US-Sanktionen gegen die Muslimbruderschaft: Washington setzt den österreichischen Doppelstaatsbürger Mahmoud al-Abyari auf die Terrorliste

Das US-Finanzministerium sanktioniert den Leiter des Generalsekretariats der Muslimbruderschaft (MB), den österreichischen Doppelstaatsbürger Mahmoud al-Abyari, als Unterstützer von Fundraising-Strukturen der Hamas. Al-Abyari weist die Vorwürfe zurück. Forschungsberichte und Insider-Aussagen erlauben es, den Weg des Sanktionierten bis ins Wiener Milieu der 1980er-Jahre zurückzuverfolgen. Von dort führen die Spuren weiter: über Graz und das deutsche Verbandsnetzwerk um Ibrahim El-Zayat bis in die Kairoer Regierungszeit der Bewegung. Mit der Maßnahme wächst zugleich Washingtons Druck auf die europäischen Regierungen, gegen MB-Strukturen vorzugehen.
Sebastian Schnelles »Gemeinsam gegen die moderne Welt«: Der Islamismus als reaktionäre Absage an Demokratie und Gleichberechtigung

Von der Gründung der Muslimbruderschaft 1928 bis zu den Propagandamagazinen von IS und Al-Qaida legt der Philosoph und »Vorpolitisch«-Podcaster Sebastian Schnelle die Konstanten einer Ideologie frei: Dekadenzerzählung, Frauenverachtung, Sehnsucht nach einem Goldenen Zeitalter.
Geschützt: »Glückskind« von Necla Kelek

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Ideen, Identitäten, Institutionen: Matthias Basedau über die Operationalisierung des Religionsbegriffs im »Handbuch Religion in Konflikten und Friedensprozessen«

Wer empirisch untersuchen will, wann Religion Gewalt befördert und wann sie Frieden stiftet, braucht zunächst einen präzisen, messbaren Religionsbegriff. Der Friedens- und Konfliktforscher Matthias Basedau zerlegt Religion dafür in drei sozial relevante Hauptdimensionen und zeigt entlang des Forschungsstandes, über welche Mechanismen jede von ihnen auf Frieden oder Gewalt wirken kann. Sein Beitrag ist im ersten Band des von Ines-Jacqueline Werkner herausgegebenen Handbuchs erschienen und liefert zugleich eine Bestandsaufnahme der Datenlücken, an denen die quantitative Forschung bis heute leidet.
Nach dem islamistischen Anschlag auf den CSD Berlin: Murat Kayman widerspricht der Deutung der Moscheeverbände als Präventionsakteure

Der Jurist und frühere DITIB-Verbandsfunktionär Murat Kayman nimmt zwei Interviews des Berliner Soziologen Özgür Özvatan im »Freitag« und im Deutschlandfunk zum Ausgangspunkt einer Grundsatzkritik. Er konfrontiert die These von den Gemeinden als wirksamen Schutzräumen mit Befunden des Forschungsverbunds MOTRA und mit der Predigtpraxis der staatlichen Partnerverbände. Sein Fazit: Ob religiöse Bildung vor Radikalisierung schützt, entscheidet sich an ihrem Inhalt, und genau diese Frage bleibt in der Debatte unbeantwortet.
Was hat Clankriminalität mit dem Islam zu tun?

»Ich beschreibe das Milieu, in dem so etwas wächst.« So antwortete der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban am 20. Mai 2026 auf dem Podium der Friedrich-Naumann-Stiftung, als ihn der Berliner Grünen-Innenpolitiker Vasili Franco nach dem Zusammenhang von Clankriminalität und Islam fragte. In diesem Artikel führt Ghadban die Antwort aus. Er beschreibt die Großfamilie als Sozialsystem, das Scharia-Familienrecht, die Ehrenkultur samt Blutrache, den politisch privilegierten Verbandsislam sowie die Parallelgesellschaft. Erst aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren ergebe sich, warum das Phänomen so robust ist – und welche Hebel im Sinne einer Auflösung wirken könnten.
DPI-Studie über die Finanzoperationen der Hisbollah in Europa

Rund ein Drittel ihres Jahresbudgets von mehr als einer Milliarde US-Dollar erwirtschaftet die schiitisch-islamistische Organisation aus illegalen Geschäften. Europa dient ihr dabei als Drehscheibe für Drogenhandel, Geldwäsche und den Schmuggel von Luxusgütern. Anhand von Fallstudien aus mehreren europäischen Ländern, darunter Österreich, zeigt die Analyse von Lina Khatib für die österreichische Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI), wie legale und illegale Aktivitäten ineinandergreifen und welche Lücken die europäische Terrorismusbekämpfung bislang offenlässt.
»Hassan Nasrallah – The Last Days of Hezbollah’s Chief« von Jacques Neriah

Jacques Neriah legt mit »Hassan Nasrallah – The Last Days of Hezbollah’s Chief« eine biografisch-strategische Studie über Aufstieg, Herrschaft und Ende des langjährigen Hisbollah-Generalsekretärs vor. Das bei Springer erschienene Werk verbindet nachrichtendienstliche Innenkenntnis, die historische Analyse der schiitischen Emanzipation im Libanon und die Rekonstruktion der israelischen Kampagne von 2024 zu einem Gesamtbild der Hisbollah als iranischem Stellvertreterprojekt, dessen Macht wesentlich auf einem sorgsam gepflegten Mythos beruhte.
Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne): Vorschlag »Gedenkstätte für Opfer des Islamismus« hat »etwas sehr Versöhnliches«

Am 24. Juli 2026 jährt sich zum zweiten Mal das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH). Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt die Idee, die IZH-Liegenschaften an der Außenalster als Ort des Gedenkens weiterzuentwickeln, und den Vorschlag einer »Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus«. Auch aus der Hamburgischen Bürgerschaft kommt grüne Unterstützung.
»Islamic Relief Worldwide Under Pressure«: GWU-Paper dokumentiert Ergebnisse transnationaler Recherchen

Die Autoren Lorenzo Vidino und Samantha Wampold vom Program on Extremism der George Washington University (GWU) zeichnen in einem Briefing vom 14. Juli 2026 nach, wie das weltweit operierende Organisationsnetzwerk Islamic Relief in den vergangenen Monaten in den USA, in Deutschland und in Schweden unter Druck geraten ist – ausgelöst durch weitere Transparenz bei Extremismusbezügen und Mängel bei Rechenschaftspflichten.