»Islamic Relief Deutschland« ist eine Organisation aus dem Umfeld der extremistischen Muslimbruderschaft – das ist behördlich vielfach dokumentiert und war im Auswärtigen Amt bekannt. Trotzdem förderte das Amt Projekte von Islamic Relief Deutschland über Jahre hinweg mit rund 15 Millionen Euro Steuergeld. In seinem kürzlich veröffentlichten Prüfbericht spricht der Bundesrechnungshof von einem »Blindflug«: ignorierte Warnungen, vernichtete Akten, verschleppte Prüfungen und verschwendete Steuergelder – ein Ministerium, das Warnhinweise und die eigene Weisungslage missachtete. Der Bericht war lange unter Verschluss; erst eine Klage hat ihn nach mehreren Jahren mit Schwärzungen ans Licht gebracht.
Laut Verfassungsschutz bestehen »nach wie vor signifikante personelle Verflechtungen zwischen Islamic Relief Deutschland und der Muslimbruderschaft«.
Die Veranstaltung führt vom »Blindflug« zur Transparenz: Sie diskutiert die Befunde erstmals öffentlich und will strukturelle Lehren ziehen. Eine verantwortungsvolle Förderpraxis muss Risikominimierung, humanitäre Wirksamkeit und Rechenschaftspflicht miteinander verbinden – auch im Sinne der Sicherheit derer, die davon in der Region betroffen sind: Israel ebenso wie die Minderheiten in der Region, etwa Kurden, Jesiden und Christen. Die „Aktion Deutschland Hilft” hat die Mitgliedschaft von Islamic Relief Deutschland Anfang Juni 2026 beendet. Warum ist Islamic Relief trotz dieser Erkenntnisse noch Mitglied im »Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe« der Bundesregierung und wird vom Berliner Senat gefördert? Und wie ordnen sich die deutschen Befunde in die Debatten in der EU, in Israel und in den USA ein? Diese führen von der fortbestehenden »Certified Humanitarian Partner«-Anerkennung bei »DG ECHO« und der Förderung bei Erasmus+ über die sicherheitspolitischen Bewertungen aus Jerusalem bis zur geplanten Trennung von Islamic Relief USA von der Mutterorganisation in Großbritannien.
Programm
15:00 Uhr | Begrüßung | Seyran Ateş, Juristin und Autorin
15:10 Uhr | Vom Antrag zur Akteneinsicht – ein Lehrstück über Informationsfreiheit | Prof. Dr. Jessica Hamed, Direktorin des Instituts für Weltanschauungsrecht
15:20 Uhr | Zweifel und Bestätigung – Auswertung des Prüfberichts | Sigrid Herrmann, Islamismusexpertin
15:35 Uhr | Frank-Walter Steinmeier und die Rolle prominenter Unterstützer: Offene Fragen eines Journalisten | Sascha Adamek, Investigativjournalist und Autor
15:50 Uhr | Finanzielle Hilfen in Krisen- und Kriegsregionen: Risiken erkennen, Risiken minimieren | Dr. Hans-Jakob Schindler, Senior Director, Counter Extremism Project (CEP)
16:00 Uhr | Pause
16:15 Uhr | Podiumsrunde mit Publikumsfragen
- Dr. Remko Leemhuis, Direktor des AJC Ramer Institute for German-Jewish Relations Berlin
- Michael Roth (SPD), Staatsminister a. D. (Auswärtiges Amt 2013 bis 2021) und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages (2021 bis 2025)
- Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland
- Dr. Lorenzo Vidino, Direktor des Program on Extremism at The George Washington University
Moderation: Seyran Ateş
17:15 Uhr | Abschluss und Ausblick
Veranstalter sind das Mernissi-de Gouges Bildungswerk, das AJC Ramer Institute for German-Jewish Relations Berlin, Honestly Concerned und der AK Polis – Arbeitskreis Politischer Islam.
Ort: Ottostraße 16, 10555 Berlin
Zeit: Mittwoch, 24. Juni 2026, 15:00 Uhr
Einlass: 14:30 Uhr | Beginn: 15:00 Uhr | Ende: 17:30 Uhr
Anmeldung bis 23. Juni 2026 auf ak-polis.de über das Anmeldeformular
Teilnahme nur mit Anmeldebestätigung!
