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»Unter­wan­de­rung. Der Poli­ti­sche Islam wei­ter auf dem Vor­marsch« von Sascha Ada­mek

Der Journalist Sascha Adamek legt mit »Unterwanderung. Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch« (LMV, 2026) eine investigative Bestandsaufnahme dessen vor, was er als legalistischen Islamismus in Deutschland beschreibt. Der Band verbindet Reportage, die Auswertung interner Strategiepapiere und behördlicher Dokumente sowie eigene Register-, Handels- und Grundbuchrecherchen mit Fallstudien zu Moscheevereinen, Bildungsträgern, NGO-Netzwerken und politischen Akteuren. Er knüpft an Adameks frühere Recherchen – etwa in »Scharia-Kapitalismus« (2017) – an und mündet in einen Zehn-Punkte-Plan für politische Maßnahmen.

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Ada­mek ent­fal­tet sein The­ma über eine Struk­tur­ana­ly­se. Drei Begrif­fe bil­den das Gerüst: »Unter­wan­de­rung« meint die schritt­wei­se Durch­drin­gung von Insti­tu­tio­nen, Bil­dungs­we­sen, Medi­en und Poli­tik; »Unter­wer­fung« die aus sei­ner Sicht bereit­wil­li­ge Anpas­sung eines als links und woke beschrie­be­nen Milieus; »Mis­sio­nie­rung« die aus dem Aus­land finan­zier­te Ver­brei­tung eines streng kon­ser­va­ti­ven Islam. Den Begriff »Poli­ti­scher Islam« hält Ada­mek mit Ver­weis auf die Pro­fes­so­rin Susan­ne Schrö­ter für weit­ge­hend deckungs­gleich mit Isla­mis­mus.

Den stra­te­gi­schen Hin­ter­grund lei­tet Ada­mek aus der Bewe­gungs­ge­schich­te ab. Er folgt der The­se des Isla­mis­mus-For­schers Gil­les Kepel, wonach 1989 – mit der Rush­die-Fat­wa Kho­mei­nis – Euro­pa erst­mals zur Ein­fluss­zo­ne isla­mi­scher Recht­spre­chung erklärt wor­den sei, und ord­net die­sem Wen­de­punkt die Leh­re des Mus­lim­bru­der-Vor­den­kers Yus­uf al-Qara­da­wi zu: Mus­li­me in west­li­chen Gesell­schaf­ten soll­ten die Staats­bür­ger­schaft anneh­men, um eine »Lob­by« und poli­ti­sche »pres­su­re groups« zu bil­den. Als frü­he deut­sche Blau­pau­se zitiert Ada­mek die Publi­ka­ti­on »Al-Islam« des Isla­mi­schen Zen­trums Mün­chen, in der der Redak­teur Ahmad von Den­ffer das räum­li­che Zusam­men­zie­hen von Mus­li­men zu einer Art »Stadt­ent­wick­lungs­pro­gramm« erho­ben habe. Die­ser Logik – Auf­bau von Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen, Anschluss an Eli­ten, Deu­tung gesell­schaft­li­cher Kon­flik­te – folgt Ada­mek das gan­ze Buch hin­durch.

Ein hal­bes Jahr vor Erschei­nen des Buches dis­ku­tier­te Ada­mek eini­ge der Inhal­te auf einer Ver­an­stal­tung des AK Polis im Wil­ly-Brandt-Haus in Ber­lin: Sein Bei­trag ist Teil des Dos­siers zur Doku­men­ta­ti­on der Ver­an­stal­tung »Die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) – Agen­da, Struk­tu­ren und poli­ti­sche Ant­wor­ten«.

Die Bele­ge: Stra­te­gie­pa­pie­re und Geld­spu­ren

Der doku­men­ta­ri­sche Anspruch des Buches zeigt sich vor allem an zwei Quel­len, die Ada­mek aus­führ­lich aus­wer­tet. Die ers­te ist ein nach sei­ner Dar­stel­lung bei einer Durch­su­chung in einem Wirt­schafts­straf­ver­fah­ren sicher­ge­stell­ter »Vier­jah­res­plan 2008–2011« der Mus­lim­bru­der­schaft. Ada­mek legt offen, woher er des­sen Glaub­wür­dig­keit ablei­tet: Aus­wer­ter des baye­ri­schen Ver­fas­sungs­schut­zes hät­ten den Bericht – wie er aus zwei von­ein­an­der unab­hän­gi­gen Quel­len erfah­ren habe – als authen­tisch ein­ge­stuft; zudem sei bereits 2001 bei der Durch­su­chung der Vil­la des hoch­ran­gi­gen Mus­lim­bru­ders Yous­suf Nada am Luga­ner See ein ähn­li­ches Papier gefun­den wor­den. Aus dem Plan zitiert Ada­mek Pas­sa­gen, die Ein­fluss in Berufs­ver­bän­den, Medi­en und Eli­ten, den Auf­bau von Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie – als Fern­ziel – eine schritt­wei­se Anpas­sung der Geset­ze »in Über­ein­stim­mung mit der isla­mi­schen Scha­ria« for­der­ten. Flan­kie­rend führt er eine Ana­ly­se des nie­der­län­di­schen Diens­tes AIVD an, die als End­ziel die Schaf­fung und Aus­brei­tung eines »ultra­or­tho­do­xen mus­li­mi­schen Blocks« in West­eu­ro­pa beschrei­be.

Die zwei­te Quel­le ist ein gemein­sa­mer Bericht von BND und Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz aus dem Jahr 2016. Die­ser benen­ne erst­mals nament­lich »Mis­sio­nie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen« aus den Golf­staa­ten – die Sheikh Eid bin Moham­med al-Tha­ni Cha­ri­ty (Katar), die Mus­lim World League (Sau­di-Ara­bi­en) und die Revi­val of Isla­mic Heri­ta­ge Socie­ty (Kuwait) – und attes­tie­re ihnen eine »lang­fris­tig ange­leg­te Stra­te­gie der Ein­fluss­nah­me«. Ada­mek macht trans­pa­rent, wo sei­ne Recher­che an Gren­zen stößt: Eige­ne Anfra­gen an die­se Stif­tun­gen sowie an die Qatar Cha­ri­ty sei­en unbe­ant­wor­tet geblie­ben, bei einem Recher­che­ver­such in Doha habe sich statt­des­sen der kata­ri­sche Geheim­dienst »sehr per­sön­lich« um ihn geküm­mert. Wo der Geld­weg den­noch nach­weis­bar sei, führt er ihn vor: Am Bei­spiel der Ber­li­ner Al-Nur-Moschee doku­men­tiert Ada­mek einen Grund­stücks­kauf über eine zeit­wei­se auf einer Ter­ror-Sank­ti­ons­lis­te geführ­te sau­di­sche Stif­tung und wirft dem Land Ber­lin vor, den vom BKA gewarn­ten Erwerb nicht rück­gän­gig gemacht zu haben. Sein metho­di­sches Mus­ter ist durch­gän­gig das­sel­be: ein Ori­gi­nal­do­ku­ment oder ein Regis­ter­ein­trag, die Kon­fron­ta­ti­on der Betei­lig­ten mit dem Befund und die Doku­men­ta­ti­on ihrer Ant­wort oder ihres Schwei­gens.

