mit deut­schen Orga­ni­sa­tio­nen ver­bun­den sind.

FEMY­SOs »Akti­ons­tag gegen Isla­mo­pho­bie« unter EU-Flag­ge: AK Polis und CERIF fol­gen der Geld­spur

Das von deut­schen und fran­zö­si­schen Behör­den der Mus­lim­bru­der­schaft zuge­rech­ne­te FEMY­SO-Netz­werk bewirbt sei­ne Brüs­se­ler Kon­fe­renz am 21. Sep­tem­ber 2026 mit dem Hin­weis »Co-fun­ded by the Euro­pean Uni­on«, unge­ach­tet des berich­te­ten Aus­schlus­ses durch das Prä­si­di­um des Euro­päi­schen Par­la­ments vom 7. Juli. Die gemein­sa­me Unter­su­chung mit dem Pari­ser CERIF rekon­stru­iert, wie das Geld fließt, und zeigt in sie­ben Vor­schlä­gen den Weg zu einem Ende der EU-För­de­rung fré­ris­ti­scher Netz­wer­ke.

Euro­pa als Akti­ons­raum der Hamas: Franz Josef Ber­ger im DPI-Jah­res­be­richt

Ber­ger beschreibt drei Wir­kungs­fel­der der Hamas: Anschlags­vor­be­rei­tun­gen, huma­ni­tär getarn­te Spen­den­samm­lun­gen und Pro­pa­gan­da für Ziel­grup­pen in Euro­pa. Die Euro­päi­sche Uni­on lis­tet die Hamas als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on, wäh­rend meh­re­re der geschil­der­ten Ver­fah­ren noch offen sind und eines mit einem Frei­spruch vom Finan­zie­rungs­vor­wurf ende­te.

Tür­kisch-isla­mi­scher Zivi­li­sa­tio­nis­mus als illi­be­ral-anti­west­li­che Groß­theo­rie: Jan-Mar­kus Vömel im DPI-Jah­res­be­richt

Spä­tes­tens seit den 2010er Jah­ren prä­sen­tiert die tür­ki­sche Regie­rung das Land nach innen wie nach außen als Schutz­macht einer isla­mi­schen Zivi­li­sa­ti­on. So lau­tet der Befund des His­to­ri­kers Jan-Mar­kus Vömel, der als Post­doc­to­ral Fel­low am Pari­ser Insti­tut für ori­en­ta­li­sche Spra­chen und Zivi­li­sa­tio­nen zur moder­nen Tür­kei forscht. Er ver­folgt die Linie von isla­mis­ti­schen Vor­den­kern über den frü­he­ren Pre­mier­mi­nis­ter Ahmet Davu­toğ­lu bis in Schul­bü­cher und neu gegrün­de­te Uni­ver­si­tä­ten. Zuletzt fragt er, was die­ser Dis­kurs für die tür­kei­stäm­mi­ge Dia­spo­ra in Euro­pa bedeu­tet.

Isla­mic-Reli­ef-Föde­ra­ti­on schließt US-Zweig aus: Washing­ton erzwang die Tren­nung

Die Gene­ral­ver­samm­lung der welt­weit täti­gen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Isla­mic Reli­ef hat ihren US-Zweig am 12. Sep­tem­ber 2026 ein­stim­mig und mit sofor­ti­ger Wir­kung aus dem Ver­bund ent­fernt. Vor­aus­ge­gan­gen waren eine Unter­su­chung des US-Kon­gres­ses, eine Kla­ge vor einem New Yor­ker Bun­des­ge­richt und ein Streit um Mil­lio­nen­be­trä­ge. Der ame­ri­ka­ni­sche Able­ger ver­liert den Mar­ken­na­men und fir­miert künf­tig als IDEA; die Zen­tra­le Isla­mic Reli­ef World­wi­de (IRW) büßt rund 13 Pro­zent ihrer Ein­nah­men ein. Den neu­en Namen gab die US-Orga­ni­sa­ti­on am 15. Sep­tem­ber 2026 bekannt und stell­te ihn als Wei­ter­ent­wick­lung und Bekräf­ti­gung ihrer ame­ri­ka­nisch-mus­li­mi­schen Iden­ti­tät dar; den Aus­schluss erwähn­te sie mit kei­nem Wort.

Gui­do Stein­berg zum 25. Jah­res­tag von 9/11: Deutsch­land ist zum neu­en Epi­zen­trum des dschi­ha­dis­ti­schen Ter­ro­ris­mus in Euro­pa gewor­den

Zum 25. Jah­res­tag der Anschlä­ge vom 11. Sep­tem­ber 2001 hat der Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons (CFR) am 8. Sep­tem­ber 2026 unter dem Titel »The War on Ter­ro­rism: Glo­bal Experts Reflect on Les­sons Lear­ned Twen­ty-Five Years After 9/11« Ein­schät­zun­gen von Gui­do Stein­berg von der Ber­li­ner SWP sowie von fünf­zehn wei­te­ren Fach­leu­ten aus fünf­zehn Län­dern ver­sam­melt.

»Der Tod kam auch aus Deutsch­land«: Flo­ri­an Flades Rekon­struk­ti­on des deut­schen Behör­den­wis­sens vor 9/11 im Blog »Ver­schluss­sa­che«

Fünf­und­zwan­zig Jah­re nach den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 lohnt der Blick auf eine Recher­che zum zwan­zigs­ten Jah­res­tag. Sie zeich­net nach, wie dicht Ver­fas­sungs­schutz und Bun­des­kri­mi­nal­amt zeit­wei­se an der Ham­bur­ger Zel­le waren, und leuch­tet aus, war­um eine par­la­men­ta­ri­sche Auf­ar­bei­tung bis heu­te aus­steht.

Zum 25. Jah­res­tag von 9/11: Der Sam­mel­band »25 Years After 9/11 – The Future of the Glo­bal Jiha­di Move­ment« von Colin P. Clar­ke und Cla­ra Broe­kaert (The Sou­fan Cen­ter)

Acht füh­ren­de Ter­ro­ris­mus­for­scher zie­hen Bilanz über ein Vier­tel­jahr­hun­dert »Glo­bal War on Ter­ro­rism« und kom­men zu einem beun­ru­hi­gen­den Dop­pel­be­fund: Die dschi­ha­dis­ti­sche Bewe­gung ist per­so­nell, ter­ri­to­ri­al und finan­zi­ell so stark wie nie, wäh­rend der Wes­ten zeit­gleich sei­ne Fähig­keit abbaut, sie über­haupt noch zu beob­ach­ten. Die Bespre­chung stellt die zen­tra­len The­sen und Ergeb­nis­se des Ban­des vor.