Nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den CSD Ber­lin: Murat Kay­man wider­spricht der Deu­tung der Moschee­ver­bän­de als Prä­ven­ti­ons­ak­teu­re

Der Jurist und frü­he­re DITIB-Ver­bands­funk­tio­när Murat Kay­man nimmt zwei Inter­views des Ber­li­ner Sozio­lo­gen Özgür Özvat­an im »Frei­tag« und im Deutsch­land­funk zum Aus­gangs­punkt einer Grund­satz­kri­tik. Er kon­fron­tiert die The­se von den Gemein­den als wirk­sa­men Schutz­räu­men mit Befun­den des For­schungs­ver­bunds MOTRA und mit der Pre­digt­pra­xis der staat­li­chen Part­ner­ver­bän­de. Sein Fazit: Ob reli­giö­se Bil­dung vor Radi­ka­li­sie­rung schützt, ent­schei­det sich an ihrem Inhalt, und genau die­se Fra­ge bleibt in der Debat­te unbe­ant­wor­tet.

Was hat Clan­kri­mi­na­li­tät mit dem Islam zu tun?

»Ich beschrei­be das Milieu, in dem so etwas wächst.« So ant­wor­te­te der Islam­wis­sen­schaft­ler Ralph Ghad­ban am 20. Mai 2026 auf dem Podi­um der Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung, als ihn der Ber­li­ner Grü­nen-Innen­po­li­ti­ker Vasi­li Fran­co nach dem Zusam­men­hang von Clan­kri­mi­na­li­tät und Islam frag­te. In die­sem Arti­kel führt Ghad­ban die Ant­wort aus. Er beschreibt die Groß­fa­mi­lie als Sozi­al­sys­tem, das Scha­ria-Fami­li­en­recht, die Ehren­kul­tur samt Blut­ra­che, den poli­tisch pri­vi­le­gier­ten Ver­band­s­is­lam sowie die Par­al­lel­ge­sell­schaft. Erst aus dem Zusam­men­spiel die­ser Fak­to­ren erge­be sich, war­um das Phä­no­men so robust ist – und wel­che Hebel im Sin­ne einer Auf­lö­sung wir­ken könn­ten.

Isla­mis­ti­scher Anschlag auf den Ber­li­ner CSD: Nin­ve Erma­gan wirft im SPIEGEL Tei­len der Lin­ken und der quee­ren Sze­ne Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung vor

Eine Woche nach der töd­li­chen Atta­cke vom 25. Juli ana­ly­siert die Jour­na­lis­tin Nin­ve Erma­gan die Reak­tio­nen aus Poli­tik und Com­mu­ni­ty. Ihr Befund fällt ernüch­ternd aus: Wer den isla­mis­ti­schen Hin­ter­grund der Tat umdeu­tet oder rela­ti­viert, blo­ckiert die Suche nach Lösun­gen und ris­kiert wei­te­re Anschlä­ge.

SPD-Staats­mi­nis­ter a. D. Micha­el Roth for­dert im IPG-Jour­nal eine lin­ke Debat­te über den isla­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus

Micha­el Roth (SPD), Staats­mi­nis­ter im Aus­wär­ti­gen Amt von 2013 bis 2021 und Vor­sit­zen­der des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges von 2021 bis 2025, benennt sechs Grün­de für das Schwei­gen des eige­nen Lagers, kri­ti­siert den Begriff des anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus und warnt die Sozi­al­de­mo­kra­tie vor einem Ver­trau­ens­ver­lust bis tief in die eige­ne Wäh­ler­schaft.

Nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den Ber­li­ner CSD: Tugay Saraç kri­ti­siert im Pod­cast von Paul Ron­z­hei­mer die Nähe der Poli­tik zu que­er­feind­li­chen Funk­tio­nä­ren

Der Vor­sit­zen­de des Islam­rats für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Bur­han Kesi­ci, bezeich­ne­te im ZDF die Dar­stel­lung eines schwu­len mus­li­mi­schen Paa­res als »Abnor­ma­li­tä­ten«. Er wirkt mit sei­nem Ver­band in Ber­lin am Reli­gi­ons­un­ter­richt mit und sitzt in Nord­rhein-West­fa­len im Kon­fes­sio­nel­len Bei­rat für Isla­mi­sche Theo­lo­gie der Uni Müns­ter. War­um hält die Poli­tik an sol­chen Gesprächs­part­nern fest?

»Damit schützt man nicht Mus­li­me, son­dern Isla­mis­ten« – Ali Ertan Toprak in der Jüdi­schen All­ge­mei­nen nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den CSD Ber­lin

Ali Ertan Toprak, Bun­des­vor­sit­zen­der der Kur­di­schen Gemein­de Deutsch­land, Ehren­prä­si­dent der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Immi­gran­ten­ver­bän­de in Deutsch­land (BAGIV) und Mit­grün­der des AK Polis, rech­net mit einem ein­ge­üb­ten Reflex ab: der Beteue­rung, mit dem Islam habe das alles nichts zu tun. Wer Begrif­fe wie anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus dazu benut­ze, den Isla­mis­mus gegen Kri­tik abzu­schir­men, schüt­ze am Ende die Isla­mis­ten. Den Preis dafür zahl­ten auch die Mus­li­me selbst.

Nach dem isla­mis­ti­schen Anschlag auf den CSD Ber­lin: Thier­ry Cher­vel über »jene müh­sam erkämpf­te Frei­heit«

Thier­ry Cher­vel hat im Per­len­tau­cher einen Kom­men­tar zum isla­mis­ti­schen Anschlag auf den CSD Ber­lin ver­öf­fent­licht. Dar­in zeigt er am Bei­spiel des schwu­len Paa­res aus der Akzep­tanz­kam­pa­gne für Viel­falt im Islam und der abwer­ten­den Reak­ti­on des Islam­rats­vor­sit­zen­den Bur­han Kesi­ci (»Abnor­ma­li­tä­ten«), dass es um die sexu­el­le Frei­heit geht – die­sel­be Frei­heit, die der Atten­tä­ter ange­grif­fen hat.

Wis­sen­schafts­se­na­to­rin Maryam Blu­men­thal (Grü­ne): Vor­schlag »Gedenk­stät­te für Opfer des Isla­mis­mus« hat »etwas sehr Ver­söhn­li­ches«

Am 24. Juli 2026 jährt sich zum zwei­ten Mal das Ver­bot des Isla­mi­schen Zen­trums Ham­burg (IZH). Wis­sen­schafts­se­na­to­rin Maryam Blu­men­thal (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) unter­stützt die Idee, die IZH-Lie­gen­schaf­ten an der Außen­als­ter als Ort des Geden­kens wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, und den Vor­schlag einer »Gedenk­stät­te für die Opfer des Isla­mis­mus«. Auch aus der Ham­bur­gi­schen Bür­ger­schaft kommt grü­ne Unter­stüt­zung.