Die Mus­lim­bru­der­schaft: Geschich­te und Netz­wer­ke

Zur Ein­ord­nung skiz­ziert Ada­mek die Geschich­te der 1928 von Hassan al-Ban­na gegrün­de­ten Bru­der­schaft, die ideo­lo­gi­sche Radi­ka­li­sie­rung um Sayy­id Qutb sowie – mit Ver­weis auf den Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Mat­thi­as Künt­zel und den Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Armin Pfahl-Traugh­ber – die anti­se­mi­ti­sche Tra­di­ti­on und die his­to­ri­sche Nähe des Muf­ti von Jeru­sa­lem, Moham­med Amin al-Huss­ei­ni, zum NS-Regime. Als lang­jäh­ri­gen Chef­ideo­lo­gen führt er den 2022 ver­stor­be­nen Qara­da­wi an, des­sen Pre­dig­ten bei Al Jaze­era er als glo­ba­le Indok­tri­na­ti­on beschreibt.

Für die deut­schen Struk­tu­ren inter­es­siert sich Ada­mek weni­ger für Mit­glie­der­zah­len als für die Fra­ge for­ma­ler Greif­bar­keit. Er legt aus­drück­lich offen, dass er »mus­lim­bru­der­nah« und »MB-Ideo­lo­gie« als sein eige­nes Wert­ur­teil ver­stan­den wis­sen will, da sich kaum jemand offen als Mit­glied zu erken­nen gebe – ein Punkt, den er mit der Cha­rak­te­ri­sie­rung der Anthro­po­lo­gin Flo­rence Ber­geaud-Black­ler (Direk­to­rin des Cent­re Euro­pé­en de Recher­che et d’Information sur le Fré­ris­me, CERIF) von den »Frè­ris­ten« als Anhän­gern einer Ideo­lo­gie ver­bin­det. Als Beleg für die Unschär­fe for­ma­ler Mit­glied­schaft führt er den Mul­ti­funk­tio­när Ibra­him El-Zayat an, der gegen ent­spre­chen­de Zuschrei­bun­gen juris­tisch vor­ge­gan­gen sei und sie bestrei­te, sowie das Zitat des Mus­lim­bru­der-Ken­ners Shadi Hamid, die Bru­der­schaft sei »nicht bloß eine Orga­ni­sa­ti­on«, son­dern eine Idee.

Dschi­had um die Köp­fe: Bil­dung als stra­te­gi­sches Feld

Das zen­tra­le Recher­che­ka­pi­tel wid­met Ada­mek der Fra­ge, wie isla­mis­ti­sche Akteu­re in Ber­lin über Kitas und Schu­len Ein­fluss gewin­nen. Sei­ne Leit­the­se: Wer die Bil­dung von Kin­dern und Jugend­li­chen prä­ge, beein­flus­se lang­fris­tig die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung – wes­halb Bil­dungs­ein­rich­tun­gen ein stra­te­gisch beson­ders wert­vol­les Feld sei­en, das zugleich den Zugriff auf staat­li­che För­der­mil­lio­nen eröff­ne.

Den Aus­gangs­fall bil­det das größ­te Kita-Pro­jekt Ber­lins in der Har­zer Stra­ße in Neu­kölln, für das die Betrei­ber­fir­ma BNIG gGmbH 4,2 Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie erhal­ten habe – ohne dass das Land Ber­lin, wie Ada­mek anhand der Aus­sa­gen des Neu­köll­ner Bezirks­bür­ger­meis­ters Mar­tin Hikel und des Staats­se­kre­tärs Fal­ko Liecke dar­stellt, das ideo­lo­gi­sche Umfeld geprüft hät­te. Über das Han­dels­re­gis­ter rekon­stru­iert Ada­mek die Eigen­tü­mer­ket­te: BNIG gehö­re zu hun­dert Pro­zent dem Euro­pean Inter­cul­tu­ral Cen­ter (EIC), des­sen Geschäfts­füh­rer Moha­med Amer zugleich Vor­stand und Schatz­meis­ter des Moschee­ver­eins Torath e. V. an der­sel­ben Adres­se sei. Amer sei ein frü­he­rer Funk­tio­när des schii­ti­schen Ver­ban­des IGS und Trus­tee der Lon­do­ner Imam-Ali-Stif­tung; Torath bezeich­ne sich selbst als deut­sches »Ver­bin­dungs­bü­ro« des Großaya­tol­lah as-Sista­ni, die Imam-Ali-Stif­tung als das ent­spre­chen­de Büro für Euro­pa. Einen Mit­ge­sell­schaf­ter des EIC und Co-Trus­tee, Ali Lai­bi J. aus Mal­mö, bringt Ada­mek mit dem Kauf einer Kopen­ha­ge­ner Pri­vat­schu­le in Ver­bin­dung, in der Behör­den einem Medi­en­be­richt zufol­ge zum Dschi­had ermu­ti­gen­de Unter­richts­ma­te­ria­li­en gefun­den hät­ten. Den Kern sei­nes Vor­wurfs einer isla­mis­ti­schen Agen­da stützt Ada­mek auf ein online abruf­ba­res »reli­giö­ses Gut­ach­ten« zu den isla­mi­schen Beklei­dungs­vor­schrif­ten für Mäd­chen und Frau­en, das in »Abspra­che mit Ver­tre­tern der höhe­ren schii­ti­schen Auto­ri­tä­ten« in Deutsch­land ent­stan­den sei und Moha­med Amer – neben dem inzwi­schen abge­scho­be­nen Lei­ter des ver­bo­te­nen Isla­mi­schen Zen­trums Ham­burg (IZH), Muham­mad Hadi Mofatteh – selbst als eine sol­che Auto­ri­tät aus­wei­se. Unter­zeich­net hät­ten es unter ande­rem Amers Ver­ein Torath, das ver­bo­te­ne IZH und der schii­ti­sche Dach­ver­band IGS; ver­sandt an die Bun­des­tags­par­tei­en und das Büro der Deut­schen Islam­kon­fe­renz im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, habe Letz­te­res den Ein­gang bestä­tigt. Inhalt­lich datie­re das Gut­ach­ten die Reli­gi­ons­mün­dig­keit von Mäd­chen – und damit das Gebot der Ver­schleie­rung – auf knapp neun Jah­re. Amer lässt über sei­nen Anwalt mit­tei­len, er ken­ne das Schrei­ben nicht, habe nicht dar­an mit­ge­wirkt und mache es sich nicht zu eigen; die Nach­fra­ge, ob es sich dann um eine Fäl­schung han­de­le, gegen die er juris­tisch vor­ge­he, habe der Anwalt nicht beant­wor­tet.

