Die Akzeptanzkampagne wird in ihrer privat finanzierten Staffel 1 von dem Mernissi-de Gouges Bildungswerk, der Ibn Rushd-Goethe-Moschee und dem Arbeitskreis Politischer Islam (AK Polis) gemeinsam umgesetzt. Im Interview erläutert Seyran Ateş die Idee hinter der Aktion und den vier Motiven:
- eine Muslimin in einer interkulturellen Familie,
- ein schwules muslimisches Paar,
- ein Muslim, der Anisschnaps trinkt (»Rakı«),
- eine muslimische Lehrerin ohne Kopftuch.
Heute berichtet das @ZDF über die von uns unterstützte Akzeptanzkampagne »Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin« zur Vielfalt und Selbstbestimmung im Islam.
— AK Polis | Arbeitskreis Politischer Islam (@AK_Polis) May 8, 2026
Seyran Ateş und Tugay Saraç haben mit dem Mernissi-de Gouges Bildungswerk, der Ibn Rushd-Goethe-Moschee und dem AK Polis ein…
Mit ihrem Bekenntnis zur individuellen Glaubensfreiheit und Selbstbestimmung positionieren sich die gezeigten Personen gegen islamistische Normierungs- und Machtansprüche, so Ateş. Im Beitrag wird auch erwähnt, dass die Bilder KI-generiert seien, weil sich trotz Anfragen niemand für die Bildmotive zur Verfügung stellen wollte, auch aus Angst vor Bedrohung durch andere Muslime. Die Kampagne durchbreche laut Beitrag eine mediale Darstellung von muslimischem Leben, die oft beschränkt bleibe auf Symbole der Frömmigkeit, wie Kopftuch, Moschee oder Gebetskette. Ateş begründet den Alkoholkonsum damit, dass der maßvolle Genuss von Rakı zur muslimischen Kultur der Türkei gehöre und Weinbau auch in Ländern wie Tunesien oder Marokko eine gesellschaftliche Realität sei.
Die Bestsellerautorin Sineb El Masrar erkennt sich und andere Musliminnen und Muslime aus ihrem Umfeld in den Motiven wieder. Viele Musliminnen und Muslime empfänden die Motive in Deutschland als normal, aber ein Teil reagiere aggressiv, und das habe einen Grund: »Es triggert, weil diese Plakate, diese Lebensmodelle, die ja gelebt werden von einem Teil der Muslime, diesen Menschen nochmal vor Augen führen, dass sie sich nicht aus dem Korsett der Unfreiheit, der fehlenden Selbstbestimmung tatsächlich befreien können.« Seyran Ateş habe da etwas Gutes angestoßen.
Auch der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Burhan Kesici, kommt ausführlich zu Wort. Größter Mitgliedsverband des Islamrats ist die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als »aktuell größte islamistische Organisation in Deutschland« eingestuft wird. Kesici bezeichnet in dem ZDF-Beitrag die Motive der Kampagne als »Abnormalitäten« und behauptet ohne nähere Belege, die Kampagne sei »staatlich finanziert«. Er sagt (13:48): »Ich kann ja nicht für die Muslime sprechen oder sagen, sie sind Muslim oder nicht – sondern ich kann nur sagen, dass das, was dort abgebildet ist, nicht der islamischen Norm entspricht.«
In der Gesamtschau macht dieser Beitrag unterschiedliche Positionen zur Vielfalt im Islam sichtbar und thematisiert innerislamische Konfliktlinien. Der vollständige Beitrag des ZDF kann hier angesehen werden: