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Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­lî Görüş (IGMG): Ent­ste­hung, Ideo­lo­gie und Ein­fluss

Dieser Beitrag von Heiko Heinisch zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) ist Teil des Dossiers zur Dokumentation der Veranstaltung »Die Muslimbruderschaft (MB) – Agenda, Strukturen und politische Antworten« am 12. September 2025 im Willy-Brandt-Haus in Berlin.
Heiko Heinisch, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Dokumentationsstelle Politischer Islam (Österreichischer Fonds zur Dokumentation von religiös motiviertem politischem Extremismus) am 12. September 2025 im Willy-Brandt-Haus in Berlin auf der Veranstaltung »Die Muslimbruderschaft (MB) – Agenda, Strukturen und politische Antworten« (Bild: Philip Schunke / AK Polis)

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Ent­ste­hung und Wur­zeln

Die Isla­mi­sche Gemein­schaft Mil­li Görüş (IGMG) ist die größ­te isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on Deutsch­lands. Von ihrer Köl­ner Zen­tra­le aus kon­trol­liert und lei­tet sie ein welt­wei­tes Moscheen- und Ver­eins­netz­werk, das von Japan und Aus­tra­li­en über die Tür­kei und Euro­pa bis in die USA und nach Kana­da reicht. Die IGMG ist über­all aktiv, wo tür­ki­sche Mus­li­me leben. Sie wird von Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den der Mil­li-Görüs-Bewe­gung (MGB) zuge­rech­net und unter­liegt unter ande­rem in NRW der nach­rich­ten­dienst­li­chen Beob­ach­tung.

Ihre ideo­lo­gi­schen Wur­zeln hat sie in den 1930er- und 40er-Jah­ren in der Tür­kei. Nach­dem Mus­ta­fa Kemal, genannt Ata­türk, 1924 das Kali­fat abschaff­te und die einst mäch­ti­gen reli­giö­sen Kräf­te zurück­dräng­te, for­mier­te sich in den ver­bo­te­nen, aber im Unter­grund wei­ter akti­ven Sufi-Orden der Wider­stand gegen den Kema­lis­mus. Vor allem dem mäch­ti­gen Naq­schi­ban­di-Orden und sei­nem weit­ver­zweig­ten Netz­werk gelang es, den Wider­stand gegen die ver­hass­te lai­zis­ti­sche Repu­blik auf­zu­bau­en und vor­an­zu­trei­ben – intel­lek­tu­ell wie orga­ni­sa­to­risch.

Das kema­lis­ti­sche Moder­ni­sie­rungs­pa­ra­dig­ma betrach­te­te man als Ent­frem­dung von der eige­nen Kul­tur. Die Anleh­nung an den Wes­ten sei schuld am mora­li­schen Ver­fall sowie an der poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und mili­tä­ri­schen Schwä­che der Tür­kei. Die »Rück­kehr zum Selbst«, zum wah­ren Islam, wur­de zur Kern­for­de­rung der spä­te­ren Mil­li Görüş. Der Islam wur­de zum iden­ti­tä­ren Moment der Bewe­gung, die Re-Isla­mi­sie­rung der Tür­kei zu ihrem zen­tra­len Ziel. Wohin das führ­te, zeigt sich aktu­ell in der Tür­kei unter Erdoğan, dem poli­ti­schen Zieh­sohn des Mil­li-Görüş-Grün­ders Nec­mett­in Erbak­an.

Nec­mett­in Erbak­an und die İsk­end­erp­aşa-Gemein­de

Erbak­an (1926–2011) war Schü­ler des Naq­schi­ban­di-Scheichs Abdül­a­ziz Bek­ki­ne in Istan­bul, der in den 1940er-Jah­ren einen halb-klan­des­ti­nen Kreis von Schü­lern um sich ver­sam­melt hat­te. Benannt nach der Moschee, in der sie ihre Tref­fen abhiel­ten, wur­de die Grup­pe bald als İsk­end­erp­aşa-Gemein­de bekannt. Aus ihr soll­te die Mil­li-Görüş-Bewe­gung her­vor­ge­hen.

