Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent Sinan Selen warnt vor isla­mis­ti­scher Unter­wan­de­rung der Poli­tik

Bei einem nichtöffentlichen parlamentarischen Frühstück im Bundestag hat der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, laut einem Bericht der BILD-Zeitung vom 3. Juni 2026 davor gewarnt, dass islamistische Organisationen versuchen, deutsche Institutionen und Parteien zu unterwandern. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand demnach die Muslimbruderschaft.
»Brisante Warnung vor Unterwanderung durch Islamisten – Verfassungsschutz-Chef ermahnt deutsche Politiker«: Titelgrafik des BILD-Artikels vom 3. Juni 2026. (Quelle: bild.de)

Die Ver­an­stal­tung fand laut der BILD-Zei­tung unter der Schirm­herr­schaft des Innen-Staats­se­kre­tärs Chris­toph de Vries (CDU) statt. Wie die Zei­tung unter Beru­fung auf meh­re­re Teil­neh­mer berich­tet, leg­te Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Sinan Selen den Schwer­punkt auf die Mus­lim­bru­der­schaft in Euro­pa und in Deutsch­land. Die Mus­lim­brü­der gin­gen nicht gewalt­tä­tig vor, sei­en jedoch nicht weni­ger gefähr­lich, weil sie ihre Zie­le beson­ders stra­te­gisch und lang­fris­tig ver­folg­ten. Die Isla­mis­ten ver­such­ten dem­nach gezielt, in die deut­schen Par­tei­en hin­ein­zu­wir­ken, um auf die­se Wei­se Staat und Gesell­schaft zu ver­än­dern. Dabei hiel­ten sie sich nach Selens Dar­stel­lung an die deut­schen Geset­ze – aller­dings nur so lan­ge, wie die­se mit der Scha­ria ver­ein­bar sei­en. Obers­tes Ziel der Unter­wan­de­rungs­ver­su­che sei eine Gesell­schaft, die nach Nor­men gestal­tet sei, die die Mus­lim­brü­der als isla­misch ver­stün­den.

Hin­ter­grund: die Mus­lim­bru­der­schaft

Die Mus­lim­bru­der­schaft ist eine Bewe­gung mit einem welt­wei­ten Netz­werk an Orga­ni­sa­tio­nen. Trotz Ver­bin­dun­gen zu Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen wie der paläs­ti­nen­si­schen Hamas ver­such­ten die Mus­lim­brü­der in Euro­pa, ihren Islam als welt­of­fen und tole­rant dar­zu­stel­len. Nach dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2024 gilt die »Deut­sche Mus­li­mi­sche Gemein­schaft e.V.« als wich­tigs­te und zen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on der Anhän­ger­schaft der Mus­lim­bru­der­schaft in Deutsch­land; der Bewe­gung wer­den rund 1.450 Per­so­nen zuge­rech­net, hin­zu kom­men Koope­ra­ti­ons­part­ner.

Das beschrie­be­ne Vor­ge­hen besteht laut Bericht dar­in, dass über ein ver­schach­tel­tes Netz­werk von Orga­ni­sa­tio­nen Kon­tak­te zu Poli­ti­kern geknüpft, um lang­fris­ti­ge Bezie­hun­gen auf­zu­bau­en. Ziel sei es, Amts­trä­ger im Sin­ne der Bewe­gung zu beein­flus­sen – etwa, sich gegen Kri­tik am Poli­ti­schen Islam zu posi­tio­nie­ren oder bei Isla­mis­mus weg­zu­schau­en.

Mehr zum The­ma:

  • Dos­sier zur Doku­men­ta­ti­on der Ver­an­stal­tung »Die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) – Agen­da, Struk­tu­ren und poli­ti­sche Ant­wor­ten« am 12. Sep­tem­ber 2025 im Wil­ly-Brandt-Haus in Ber­lin. You­Tube-Play­list anse­hen
  • »Poli­ti­scher Islam – eine hybri­de Bedro­hung Euro­pas. Der ›Civi­liza­ti­on Jihad‹ der Mus­lim­bru­der­schaft« (Nomos, 2026) von Hei­ko Hei­nisch, Nina Scholz und Gus­tav E. Gus­ten­au. Rezen­si­on lesen

Sor­ge um Kon­tak­te – Hin­weis auf das lin­ke Spek­trum

In Sicher­heits­krei­sen bestehe die Befürch­tung, dass Poli­ti­ker auch aus Unwis­sen­heit Kon­takt zu Per­so­nen auf­näh­men, die der Mus­lim­bru­der­schaft nahe­stün­den oder ihr ange­hör­ten. Offe­ner für eine sol­che Kon­takt­auf­nah­me sei­en dem Bericht zufol­ge vor allem Par­tei­en aus dem lin­ken Spek­trum – teils aus Unkennt­nis isla­mis­ti­scher Struk­tu­ren, teils aus einer aus Sicht der Behör­den falsch ver­stan­de­nen Tole­ranz.