Über die­ses Ver­bin­dungs­bü­ro ver­knüpft Ada­mek den Kita-Betrei­ber mit wei­te­ren Fat­was des Großaya­tol­lahs. Er führt as-Sista­nis Wür­di­gung des getö­te­ten Hiz­bull­ah-Chefs Hassan Nas­ral­lah als »ein­zig­ar­ti­gen Füh­rer« an sowie Rechts­gut­ach­ten, die ehe­li­chen Geschlechts­ver­kehr erst ab dem voll­ende­ten neun­ten Lebens­jahr für zuläs­sig erklä­ren und für dabei ver­ur­sach­te kör­per­li­che Schä­den ein »Blut­geld« vor­se­hen, Mus­li­men die Ehe mit jüdi­schen oder christ­li­chen Frau­en unter­sa­gen und für Schlä­ge gegen Frau oder Kind gestaf­fel­te Ent­schä­di­gungs­sät­ze fest­le­gen. Den Islam­wis­sen­schaft­ler Armin Eschraghi zitiert Ada­mek mit der Ein­schät­zung, vie­les davon ste­he nicht im Ein­klang mit den hie­si­gen Wer­ten und kön­ne, gestützt auf das Cha­ris­ma einer Auto­ri­tät wie as-Sista­ni, dazu füh­ren, dass Men­schen kri­mi­nel­les Han­deln reli­gi­ös recht­fer­tig­ten; eine glaub­wür­di­ge Distan­zie­rung sei daher uner­läss­lich. In sei­nem Anwalts­schrei­ben vom 27. Juni 2025 weist Amer jede Deu­tung zurück, er wür­de »Geschlechts­ver­kehr mit Kin­dern oder sonst Gewalt gegen Kin­der oder gegen Frau­en« dul­den oder beför­dern, und betont, sei­ne Man­dant­schaft sei seit über einem hal­ben Jahr­hun­dert von der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung über­zeugt; wie er zu den Fat­was sei­nes geist­li­chen Ober­haupts ste­he, sagt er nach Ada­meks Anga­ben jedoch nicht. Der Neu­köll­ner Bür­ger­meis­ter Hikel spricht von einem »Aya­tol­lah-Mind­set« im Wider­spruch zur demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung, Staats­se­kre­tär Liecke von »bein­har­ten« Kin­der­schutz­aspek­ten und »offen­sicht­lich Schwach­stel­len« im Sys­tem – die für den Bau zuge­sag­ten 4,2 Mil­lio­nen Euro lie­ßen sich gleich­wohl kaum noch ver­hin­dern.

Den zwei­ten Strang bil­det die staat­lich geför­der­te Isla­mi­sche Grund­schu­le Ber­lin, deren Trä­ger, der Ver­ein Islam-Kol­leg e. V., seit 2004 nach Ada­meks Recher­che öffent­li­che Mit­tel von rund 19,6 Mil­lio­nen Euro erhal­ten habe. Als Beleg für die Gesin­nung des Vor­sit­zen­den Bur­han Kesi­ci zitiert Ada­mek eine bis heu­te nicht wider­ru­fe­ne Haus­ar­beit Kesi­cis von 1996, in der es heißt, der Islam sehe »eine Ein­heit zwi­schen Staat und Reli­gi­on« vor. Hin­ter Schu­le und Ver­ein ste­he die Isla­mi­sche Föde­ra­ti­on Ber­lin, an die der Senat für die Orga­ni­sa­ti­on des Islam­un­ter­richts bis­lang über 25 Mil­lio­nen Euro gezahlt habe – obgleich ihr, so Ada­mek, meh­re­re vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­te­te Ver­ei­ne ange­hör­ten, dar­un­ter die Neu­köll­ner Begeg­nungs­stät­te, das Tei­ba-Kul­tur­zen­trum und der IGMG-Orts­ver­ein Wit­ten­au. Die Ver­schleie­rung die­ser Nähe illus­triert Ada­mek am Geschäfts­füh­rer des Islam-Kol­legs, Irfan Tas­ki­ran, der 2013 zurück­ge­tre­ten und drei Mona­te spä­ter zum Vor­sit­zen­den der Isla­mi­schen Gemein­schaft Mil­lî Görüş (IGMG) Ber­lin gewählt wor­den sei. Die IGMG ord­net Ada­mek mit dem Ver­fas­sungs­schutz dem lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus zu und nennt – als der Mil­lî-Görüş-Bewe­gung zuge­rech­net – die Erbak­an-Stif­tung und den Saa­det Euro­pa Regio­nal­ver­ein Ber­lin, deren Ori­en­tie­rung am tür­ki­schen Isla­mis­ten Nec­mett­in Erbak­an er mit einem von den Behör­den über­lie­fer­ten anti­se­mi­ti­schen Zitat belegt. Bil­dung, so Ada­meks Schluss­fol­ge­rung, sei damit von der Kita über die Schu­le bis zur Hoch­schu­le zu einem Feld stra­te­gi­scher Ein­fluss­nah­me gewor­den, auf dem Ber­lin als »Pro­to­typ der Unter­wan­de­rung« die­ne.

Vom Grund­buch­re­gis­ter, »Lieb­lings-Imam« und »Bun­des­muf­ti«

Wie Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen aus dem von ihm beschrie­be­nen Umfeld gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung und Zugang gewin­nen, zeigt Ada­mek an zwei unter­schied­lich gela­ger­ten Fäl­len – der eine über stil­le Eigen­tums- und Finan­zie­rungs­fra­gen, der ande­re über Ver­net­zung mit poli­ti­schen und kirch­li­chen Eli­ten.

Zur Neu­köll­ner Begeg­nungs­stät­te (NBS) mit ihrer Dar-Assa­lam-Moschee und ihrem Imam Moha­med Taha Sab­ri rekon­stru­iert er über Ver­eins- und Grund­buch­re­gis­ter: Für die Käu­fer­sei­te des von der Neu­apos­to­li­schen Kir­che erwor­be­nen Grund­stücks habe eine IGD-Funk­tio­nä­rin als Bevoll­mäch­tig­te unter­schrie­ben, und der Ver­mie­ter – der Ver­band Inter­kul­tu­rel­ler Zen­tren (VIZ) – sei per­so­nell mit der IGD ver­floch­ten, des­sen Vor­sit­zen­der Samir Falah zugleich El-Zayats Nach­fol­ger an der IGD-Spit­ze sei. Die Kalt­mie­te für das über 1000 Qua­drat­me­ter gro­ße Anwe­sen betra­ge nur 700 Euro, eine von Falah bestä­tig­te »sym­bo­li­sche Mie­te«; auf die Fra­ge nach aus­län­di­schen Geld­ge­bern habe Sab­ri 2017 ver­neint – was, wie Ada­mek fai­rer­wei­se fest­hält, nicht gelo­gen war, da er nach den lau­fen­den Kos­ten und nicht nach dem Kauf gefragt hat­te. Erst eine gemein­sa­me Recher­che von ARD-Maga­zi­nen und der Zeit för­der­te 2022 Vide­os der Qatar Cha­ri­ty zuta­ge, in denen Sab­ri sich dafür bedankt, dass »Men­schen aus Katar« 2007 den Groß­teil der Kauf­kos­ten über­nom­men hät­ten; ein Doku­ment der kata­ri­schen Eid Cha­ri­ty aus einem Daten­leck wei­se unter der Pro­jekt­num­mer 584 eine knap­pe Vier­tel­mil­li­on Euro für den Kauf »einer Kir­che in Ber­lin« aus, Emp­fän­ger sei der VIZ gewe­sen. 2018 habe die­ser der NBS ein vier­zig­jäh­ri­ges Erb­bau­recht ein­ge­räumt, unter­zeich­net von Sab­ri und der VIZ-Vor­sit­zen­den Hou­ai­da Tara­ji, einer frü­he­ren IGD-Funk­tio­nä­rin.

Die NBS sei zugleich Schau­platz einer struk­tu­rel­len Wei­chen­stel­lung: Am 12. März 2016 sei in ihren Räu­men der Fat­wa-Aus­schuss Deutsch­land als deut­sches Pen­dant zum Euro­päi­schen Fat­wa-Rat gegrün­det wor­den, mit Gelehr­ten aus dem In- und Aus­land bis hin zum Vor­sit­zen­den der kata­ri­schen Inter­na­tio­nal Union of Mus­lim Scho­lars; Sab­ri, der Gast­ge­ber, stell­te das aus­wei­chend als blo­ße Abstim­mung von Gebets­zei­ten dar. Dane­ben trägt Ada­mek Indi­zi­en aus Sab­ris Umfeld zusam­men: ein Foto mit der Vier-Fin­ger-Ges­te »R4bia« der ägyp­ti­schen Mus­lim­brü­der – für Sab­ri nur ein Pro­test­sym­bol gegen das Mas­sa­ker auf dem gleich­na­mi­gen Kai­ro­er Platz –, Auf­nah­men mit dem suda­ne­si­schen »Feld­mar­schall« Swar ad-Dahab von der als Hamas-Finan­zier sank­tio­nier­ten Uni­on of Good sowie Auf­trit­te radi­ka­ler Pre­di­ger wie des Sau­dis Muham­mad al-Ari­fi, bei dem 2009 der spä­te­re IS-Bil­dungs­mi­nis­ter Reda Seyam als Kame­ra­mann dabei gewe­sen sei. Sab­ri bestrei­tet die Vor­wür­fe oder will von den Hin­ter­grün­den nichts gewusst haben; al-Ari­fi auf­tre­ten zu las­sen, nennt er rück­bli­ckend »einen Feh­ler«. Zur Aus­ge­wo­gen­heit hält Ada­mek fest, dass Sab­ri Ter­ror und Selbst­mord­at­ten­ta­te öffent­lich ver­ur­tei­le, sich gegen anti­se­mi­ti­sche Vor­fäl­le stel­le, 2015 den Ber­li­ner Lan­des­ver­dienst­or­den erhal­ten habe und vom Neu­köll­ner Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten Arnold Men­gel­koch als »ver­läss­li­cher Part­ner« geschätzt wer­de, wäh­rend der frü­he­re SPD-Abge­ord­ne­te Erol Özka­ra­ca die per­so­nel­len Über­schnei­dun­gen mit der IGD für ein­deu­tig hält. Dass die NBS heu­te nicht mehr im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt steht, führt Ada­mek weni­ger auf ihre Unbe­denk­lich­keit als auf ein unzu­läng­li­ches Ver­fah­ren zurück: 2017 habe sie vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Strei­chung erwirkt, wäh­rend eine wei­te­re Beob­ach­tung aus­drück­lich zuläs­sig blei­be. Der Fall zei­ge vor allem, wie schwer sich die Nähe zum Geflecht der Mus­lim­bru­der­schaft ohne Mit­glie­der­lis­ten ein­deu­tig bestim­men las­se.

Der zwei­te Fall ver­schiebt den Blick von der Immo­bi­lie auf eine Per­son. Den Penz­ber­ger Imam Ben­ja­min Idriz, den der baye­ri­sche Ver­fas­sungs­schutz nach Ada­meks Anga­ben als »Anhän­ger der radi­kal-extre­mis­ti­schen Mus­lim­bru­der­schaft« geführt habe, beschreibt Ada­mek als einen der ver­sier­tes­ten Netz­wer­ker unter Deutsch­lands isla­mi­schen Akteu­ren. Für sein geplan­tes isla­mi­sches Zen­trum in Mün­chen habe Idriz das Mün­che­ner Forum für Islam mit einem rund vier­zig­köp­fi­gen Kura­to­ri­um auf­ge­baut, in dem Ada­mek eine bemer­kens­wer­te Ver­net­zungs­leis­tung sieht: neben dem CSU-Poli­ti­ker Alo­is Glück und dem frü­he­ren Münch­ner Ober­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Ude auch der EKD-Rats­vor­sit­zen­de und Lan­des­bi­schof Hein­rich Bedford-Strohm sowie ein Rab­bi­ner – und mit dem frü­he­ren bos­ni­schen Groß­muf­ti Mus­ta­fa Cerić eine zen­tra­le Figur des Euro­päi­schen Rats für Fat­wa und For­schung (ECFR), den der Ver­fas­sungs­schutz dem Geflecht der euro­päi­schen Mus­lim­bru­der­schaft zurech­ne. An einem ECFR-Tref­fen unter dem MB-Chef­ideo­lo­gen Yus­uf al-Qara­da­wi habe 2005 nach Anga­ben des baye­ri­schen Ver­fas­sungs­schut­zes auch Idriz teil­ge­nom­men, was die­ser bestrei­te. Zu Ada­meks wei­te­ren Bele­gen zäh­len in einem Gerichts­ver­fah­ren öffent­lich gewor­de­ne abge­hör­te Tele­fo­na­te sowie Idriz’ Aus­bil­dung an einem als Kader­schmie­de der Mus­lim­bru­der­schaft gel­ten­den Insti­tut. Gescha­det habe ihm das nicht: Im Okto­ber 2025 habe Idriz den Tho­mas-Deh­ler-Preis für einen »frei­heit­li­chen, dia­log­ori­en­tier­ten und inte­gra­ti­ons­freund­li­chen Islam« erhal­ten, die Lau­da­tio hielt die frü­he­re Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger. Ada­mek hält Idriz gleich­wohl vor, in einem Bei­trag zum zwei­ten Jah­res­tag des Hamas-Mas­sa­kers vom 7. Okto­ber 2023 – den Idriz als »größ­te jüdi­sche Tra­gö­die seit der Sho­ah« bezeich­net und als unis­la­misch ver­ur­teilt habe – zugleich zwei Nar­ra­ti­ve des Poli­ti­schen Islam zu bedie­nen, indem er Gaza als »größ­tes Frei­luft­ge­fäng­nis der Welt« beschrei­be und die Hamas-Herr­schaft samt kata­ri­scher Mil­lio­nen uner­wähnt las­se.

Deut­lich gewich­tet Ada­mek ein von Idriz publi­zier­tes Kon­zept für den »Islam von mor­gen«. An des­sen Spit­ze ste­he eine ein­zi­ge Dach­or­ga­ni­sa­ti­on, »Isla­mi­sche Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Deutsch­land« (IRD), in der nach Idriz’ Auf­zäh­lung Ver­bän­de von ATIB über die MB-nahe IGD und die IGMG bis zu DITIB, VIKZ, ZMD und schii­ti­schen Gemein­den auf­ge­hen soll­ten. Ein von Idriz ver­öf­fent­lich­tes Orga­ni­gramm sehe eine Hier­ar­chie vor: in Ber­lin ein »Bun­des­muf­ti« als Prä­si­dent, dar­un­ter »Lan­des­muf­tis«, Haup­tima­me und Ima­me, flan­kiert von einem par­al­lel auf­ge­bau­ten Bil­dungs­we­sen aus einer »Isla­mi­schen Theo­lo­gi­schen Fakul­tät«, isla­mi­schen Mit­tel­schu­len und dem Islam­un­ter­richt in Schu­len und Moscheen. Dar­in sieht Ada­mek einen Anwen­dungs­fall des Pro­gramms Qara­da­wis, der eine isla­mi­sche Ein­heit beschwö­re, »die ihre Freun­de unter­stüt­zen und ihre Fein­de abschre­cken« kön­ne. Idriz selbst ord­net das Papier nach Ada­meks Wie­der­ga­be als bloß »theo­re­ti­sche Über­le­gung« ein, mit der er die zer­split­ter­te Ver­bands­land­schaft habe über­win­den und den Dia­log zwi­schen Staat und Mus­li­men habe erleich­tern wol­len; es sei nie ernst­haft dis­ku­tiert wor­den, er hal­te die Idee wei­ter für »eine mög­li­che Opti­on, nicht für ein Dog­ma«. Auf man­che Fra­gen ant­wor­te­te Idriz aus­führ­lich, ande­re wies er nach Ada­meks Anga­ben zurück.

Staat­lich finan­zier­te NGO-Netz­wer­ke

In einem wei­te­ren detail­rei­chen Kapi­tel zeich­net Ada­mek ein Netz­werk um Tei­le der SPD, den Ber­li­ner Ver­ein Ins­san und die CLA­IM-Alli­anz nach. Er nennt die Kon­ver­ti­tin und SPD-Poli­ti­ke­rin Lydia Nofal, deren Diplom­ar­beit den Titel »Hamas zwi­schen Idea­lis­mus und Prag­ma­tis­mus« tra­ge und die das The­ma »Anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus« zu einer brei­ten Ver­net­zung und zur Ein­wer­bung von För­der­mit­teln zu nut­zen gewusst habe. 2022 habe der rot-rot-grü­ne Ber­li­ner Senat sie als Dele­gier­te des Ber­li­ner Islam­fo­rums in die Exper­ten­kom­mis­si­on zu anti­mus­li­mi­schem Ras­sis­mus beru­fen. In der­sel­ben Kom­mis­si­on saß nach Ada­meks Dar­stel­lung auch Moha­mad Haj­jaj, Ins­san-Geschäfts­füh­rer und zeit­wei­se zugleich stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des eben­falls als MB-nah gel­ten­den Tei­ba-Kul­tur­zen­trums. Selbst Haj­ja­js zeit­wei­li­ge Tätig­keit als Spre­cher der Paläs­ti­nen­si­schen Gemein­schaft Deutsch­land (PGD) – für den Ver­fas­sungs­schutz die »wich­tigs­te Orga­ni­sa­ti­on von Anhän­gern der Hamas in Deutsch­land« und damit gleich­sam deren poli­ti­scher Arm – habe sei­ne Beru­fung nicht ver­hin­dert. Die pro­ble­ma­ti­schen Ent­wick­lun­gen im SPD-Umfeld illus­triert Ada­mek an zwei Per­so­nen. Saw­san Che­b­li, deren Kon­takt zu Frank-Wal­ter Stein­mei­er er als Karriere-»Booster« beschreibt, sei zunächst Spre­che­rin des Aus­wär­ti­gen Amts gewe­sen, danach Bevoll­mäch­tig­te des Lan­des Ber­lin beim Bund und Staats­se­kre­tä­rin für Bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment und Inter­na­tio­na­les in der Ber­li­ner Senats­kanz­lei; inzwi­schen sei sie beruf­lich in Katar ange­sie­delt und arbei­te für die Media City in Doha. Aydan Özoğuz wie­der­um habe als Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung und stell­ver­tre­ten­de SPD-Bun­des­vor­sit­zen­de amtiert und sei von 2021 bis 2025 Vize­prä­si­den­tin des Deut­schen Bun­des­ta­ges gewe­sen. Sie ist für Ada­mek das »Para­de­bei­spiel für eine poli­ti­sche Spit­zen­kar­rie­re bei gleich­zei­ti­gem isla­mi­schem Lob­by­ing«. Immer wie­der, so Ada­mek, blitz­ten in ihrer Lauf­bahn radi­kal-isla­mi­sche Nar­ra­ti­ve auf: ein nach einem Pro­test­sturm gelösch­ter Post zum ira­ni­schen Rake­ten­an­griff auf Isra­el, ihre Mah­nung zu »Augen­maß« bei der Raz­zia gegen den IS-Rekru­tie­rer­ver­ein »Die wah­re Reli­gi­on«, ein mit »Das ist Zio­nis­mus« kom­men­tier­tes Foto eines beschos­se­nen Kran­ken­hau­ses; zudem ver­weist er auf ihre Brü­der Yavuz und Gür­han, die die vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­te­te Sei­te Muslim­Markt betrie­ben und enge Bezie­hun­gen zum ira­ni­schen Regime unter­hiel­ten. Özoğuz weist nach Ada­meks Anga­ben zurück, Anhän­ge­rin des Poli­ti­schen Islam zu sein und hat sich von den Akti­vi­tä­ten ihrer Brü­der distan­ziert. Bei einem Ziel aber, so Ada­meks Fazit, wirk­ten Nofal, Che­b­li und Özoğuz glei­cher­ma­ßen mit: dem Auf­bau steu­er­fi­nan­zier­ter Orga­ni­sa­tio­nen gegen den »Anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus«.