Als Erbak­an 1971 die ers­te Mil­li-Görüş-Par­tei grün­de­te, geschah dies mit aus­drück­li­cher Geneh­mi­gung des Nach­fol­gers von Scheich Bek­ki­ne, Scheich Meh­met Zahid Kot­ku. Der halb-klan­des­ti­ne Isla­mis­ten­zir­kel wag­te mit der Mil­li Nizam Par­ti­si (»Natio­na­le Ord­nungs­par­tei«) den Schritt in die Öffent­lich­keit. Sie wur­de nach nur einem Jahr ver­bo­ten, ihre Mit­glie­der reagier­ten dar­auf im Okto­ber 1972 mit der Grün­dung der Mil­li Sel­a­met Par­ti­si (»Natio­na­le Heil­s­par­tei«).

Spra­che und Sym­bo­lik der Par­tei

Bereits die Namens­ge­bung der Mil­li-Görüş-Par­tei­en mach­te deren reli­gi­ös-poli­ti­schen Anspruch nach außen gel­tend. Statt geläu­fi­ger tür­ki­scher Begrif­fe griff man auf tür­ki­sier­te ara­bi­sche Begrif­fe aus dem reli­giö­sen Kon­text zurück. Der Begriff nizam etwa ruft – im Gegen­satz zum säku­la­ren Begriff düzen – eine reli­gi­ös gepräg­te Vor­stel­lung von Gesell­schafts­ord­nung her­vor. Das glei­che gilt für den Begriff mil­li, der häu­fig mit »natio­nal« über­setzt wird, sei­ne Wur­zeln aber in den Mil­lets fin­det, den reli­giö­sen (Minderheits-)Gemeinschaften im Osma­ni­schen Reich. Natio­nal im moder­nen Sin­ne wür­de mit dem Begriff ulu­sal bezeich­net wer­den. Auch der Begriff sel­a­met bezieht sich auf eine reli­giö­se Vor­stel­lung von Erlö­sung und Heil.

Wäh­rend der fol­gen­den drei Jahr­zehn­te soll­te sich das Sche­ma »Mili­tär­in­ter­ven­ti­on – Ver­bot – kaum ver­schlei­er­te Neu­grün­dung« noch mehr­mals wie­der­ho­len.

Ers­te Struk­tu­ren in Deutsch­land

Zur sel­ben Zeit, Anfang der 1970er-Jah­re, grün­de­ten Anhän­ger Erbak­ans, die als Gast­ar­bei­ter nach Deutsch­land gekom­men waren, hier die ers­ten Moschee­ge­mein­den. Die­se Struk­tu­ren in Deutsch­land dien­ten poli­tisch zunächst vor allem der Unter­stüt­zung der Mut­ter­par­tei in der Tür­kei. Erst eine jün­ge­re Gene­ra­ti­on soll­te ab Ende der 1980er-Jah­re begin­nen, ihren Fokus Rich­tung Euro­pa zu ver­schie­ben.

Anfang der 2000er-Jah­re kam es zum Bruch zwi­schen der jun­gen Gar­de rund um Erdoğan und dem Grün­der­va­ter Erbak­an. Dabei ging es jedoch nicht um ideo­lo­gi­sche Fra­gen, son­dern um die Stra­te­gie der Bewe­gung. Die jun­ge Gar­de war den Zyklus aus Par­tei­ver­bot und Neu­grün­dung leid. Ihr Ziel war eine Volks­par­tei, die die isla­mis­ti­schen Dog­men nicht mehr so offen zeigt, um neu­er­li­chen Ver­bo­ten zu ent­ge­hen.

Wäh­rend Erbak­an 2001 die Saa­det Par­ti­si (»Glück­se­lig­keits­par­tei«) grün­de­te, ging die jun­ge Gar­de mit der AKP (Ada­let ve Kal­kın­ma Par­ti­si, also »Par­tei für Gerech­tig­keit und Auf­schwung«) an den Start und errang bereits bei den nächs­ten Wah­len 2002 einen Erd­rutsch­sieg.

Die IGMG-Füh­rung in Deutsch­land blieb jedoch die nächs­ten zehn Jah­re treu an der Sei­te Erbak­ans, wäh­rend unter den Mit­glie­dern – ana­log zur Tür­kei – eine Absetz­be­we­gung Rich­tung AKP zu beob­ach­ten war. Erst mit dem Tod Erbak­ans im Jahr 2011 konn­te die Spal­tung auf­ge­ho­ben wer­den. Die IGMG steht seit­her weit­ge­hend geschlos­sen an der Sei­te von AKP und Erdoğan.

Die drei Säu­len der Ideo­lo­gie

Die von Erbak­an geschaf­fe­ne Ideo­lo­gie, die von der IGMG bis heu­te geteilt wird, umfasst drei Säu­len:

  • Isla­mis­mus: Ziel ist eine isla­mi­sier­te Welt unter einem osma­ni­schen Kali­fat. Damit ver­bun­den ist eine tie­fe Abnei­gung gegen­über dem Wes­ten, gegen­über den USA und der EU, in der Erbak­an ein »Kon­strukt der Zio­nis­ten« sah, ein »Mit­tel zur Siche­rung der Welt­herr­schaft der Juden«.
  • Neo-Osma­nis­mus: Die Idee der Wie­der­errich­tung des Osma­ni­schen Reichs wird als tür­kisch-isla­mi­sche Syn­the­se auf­ge­grif­fen.
  • Anti­se­mi­tis­mus: Die­ser zieht sich wie ein roter Faden durch das gesam­te Den­ken Erbak­ans. An tat­säch­lich allem sei­en angeb­lich die Juden schuld. Nach­dem Erbak­ans Plan schei­ter­te, in den 1950er-Jah­ren eine tür­ki­sche Moto­ren- und Auto­fa­brik (Gümüş Motor) auf­zu­bau­en, war dar­an – so wird es noch heu­te inner­halb der Mil­li Görüş erzählt – ein Jude schuld, der den indus­tri­el­len Auf­schwung der Tür­kei habe ver­hin­dern wol­len. Noch im Jahr vor sei­nem Tod sag­te Erbak­an in einem Inter­view mit der WELT: »Seit 5700 Jah­ren regie­ren Juden die Welt. Es ist eine Herr­schaft des Unrechts, der Grau­sam­keit und der Gewalt.«

Spal­tun­gen und Reor­ga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land

In den 1980er-Jah­ren radi­ka­li­sier­te sich ein gro­ßer Teil der deut­schen Mil­li Görüş in der von der ira­ni­schen Revo­lu­ti­on inspi­rier­ten Kali­fats­be­we­gung von Cema­led­din Kaplan. Beim Bruch zwi­schen der Kali­fats­be­we­gung und der Mil­li Görüş, die damals noch den Namen Isla­mi­sche Uni­on trug, schlos­sen sich im Jahr 1983 rund zwei Drit­tel der Mil­li-Görüş-Moschee­ge­mein­den der Kali­fats­be­we­gung an. Der Isla­mi­schen Uni­on droh­te der Bedeu­tungs­ver­lust.

Dar­auf­hin unter­nahm die Mil­li Görüş in Deutsch­land eine Reor­ga­ni­sa­ti­on. Seit 1995 ver­fügt sie über zwei Stand­bei­ne: die IGMG als reli­gi­ös-poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on und die Euro­päi­sche Moschee­bau- und Unter­stüt­zungs­ge­mein­schaft (EMUG), in der das gesam­te Immo­bi­li­en­ver­mö­gen ver­wal­tet wird. Die­se Struk­tur fin­det sich in ähn­li­cher Form in allen Län­dern, in denen die IGMG tätig ist.

Bezie­hun­gen zur Mus­lim­bru­der­schaft

Ende der 1980er-Jah­re inten­si­vier­ten sich die Bezie­hun­gen zur euro­päi­schen Mus­lim­bru­der­schaft. In der Dia­spo­ra ent­deck­te man sozu­sa­gen die Umma, die Gemein­schaft der Mus­li­me, neu. Ibra­him el-Zayat, eine der zen­tra­len Figu­ren der Mus­lim­bru­der­schaft in Euro­pa, war jah­re­lang Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter der EMUG. Der Jugend­ver­band der IGMG ist Mit­glied im Forum of Euro­pean Mus­lim Youth and Stu­dent Orga­niza­ti­ons (FEMYSO), dem Jugend- und Stu­den­ten­ver­band der Mus­lim­bru­der­schaft. IGMG-Mit­glie­der wer­den am Insti­tut Euro­pé­en des Sci­en­ces Humain­es (IESH) (»Euro­päi­sches Insti­tut für Geis­tes­wis­sen­schaf­ten«) bei Châ­teau-Chi­non aus­ge­bil­det, und ein Ver­tre­ter der IGMG sitzt im von der Mus­lim­bru­der­schaft gegrün­de­ten euro­päi­schen Fat­wa-Rat.

Die Beer­di­gung Erbak­ans 2011 in der Tür­kei war ein Stell­dich­ein hoch­ran­gi­ger inter­na­tio­na­ler Ver­tre­ter der Mus­lim­bru­der­schaft, der Mil­li Görüş, der Saa­det Par­ti­si und der AKP, an der auch Erdoğan per­sön­lich teil­nahm. Unter den Gäs­ten befan­den sich etwa Rached al-Ghan­nou­chi, Füh­rer der tune­si­schen Mus­lim­bru­der­schaft, Yus­uf Nada, ein in der Schweiz leben­der Funk­tio­när der Bru­der­schaft, Saad Katat­ni, Mit­glied des Füh­rungs­ra­tes der Bru­der­schaft in Ägyp­ten, der schon erwähn­te Ibra­him el-Zayat und Ayman Ali. Letz­te­rer lei­te­te in Graz die Liga Kul­tur, eine Orga­ni­sa­ti­on aus dem Netz­werk der Bru­der­schaft, und war gleich­zei­tig Gene­ral­se­kre­tär der euro­päi­schen Dach­or­ga­ni­sa­ti­on der Mus­lim­bru­der­schaft, der Fede­ra­ti­on of Isla­mic Orga­ni­sa­ti­ons in Euro­pe (FIOE).

Was macht die IGMG zu einer pro­ble­ma­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on?

Zunächst ist ihre Ideo­lo­gie zu nen­nen, die isla­mis­tisch und anti­se­mi­tisch ist. Bis heu­te wer­den am Todes­tag Erbak­ans, am 27. Febru­ar, welt­weit Gedenk­ver­an­stal­tun­gen von der IGMG orga­ni­siert. Erbak­an wird orga­ni­sa­ti­ons­in­tern wie ein Hei­li­ger ver­ehrt.

Über den Buch­han­del der IGMG, Plu­ral Publi­ca­ti­ons, wer­den neben Wer­ken Erbak­ans auch eine gan­ze Rei­he von hagio­gra­phi­schen Büchern über Erbak­an ver­trie­ben. Titel wie »Erbak­an – Der ver­ehr­te Vor­sit­zen­de«, »Erbak­an – Die ers­te Blu­me des Früh­lings« oder »Erbak­an – Der Leh­rer von allen« las­sen nicht auf eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Erbak­an und sei­nem isla­mis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Erbe schlie­ßen.

Hin­zu kommt die enge Anbin­dung an die tür­ki­sche Regie­rung und die Regie­rungs­par­tei AKP, aber auch an die noch immer exis­tie­ren­de Saa­det Par­ti­si. Man­che hoch­ran­gi­gen Ver­tre­ter der IGMG, wie etwa der ehe­ma­li­ge Gene­ral­se­kre­tär Mus­ta­fa Yeneroğ­lu (2014–2015), set­zen ihre Kar­rie­re als Abge­ord­ne­te der AKP im tür­ki­schen Par­la­ment fort. AKP-Poli­ti­ker machen in Deutsch­land mit Unter­stüt­zung durch die IGMG Wahl­wer­bung für die AKP. Spit­zen­per­so­nal der IGMG ist regel­mä­ßig zu Gast beim tür­ki­schen Prä­si­den­ten Erdoğan und nahm an Wahl­ver­an­stal­tun­gen der AKP teil.

Zu den Ver­bin­dun­gen der Mil­li Görüş zur tür­ki­schen Regie­rung unter Erdoğan gehö­ren auch jene zum 2010 gegrün­de­ten Prä­si­di­um für Aus­land­s­tür­ken und ver­wand­te Gemein­schaf­ten (YTB) und zur staat­li­chen Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net.

In der Tür­kei selbst hat unter Erdoğan eine schlei­chen­de, aber sicht­ba­re Isla­mi­sie­rung von Staat und Gesell­schaft ein­ge­setzt. Ange­fan­gen bei der staat­li­chen Reli­gi­ons­be­hör­de Diya­net, die ursprüng­lich unter Mus­ta­fa Kemal ein­ge­führt wur­de, um die Reli­gi­on zu kon­trol­lie­ren. Unter Erdoğan wur­de sie – und das ist für Deutsch­land rele­vant, weil es neben der IGMG auch den größ­ten Moschee­ver­band, die DITIB, betrifft – nach und nach von der Mil­li Görüş über­nom­men. Der aktu­el­le Prä­si­dent der Diya­net, Ali Erbaş, ist wie Erdoğan ein Mann der Mil­li Görüş. Nicht erst in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren seit dem Ter­rorüber­fall der Hamas auf Isra­el am 7. Okto­ber 2023 fie­len bei­de immer wie­der durch extrem anti­se­mi­ti­sche Aus­sa­gen auf.

Struk­tu­ren und Ein­fluss in Deutsch­land

Wie erwähnt, befin­det sich in Köln die Welt­zen­tra­le der IGMG. Von hier wer­den 520 Moscheen welt­weit gesteu­ert – 323, also drei Fünf­tel davon, befin­den sich in Deutsch­land. Hin­zu kom­men Frauen‑, Jugend‑, Schüler‑, Bildungs‑, Kul­tur- und Sport­ver­ei­ne. Ins­ge­samt bie­tet die IGMG ihre Dienst­leis­tun­gen in 2.330 Zweig­stel­len welt­weit an. Aber der Schwer­punkt ihrer Arbeit liegt in Deutsch­land.

Gan­ze Gene­ra­tio­nen tür­kei­stäm­mi­ger Kin­der und Jugend­li­cher wer­den mit der isla­mis­ti­schen Ideo­lo­gie und mit Anti­se­mi­tis­mus indok­tri­niert. Was das bedeu­tet, konn­ten wir in einer IGMG-Moschee in Wien beob­ach­ten. An die Jugend­li­chen gewen­det sag­te der Imam:

»Gehen wir kei­ne Freund­schaf­ten mit den­je­ni­gen ein, die nichts mit dem Herrn zu tun haben wol­len. […] Denn was pas­siert, wenn man die genieß­ba­re Hälf­te eines Apfels mit der ver­faul­ten Hälf­te eint? Dann saugt der genieß­ba­re Teil den Gestank der ande­ren Hälf­te auf und ver­fault eben­falls. Daher ist äußers­te Vor­sicht gebo­ten, wer­te Jugend­li­che.«

Wir kön­nen davon aus­ge­hen, dass wir – die wir hier heu­te im Wil­ly-Brandt-Haus ver­sam­melt sind – von der IGMG als fau­li­ge Hälf­te des Apfels betrach­tet wer­den.

Hand­lungs­op­tio­nen: Was tun?

Zu den Hand­lungs­op­tio­nen des deut­schen Staa­tes soll­te prio­ri­tär gehö­ren: Kei­ne För­der­mit­tel an eine Orga­ni­sa­ti­on wie die IGMG und kei­ne Zusam­men­ar­beit staat­li­cher Stel­len, die zu ihrer Legi­ti­mie­rung und Stär­kung ihrer poli­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­kei­ten bei­trägt. Das heißt unter ande­rem: Kei­ne Staats­ver­trä­ge mit dem Ver­band­s­is­lam (wie in Ham­burg), sofern er nicht zwei­fels­frei auf dem Boden der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung steht.