Span­nung zur schrift­li­chen Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung

Selens münd­li­che War­nung steht in einem auf­fäl­li­gen Span­nungs­ver­hält­nis zu einer schrift­li­chen Aus­kunft der Bun­des­re­gie­rung von weni­gen Wochen zuvor. In ihrer Ant­wort vom 6. Mai 2026 auf eine Klei­ne Anfra­ge (Druck­sa­che 21/5840) bestä­tigt die Bun­des­re­gie­rung zwar Bestre­bun­gen isla­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen, die »lang­fris­tig das Ziel« ver­folg­ten, »gesell­schaft­lich und poli­tisch Ein­fluss zu neh­men«. Kon­kre­te Erkennt­nis­se zu einer Par­tei­en­un­ter­wan­de­rung ver­neint sie jedoch: »Zu einer geziel­ten Unter­wan­de­rung im Deut­schen Bun­des­tag ver­tre­te­ner Par­tei­en durch Mit­glie­der bzw. Anhän­ger isla­mis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen lie­gen der Bun­des­re­gie­rung der­zeit kei­ne Erkennt­nis­se vor.«

Bei­de Aus­sa­gen schlie­ßen sich nicht zwin­gend aus. Selen warn­te laut BILD-Zei­tung all­ge­mei­ner vor Unter­wan­de­rungs­ver­su­chen poli­ti­scher Insti­tu­tio­nen, wäh­rend die Regie­rung geziel­te Erfol­ge in den Bun­des­tags­par­tei­en ver­neint. Deut­lich fällt die Ant­wort dage­gen zur Mus­lim­bru­der­schaft aus: Deren Ziel sei ein Sys­tem auf Grund­la­ge von Koran und Sun­na, das »im Wider­spruch zur frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung« ste­he. Eine wei­ter­ge­hen­de Aus­kunft lehn­te die Bun­des­re­gie­rung »aus Grün­den des Staats­wohls« ab, um Rück­schlüs­se auf die Arbeits­wei­se des Ver­fas­sungs­schut­zes zu ver­mei­den.

Meh­re­re Teil­neh­mer der geschlos­se­nen Ver­an­stal­tung zeig­ten sich gegen­über BILD über­rascht ange­sichts der Dring­lich­keit von Selens Wor­ten, aber auch erfreut über des­sen Klar­heit.

Reak­tio­nen

  • Der Jour­na­list und Autor Sascha Ada­mek, der mit »Unter­wan­de­rung – Der Poli­ti­sche Islam wei­ter auf dem Vor­marsch« (LMV, 2026) aktu­ell ein eige­nes Buch zum The­ma vor­ge­legt hat, schrieb auf der Platt­form X: »Gut, dass der Ver­fas­sungs­schutz das The­ma Unter­wan­de­rung der Poli­tik ins Visier nimmt. Ich habe das auch getan und inves­ti­ga­tiv recher­chiert.«
  • Die Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin Nina Scholz ver­wies auf das gemein­sam mit Hei­ko Hei­nisch und Gus­tav Gus­ten­au ver­fass­te Buch »Poli­ti­scher Islam – eine hybri­de Bedro­hung Euro­pas. Der ›Civi­liza­ti­on Jihad‹ der Mus­lim­bru­der­schaft« (Nomos, 2026) und erklär­te: »Es freut mich natür­lich, wenn Sicher­heits­be­hör­den die Ana­ly­se unse­res Buches tei­len.«
  • Die Eth­no­lo­gin und Isla­mis­mus­for­sche­rin Susan­ne Schrö­ter sah sich in ihrer Posi­ti­on bestä­tigt. Sie schrieb: »Die Erkennt­nis kommt spät. Wer, wie ich und vie­le ande­re, seit Jah­ren genau dar­auf hin­ge­wie­sen hat, wur­de als anti­mus­li­mi­scher Ras­sist ver­ur­teilt und des Rechts­extre­mis­mus ver­däch­tigt. Hof­fen wir mal, dass aus der ver­spä­te­ten Erkennt­nis Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den. Ich wie­der­ho­le mei­ne The­se hier noch ein­mal: Isla­mis­mus ist die größ­te Bedro­hung für die Demo­kra­tie in Euro­pa.«
  • Die ira­nisch­stäm­mi­ge Publi­zis­tin Maral Sal­mas­si ord­ne­te die War­nung in eine län­ge­re His­to­rie ein: »Davor war­nen wir Ira­ner seit Jah­ren – und wer­den dafür von Links­extre­men und ihren isla­mis­ti­schen Freun­den als ›isla­mo­phob‹ dif­fa­miert.«
  • Der Psy­cho­lo­ge Ahmad Man­sour, Mit­glied des Bera­ter­krei­ses Isla­mis­mus­prä­ven­ti­on und Isla­mis­mus­be­kämp­fung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums, ver­wies auf die seit meh­re­ren Jah­ren vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen: »Die Unter­wan­de­rungs­be­stre­bun­gen des poli­ti­schen Islam sind seit Jah­ren sicht­bar – für alle, die hin­se­hen wol­len. Sie ste­hen in den Schrif­ten der Vor­den­ker der Mus­lim­bru­der­schaft, in Doku­men­ten, die das FBI bei sei­nen Ermitt­lun­gen sicher­stell­te, und seit Jah­ren in den Berich­ten des Ver­fas­sungs­schut­zes. Doch man­che in Deutsch­land haben sich ent­schie­den, lie­ber die War­ner als Panik­ma­cher und Islam­fein­de zu dif­fa­mie­ren. Eine trau­ri­ge Rea­li­tät.«


Filipp Pia­tov (3. Juni 2026): Ver­fas­sungs­schutz-Chef warnt vor Unter­wan­de­rung durch Isla­mis­ten. Beim Früh­stück im Bun­des­tag hin­ter ver­schlos­se­nen Türen. In: BILD. Online ver­füg­bar unter: LINK (archi­viert)