Den »Anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus« deu­tet Ada­mek als Kampf­be­griff und als eine der wir­kungs­volls­ten Lob­by­stra­te­gien des Poli­ti­schen Islam. Er ver­folgt des­sen Gene­se vom Run­ny­me­de Trust (1997) über die bri­ti­sche APPG-Defi­ni­ti­on (2018), deren Geld­ge­ber er beim öster­rei­chi­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Farid Hafez ver­or­tet, bis zu deut­schen För­der­struk­tu­ren; ana­ly­tisch stützt er sich auf den Phi­lo­so­phen Pas­cal Bruck­ner, der den Begriff als Mit­tel beschrei­be, den Islam einer Kri­tik zu ent­zie­hen. Hier führt er einen bis­lang kaum beach­te­ten Com­pli­ance-Fall an: Fer­da Ata­man habe in einem Gre­mi­um mit­ge­wirkt, das dem eige­nen Ver­ein Mit­tel zuge­spro­chen habe.

Brei­ten Raum gibt Ada­mek der Orga­ni­sa­ti­on Isla­mic Reli­ef, die er dem MB-Umfeld zuord­net – was die­se bestrei­tet. Als Beleg ver­weist er auf öffent­li­che Erkennt­nis­se der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den und auf eine Bun­des­tags­ant­wort von 2020, die »signi­fi­kan­te per­so­nel­le Ver­bin­dun­gen zur ›Mus­lim­bru­der­schaft‹ oder ihr nahe­ste­hen­der Orga­ni­sa­tio­nen« fest­hal­te; in Isra­el und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten sei die Orga­ni­sa­ti­on ver­bo­ten. Er bezif­fert die Über­wei­sun­gen des deut­schen Ver­eins an die Mut­ter­or­ga­ni­sa­ti­on Isla­mic Reli­ef World­wi­de zwi­schen 2011 und 2025 auf rund 152 Mil­lio­nen Euro und die staat­li­che För­de­rung auf rund 16 Mil­lio­nen Euro. Im Zen­trum steht die Beob­ach­tung, dass der dama­li­ge Außen­mi­nis­ter und heu­ti­ge Bun­des­prä­si­dent Stein­mei­er 2013 mit Amt und Gesicht für die Spen­den­ak­ti­on »Spei­sen für Wai­sen« gewor­ben habe – neben Aydan Özoğuz, Han­ne­lo­re Kraft, Malu Drey­er, Dilek Kolat und Mar­got Käß­mann. Ada­meks frü­he­re Recher­chen zu die­sem Kom­plex sind unter ande­rem in sei­nem Buch­aus­zug bei FOCUS online doku­men­tiert (LINK; archi­viert).

Den roten Faden sei­nes Buches bün­delt Ada­mek in einer Über­sicht der Steu­er­gel­der, die zwi­schen 2015 und 2025 an Ver­ei­ne und Ver­bän­de geflos­sen sei­en, die er dem Poli­ti­schen Islam zurech­net. Die fol­gen­de Aus­wahl gibt sei­ne Auf­stel­lung wie­der:

Emp­fän­gerFör­der­sum­meZweckAda­meks Anmer­kung
Isla­mi­sche Föde­ra­ti­on Ber­linrd. 26,7 Mio. €Orga­ni­sa­ti­on des Islam­un­ter­richtsvier Mit­glieds­ver­ei­ne frü­her wegen MB-Bezü­gen vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet
Isla­mi­sche Grund­schu­le Ber­linrd. 19,6 Mio. €Pri­vat­schul­för­de­rungVor­sit­zen­der des Trä­ger­ver­eins schrieb, der Islam sehe eine »Ein­heit zwi­schen Staat und Reli­gi­on« vor
Isla­mic Reli­ef16 Mio. €Pro­jek­te in Syri­enlaut Bun­des­re­gie­rung »signi­fi­kan­te per­so­nel­le Ver­bin­dun­gen zur ›Mus­lim­bru­der­schaft‹«
DITIB4,7 Mio. €Flücht­lings­hil­fefrü­he­re Spio­na­ge-Akti­vi­tä­ten von DITIB-Ima­men
BNIG gGmbH4,2 Mio. €Kita in Neu­köllnOber­haupt des Moschee­ver­eins an glei­cher Adres­se recht­fer­tig­te laut Ada­mek per Fat­wa Geschlechts­ver­kehr mit neun­jäh­ri­gen Mäd­chen; der Betrei­ber weist dies ent­schie­den zurück
Ins­sanrd. 1,43 Mio. €Flücht­lings­hil­fefrü­her wegen MB-Bezü­gen beob­ach­tet
Zen­tral­rat der Mus­li­me718.118 €Prä­ven­ti­onMit­glie­der waren die beob­ach­te­ten Ver­bän­de IGD und ATIB
Neu­köll­ner Begeg­nungs­stät­te366.860 €inter­re­li­giö­se Bil­dungfrü­her beob­ach­tet; »Nutz­nie­ßer von Mil­lio­nen­spen­de aus Katar«
Jung Mus­li­misch Aktiv (JUMA)rd. 201.000 €Pro­jekt­för­de­rungVer­bin­dun­gen zu Mil­lî Görüş, Auf­tritt des Sala­fis­ten Abdul Adhim Kamouss
IGS (schii­ti­sche Gemein­den)94.384 €Jugend­pro­grammDach­ver­band, gegrün­det vom 2025 ver­bo­te­nen Isla­mi­schen Zen­trum Ham­burg