Dar­über hin­aus ist es drin­gend not­wen­dig, dass in Deutsch­land eine For­schungs­stel­le zum Poli­ti­schen Islam ein­ge­rich­tet wird (vgl. zu Öster­reich dokumentationsstelle.at). Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat sich in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren zu einem Zen­trum des Poli­ti­schen Islams und sei­ner Orga­ni­sa­tio­nen in Euro­pa ent­wi­ckelt. Den­noch fehlt es bis heu­te an Insti­tu­tio­nen, die die­sen Phä­no­men­be­reich sys­te­ma­tisch unter­su­chen und die Ergeb­nis­se der Öffent­lich­keit für den poli­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess zur Ver­fü­gung stel­len.

Ein wei­te­res Pro­blem ist der man­geln­de Wis­sens­stand poli­ti­scher Ent­schei­dungs­trä­ger. Es gibt die Ten­denz, dass Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den Namen ver­fas­sungs­feind­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen und Ent­wick­lun­gen im isla­mis­ti­schen Spek­trum nicht mehr so kon­kret benen­nen wie frü­her. Zudem ent­steht der Ein­druck, dass fun­dier­te Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­te von der Poli­tik und den Ver­wal­tun­gen auf den Ebe­nen von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen – aber auch von wei­te­ren Akteu­ren wie Hoch­schu­len, Kir­chen und Sport­ver­bän­den – nicht wahr­ge­nom­men wer­den. Anders wäre der kon­ti­nu­ier­li­che Kon­takt ihrer Ver­tre­ter mit vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­te­ten Orga­ni­sa­tio­nen und sogar mit Akteu­ren aus den Netz­wer­ken ver­bo­te­ner Orga­ni­sa­tio­nen kaum erklär­bar.

Die Poli­tik soll­te alles dar­an­set­zen, dass Deutsch­land nicht zu einem Eldo­ra­do für lega­lis­tisch arbei­ten­de isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen wird. Denn deren Ver­tre­ter sind kei­ne Demo­kra­ten, son­dern ver­fol­gen kon­se­quent das Ziel, Mus­li­me zu radi­ka­li­sie­ren und von den frei­en, plu­ra­lis­ti­schen und demo­kra­ti­schen Gesell­schaf­ten des Wes­tens zu ent­frem­den.

Wie ernst die­se Gefahr ist, sei anhand von pro­gram­ma­ti­schen Aus­sa­gen zwei­er füh­ren­der Ideo­lo­gen ver­deut­licht:

  • Yus­uf al-Qara­da­wi, bis zu sei­nem Tod 2022 einer der wich­tigs­ten Vor­den­ker der Mus­lim­bru­der­schaft, erklär­te: »Einer der größ­ten Erfol­ge unse­rer Orga­ni­sa­ti­on war es, für die islam­kon­for­me Erzie­hung gan­zer Gene­ra­tio­nen gesorgt zu haben.«
  • Der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdoğan sprach offen vom Ziel, eine »from­me Gene­ra­ti­on« her­an­zu­zie­hen.

Fazit: Wenn die Men­schen in Deutsch­land und in Euro­pa zukünf­tig in frei­en Gesell­schaf­ten leben wol­len, müs­sen sie den Plä­nen poli­tisch-isla­mi­scher Ideo­lo­gen wie der IGMG in meh­re­ren Berei­chen ent­schie­den ent­ge­gen­tre­ten – poli­tisch, recht­lich, wis­sen­schaft­lich und gesell­schaft­lich.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen

Hei­ko Hei­nisch, Mit­glied des wis­sen­schaft­li­chen Bei­ra­tes der Doku­men­ta­ti­ons­stel­le Poli­ti­scher Islam (Öster­rei­chi­scher Fonds zur Doku­men­ta­ti­on von reli­gi­ös moti­vier­tem poli­ti­schem Extre­mis­mus) am 12. Sep­tem­ber 2025 im Wil­ly-Brandt-Haus in Ber­lin auf der Ver­an­stal­tung »Die Mus­lim­bru­der­schaft (MB) – Agen­da, Struk­tu­ren und poli­ti­sche Ant­wor­ten« (Bild: Phil­ip Schun­ke / AK Polis)

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