In einer zwei­ten Auf­stel­lung zu NGOs nennt Ada­mek unter ande­rem die CLA­IM-Alli­anz (rd. 3,43 Mio. €), das Deut­sche Zen­trum für Inte­gra­ti­ons- und Migra­ti­ons­for­schung (rd. 3,64 Mio. €), die Neu­en Deut­schen Medi­en­ma­cher (rd. 1,64 Mio. €) und das Sati­re­pro­jekt Dat­tel­tä­ter (rd. 1,33 Mio. €). Er deu­tet die am 1. Janu­ar 2025 – kurz vor dem Bruch der Ampel – von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lisa Paus ver­län­ger­te För­der­richt­li­nie des Pro­gramms »Demo­kra­tie leben!« als Manö­ver, das lau­fen­de Zah­lun­gen über Jah­re fest­schrei­be und dem CDU-geführ­ten Nach­fol­ge­mi­nis­te­ri­um einen För­der­stopp erschwe­re.

Erdoğan, die DITIB und der »Gebur­ten-Dschi­had«

Erdoğan beschreibt Ada­mek als »Inkar­na­ti­on des Poli­ti­schen Islam« und erin­nert an des­sen Köl­ner Rede von 2008, in der Assi­mi­la­ti­on ein »Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit« genannt wor­den sei. Struk­tu­rell macht er die DITIB als ver­län­ger­ten Arm des tür­ki­schen Staa­tes aus: Über die Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net unter­ste­he sie unmit­tel­bar dem Staats­prä­si­den­ten, ihre Ima­me sei­en tür­ki­sche Staats­be­diens­te­te und gegen­über den Reli­gi­ons­at­ta­chés der Kon­su­la­te wei­sungs­ge­bun­den. Als Beleg führt Ada­mek nicht nur die Akten­la­ge an, son­dern auch ein klei­nes Detail aus dem Ver­eins­re­gis­ter: Ers­ter Tages­ord­nungs­punkt der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ber­li­ner DITIB-Lan­des­ver­bands sei »Koran­re­zi­ta­ti­on und Natio­nal­hym­ne« – Sinn­bild eines natio­na­lis­tisch ein­ge­färb­ten Poli­ti­schen Islam. Dass die­se Struk­tur miss­braucht wer­den kön­ne, lässt Ada­mek die Bun­des­re­gie­rung selbst bestä­ti­gen, die in einer Ant­wort auf eine Anfra­ge ein­räu­me, die Ent­sen­dung und Bezah­lung der Ima­me durch Anka­ra bie­te »grund­sätz­lich die Mög­lich­keit«, sie zu instru­men­ta­li­sie­ren; zugleich ver­fü­ge der Bund über kei­ne detail­lier­ten Kennt­nis­se der DITIB-Finan­zen, obwohl deren Moschee­ver­ei­ne steu­er­be­freit sei­en.

Den schärfs­ten Beleg sieht Ada­mek in der Spio­na­ge-Affä­re von 2016: Nach einer Anzei­ge des Grü­nen-Poli­ti­kers Vol­ker Beck hät­ten DITIB-Ima­me nach dem Putsch­ver­such in der Tür­kei dem Auf­ruf fol­gen sol­len, Anhän­ger der Gülen-Bewe­gung aus­zu­spä­hen; inter­ne Diya­net-Unter­la­gen deu­te­ten auf ein Netz­werk in meh­re­ren deut­schen Städ­ten sowie in der Schweiz, Öster­reich, den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en, mit nament­lich benann­ten Moschee­be­diens­te­ten. Diya­net habe die belas­te­ten Ima­me vor­zei­tig aus Deutsch­land abge­zo­gen, diplo­ma­ti­sche Fol­gen sei­en aus­ge­blie­ben. Hin­zu zeich­net Ada­mek eine Ket­te anti­se­mi­ti­scher Vor­fäl­le nach – die er den Recher­chen von Jour­na­lis­ten wie Fre­de­rik Schind­ler (WELT), Jac­que­line Drei­haupt (Hes­si­scher Rund­funk) und Eren Güver­cin (Alham­bra Gesell­schaft) zuschreibt: von einer 2015 von der Jüdi­schen Rund­schau doku­men­tier­ten Lis­te juden­feind­li­cher Zuschrei­bun­gen auf einer offi­zi­el­len tür­kisch­spra­chi­gen DITIB-Sei­te über die Hamas-nahen Posts der Ima­me Hasan Çağla­yan (Stutt­gart) und Mus­ta­fa Kes­kin (Göt­tin­gen) bis zur Ein­la­dung des Diya­net-Pre­di­gers Halis Ayd­emir nach Pader­born 2025. Die Islam­wis­sen­schaft­le­rin Susan­ne Schrö­ter hält Ada­mek zufol­ge den Ver­weis der DITIB auf »Ein­zel­mei­nun­gen« für unglaub­wür­dig, da der Ver­band hier­ar­chisch orga­ni­siert sei und Direk­ti­ven durch­set­zen kön­ne. Dass die­sel­be DITIB För­der­mit­tel erhal­te – 1,3 Mil­lio­nen Euro des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums für die Betreu­ung von Flücht­lin­gen – und in Län­dern wie Ham­burg Reli­gi­ons­un­ter­richt ertei­len dür­fe, wer­tet Ada­mek als Kern des Pro­blems; als pro­mi­nen­ten Kri­ti­ker aus dem rot-grü­nen Lager zitiert er Cem Özd­emir, der die DITIB eine »Art tür­ki­sche Pegi­da« genannt und davor gewarnt habe, »Erdoğans Ideo­lo­gie« über den Schul­un­ter­richt zu ver­brei­ten.

Inter­na­tio­nal ver­or­tet Ada­mek Erdoğan auf einer Ach­se mit der Mus­lim­bru­der­schaft: in der Unter­stüt­zung Katars 2017, in der Kon­do­lenz für den ver­stor­be­nen Chef­ideo­lo­gen Yus­uf al-Qara­da­wi und in der Zusam­men­ar­beit tür­ki­scher »Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen« wie der IHH mit des­sen Netz­wer­ken. Die Ter­ror-Fat­wa der Inter­na­tio­nal Uni­on of Mus­lim Scho­lars vom März 2025 könn­ten sich, so sei­ne Rech­nung, Gläu­bi­ge von mehr als 1400 Moscheen tür­ki­scher Prä­gung sowie wei­te­rer Ver­bän­de ange­spro­chen füh­len; auf sei­ne Fra­ge, ob sie der Fat­wa folg­ten, hät­ten DITIB, IGMG, ZMD, ATIB und DMG nicht geant­wor­tet. Schließ­lich deu­tet Ada­mek Erdoğans wie­der­hol­te Gebur­ten­ap­pel­le – »Macht nicht drei, son­dern fünf Kin­der, denn ihr seid die Zukunft Euro­pas« – als »Gebur­ten-Dschi­had«: weni­ger Ren­ten- als Macht­po­li­tik, die das Opfer­n­ar­ra­tiv der Mus­li­me in Euro­pa ver­stär­ke und die Segre­ga­ti­on ver­tie­fe. Stu­di­en der Uni­ver­si­tät Müns­ter, auf die er sich stützt, zeich­nen dabei ein dif­fe­ren­zier­tes Bild: Eine Mehr­heit der befrag­ten Mus­li­me tra­ge nur gerin­ge oder kei­ne Res­sen­ti­ments, doch eine Min­der­heit – ver­stärkt durch fun­da­men­ta­lis­ti­sche Les­ar­ten – sei anfäl­li­ger für Radi­ka­li­sie­rung.

Der Zehn-Punk­te-Plan

Im Resü­mee schließt Ada­mek sei­nen Zehn-Punk­te-Plan zur Ein­däm­mung des Poli­ti­schen Islam an, den er selbst als »Lack­mus­test« dafür benennt, wie ernst die Poli­tik das The­ma neh­me. Er for­dert: ers­tens die Been­di­gung der Finan­zie­rung von NGOs und Moschee­ver­ei­nen mit Bezug zum Poli­ti­schen Islam samt Wie­der­ein­füh­rung einer »Demo­kra­tie­er­klä­rung«; zwei­tens das Ende der Finan­zie­rung von For­schung und Pro­jek­ten gegen »Anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus« ein­schließ­lich der Mel­de­stel­len; drit­tens ein natio­na­les For­schungs- und Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Poli­ti­scher Islam; vier­tens eine erneu­te nach­rich­ten­dienst­li­che Beob­ach­tung des lega­lis­ti­schen Isla­mis­mus (Mus­lim­bru­der­schaft, DITIB, IGMG); fünf­tens erwei­ter­te Finanz­ermitt­lungs­be­fug­nis­se der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den und die Auf­he­bung des Steu­er­ge­heim­nis­ses für gemein­nüt­zi­ge Ver­ei­ne; sechs­tens die Abschaf­fung der Län­der­ver­trä­ge zum Islam­un­ter­richt und zur Ima­maus­bil­dung; sieb­tens einen Aus­bau der »Demo­kra­tie-Erzie­hung« an Schu­len; ach­tens ein Kopf­tuch­ver­bot für Amts­per­so­nen und für Schü­le­rin­nen bis 14 Jah­re; neun­tens die Blo­cka­de aus­län­di­scher isla­mis­ti­scher Inter­net- und Satel­li­ten­pro­gram­me; zehn­tens ein erwei­ter­tes Trans­pa­renz­re­gis­ter bei Immo­bi­li­en­käu­fen samt nach­rich­ten­dienst­li­cher Regel­an­fra­ge vor der Geneh­mi­gung. Den Schlüs­sel sieht Ada­mek in einem Zusam­men­spiel von Nach­rich­ten­diens­ten und Finanz­ermitt­lern, von Prä­ven­ti­on und Lehr­kräf­ten sowie im »poli­ti­schen Wil­len aller Par­tei­en«.

Kurz­be­wer­tung

Die Stär­ke des Buches liegt in sei­ner Mate­ri­al­ba­sis. Ada­mek arbei­tet mit Ori­gi­nal­do­ku­men­ten – dem »Vier­jah­res­plan« der Mus­lim­bru­der­schaft, behörd­li­chen Ein­schät­zun­gen, Vereins‑, Han­dels- und Grund­buch­ak­ten, par­la­men­ta­ri­schen Anfra­gen, Trus­tee-Regis­tern und abge­hör­ten Tele­fo­na­ten, die vor Gericht offen­ge­legt wur­den – und macht Struk­tu­ren kon­kret nach­voll­zieh­bar. Er benennt Akteu­re und Daten prä­zi­se, kon­fron­tiert die Genann­ten mit sei­nen Befun­den und doku­men­tiert deren Ant­wor­ten oder ihr Schwei­gen. Dar­in liegt der doku­men­ta­ri­sche Wert: Die Recher­che ist über­prüf­bar ange­legt, und gera­de das Bil­dungs­ka­pi­tel zeigt, wie eng Ada­mek vom ein­zel­nen Regis­ter­ein­trag zur struk­tu­rel­len Aus­sa­ge der Unter­wan­de­rung führt.

Zugleich ist »Unter­wan­de­rung« erklär­ter­ma­ßen in eini­gen Pas­sa­gen eine Streit­schrift. Der Ton ist zuge­spitzt und an meh­re­ren Stel­len pole­misch, und Ada­mek räumt selbst ein, dass Zuord­nun­gen wie »mus­lim­bru­der­nah« sein Wert­ur­teil sind – eine Ein­schrän­kung, die zen­tral bleibt, weil die betrof­fe­nen Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen, von Isla­mic Reli­ef über El-Zayat bis Idriz, die Nähe zur Mus­lim­bru­der­schaft bestrei­ten. Ein­zel­ne Bele­ge stüt­zen sich zudem auf nicht näher benann­te Quel­len aus Sicher­heits­be­hör­den.

Ins­ge­samt ist der Band ein fak­ten­rei­cher, dezi­diert urteils­star­ker Bei­trag von blei­ben­dem Grund­la­gen­wert zur Auf­klä­rung über die Bestre­bun­gen des Poli­ti­schen Islam in Deutsch­land.

Sascha Ada­mek: »Unter­wan­de­rung. Der Poli­ti­sche Islam wei­ter auf dem Vor­marsch«. Mün­chen (LMV), 2026, ISBN 978–3‑7844–3763‑7.